. . Ein Projekt vom SWR

Eine entzückende Enzyklika

18.06.2015, von

Das selbstgemalte Plakat neben dem schlichten Altar ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Der Kapitalismus kann nur ausgrenzen.“ Das war Anfang der 1980-er Jahre in einem kleinen Kaff am Amazonas in einer Holzhüttenkirche – letzte Überbleibsel der katholischen Befreiungstheologie. Von der Aufbruchsbewegung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil war nicht mehr viel übrig geblieben zu diesem Zeitpunkt, die letzten Aufrechten vom damaligen Vatikan gemaßregelt und zum Schweigen gebracht.

Und jetzt dieser Papst Franziskus. Kein klassischer Befreiungstheologe, aber sein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung“ erinnert mich doch sehr an das Kirchlein am Amazonas, damals. Zu Umwelt hat er sich schon gelegentlich geäußert, für den Erhalt der amazonischen Regenwälder und gegen Verschwendung etwa. In der neuen  Enzyklika zu Umwelt bezieht Franziskus Position und zwar ziemlich deutlich:

„…er wendet die christliche Botschaft und katholische Lehre so konsequent auf die heutige Zeit an, dass er revolutionär wirkt. Etwa, wenn er jetzt die Wegwerfkultur verwirft und einen neuen Lebensstil fordert.“

Bleibt zu hoffen, daß er sich mit seiner nachhaltigen Argumentation auch langfristig durchsetzen kann. Die Gegner sind mächtig, nehmen Einfluß und mit seiner „Weniger ist mehr“-Haltung bringt er sogar noch die Prediger des grünen Wachstums gegen sich auf, denn „Negativwachstum“ ist bisher selbst unter Grünen nur bei wenigen gefragt. Mutig, dieser Mann. Beeindruckend.

Quelle: Enzyklika – Papst Franziskus wird zum Grünen – Panorama – Süddeutsche.de

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Ölteppich bedroht letzte bengalische Tiger

15.12.2014, von

Die Ölverschmutzung durch ein Tankerunglück in den weltweit größten Mangrovensümpfen an der Küste von Bangladesh hat offenbar größere Ausmaße als offiziell bisher eingeräumt. Betroffen sind in dem Sundarbarns genannten Gebiet laut Dhaka Tribune sowohl Menschen (wenn sie verseuchte Shrimps essen) als auch Tiger, Vögel, Flussdelfine…

A day after the first sighting of an Irawaddy dolphin corpse, hundreds of marine birds, small fishes and otters could be seen struggling with their lives looking for food in the oil-mixed mud on the banks of Sela River.

via Toll on wildlife rises in the Sundarbans | Dhaka Tribune.

Neue Jagdregeln in Baden-Württemberg – „natürlich!“

15.05.2014, von

Das neue Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz in Baden-Württemberg ist strittig. Zwischen Naturschützern, Jägern und Regierung. Wir haben einige Knackpunkte rausgegriffen und diese Woche bei natürlich! zum Thema gemacht. Hier die Sendung zum nachschauen: http://swrmediathek.de/player.htm?show=0657ab20-daa3-11e3-a953-0026b975f2e6

Eingeweiht: wilder Südwesten im Schwarzwald

30.04.2014, von

Der Staatswald in Baden-Württemberg gehört allen, oder? Und wenn die gewählten Volksvertreter seit 1. Januar diesen Jahres ein winziges Stückchen dieses Staatswaldes haben aus der Nutzung nehmen lassen, dann geht das völlig in Ordnung. Das ein ganz normaler demokratischer Vorgang. Nein, dieser Wald gehört nicht der Sägeindustrie. Oder der Tourismusbranche. Er gehört nicht einmal den angrenzenden Gemeinden. Sondern allen Baden-Württembergern.

Soviel vorab zur Klärung der Eigentumsverhältnisse im Nationalpark Schwarzwald. Und die ist nötig, denn manche Gegner des Schutzgebiets gebärden sich immer noch als werde dort gerade ihr ganz persönliches Privateigentum verprasst. Am nächsten Wochenende bei der offiziellen Einweihung wird da sicher noch einmal das ein oder andere aufflammen an Empörung über das vermeintlich „grüne Vorzeigeprojekt“.

Zugegeben, es ist ja auch nicht ganz einfach, sich von alten Gewohnheiten zu lösen, Neues zu wagen. Jahrhundertelang haben wir den Wald gerodet oder aber eben genutzt, der einst flächendeckend unser Land überzog. Der Wald bot Einstreu für die Ställe, lieferte Nahrung für die Schweine, Eicheln für den Notkaffee, da war das Harz und Holz zum Heizen, hinzu kam edles Wild für die Speisekarte der Hohen Herren… na und so weiter. Jetzt zu sagen: Danke, wir verzichten, wir überlassen der Natur weitgehend das Sagen, das ist schon ein Bruch. Wird da nicht den Borkenkäfern zum Fraß vorgeworfen, was die Generation der Vorväter mühsam aufgebaut haben? Gefühlt: ja. Das ist hart. Aber eine notwendige Zumutung und ein Lernprozess. Wir leben eben nicht mehr im 19. Jahrhundert.

