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Geschäfte mit Fälschungen Sind Ihre Medikamente echt?

Die EU-Kommission warnt vor einer Flut gefälschter Pillen und Präparate, die in der Europäischen Union im Umlauf sind. Betroffen seien vor allem Potenzmittel, aber auch Krebsmedikamente und Antibiotika. Doch für die Verbraucher gibt es keinen Grund zur Panik.

Die EU habe bei gezielten Zollkontrollen innerhalb von nur zwei Monaten allein 34 Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt, sagt Industriekommissar Günter Verheugen. "Das hat alle Befürchtungen übertroffen." In einem Zeitungsinterview bezeichnet der SPD-Politiker jede Fälschung von Medikamenten als versuchten Massenmord: "Selbst wenn ein Medikament nur unwirksame Stoffe enthält, kann es dazu führen, dass Menschen daran sterben, weil sie glauben, ihre Krankheit mit einem wirksamen Mittel zu behandeln."

Kriminelle spielen Russisches Roulette mit den Kunden

Ob Medikamente gegen Bluthochdruck, Osteoporose oder Impotenz: Die Mühe lohnt sich für die Fälscher offenbar immer. Und der Patient hat den Schaden. "Im günstigsten Fall schluckt man ein Placebo", sagt SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk. Die Pille sieht aus wie eine gewöhnliche Tablette, schmeckt vielleicht auch so, enthält aber keinen Wirkstoff. "Das klingt harmlos, kann aber ziemlich gefährlich sein, wenn man eigentlich dringend den Blutdruck senken müsste, oder wenn jemand Krebs hat." Manchmal sind die Fälschungen aber auch falsch dosiert oder enthalten die falschen Wirkstoffe. "Wer Pech haft, vergiftet sich. Solche gefälschten Mittel zu schlucken ist eine Art Russisches Roulette", warnt Stefanie Peyk.

Beim Apotheker sind Fälschungen unwahrscheinlich

Versandapotheken: Sie können sich auf "echte" Medikamente verlassen, wenn Ihre Versand-Apotheke eine behördliche Zulassung für den Versandhandel hat. Eine Liste finden Sie hier.

Der Verbraucher hat kaum eine Chance, eine Fälschung zu erkennen. Stefanie Peyk: "Meistens sind sie von der Verpackung bis zur Tablette sehr professionell gemacht. Selbst Arzneimittelhersteller können die Fälschung nur erkennen, wenn sie die Tabletten im Labor untersuchen lassen."

Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte deshalb seine Medikamente in der Apotheke vor Ort kaufen, "da sind Fälschungen nahezu ausgeschlossen." Die Umweltredakteurin warnt vor bedenkenlosem Pillenkauf im Internet: "Ganz besondere Vorsicht ist geboten, wenn zum Beispiel kein Rezept verlangt wird bei einem Medikament, das es sonst nur auf Rezept gibt. Dann stimmt da was nicht." Ein wirkungsloses Potenzmittel ist dann noch das kleinste anzunehmende Unglück.

Die Mühlen der EU mahlen langsam

Seit einem Jahr liegen Lösungsvorschläge der EU-Kommission auf dem Tisch: Demnach soll auf der Arzneimittel-Packung ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal eingeführt werden, anhand dessen der Apotheker in Sekundenschnelle erkennen kann, ob es sich um echte oder gefälschte Ware handelt. Ein guter Vorschlag, findet SWR-Brüssel-Korrespondent Peter Heilbrunner - aber mit wenig Aussicht auf Erfolg: "Die Gesundheitminister halten die Sache wohl nicht für besonders dringlich und dem Parlament gehen die Pläne der Kommission nicht weit genug."

Peter Heilbrunner

Peter Heilbrunner, SWR-Korrespondent in Brüssel

Denn die meisten nachgemachten Tabletten und Tropfen werden online verkauft - dementsprechend gelte es auch im Internet anzusetzen, findet beispielsweise der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis. Er will ein Gütesiegel für vertrauenswürdige Online-Händler einführen und schwarze Schafe brandmarken. Die EU-Kommission müsse eine Liste sicherer Internetapotheken erstellen, fordert der Liberale. Gleichzeitig solle Brüssel vor Kriminellen im Netz warnen.


Andreas Braun, Stefanie Peyk, Peter Heilbrunner

Letzte Änderung am: 07.12.2009, 11.01 Uhr

Frequently Asked Questions

Antworten von Stefanie Peyk, SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung

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