
Der Forscher spricht zu kompliziert, zu lang, der Reporter will es dagegen kurz und knackig. Für eine gelungene Kommunikation zwischen Wissenschaft und Medien warben Gábor Paál von der SWR 2- Redaktion Wissen und die SWR-Wissenschaftsjournalistin Lena Ganschow bei ihrem Präsentationstraining für junge Wissenschaftler beim SWR in Baden-Baden.
Wie funktioniert ein Teilchenbeschleuniger? Was passiert eigentlich in unserem Hirn, oder wieso werden in unserer Sprache immer mehr Anglizismen verwendet? Um solche Fragen zu beantworten, wenden sich Journalisten gerne an kompetente Gesprächspartner aus Wissenschaft und Forschung. Die Begegnung zwischen Reporter und Wissenschaftler ist aber nicht immer die einfachste. Während ein Hirnforscher daran interessiert ist, möglichst genau und ausführlich seine neusten Forschungsergebnisse zu präsentieren, geht es dem Journalisten in erster Linie darum, einem möglichst großen Publikum dasselbe kurz, knackig und vor allem verständlich zu erklären.
Um diese beiden Welten ein Stückchen näher zusammenzubringen haben Gábor Paál von der SWR 2 Redaktion Wissen und die SWR-Wissenschaftsjournalistin Lena Ganschow für sechs junge Forscherinnen und Forscher aus Natur-und Geisteswissenschaft am vergangenen Donnerstag beim SWR in Baden-Baden ein Präsentationstraining veranstaltet.
Das Radio-Interview
Nach einer kurzen Theorieeinheit ging’s gleich ans Eingemachte: Der erfahrene Radiomoderator Gábor Paál bat zum Gespräch ins Hörfunkstudio. Mikrofon auf, Rotlicht an-Zeit zum Zögern oder Nachdenken blieb den jungen Wissenschaftlern da nicht mehr. Auch wenn alle bereits Bühnenerfahrung bei sogenannten Science-Slams (Wissenschaftswettstreits) sammeln konnten, in denen sie innerhalb von 10 Minuten auf möglichst unterhaltsame Art einem größeren Live-Publikum ihre Forschung vorstellen durften, war die Situation im Studio eine ganz andere: kein Publikum, das einem per Applaus oder Lachen sofort Rückmeldung gibt, keine vorbereitete Powerpoint-Präsentation, mit der man etwas veranschaulichen kann und noch dazu ein “gnadenloser” Moderator, der bei jeder kleinen Unverständlichkeit sofort nachhakt.
Vor allem Biochemiker Henning Beck hatte im Vorfeld einige Bauchschmerzen. Als Wissenschaftler Aussagen machen, die viele wichtige Details aussparen- inwiefern bin ich dann als Forscher noch seriös, und wie kommt das bei den Kollegen an? Berechtigte Bedenken, meint auch Moderator Gábor Paál. Mit dem Trainieren von Live-Situationen gelang es ihm allerdings, solche Ängste und Vorbehalte ein wenig abzubauen.
Kamera läuft
Auch vor der Kamera machten die jungen Forscher unter der Anleitung von Fernsehjournalistin Lena Ganschow durch die Bank eine recht gute Figur. Für alle war es das erste Mal in einem Fernsehstudio. Und obwohl sie sich in ihrem Alltag mit richtig komplizierten Dingen beschäftigen und an möglicherweise bahnbrechenden Forschungen arbeiten, war es für die Wissenschaftler recht aufregend, mal in einem “einfachen” Fernsehstudio zu sein. Und es war ganz interessant zu beobachten, wie es vor der Kamera auf einmal gar nicht mehr in erster Linie darauf ankam, ob jede Äußerung bis ins letzte Detail stimmig ist. Nach dem Hörfunk-Training gelang es den meisten sogar ziemlich problemlos, der Forderung von Lena Ganschow nach kurzen, knackigen O-Tönen gerecht zu werden. Vielmehr tauchten nun Fragen auf, wie: Bewege ich mich angemessen vor der Kamera, habe ich zu oft oder zu wenig geblinzelt, war das Muster meines Hemdes in Ordnung?
Doktorandin Dorothea Helmer stand zum Beispiel vor der Frage: lasse ich meine Brille auf, oder ist es wegen der Lichtverhältnisse vorteilhafter, ohne Brille in die Kamera zu schauen?
Für die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war es wichtig, mehr darüber zu erfahren, wie die Medienwelt mit ihren Akteuren so tickt, so das Feedback. Und für Lena Ganschow und Gábor Paál war es wahrscheinlich sehr erfrischend zu sehen, dass die Begegnung zwischen Medienwelt und Wissenschaft nicht immer ganz so kompliziert sein muss.









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