Joachim Gauck und die Umwelt – (noch) kein Thema?!
Eben ist der Jahrestag der Fukushima-Atomkatastrophe vorüber, schon haben wir einen neuen Bundespräsidenten. Nicht, dass das Eine mit dem Anderen zusammenhinge, obwohl die Frage naheliegt: Wie grün ist er denn, der Neue? Der alte Wulff war ja, was Ökologie anging, eher zurückhaltend. Dem ging’s wohl weniger um die ökologische Sicherheit seiner Schäfchen als darum, seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Klaus Töpfer, den grünen Schwarzen, hat uns dann die F.D.P . versaut, da konnte sich Merkel nicht durchsetzen. Aber Schwamm drüber. blicken wir vorwärts: auf Gauck und die Umwelt.
Viel ist da derzeit nicht zu sagen, inhaltlich ergibt die Recherche wenig, weder im Pressearchiv noch im Netz. Zitieren wir einen kurzen Artikel aus der „Welt“: „Dem Bündnis90 steht er vermutlich näher als den Grünen, hält Umweltschutzfragen aber für essenziell.“ Aha. Leider keine nähere Ausführung. Dafür aber die Aussage „Wo er auch geht und steht, preist er die Freiheit.“ Das zieht sich wie ein roter Faden so ziemlich durch alle Betrachtungen über Gauck und daraus ziehe ich leichtsinnigerweise den Schluss: der Mann muss auch was mit Nachhaltigkeit und Umwelt am Hut haben, das ist bisher nur noch nicht klar zum Ausdruck gekommen.
Bewahrte Schöpfung hin oder her, eins ist doch sonnenklar: Freiheit ist unteilbar. Sie meint immer auch die Freiheit der anderen. Die Bauern im südlichen Bangladesch zum Beispiel, die haben nicht mehr die Freiheit, weiterhin Reis anzubauen und in ihren Dörfern zu leben. Weil wir in den Industriestaaten uns nämlich die Freiheit nehmen und soviel CO2 in die Luft pusten, dass der Meeresspiegel steigt und immer stärker werdende Zyklone die Reisfelder im Gangesdelta mit Salzwasser fluten. Die Folge: versalzene, unfruchtbare Böden. Und Schluss ist mit der Freiheit der Bauern.
Jeden Tag gibt’s 3.000 Klimaflüchtlinge mehr in den Slums der Hauptstadt Dhaka. Da macht unsere Konsumfreiheit die Freiheit anderer platt. Ein Pastor kann sowas doch nicht gutheißen – oder? Im Internet finde ich bei den „Klimarettern“ im Artikel „Wie grün ist Joachim Gauck?“ die Formulierung: „Das Wort Klimawandel tauchte bei Gauck bislang nur dann auf, wenn er gegen die von ihm diagnostizierte Angst-Sucht der Deutschen zu Felde zog und steht dann aus seiner Perspektive auf einer Stufe mit Schweinegrippe und Ehec. Ansonsten: totale Fehlanzeige.“ Ups.
Aus seinem Umfeld erzählte mir diese Woche jemand über Joachim Gauck: „Also Umwelt, nee, das ist nicht seines.“ Wahrlich, ich sage euch, das lässt nichts Gutes ahnen. Ich aber halte es gerade deshalb genau mit diesem Ex-Pastor Gauck, der den Menschen ja auch zurief: „Fürchtet euch nicht – nehmet die Herausforderungen an“. Ja, machen wir, und dann werden mir mal sehen, wie das wird, mit der Ökologie und unserem neuen Staatsoberhaupt. Die Freiheit nehm’ ich mir.
Artenschutz für Menschenfresser – die bengalischen Tiger
Dieser Tage hat mir ein Mann in Bangladesh seine Narben am Kopf, den Händen und Beinen gezeigt von den Wunden, die ihm ein Tiger zugefügt hat. Mächtige Narben. Ein bengalischer Tiger war das, von denen es je nach Schätzung noch 250 bis 450 gibt, versteckt in den unzugänglichen Sundabarns, den mit über 10.000 Quadratkilometer größten Mangrovenwald der Erde.
