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Testlauf am Stuttgarter Neckartor Ein Klebstoff gegen den Feinstaub

Ein einfaches Taumittel könnte ein kompliziertes Problem lösen: CMA dient eigentlich als umweltfreundliche Alternative zu Streusalz. In Stuttgart wird jetzt geprüft, ob damit auch die Feinstaubbelastung in Städten deutlich gesenkt werden kann.

Die Hoffnung ruht auf einer Mischung aus Brause und Essig: "CMA" steht für Calcium-Magnesium-Acetat. Die beiden ersten Bestandteile findet man in Nahrungsergänzungsmitteln gegen Muskelkater und für besseres Knochenwachstum - sehr beliebt in Form von Brausetabletten. Das Acetat steht für Essigsäure. CMA wird normalerweise bei Straßenglätte eingesetzt. Aber wahrscheinlich hat das Mittel das Zeug zum Feinstaubkleber, der die Mini-Partikel auf den Straßen bindet und Aufwirbelungen verhindert.

Erste Tests verliefen vielversprechend

Umgerüstete Streuwagen bringen derzeit einen CMA-Klebefilm auf den Straßen am Stuttgarter Neckartor an - hier herrscht die höchste Feinstaubbelastung Deutschlands. Die Wirkung der Lösung hält etwa 48 Stunden an, dann müssen die Streuwagen wieder ausfahren. In Schweden und Österreich laufen langfristige Tests mit dem Klebstoff. Dabei wurde zwischen 15 und 35 Prozent weniger Feinstaub in der Luft gemessen. Einziger Nebeneffekt von CMA: Es färbt hellgraue Straßen dunkel, was viele Autofahrer irritiert. Versuche in Halle haben aber ergeben, dass der Feinstaubkleber keine Auswirkungen auf die Fahrsicherheit hat. Außerdem kann CMA leicht nach Essig riechen, was aber keine Gesundheitsschäden hervorruft.

Die Größe dieser Schwebeteilchen in der Luft entspricht einem Zehntel der Dicke eines menschlichen Haares. Weil Feinstaub so winzig ist, gelangt er bis in die kleinsten Spitze unserer Lunge, kann dort Entzündungen auslösen und sogar Krebs. Studien haben nachgewiesen, dass wir wegen der Feinstaubbelastung drei Jahre früher sterben.

Über 50 Prozent der Belastung kommt durch den Verkehr zustande, hauptsächlich über Dieselruß, aber auch vom Abrieb der Reifen und Bremsbeläge. Allerdings sind die PKW nicht die Hauptverursacher: Mehr als die Hälfte der Belastung wird von Nutzfahrzeugen und Baumaschinen verursacht. Auch Heizungen und Industrieanlagen blasen enorme Mengen Feinstaub in die Luft.

Die ersten Versuche mit CMA haben gezeigt, dass dieser Klebstoff 15 bis 35 Prozent des Feinstaubs binden kann. Umweltzonen, die Dieselrußer aussperren, können die Belastung um 20 Prozent verringern. Auch Tempo 30 würde einiges bringen, ebenso wie eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene.

Stuttgart will den Feinstaub festkleben

Am Neckartor wurde im vergangenen Jahr der EU-Grenzwert für Feinstaub an 111 Tagen überschritten - erlaubt sind 35. Der Versuch in Stuttgart wird durch die Landesanstalt für Umwelt, Messung und Naturschutz Baden Württemberg begleitet und soll etwa acht Wochen dauern. Die Autofahrer am Neckartor können sich also doppelt freuen. Denn neben der Aussicht auf eine gesündere Luft werden auch ihre Fahrzeuge geschont: Das CMA-Taumittel, auch als "Ice and Dust-Away" bekannt, frisst keine Rostlöcher wie herkömmliches Streusalz.


Martin Thiel, Sabine Schütze (SWR Umweltredaktion), Andreas Braun

Letzte Änderung am: 12.01.2010, 10.24 Uhr

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