aus der Sendung vom Montag, 8.12.2008 | 12.15 Uhr | Das Erste
Mit Heilpraktikerin Astrid Fiebich
Nach dem Motto "in guter Koch ist ein halber Arzt" gehören Gewürze zu den ältesten Heilpflanzen und gelten mit den ätherischen Ölen als "natürliche Geschmacksverstärker". Einst waren Gewürze auch zur Haltbarmachung von Lebensmitteln unverzichtbar; sie wurden zum Teil teuer gehandelt und aus aller Welt geholt. Praktisch allen Gewürzen ist gemeinsam, dass sie unsere Verdauung unterstützen und somit vor allem in schwer verdaulichen Speisen eine oft ungeahnte wichtige Rolle spielen. Viele Gewürze wirken erwärmend und sind somit besonders zur kalten Jahreszeit empfehlenswert. Eingesetzt werden viele unserer gebräuchlichen Küchengewürze zur Unterstützung des Wohlbefindens oder als Heilmittel in Form von Teeaufgüssen, Kompressen, Fuß- oder Wannenbädern oder auch als Inhalation, Körperöl oder Räucherung. Zu beachten: In hohen Dosen und vor allem als reines ätherisches Öl stimulieren einige Gewürze die Gebärmutter – Schwangere sollten also vorsichtig mit Gewürzen und Aromaölen umgehen. Menschen, die bereits ein sehr "hitziges" Gemüt haben, sollten wissen, dass dieses eventuell auf unerwünschte Weise durch "hitzige" Gewürze verstärkt wird.
Um unserer Gesundheit in der kalten Jahreszeit etwas Gutes zu tun, müssen wir nur ein paar Handgriffe in unser Gewürzregal tun. Hier finden wir nämlich wunderbar wärmende und desinfizierende Pflanzenteile, die sowohl unser Immunsystem unterstützen und auch unsere oft träg gewordene Verdauunng anfeuern, so dass sie uns vor Infektionen schützen oder diese ausheilen verhelfen. Besonders gut eignen sich zum Beispiel Ingwer, Kardamom und Zimt, aber wir können dabei ruhig experimentierfreudig sein und verschiedene Gewürzkombinationen versuchen.
Ingwer (Zingiber officinale) ist herausragend bei Erkältungen, Schnupfen, Heiserkeit und Husten, er wirkt keimtötend und blähungswidrig und verhindert das Verklumpen der Blutplättchen, so dass er nicht nur Erkältungskrankheiten, sondern auch Thrombosen und Schlaganfällen vorbeugt. Außerdem ist der DAS pflanzliche Mittel gegen Reiseübelkeit. Ceylon-Zimt (Cinnamomum ceylanicum) wirkt nervenstärkend und harmonisierend, wärmt den Körper und regt den Kreislauf an. Seine keimhemmende Wirkung eignet sich zur Desinfektion von Blase und Harnwegen und seine krampflösenden Eigenschaften bei Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl. Inzwischen ist auch eine blutzuckerwirkende und cholesterinsenkende Wirkung der Zimtrinde erwiesen. Kardamom (Elettaria cardamomum) vermag Lunge und Magen von Verschleimungen zu befreien und kann somit bei Bronchitis unterstützend wirken. Auch Kardamom kann zur Behandlung bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Völlegefühl angewandt werden und wirkt wachstumshemmend auf Bakterien und Pilze.
Rezept: Gewürztee
Eine Zimtrinde wird zusammen mit einem Teelöffel Kardamomsamen zermörsert und zusammen mit einem Teelöffel klein geschnittenem Ingwer in ¾ l Wasser aufgekocht und 10 Minuten geköchelt. Anschließend wird der Tee abgeseiht und kann je nach Geschmack mit Honig und Sahne verfeinert werden.
Die meisten wärmenden Gewürze eignen sich auch für ein Fußbad, denn über die Haut an den Füßen werden die Wirkstoffe besonders gut aufgenommen. Außerdem lässt sich damit die Erwärmung aller Glieder enorm beschleunigen und somit oftmals eine Infektion verhindern. Fußbäder sind in der Anwendung sehr einfach und praktischer umsetzbar als Wannenbäder. Ein sehr wirkungsvolles Fußbad während der Erkältungszeit ist das Senfmehl-Fußbad. Senf (Sinapis alba, S. arvensis u.a.) bewirkt eine starke Durchblutung und somit Erwärmung der Füße und darüber des gesamten Organismus sowie eine Ableitung von Blut und Gewebsflüssigkeit vom Kopf in die Beine. So können wir uns nicht nur vor Infektionen schützen, sondern auch einen festsitzenden Schnupfen oder verstopfte Nebenhöhlen wieder in Fluss bringen oder Kopfschmerzen lösen.
Rezept: Senfmehl-Fußbad
Ein bis zwei gestrichene Esslöffel gemahlener Senfkörner in einen Eimer mit warmem bis heißem Wasser (je nach Empfindlichkeit, bis max. 40 °C) geben. Die Füße (und evt. Waden) werden so lange gebadet, bis die Haut zu brennen beginnt oder sich stark rötet – höchstens aber 15 Minuten. Anschließend die Füße gut abspülen, gründlich abtrocknen und mit Socken warm halten. Im Anschluss sollte man sich warm eingepackt eine Viertel Stunde Ruhe gönnen. Achtung: Für kleine Kinder nicht geeignet! Außerdem kann es bei empfindlicher Haut oder zu langem Baden zu Hautreizungen kommen.
Wenn sich bereits eine Erkältung eingeschlichen hat und der Kopf dumpf und schmerzhaft wird, weil unsere Nebenhöhlen verstopft und vielleicht auch schon entzündet sind, eignen sich hervorragend Meerrettich-Auflagen, umd die Symptome schnell zum Abklingen zu bringen. Als "Penicillin aus dem Garten" hat sich der Meerrettich (Armoracia rusticana) einen ganz besonderen Namen gemacht, denn in der Tat wirkt er stark keimtötend und sollte während Infektionen reichlich in der Ernährung integriert werden. Darüber hinaus hat Meerrettich eine stark durchblutungsfördernde Wirkung und wirkt als Nackenkompresse ableitend bei Nebenhöhlenentzündung und Kopfschmerzen.
Rezept: Nackenkompresse
Ein etwas 10 cm langes Meerrettichstück fein aufreiben (alternativ dazu kann auch ungeschwefelter Meerrettich aus dem Glas verwendet werden) und mit etwas Wasser oder Quark zu einem streichfähigen Brei verrühren. Diesen Brei messerrückendick auf ein Baumwolltuch oder Haushaltspapier streichen, dieses von allen Seiten her einschlagen und auf den Nacken auflegen, so dass nur eine Papierlage auf der Haut liegt. Mit einem Halstuch fixieren oder mit einem Frottiertuch abdecken. Vorsichtig 4 bis maximal 10 Minuten einwirken lassen (oder kürzer, falls unangenehm), ein leichtes Brennen und die Hautrötung gehören zur ableitenden Therapie und sollten bald wieder abklingen.
Letzte Änderung am: 28.11.2008, 23.21 Uhr