. . Ein Projekt vom SWR

natürlich! ab heute für Umwelt und Natur

01.04.2014, von

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Wilde Gegend – auf dem Lotharpfad im neuen Nationalpark Schwarzwald. Erstes Thema heute bei “natürlich!”, der neuen Umwelt- und Natursendung im SWR-Fernsehen. Dienstags, 18.15 Uhr oder in der SWR-Mediathek.
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Wie verantwortlich ist Chevron für versifften Urwald?

08.03.2014, von

Das Ausmaß der Umweltzerstörung in Ecuador war enorm:

5.000 Quadratkilometer verseuchter Regenwald, vergiftete Gewässer, mehr als 114 Milliarden Liter giftige Abwässer und ausgelaufenes Rohöl – darum ging es im Prozess um Umweltschäden.

Das juristische Hickhack in der Folge der Schäden ist unübersichtlich. Erst ein Urteil mit 19 Milliarden Dollar Schadensersatz, dann eine Halbierung, jetzt ein fast-schon Freispruch. Mal Gerichte in Ecuador, mal USA. Klar ist nur: die Umweltsauerei war heftig, die Chevron im Urwald durch die Ölförderung hinterlassen hat, und offenbar kommen die Verantwortlichen wieder mal billig davon. Ein Grund mehr, sich für Erneuerbare Energien zu engagieren.

via Nicht schuldig, sondern nur "in gewisser Weise" verantwortlich | Telepolis.

Olympia: Wintersport beim Palmenstrand

06.02.2014, von

Die nächsten Weltmeisterschaften im Bergsteigen sollten im platten Hamburg oder in Amsterdam stattfinden. Und die nächste Regatta für Fünfmast-Großsegler in, sagen wir, Sulz am Neckar, und Ulm an der Donau wäre auch nicht schlecht. Was die in Sochi können, können wir schon lange. Nichts ist unmöglich – auch nicht Wintersport im Sommerparadies. Skifahren an der russischen Riviera. Sochi war schließlich die Sommerresidenz Stalins, (das Haus steht übrigens noch, ein Museum, liebevoll hergerichtet), dort wo das Schwarze Meer am wärmsten ist und Palmen die Straßen zieren.
Tja, ein Teeanbaugebiet im subtropischen Klima des Schwarzen Meeres richtet olympische Winterspiele aus. Warum eigentlich nicht, aber warum eigentlich nicht gleich in Dubai , auch die Zentralafrikanische Republik würde sich anbieten. Das bischen Energiemehraufwand, das spielt doch keine Rolle.
Wir beherrschen die Natur, das war schon unter Stalin das Credo der Grossmannsucht, doch auch nach dem Tod des Tyrannen folgten in den nächsten Jahrzehnten allerlei umfangreiche Pläne zur Umgestaltung der russischen Natur. Real existierende Industrieagrarkultur, geprägt von völlig überzogenen Allmachtsvorstellungen. Gigantische Bewässerungsvorhaben, ewig lange Flussumleitungen sollten zeigen: Technik besiegt Natur, wir Menschen beherrschen alles, wenn wir nur wollen. Heute können wir am ausgetrockneten Aral-See das Resultat des Wahnsinns bewundern.

Der Schoß ist fruchtbar noch, geht mir da durch den Kopf, wenn ich die 700.000 Kubikmeter zwischengelagerten Schnees vom Vorjahr betrachte, mit dem der Winter 2014 in Sochi gepimpt wird. Oder die 400 festinstallierten plus 27 mobilen Schneekanonen, die für weiße Abfahrten sorgen sollen. Je nach Lesart kostete der olympische Wahnsinn sieben bis 50 Milliarden Dollar und da reden wir nicht von der energetischen oder ökologischen Bilanz. Dafür steht dann ein 40.000 Plätze fassenden Stadium im Imeretinskaya Feuchtgebiet, das einst für sein reichhaltiges Vogelleben bekannt war.