Der schlickige Boden, die spitzen Keimlinge der Mangroven und deren wilder Stelzwurzelwald machen es Menschen in den Sundabarns schwer, machen es vielen Tieren dagegen leicht, sich zu bewegen. Hier gibt es Krokodile und eben die Tiger. Sie sind gefürchtet, denn sie greifen auch Menschen an. Der Mann mit den Narben hatte also viel Glück, überhaupt noch zu leben.
Klar, eigentlich sollten die Bewohner der Dörfer am Rand der eigentlich als Weltkulturerbe streng geschützten Sundabarns dort gar nicht reingehen. Doch sie sind so arm, dass sie es dennoch tun, um wilden Honig zu sammeln, aber sie gehen voller Angst, erzählte mir einer der Dorfbewohner. Seine Angst ist durchaus berechtigt: die Mangrove ist unübersichtlich.
Im Internet finde ich abends bei der Nachrecherche die offiziellen Statistiken – sie gehen für den nicht-indischen Teil von fast 350 Toten in den letzten zehn Jahren aus. Es gibt aber eine erhebliche Dunkelziffer, also 100 Tote jährlich dürften durchaus realistisch sein. Und ich stoße im Netz noch auf etwas, wovon mir wiederum keiner meiner Gesprächspartner vor Ort in den letzten Tagen etwas erzählt hat.
Die Tiger ernähren sich möglicherweise auch von Leichen aus Flussbestattungen. Wer arm ist und keine Beerdigung zahlen kann, hüllt den Angehörigen in Tücher und übergibt ihn dann dem Fluss, der die Toten zu den Sundarbarns, zu Krokodilen und Tigern trägt. So haben sich die eigentlich von Axishirschen lebenden Tiger zunehmend an Menschenfleisch gewöhnt, heißt es und kommen jetzt auch in die Dörfer. Erst vor wenigen Wochen hat ein Tiger nachts ein Dorf heimgesucht und drei Menschen im Schlaf in ihren Häusern getötet. Ein Problem, das offenbar also letztlich menschengemacht ist, mit fatalen Folgen für Dorfbewohner wie Bengaltiger.
Weil die Tiger aber in Bangladesh gleichzeitig auch als machtvolle Symboltiere gelten, richtet sich – anders als bei europäischen Wölfen oder Bären – der Hass in den Dörfern nicht auf die Tiere. Dafür trifft er die Tiger-Witwen, deren Männer getötet wurden. Sie hätten durch “falsches” Verhalten während der Abwesenheit ihrer Männer deren Tod heraufbeschworen, lautet der Vorwurf. Die Witwen werden von der Familie ihres Mannes verstoßen, müssen ihr Haus verlassen und können oft nur zurück zu ihren eigenen Eltern flüchten.
Auf den Spuren des Klimawandels: Shrimps
Umweltwissen eher gut versteckt: Quora
Was unterscheidet die berühmten Eliteeinheiten des US-Militärs wie Green Berets, Navy Seals, Delta Force etc. voneinander? Keine Ahnung, warum mir diese Frage beim sozialen Netzwerk Quora gerade unaufgefordert als Frage der Woche präsentiert wird, ich hatte „Umwelt“ und „Nachhaltigkeit“ als Schwerpunktthemen angegeben, aber gut, nobody is perfect. Quora kennen in Deutschland eher wenige und das, obwohl Quora mal als „the next big thing“ gehandelt wurde – das dann Facebook wurde. Schade eigentlich, Quora gibt (engl.) Antworten auf Wissensfragen aller Art. Auch zu Umweltfragen. Das Prinzip ist ein bisschen wie früher bei den Internetforen: Jeder kann fragen und wer sich berufen fühlt, antwortet. Wie können wir weniger konsumieren und dennoch mehr Geld verdienen? Ist die Schließung von 70 Naturparks in Kalifornien dieses Jahr tatsächlich die eingesparten 22 Millionen Dollar wert? Warum ist Kanada aus dem Kyotoprotokoll ausgestiegen?
Fragen dieser Art gibt’s bei Quora eine Menge, da wird lebhaft diskutiert, auch sehr ernsthaft und wer wie der bekannte Klimaskeptiker Björn Lomborg die deutsche Photovoltaik nur als teuer und ineffizient abtut kriegt sein Fett ab. Dann lieber schon die Frage beantworten: Was könnten die meisten Leute für den Umweltschutz machen, tun es aber nicht? Die neun gegebenen Antworten reichen dann von „Weniger Fleisch essen“ bis zu Wortspielen wie Reduce, reuse and then recycle, also: Vermindern, mehrfachverwenden, dann recyceln. Meine Lieblingsfrage bei Quora derzeit: Was ist das Umweltschädlichste, das es je gegeben hat?
