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Puzzle mit Schriftzug "Altersvorsorge"

SENDETERMIN Di, 13.9.2016 | 12:15 Uhr | Das Erste

Rente Altersvorsorge für Frauen

Die Renten sind nicht sicher, das wissen wir mittlerweile. Besonders Frauen 50 plus sind aber von einer drohenden Unterversorgung im höheren Alter betroffen, warnen Rentenexperten. Zeit noch umzusteuern? Ja, sagt Finanzberaterin Helma Sick - besser heute als morgen.

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Es ist ein leidiges Thema: Die Altersvorsorge. Man schiebt die Auseinandersetzung damit gern vor sich her und hofft auf ein gutes Ende. Das hat unter Umständen fatale Folgen.

Schon im jüngsten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung (2015) sieht man - es bleibt im Schnitt nicht so viel: Demnach erhielten zum 31.12.2014 die Männer in Deutschland im Schnitt 1.078,57 Euro Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die Frauen lediglich 642,15 Euro. Dass Frauen so wenig bekommen hat viele Gründe.

  • Erstens verdienen Männer mehr: Im Durchschnitt 1.695 Euro im Monat, während das Nettoeinkommen bei weiblichen Beschäftigten 2014 im Schnitt bei 1.027 Euro lag. Frauen arbeiten oft in weniger gut bezahlten Berufen, wie Krankenschwester, Arzthelferin oder Pflegekraft.
  • Gleichzeitig wählen sie aber immer noch ein traditionelles Partnerschaftsmodell, bei dem sie mit Beginn der Ehe die Hausfrauen- und Kindererziehungsrolle übernehmen und erst spät wieder in den Beruf einsteigen, oft in Teilzeit. Das führt zu deutlichen Unterschieden der Alterseinkünfte.

Sorglos im Alter/Armut ist weiblich

Es klingt nicht schön, wenn Rentenexperten sagen: Die Armut ist 60+ und weiblich. Doch Frauen müssen sich nicht in ein "armes" Schicksal ergeben, sagt Finanzexpertin Helma Sick, Betriebswirtin und Autorin aus München. Für sie beginnt die Reise in ein finanziell sicheres Alter mit einem "Umnavigieren". Weg von der herkömmlichen Vorstellung in einer Ehe versorgt zu sein, hin zu einer gleichberechtigten Lebensweise in allen Bereichen.

Wege, die in eine Altersarmut führen können

Männer bekommen auch heute noch von klein auf vermittelt: Du musst für dich selbst sorgen, sonst tut es keiner. So fangen in der Regel junge Männer mit Anfang zwanzig an sich um das Thema Finanzen und Altersvorsorge zu kümmern. Frauen tun das oft erst sehr viel später und verlieren so wertvolle Jahre, in denen sie Kapital bilden könnten, warnt die Finanzexpertin. Auch viele junge Frauen heutzutage hätten im Hinterkopf, dass irgendwann einmal jemand für sie sorgen wird.

Wer Kinder bekommt, möchte vor allem die ersten Lebensjahre mit ihnen verbringen. Sollte man auch, da sind sich auch Finanzberater und Rentenberater einig. Aber eine zu lange Auszeit aus dem Beruf - also über die Elternzeit hinaus - ist für die spätere Versorgung eine Gefahr. Rentenberater und Finanzexperten fordern hier eine weitere Verbesserung der Infrastruktur für Familien, damit Frauen Familie und Beruf besser verbinden können.

Desweiteren entscheiden sich viele Frauen auch weiter in Teilzeit zu arbeiten, obwohl die Kinder groß sind. Damit fehlen ihnen bei Eintritt ins Rentenalter genügend "Punkte" für eine ausreichende Versorgung. Dazu Finanzexpertin Helma Sick: "Ach wenn es ein wenig schmerzlich klingt, es ist leider die Wahrheit: Viele Frauen verlassen sich immer noch "blauäugig" auf ihren Ehemann und bedenken nicht, dass EINE Rente (die des Mannes) häufig nicht für ZWEI reicht." Somit ist es auch im Sinne vieler Männer, wenn die Frauen sich um die Altersvorsorge kümmern.

Neue Lebensformen und ein überholtes Versorgungssystem

Eine weitere gesellschaftliche Veränderung, die zu einer Altersarmut führen kann, sind die hohen Scheidungsraten. Ehen halten nicht mehr lebenslang, jede dritte scheitert, in Großstädten sogar jede zweite. Nach dem 2008 reformierten Unterhaltsrecht gibt es aber nach einer Scheidung keine lebenslangen Unterhaltszahlungen mehr.

Hinzu kommen die vielen nicht ehelichen Gemeinschaften, die über das Sozialversicherungssystem nicht abgesichert sind.