Offiziell freilich ist das ganz anders: „In Harmonie mit der Natur“, wirbt die Seite www.sochi2014.com für grüne Winterspiele. Null Müll soll anfallen, lautet das Versprechen der Grünen Spiele. Das passt zwar nicht zusammen mit diversen illegalen Bauschuttablagerungen von den Olympiabaustellen nördlich von Sochi. Und auch wie der benachbarte Sochi Nationalpark und das Biosphärenreservat Kaukasus ausgerechnet durch den Ausbau der regionalen Infrastruktur geschützt werden sollen, bleibt das Rätsel der russischen Verantwortlichen. Denn normalerweise gilt: je besser zugänglich eine Region ist, umso stärker wird sie besucht. Das ist schön für den Tourismus und das Bruttosozialprodukt, weniger schön allerdings für bisher eher weniger belastete Naturräume wie den Westkaukasus. Aber wen interessiert schon Natur bei soviel Olympia. (und soviel Geld…)

Rotkäppchen und der böse Nationalpark

10.01.2014, von

Es gibt Menschen, für die ist Natur eher feindlich und ein Nationalpark daher offenbar ein Graus. Womöglich leben dort sogar größere wilde Tiere.

Kreisjagdmeisterin Heiderose Hügel aus Idar-Oberstein: "Erst kommt der Luchs und dann der Wolf."

Andere zeigen ein eher alttestamentarisches Verständnis (macht euch die Erde untertan) vom Umgang mit Umwelt, wenig Verständnis von Ökologie (da ist die Tierwelt im Hunsrück im Gleichgewicht) und von Nachhaltigkeit scheint mancher Bauernführer in Rheinland-Pfalz wenig beleckt.
Wir schreiben das Jahr 2014 n.Chr., gelegentlich vergißt man das.

via Bauerntag: Präsident Leo Blum wettert gegen den Nationalpark – Nahe-Zeitung – Rhein-Zeitung.

Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google

15.11.2013, von

Es gibt gute Gründe, von der Datenkrake Google die Finger zu lassen. Meine Suchmaschine heisst längst wieder metager.de, speichert die IP-Adresse meines Rechners angeblich nicht und liefert trotzdem meist brauchbare Ergebnisse. Aber lassen wir das, manchmal, ja manchmal, da macht Google richtig coole Dinge. Zum Beispiel gibt es jetzt eine hochaufgelöste Karte des Planeten, auf der ist bis auf dreißig Meter genau zu sehen, wieviel Wald auf der Erde wächst oder besser: wuchs.

Vom Jahr 2000 bis 2012 wurde eine Waldfläche von der vierfachen Größe Deutschlands vernichtet.
Matt Hansen von der Uni Maryland in den USA hat die Ergebnisse in seinem Blog dargestellt und auch im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.
Pro Minute verschwindet Wald in der Größe von 50 Fussballfeldern, also so jede gute Sekunde eins weg und jetzt eins und jetzt ein fussbaldfeld Wald und wieder eins weg na und so weiter. Im Blog ist das auch sehr schön grafisch umgesetzt und wer da nicht ins Grübeln kommt hat kein Herz oder ist Klimapolitiker und grade auf der UN-Konferenz in Warschau zum Klimaschutz, der keiner ist und noch nie wirklich einer wahr.
„Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google“ weiterlesen →

Ölbohren im Yasuni-Park: Erst die Dollars, dann die Moral

16.08.2013, von

Achja, unsere Nationalparke oder welche, die es noch werden wollen, sind doch ein steter Quell der Freude für uns Journalisten. Denn es gibt immer was zu berichten: Gemeinde x will nicht so recht, in Gemeinde y sitzen ein paar Bedenkenträger und Herr z äußert sich im Internet auch ziemlich kritisch. Trotz allem: wir bekommen zwei neue Nationalparke im Südwesten, wobei: es sind ja Entwicklungsnationalparke, dort im Nordschwarzwald und im Pfälzer Hochwald. Unsere wilde Natur haben wir in Mitteleuropa ja schon lange platt gemacht.
Naja, inzwischen fördern wir also in unserem Industriestaat mit viel Aufwand wieder ein bisschen mehr Artenvielfalt in naturähnlicher Landschaft. Mehr Wildnis wagen. Ist ja auch gut so. Andere Länder haben dagegen noch Natur satt, Wildnis bis zum Abwinken und würden die gern erhalten – wenn denn jemand dafür zahlen würde. Ecuador zum Beispiel, der kleine Andenstaat, machte der UNO vor sechs Jahren ein ausgesprochen moralisches Angebot: Wir verzichten darauf, die Ölquellen unter unserem Yasuni-Nationalpark zu nutzen, wenn ihr uns dafür entschädigt.