Die Antwort lautet: Thomas Midgley Junior, gestorben 1944. Der habe der Umwelt mehr geschadet als jeder andere lebende Einzelorganismus der gesamten Erdgeschichte. Thomas Midgley hat Mitte des 20. Jahrhunderts das verbleite Benzin und die Herstellung von Chlorfluorkohlenwasserstoffen erfunden, Chemikalien, mit deren Auswirkungen in der Umwelt wir uns bis heute rumplagen müssen.
Einen Wissenschaftler aber als Teil der Evolutionsgeschichte zu betrachten, darauf muss man erst mal kommen, „mein lieber Herr Gesangsverein“. Und falls Sie wissen wollen, woher der Ausdruck mit dem Gesangsverein stammt, dann schauen Sie mal in unseren SWR-Blog 1.000 Antworten. Das ist so eine Art Klein-Quora auf deutsch. Gibt’s auch als iphone-App.
Schon fast 90.000 fordern: Agrarindustrie nicht mästen!
Schon fast 90.000 Menschen haben den Appell der “Kampagne Agrar-Politik” unterzeichnet, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die EU-Forderung nach mehr Umweltschutz nicht zu torpedieren, eine erstaunlich hohe Zahl:
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Frau Bundeslandwirtschaftsministerin,
die EU ringt derzeit um eine Neuausrichtung ihrer Agrarpolitik. Sorgen Sie dafür, dass ein echter Systemwechsel stattfindet: weg von der Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlich-nachhaltigen Landwirtschaft.
Ich fordere Sie auf, den Reformvorschlag der EU-Kommission nicht länger zu bekämpfen. Subventionszahlungen müssen künftig an die Einhaltung ökologischer und sozialer Kriterien gebunden und für industrielle Großbetriebe gedeckelt werden. Dumpingexporte müssen verboten und Exportsubventionen in die Länder des Südens müssen endgültig abgeschafft werden, da sie dort die Lebensgrundlage von Kleinbauern zerstören.
Mit freundlichen Grüßen
o Ihr Name und Wohnort
Blogs sind nicht out – sondern: grün
Das Bloggertreffen 2012 auf der Biofach-Messe in Nürnberg ist Geschichte. Ich war verhindert, leider, möchte aber umso mehr auf die Liste von Blogs zu Umwelt und Nachhaltigkeit verweisen, die anlässlich des Bloggertreffens erstellt wurde. Die Zahl der deutschsprachigen “grünen” Blogs liegt freilich insgesamt noch deutlich höher. Auch wenn Blogs immer wieder totgesagt werden, nach meiner Wahrnehmung sind sie quicklebendig.
Abspeisen statt einspeisen – Ende der Energiewende?!
Zufälle gibt’s. Da warnt dieser Tage der künftige Chef des Stromgiganten RWE Peter Terium vor noch mehr Solarpaneelen und nahezu zeitgleich verkünden die Herren Rösler und Röttgen das Ende des deutschen Solarzeitalters. Die Netzgemeinde findet keineswegs, dass die Energiewende damit auf einem guten Weg ist, im Gegenteil. Allein auf tagesschau.de beteiligen sich über 10.000 UserInnen an der Umfrage, drei Viertel halten den Kürzungsbeschluss für falsch.
AntiAtomNetz Koblenz twittert: „Röttgen und Rösler wollen Photovoltaik in Deutschland abschaffen“ und spricht von einem „Amoklauf der Bundesregierung gegne die Solarenergie.“ „Ein Riesenfiasko für eine zukunftsfähige Energieversorgung“, meint auch der BUND, ein “wesentlicher Eckpfeiler der Energiewende droht abgewürgt zu werden“.
Für dieses Jahr waren bereits weitere (sinnvolle) Kürzungen der Solarförderung angekündigt, Tenor vieler Kommentare: die neuen Beschlüsse gehen zu weit und kommen viel zu schnell. „Abspeisen statt einspeisen – Ende der Energiewende?!“ weiterlesen →
Jetzt vernetzen Sie mich endlich! Los jetzt!
Ich habe eine Email bekommen.
