SpitzensportlerHochleistung für 600 Euro netto?
Sporthilfe provoziert mit Anzeigen-Kampagne
Sie sind spitze, aber nur selten verdienen Hochleistungssportler richtig viel Geld. Die meisten müssen laut einer Studie monatlich mit rund 600 Euro auskommen - und das bei einer Arbeitswoche von durchschnittlich 60 Stunden. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe macht mit einer provokanten Anzeigenkampagne auf das Defizit aufmerksam.
Die Anzeige, die zur Zeit in allen großen Zeitungen und Zeitschriften geschaltet ist, sieht aus wie ein Jobangebot: "Wir suchen schnellstmöglich eine/n Schwimmer/in". Doch beim Durchlesen wird die Ironie schnell deutlich. So heißt es in den Anforderungen: "Die Reizung von Haut (Chlor-Akne), Schleimhäuten und Augen durch den täglichen Kontakt mit Chlor stellen kein Problem für Sie dar."
Sporthilfe will nicht jammern, aber...
Was die Deutsche Sporthilfe damit erreichen will? Michael Ilgner von der Geschäftsführung betont: "Wir wollen nicht jammern oder betteln. Wir wollen einfach herausstellen, mit welchen großartigen Leistungen, aber auch Entbehrungen und Risiken der Spitzensport verbunden ist."
Die Anzeigen bereiten die eigentliche Kampagne der deutschen Sporthilfe erst vor. Die werde am 18. Januar zusammen mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorgestellt, so Ilgner. Das Ziel der Kampagne: Sportbegeisterten - und das seien immerhin 20 Millionen Menschen in Deutschland - eine Möglichkeit zu bieten, wie sie Spitzenathleten fördern können. "Das ist schon im kleinen Stil ab drei Euro möglich", sagt Michael Ilgner.
Ilgner: Deutschland verliert Nachwuchstalente
Die Sporthochschule Köln hat - im Auftrag der Sporthilfe - in einer Erhebung unter rund 1.300 Athleten ermittelt, dass Spitzenathleten meist weit weniger verdienen als der bundesdeutsche Durchschnitt. Gleichzeitig haben sie aber deutlich längere Arbeitszeiten und sind für die Zeit nach der sportlichen Karriere nicht ausreichend abgesichert.
Michael Ilgner fürchtet, dass Deutschland dadurch Spitzentalente verliert: "Viele Europameister-Junioren und Weltmeister-Junioren müssen sich nach der Schule überlegen: Gehe ich das Risiko einer sportlichen Karriere ein? Wenn wir da nicht mehr fördern, werden wir noch mehr Talente verlieren."
| Zur Person: Michael Ilgner war von 1990 bis 1997 Mitglied der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft und 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta dabei. | |
| "Für mich war ganz interessant, dass die Zahlen aus der Studie, 600 Euro verfügbares Einkommen und 60 Stunden Arbeitsaufwand, ziemlich genau meinen persönlichen Haushalt und mein Zeitbudget getroffen haben. Spitzensport war für mich nur möglich, weil es neben dem Verein auch die Sporthilfe gab, die mir Unterstützung gegeben hat. Ich konnte mir nicht leisten, nebenher zu arbeiten, um mir ein Zimmer am Studienort zu finanzieren und die Fahrten zwischen Studien- und Trainingsort." |
Michael Ilgner |
Solveig Merkel
Letzte Änderung am: 08.01.2010, 11.38 Uhr