Der Yasuni-Regenwald, das sind nicht irgendwo ein paar beliebige Bäumchen, das ist eines der artenreichsten Gebiete weltweit überhaupt. 2,7 Milliarden Euro, verteilt über zehn Jahre wollte Ecuador dafür haben. Angesichts der Gewinne, die mit Erdöl erzielt werden können, kein Schnäppchen, aber nur noch die Hälfte dessen, was mit den 850 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuni-Park voraussichtlich zu erlösen wäre. Für ein Land, das ein Drittel seines Haushalts aus Öleinnahmen finanziert, ein realistischer Preis.
Und, was hat die UNO, was haben wir Industriestaaten gemacht? 2010 wurde zwar ein UN-Fond für Yasuni gegründet, aber statt 2,7 Milliarden kamen gerade zehn Millionen Euro zusammen, zumeist aus privaten Spenden. Soviel ist der Welt also der Schutz der Biodiversität also wert: nahezu nichts. Ganz zu schweigen davon, dass im betroffenen Gebiet auch Indianer ohne Kontakt zur Aussenwelt leben, deren Leben durch die mit der Ölförderung verbundenen Veränderungen zerstört wird.
Im Internet wird jetzt zwar mobilisiert: #saveyasuninow. Ich würde da eher fragen: #saveyasunihow? Denn Öl zu fördern lohnt sich gerade besonders: aufgrund der blutigen Vorgänge in Ägypten ist der Ölpreis stark angestiegen. Und die Moral von der Geschicht’? Frei nach Bertolt Brecht: Erst das Erdöl, dann die Moral. Da wird’s schwer für #saveyasuninow.

Naturvision-Filmfestival zwischen Hochglanz und Engagement

12.07.2013, von

Tiere, Kinder und Sex gehen immer, wissen Filmemacher. Bleiben wir heute beim spannendsten dieser drei Themen: den Tieren. Am Donnerstag 18.7. eröffnet in Ludwigsburg das Natur-Visions-Filmfestival und bis zu Sonntag sind dort hundert Natur-, Tier- und Umweltfilme zu sehen.
Es ist schon erstaunlich, was für eine Entwicklung das Genre über die Jahre genommen hat. Da reicht’s ja heute nicht mehr aus, wie zu Grzimeks Zeiten mit einem mit Zebrastreifen angepinselten Kleinflugzeug über eine Gnukuhherde zu fliegen oder wütende Elefantenhorden beim wilden Trab durch die Savanne zu drehen.
Heute ist Hochglanz gefragt und Hightech, staunen müssen die Leute über Makroaufnahmen von Waldpilzen im Gegenlicht und natürlich reicht es nicht, diese Pilze porentief zu dokumentieren, sondern selbstverständlich muss das im Zeitraffer passieren, müssen Wochen zu Sekunden verdichtet werden, denn wer hat schon Zeit, Pilzen beim Wachsen zu zu gucken? Ok, ich ja auch nicht.
Erstmals gibt’s bei Natur-Vision auch Animationsfilme zu sehen, Zeichentrick haben wir das früher mal genannt, aber auch dieses Genre ist inzwischen technisch gepimpt, dass es eine Freude ist und da red’ ich noch nicht von 3D-Darstellungen. Obwohl: Schon 1908 hat der in Frankreich und Russland lebende Pole Ladislaw Starewicz den Kampf zwischen zwei Hirschkäfern als Stop Motion Film gedreht, das war wohl mit der erste tierische Animationsfilms und das schon vor über hundert Jahren.
Es war dann ein weiter Weg bis zu einem modernen Klassiker von 2010 wie „Konferenz der Tiere“, der auch in Ludwigsburg gezeigt wird, wo die Tiere in der Savanne einen plötzlichen Wassermangel erkunden und dann prompt den Menschen und ihrer wasserklauenden Staumauer einen Denkzettel verpassen wollen. Ja, der Tierfilm entwickelt sich weiter, entweder eben zu Hochglanz-Extrem, mit Supermakro und spektakulären Luftaufnahmen aus teuren Hubschrauber-Drohnen, die (zum Glück nur) spektakuläre Bilder schießen. Oder aber auch in Richtung engagiertem Umweltfilm. Da mischen sich dann wie bei „Der letzte Fang“ Unterwasserbilder von der beeindruckenden Schönheit von Schwärmen des Blauen Thunfischs mit blutroten Details aus den Massakern, wenn die Fische ihr Leben für Sushi-Feinschmecker lassen müssen, verbunden mit der differenzierten Darstellung der wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Fischer.
Eins zeigt so ein Natur-, Tier- und Umweltfilmfestival wie Naturvision deutlich: dieser Planet ist herrlich, aber: es läuft eine Menge schief mit der Natur. Nur was man kennt, kann man schützen, sagen Naturschützer, deshalb noch mal der Hinweis: von Donnerstag 18.7. bis Sonntag 21.7.: Naturvision-Filmfestival in Ludwigsburg, Details im Internet unter www.natur-vision de. Der “Kommissar im Kühlschrank” aus dem SWR-Fernsehen, Schauspieler Andreas Hoppe, kommt übrigens auch.