Sehr geehrter Herr Weiß, sehr geehrtes Team, seit einiger Zeit haben wir Ihren Link in unserer Blogroll aufgeführt. Leider konnten wir bei Ihnen noch keinen Verweis auf den LichtBlickBlog finden. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie dies nachholen würden. Herzlichen Dank! Mit besten Grüßen aus Hamburg, Laura Welle, Unternehmenskommunikation.
Also liebe Frau Welle, da muss ich schon sagen: Hut ab, Sie haben verstanden, wie die Sozialen Netzwerke funktionieren. Vernetz’ ich Dich, vernetzt Du mich. Habe ich einen Blog und will, dass er bekannt wird, dann muss ich interessante Inhalte absondern, aber auch den alten Marketingspruch beherzigen: Tu Gutes und rede darüber. Im Fall von Blogs heißt das: Alles vernetzen, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Das heißt in der Praxis: bei anderen Blogs kommentieren und damit eine virtuelle Duftmarke hinterlassen samt Link auf den eigenen Blog.
Und dann gibt’s die Blogroll. Das ist im Grund einfach eine Linkliste. In meinem Umweltblog sind zum Beispiel als Blogroll in der rechten Spalte Links zu anderen Umweltseiten und Blogs aufgelistet, die ich spannend finde. Das Spektrum reicht von 123wir, einer Aktionsseite der Welthungerhilfe, bis zum Waldportal mit vielen Infos rund um Wälder weltweit, die ein rühriger Biologe pflegt. Dann gibt’s da einen Kollegen, der unter umwelthaushalt.de schreibt, wie nachhaltig eine ganz normale Familie leben kann.
Ganz anders der Ökojagdblog. Hier bloggen die rheinland-pfälzischen Ökojäger, ja sowas gibt es, neue Artikel sind in letzter Zeit allerdings eher selten. Dafür enthalten sie dann zum Amüsement aller Nichtjagenden Formulierungen wie „Die Rammlerin will mir nicht aus dem Kopf“. Sehr schön. Weil gerade die Zeit der Biofach-Messe in Nürnberg, dazu passen dann Blogs wie Grüne Mode mit Themen wie „Muss denn Seide Sünde sein“. Oder auch karmakonsum.de, die nachhaltigen Konsum fördern möchten und dazu auch jährlich eine mittelgroße Konferenz in Frankfurt abhalten.
Auf solchen grünen Blogs gibt es, wenn sie erfolgreich sind, auch etwas Werbung und jetzt komme ich wieder auf Frau Welle zurück, die findet, ich hätte etwas nachzuholen. Nicht böse sein, wenn ich ihren Unternehmensblog weiterhin nicht in meine Blogroll aufnehme, nur weil Sie das mit meinem getan haben, was mich sehr freut. Ich darf es als öffentlich-rechtlicher Blogger schlichtweg nicht.
Ist ein bisschen Werbung drauf, ok, aber Verlinkung auf reinen Kommerz, auf Webshops und Unternehmensblogs ist bei uns out und wenn das Ganze noch so nachhaltig sein sollte. Das sind die derzeitigen Spielregeln. Und jetzt bin ich natürlich mal gespannt, ob ich in Ihrer Blogroll bleibe oder nicht.
Wenn der Shitstorm kräftig weht
Ein Shitstorm, das klingt schon wenig vertrauenserweckend, auch wenn man das Wort nicht vom Englischen ins Deutsche übersetzt. In der Tat ist ein Shitstorm im Netz für ein Unternehmen, eine Marke, eine Behörde oder überhaupt eine im Internet präsente Organisation mit das Unangenehmste, was passieren kann. Der gute Ruf steht auf dem Spiel. Von allen Seiten hagelt es virtuelle Prügel und damit ist eben nicht konstruktive Kritik von Kunden gemeint. Ein Shitstorm ist unsachlich, ist die entfesselte Wut der Socialmedia-Massen mit massenhaft Kommentaren und Anfragen bei Twitter, Facebook und Co. Wer ihn erlebt hat, ahnt, welche Macht a) die Menge ausüben kann und b) welche Stimmungslage einst zu Zeiten der Heiligen Inquisition zu Scheiterhaufen geführt hat. „Wenn der Shitstorm kräftig weht“ weiterlesen →








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