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"Wir müssen es aushalten, wenn wir uns nicht einig sind", sagt Robert Zollitsch, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. "Uns verbindet als Christen mehr, als uns trennt", findet EKD-Ratschefin Margot Käßmann. Beide wollen 2010 die Ökumene vorantreiben.

Zollitsch und Käßmann beim Katholikentag 2008
Er ist der mächtigste Katholik in Deutschland, sie die erste Frau im Spitzenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dem SWR haben beide erzählt, warum ihnen der 2. Ökumenische Kirchentag im Mai in München ein Herzensanliegen ist. Und weshalb sie damit leben können, dass es bei dieser Veranstaltung kein gemeinsames Abendmahl geben soll.
Robert Zollitsch freut sich auf den Ökumenischen Kirchentag: "Wir wollen auf gleicher Augenhöhe Fragen besprechen, gemeinsam beten, feiern und bestimmte Werte gemeinsam in die Welt vermitteln. Und wir müssen es gemeinsam aushalten, dass wir uns nicht in allem einig sind." Damit spielt der Freiburger Erzbischof auf das Abendmahl an, das Katholiken und Protestanten auch in München nicht gemeinsam feiern können.
Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann sieht darin kein Problem. Es gehe hier um theologische Grundüberzeugungen, die man nicht einfach so über Bord werfen könne: "Ich werde akzeptieren, dass Katholiken sagen, wir können nicht ein gemeinsames Abendmahl mit euch feiern. Und die andere Seite muss akzeptieren, dass ich sage, Christus ist der Einladende, deshalb können alle Getauften gemeinsam kommen." Käßmann verweist lieber auf wesentliche Übereinstimmungen zwischen beiden Konfessionen. So fand beim großen Abschlussgottesdienst des letzten Ökumenischen Kirchentags eine Tauferinnerung statt: "Das war sehr bewegend, einander das Kreuzeszeichen mit dem Taufwasser zu geben. Die Taufe erkennen wir gegenseitig an."
"Ich respektiere, dass die evangelische Kirche ein anderes Verständnis vom Bischofsamt hat als wir", sagt Robert Zollitsch dem SWR. Dass er auf Augenhöhe mit einer Frau spricht, bereitet ihm keine Bauchschmerzen. "Wir sind auch schon etwa beim Katholikentag in Osnabrück nebeneinander gesessen und haben uns da gut verstanden", erinnert sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Zollitsch über Käßmann: "Für mich macht das keine Probleme, dass das eine Frau ist."
Auch Margot Käßmann findet lobende Worte für die andere Seite: Die römisch-katholische Kirche habe "ganz freundlich und warmherzig" auf ihre Wahl zur EKD-Ratsvorsitzenden reagiert. Glückwünsche gab es damals nicht nur von der Deutschen Bischofskonferenz: In Käßmanns Büro gingen hunderte Briefe und Mails von "ganz normalen Katholiken aus Gemeinden an der Basis" ein.
Käßmann über Zollitsch: "Wir wollen zeigen, dass uns als Christen in Deutschland mehr verbindet, als uns trennt"
Wichtig war der Bischöfin, dass ihr erster offizieller Besuch als neue EKD-Ratsvorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz galt. Mit Zollitsch führte sie "ein gutes, konstruktives Gespräch."

Erzbischof Robert Zollitsch
Dass es grundlegende Differenzen zwischen Protestanten und Vatikan gibt, stört Margot Käßmann nicht. Für sie ist die gute Gesprächskultur in Deutschland entscheidend. Sie freut sich, "dass wir in unserem Land auf der leitenden Ebene ein vertrauensvolles Verhältnis miteinander haben. Mir liegt viel daran, dass sich die Menschen begegnen und im Konfliktfall nicht in der Zeitung aufeinander eingedroschen wird." Auch Robert Zollitsch geht nicht auf die Konflikte zwischen Papst und Protestanten ein. Ihm ist es wichtig, "zu zeigen, wie wir die Ökumene in Deutschland vertiefen können, wie wir gemeinsam in Fragen der Ethik in der Öffentlichkeit auftreten und wie wir damit die christlichen Werte gemeinsam vertreten können."
Andreas Braun, Jörg Vins, Claus Röck
Letzte Änderung am: 29.12.2009, 14.52 Uhr