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Wenn es ruckelt und bebt, fallen Häuser reihenweise in sich zusammen. Alle? Nicht alle! Bauingenieure der Universität Wuppertal haben ein Konzept entwickelt, wie Häuser in Entwicklungsländern erdbebensicher und bezahlbar gebaut werden können - nach dem Muster deutscher Fachwerkhäuser.

Das Prinzip ist simpel, wie Georg Pegels, Professor der Bauinformatik an der Universität Wuppertal, erklärt: Die Fachwerk-Bauweise hat ein Element, das andere Bauweisen nicht haben. Sie hat diagonale und x-förmige Stäbe. "Diese Stäbe sind entscheidend bei Erdbeben."
Normale Häuser in Massivbauweise halten Erdbeben nur schlecht stand. Das Auf und Ab sei nicht das Problem, erklärt Georg Pegels. Aber bei Erdbeben ruckelt es eben auch hin und her. Diese Stöße seien die gefährlichen. "Das einzige Bauelement, das diesen Lasten gewachsen ist, ist die Diagonale."
Das Forschungsprojekt:
Anlass war das schwere Erdbeben im iranischen Bam im Jahr 2003. Tausende Menschen starben, fast 100.000 Iraner wurden obdachlos. Daraufhin entwickelte ein Team von Bauingenieuren der Universität Wuppertal gemeinsam mit iranischen Kollegen Konzepte für erdbebensicheres und bezahlbares Bauen im Iran. Die Wissenschaftler analysierten Fotos im Internet von Häusern, die Erdbeben standgehalten hatten. Die Erkenntnis: Häuser in Fachwerk-Bauweise zeigten sich am widerstandfähigsten. Mit dem Bau von Probehäusern, die erdbebenähnlichen Stößen ausgesetzt wurden, bestätigten die Wissenschaftler ihre These.
Seit drei Jahren baut Georg Pegels im Iran mit einem eigenen Bauunternehmen erdbebensichere Schulen. Statt Holz wird für das Fachwerk Stahl verwendet. Das ist das einzige Material, das Pegels auch für geeignet bei starken Beben hält: "Autokarosserien sind auch aus Stahl, weil das Material knautschen und sich stark verformen kann, ohne dass es kaputt geht oder reißt."
Mit den Fachwerk-Schulen will der Wuppertaler Professor die Bevölkerung an die neue Bauweise gewöhnen. "Eigentlich wollen die Menschen erdbebensichere Häuser gar nicht haben, wenn sie anders aussehen als gewohnt", so Pegels. "Damit sie die Häuser schön finden, sind Jung-Ingenieurinnen aus dem Iran auf die Idee gekommen, das Fachwerk durch Schmuckleisten zu betonen, die örtliche Künstler bemalt haben."
Solveig Merkel
Letzte Änderung am: 26.01.2010, 11.19 Uhr