Alleinerziehende, die mit einem neuen Partner zusammen leben, aber nicht verheiratet sind, aber ihren Beruf wegen der Kinder aufgeben, stehen auf besonders dünnem Eis; für sie gibt es keinen Versorgungsausgleich oder Zugewinnausgleich, falls die Beziehung auseinander geht. Es ist daher fast "fahrlässig" sich in so einer Situation nicht mit einem Partnerschaftsvertrag oder einer vom Partner bezahlten Altersvorsorge abzusichern, warnen Rentenberater und Finanzexperten. Zugleich fordern sie von der Politik eine Änderung des Versorgungsrechts, das auch langjährige Partnerschaften absichert.

Altersvorsorge: Je eher desto besser

Wer früh vorsorgt, hat später mehr Rente - klare Sache. Junge Frauen sollten aus Sicht von Helma Sick die Zeit nutzen, in der noch keine Familiengründung ansteht, um Vermögen zu bilden.

Ein Zahlenbeispiel:
Wer mit 20 beginnt monatlich 100 Euro in einen Aktienfonds einzuzahlen, der im Durchschnitt pro Jahr 6 % Rendite bringt, hat mit 67 ca 298 700 Euro auf dem Konto. Wer mit 35 anfängt, bringt es nur noch auf 112 612 Euro und eine 50jährige nur noch auf 34 955 Euro.

Aber es geht auch mit weniger: Bei vielen Anlagen kann man schon mit 25 Euro monatlich in internationale Aktienfonds investieren und den Betrag später aufstocken.

Auch wer nicht mehr ganz so jung ist, muss nicht die Flügel strecken: In nahezu jedem Lebensalter kann man noch die Rente aufbessern. Wer zum Beispiel über Fünfzig ist, muss natürlich mehr Geld aufwenden, um ein gutes Ergebnis zu erreichen, als jemand mit Mitte Zwanzig.

Oft bekommen Frauen in dem Alter noch ein Erbe ausgezahlt. Dieses Geld darf man auf keinem Fall auf einem Sparbuch oder Tagesgeld "vergammeln" lassen, warnt Helma Sick. Der Betrag könnte zum Beispiel in einen lukrativen, gemischten Fonds - mit allerdings geringerem Aktienanteil - eingezahlt werden und kann dort noch eine ordentliche Rendite bis zum Renteneintritt erwirtschaften, so die Beraterin.

Weitere Tipps und Ratschläge der Finanzberaterin:

Denkt Helma Sick an die junge Generation, rät sie als Erstes: Teilt Euch die Elternzeit mit dem Partner. Dann muss keiner von beiden länger aus dem Beruf aussteigen. Familienpoltisch könnte das in Zukunft sogar weiter unterstützt werden. In einer derzeit geplanten sogenannten "Familienarbeitszeit" würden beide Elternteile im Anschluss an die Elternzeit die Arbeitszeit auf dreißig Wochenstunden begrenzen, d.h.: Der Mann reduziert, sie stockt auf.. Der Staat würde dann für eine bestimmte Zeit eine Art Lohnausgleich zahlen. Kommt der Entwurf nicht zum Zuge, rät die Finanzexpertin, dass Frauen sich bei der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen lassen, was sie der Ausstieg aus dem Beruf an Rente kosten wird. Dieser Ausfall müsste dann - wenn möglich - aus dem Familieneinkommen ersetzt werden.

Und auch wenn es unromantisch klingt: Wenn sich ein Paar entscheidet, dass sie zu Hause bleiben soll, dann sollten die Paare einen Ehevertrag über nachehelichen Unterhalt und eine ausreichende Altersvorsorge für die Frau abschließen.

Auch älteren Ratsuchenden und allen, die keine Familie mehr gründen wollen oder können, empfiehlt Helma Sick einen Altersvorsorge-Check bei einem Berater. Eine gute Anlaufstelle dafür können die örtlichen Verbraucherzentralen sein, oder unabhängige FinanzberaterInnen. Helma Sick: "Grundsätzlich empfehle ich dabei immer gut vorbereitet in eine Beratung zu gehen. Das heißt: Stellen Sie zusammen, was Sie schon an Geldanlagen haben, mit welchen Summen und welchen Laufzeiten. Und: Überlegen Sie vorher, was Sie mit der Geldanlage erreichen wollen – einen späteren Immobilienkauf oder eine schöne Rente, dann könne sie beruhigt das Thema Altersvorsoge für sich abschließen und das Leben genießen".


Buchtipps:

Buchcover

Buch

Sick, Helma | Schmidt, Renate

Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist

Verlag:
Kösel
Produktion:
2015
Preis:
16,99 €
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-466-34594-6
Buchcover

Buch

Eigner, Christian

Private Altersvorsorge

Verlag:
Stiftung Warentest
Produktion:
2016
Preis:
19,90 €
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-86851-386-8
Buchcover

Buch

Bortenlänger, Christine | Kirstein, Ulrich

Aktien für Dummies. Profitieren Sie als Aktionär von Unternehmenserfolgen

Verlag:
Wiley-VCH-Verl.
Produktion:
2014
Preis:
19,99 €
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-527-71018-8

Im Studio: Helma Sick, Betriebswirtin und Autorin



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Di, 13.9.2016 | 12:15 Uhr

Das Erste