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Die Stunden von stromfressenden, umweltschädlichen Klimaanlagen sind wohl gezählt. Denn ein intelligenter Baustoff sorgt dafür, dass es auch bei hochsommerlichen Temperaturen in Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden angenehm kühl bleibt. Das Geheimnis des Baustoffs: Winzige Kügelchen aus Wachs.
Mikrokapseln, die dem Baustoff beigemengt werden, nehmen tagsüber die Hitze auf und geben sie nachts wieder ab. Die Außenschicht dieser Kapseln ist aus Acrylglas. Innen drin sind winzige Parafinwachs-Tröpfchen. Sie dienen als so genannte Latentwärmespeicher.
Latentwärmespeicher speichern die Energie "versteckt" ab, indem sie ihren Aggregatzustand ändern: Paraffinwachs geht ab einer Temperatur über circa 22 Grad Celsius allmählich vom festen in den flüssigen Zustand über.
Das Prinzip ist einfach: "Das Wachs hat die Eigenschaft eines Eiswürfels im Whiskey-Glas", erklärt Markus Bohn (SWR-Wissenschaftsredaktion): "Wenn es wärmer wird, schmilzt erst das Eis, der Whiskey bleibt auf seiner Temperatur." Bei den Wachskügelchen funktioniert das ähnlich. Das Parafinwachs schmilzt bei einer Temperatur zwischen 22 und 26 Grad Celsius. "Die Baustoffe halten die Temperatur, bis das Wachs geschmolzen ist", so Markus Bohn. Die Folge: Die Wohnung heizt sich nicht auf. "Nachts, wenn es abkühlt, wird das Wachs wieder fest - es ist wie eine Klimaanlage, die keine Energie verbraucht."
Wissenschaftler des Freiburger Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren mit Latentwärmespeichern. Für die Entwicklung der Wachskügelchen haben sich Volker Wittwer und Peter Schossig mit Ekkehard Jahns vom Ludwigshafener Chemiekonzern BASF zusammengetan. Die Baustoffe mit kühlenden Mikrokapseln sind bereits auf dem Markt erhältlich.
Markus Bohn, Solveig Merkel
Letzte Änderung am: 02.12.2009, 13.19 Uhr