Umstrittene Elbvertiefung erst mal gestoppt

17.10.2012, von

Da freut sich der Elb-Fisch und die Bekassine wundert sich:

Das Bundesverwaltungsgericht hat einem Eilantrag von Umweltschützern stattgegeben und die Ausbaggerung der Elbe vorerst gestoppt.

Zur Abwechslung mal nicht das alte Spiel: Erst Fakten schaffen, dann vor Gericht verhandeln. Sondern Stopp bis zur Klärung.

via Sieg für Umweltschützer: Gericht stoppt geplante Elbvertiefung

Grüner Gegenwind für rheinland-pfälzische Windräder

17.09.2012, von

Das war zu erwarten, dass die rheinland-pfälzischen Naturschutzverbände das heute vorgelegte Gutachten der Landesregierung zu Windenergie und Naturschutz kritisieren würden. Nur zwei Prozent Tabuflächen, die von vornerherein Windenergie ausschließen, das ist ihnen zu wenig. Dabei sind ihre Argumente teilweise genauso schräg wie Teile des kritisierten Gutachtens. Dem Luchs ist es nämlich piepegal, ob im Pfälzerwald Windräder stehen oder nicht – der überlebt stark befahrende Straßen nicht und illegale Jagdleidenschaften. Es macht auch einen Unterschied, ob ich ganze Eifelvulkane abbaue und plattmache oder ob auf ihnen ein paar Windräder stehen. Und wer weiß, mit welchem Enthusiasmus ein ernsthafter Naturschutz im Biosphärenreservat Pfälzerwald in den letzten Jahrzehnten – nicht – vorangetrieben wurde, der kann den Katzenjammer aus dieser Ecke über ein paar Windräder mehr oder wenig nicht ernsthaft ernst nehmen. Der Tonfall der Pressemitteilung ist so gehalten dass Böswillige vermuten könnten, zumindest ein Teil der Verbände wollte vor allem den Preis für mehr politische Beteiligung und Staatsknete für Landschaftspflege ein wenig nach oben treiben und nutze dazu die Windkraftdebatte.

Andererseits macht sich das vorgelegte Gutachten natürlich auch lächerlich, wenn es reihenweise Schutzgebiete auflistet und bewertet, die schon aufgrund ihrer topographischen Situation von vorneherein niemals als Windkraftsstandort in Frage kommen werden – oder möchte jemand Windräder in die Aarmündung, das Rhein- oder Moseltal stellen? Und dass das unterirdische Mayener Grubenfeld ungeeignet für Windkraftanlagen ist, dazu hätte es keines Gutachtens bedurft.  Da hätte man sich viel “Bewertungsarbeit” und vernebelnde Prozentrechnerei sparen können. Nein, vor allem die Hochflächen und die Berge sind windhöffig und energetisch spannend.

Wer sieht, wie derzeit die Riesenwindräder im Hunsrück auf dem Hochsteinchen unübersehbar sprießen und das inzwischen reichlich verspargelte Hinterland von Kastellaun nach Süden begrenzen, der kann den ein oder anderen Ärger über die Störung der romantisierenden Landschaftsästhetik und Befürchtungen über Lärm und fehlenden Erholungswert wie auch Störungen der Zugvogelwelt durchaus nachvollziehen. Und machen wir uns nichts vor: Investoren sind die Interessen von Fledermäusen und Rotmilanen und örtlicher Bevölkerung völlig schnurz, solange sie nicht planungsrelevant sind. Das verstärkt den örtlichen Ärger, klar, und der lässt sich höchstens über mehr Beteiligung an den Erlösen der Windkraft eindämmen.

Naturschutz und Windkraft sind vereinbar, ja, aber eben nicht immer und überall. Da muss auch keiner so tun als wäre das anders. Es wird tierische Opfer geben und dann ist es vor allem wichtig, nicht in Zynismen zu verfallen. Ein Blick in die USA könnte da hilfreich sein, dort ist der technische Umweltschutz mit automatischen Abschaltungen etc. teil offenbar schon etwas weiter als hierzulande – nach massiven Protesten der Naturschutzverbände.

Es wird spannend zu sehen, ob es den beteiligten Ministerien in Rheinland-Pfalz gelingt, über ihren Windschatten zu springen und großzügigere Abstandregelungen in der Landesplanung und den Bauvorgaben zu verankern. Bislang sieht es nicht danach aus – das wäre ein fataler Fehler und für die dringend benötigte Akzeptanz der Erneuerbaren ziemlich schädlich. Das heute vorgelegte Naturschutz-Gutachten hätte bereits viel stärker ein Zeichen in Richtung Versöhnung setzen können. Warum sind die Natura2000-Gebiete nicht zunächst einfach draußen geblieben – Prüfung im begründeten Einzelfall dabei nicht ausgeschlossen. Das wäre zumindest ein Zeichen gewesen.

Ein Leitfaden zu sein und Klarheit zu schaffen, “wo aus naturschutzfachlicher Sicht im Land Windkraft möglich ist” ist ein Anspruch, der so nicht einzulösen war und ist, das kann dieses Gutachten nicht leisten. Letztlich für den Naturschutz entscheidend werden die Einzelfallprüfungen werden. Für pauschale Bewertungen ist Natur viel zu komplex. Das wissen Verbände wie Ministerien aber auch selbst sehr genau.

Superstaudamm Belo Monte fertig geworden wäre gewesen

17.08.2012, von

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Mal wieder Baustopp am drittgrössten Wasserkraftwerk der Welt, dem Belo Monte Staudamm in Brasilien. Ein Richter befand jetzt, dass die möglichen negativen Folgen für die Umwelt hätten VOR einer Genehmigung untersucht werden müssen. Und nicht im NACHHINEIN, wie das 2005 vom Parlament beschlossen wurde.

Wie kleinlich. Das weiss man doch: erst mal machen und bauen, danach sieht man weiter. Das funktioniert in jeder lupenreinen Demokratie. Obwohl: stimmt nicht immer, wie ein Blick ins Neckartal zeigt. Aber damals kurz nach der Jahrtausendwende waren sie auch bei der Deutschen Bahn noch nicht auf den Trichter gekommen, dass die Beteiligung von Kreti und Pleti bei Grossprojekten wie Stuttgart21 durchaus angesagt sein könnte. Die Brasilianer sind da vermutlich heute noch im Zustand glückseliger Mappus-Denke aus der Vor-Kretschmann-Zeit, die haben ihr Stuttgart21 einfach noch nicht erlebt.

Ist halt auch nicht so dicht besiedelt, der Amazonas. Die 20.000 Indianier, die umziehen müssen, weil für Belo Monte ein zweites Schwäbisches Meer entsteht, achgottchen, ja. Wo gehobelt wird…  Was sind die Interessen von einpaar Ureinwohnern gegen rund 500 Quadratkilometer imposante Seefläche hinter drei gewaltigen Staumauern mit den sinstiftenden Namen: Schöne Aussicht, Schöner Berg und Pfeffrig.

Pikant ist allerdings vor allem die Tatsache, dass die Leistung des gigantischen Wasserkraftwerks mit all seiner Regenwaldzerstörung und sozialen Sprengkraft nicht mal einem Drittel der im kleinen Deutschland inzwischen installierten Windkraft entspricht. Dabei liegt der Großteil der Industrie Brasiliens im Südosten, weit weg von Amazonien. Bei Sao Paulo stehen im Küstengebirge aber bisher kaum Windräder. Damals, in den 1970er Jahren, als Belo Monte erstmals geplant wurde, da galten Großprojekte noch was. Aber in nur 40 Jahren umzudenken ist aber auch schwer.

Jetzt also mal wieder Baustopp. Irgendwann geht’s aber weiter, die stoppen das nicht endgültig. Aber vielleicht ergeht es dem Belo Monte Damm ja wie dem neuen Berliner Flughafen. Wann der fertig wird, weiss keiner so genau. Sprachwissenschaftler haben ja deswegen dieser Tage eine neue Zeitform eingeführt: das Futur III. „Nächstes Jahr im Sommer werde ich in Urlaub nach Mallorca geflogen wäre gewesen.“  Analog könnte es für den Belo Monte Damm lauten: “2015 wird der Stausee fertig geworden wäre gewesen.”

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Ein Blog von Axel Weiß, SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung

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