Eine Art Altersheim für Weißtannen, Buchen und Fichten entsteht da jetzt im Nordschwarzwald mit integriertem Hospiz, aber auch Geburtsstation. Natur also. Diese natürlichen Kreisläufe auf  Schreckensszenarien von zusammenbrechenden Wäldern voll finsterer Borkenkäfer zu reduzieren, das ist einfach nur Demagogik. Mancher Nationalparkgegner erweckt den Eindruck, seit 1. Januar diesen Jahres seien im Nordschwarzwald die apokalyptischen Reiter unterwegs – und die Region zwischen Ochsenkopf und Ruhestein falle gerade dem grünen Gottseibeiuns aus dem fernen Stuttgart anheim.

Ja, mag sein, dass die Borkenkäfer schon dieses Jahr zuschlagen – na und? Ein Blick in den Nationalpark Bayerischer Wald zeigt: das überlebt der Wald. Wer’s nicht glaubt, soll sich’s vom Nationalparkchef Dr. Thomas Waldenspuhl (übrigens ein gestandener CDU-ler)  die Zusammenhänge erklären lassen, der kann das nämlich.

Der Nationalpark, oder sagen wir besser: das Nationalpärkle, ist eh schon ein Kompromiss. Viel kleiner geht’s kaum, damit die Region den Namen Nationalpark überhaupt noch verdient. Gerade mal 100 Quadratkilometer sind es – bei einer Gesamtwaldfläche von 14.000 Quadratkilometern. Das heißt, 139 von 140 Teilen Wald im Land  sind eben kein Nationalpark. Und dieses kleine 140stel der Waldfläche im Land war zuvor schon in weiten Teilen Schutzgebiet.

Das Borkenkäfermanagement, das im Nationalpark geplant ist, um die umgebenden Wälder zu schützen, ist so aufwändig, dass man als Steuerzahler sagen möchte: Stopp, halt, soviel Aufwand wegen der  paar Bedenkenträger aus dem umgebenden Privatwald?

Also mal ehrlich: was die Natur im Nordschwarzwald verdient hat ist endlich Ruhe. Ruhe vor soviel Aufgeregtheit wegen ein bischen Wald, der sich dem allzu menschlichen Ordnungs- und Nutzungswillen entziehen darf. Kehrwoche, nein, danke! Wenigstens im Gebiet des Nationalparks sollte sich die Wildnis entwickeln und die Natur jetzt einfach mal ein paar Jahrzehnte auf den paar Hektar in Würde altern dürfen.

natürlich! ab heute für Umwelt und Natur

01.04.2014, von

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Wilde Gegend – auf dem Lotharpfad im neuen Nationalpark Schwarzwald. Erstes Thema heute bei „natürlich!“, der neuen Umwelt- und Natursendung im SWR-Fernsehen. Dienstags, 18.15 Uhr oder in der SWR-Mediathek.
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Wie verantwortlich ist Chevron für versifften Urwald?

08.03.2014, von

Das Ausmaß der Umweltzerstörung in Ecuador war enorm:

5.000 Quadratkilometer verseuchter Regenwald, vergiftete Gewässer, mehr als 114 Milliarden Liter giftige Abwässer und ausgelaufenes Rohöl – darum ging es im Prozess um Umweltschäden.

Das juristische Hickhack in der Folge der Schäden ist unübersichtlich. Erst ein Urteil mit 19 Milliarden Dollar Schadensersatz, dann eine Halbierung, jetzt ein fast-schon Freispruch. Mal Gerichte in Ecuador, mal USA. Klar ist nur: die Umweltsauerei war heftig, die Chevron im Urwald durch die Ölförderung hinterlassen hat, und offenbar kommen die Verantwortlichen wieder mal billig davon. Ein Grund mehr, sich für Erneuerbare Energien zu engagieren.

via Nicht schuldig, sondern nur "in gewisser Weise" verantwortlich | Telepolis.

Olympia: Wintersport beim Palmenstrand

06.02.2014, von

Die nächsten Weltmeisterschaften im Bergsteigen sollten im platten Hamburg oder in Amsterdam stattfinden. Und die nächste Regatta für Fünfmast-Großsegler in, sagen wir, Sulz am Neckar, und Ulm an der Donau wäre auch nicht schlecht. Was die in Sochi können, können wir schon lange. Nichts ist unmöglich – auch nicht Wintersport im Sommerparadies. Skifahren an der russischen Riviera. Sochi war schließlich die Sommerresidenz Stalins, (das Haus steht übrigens noch, ein Museum, liebevoll hergerichtet), dort wo das Schwarze Meer am wärmsten ist und Palmen die Straßen zieren.
Tja, ein Teeanbaugebiet im subtropischen Klima des Schwarzen Meeres richtet olympische Winterspiele aus. Warum eigentlich nicht, aber warum eigentlich nicht gleich in Dubai , auch die Zentralafrikanische Republik würde sich anbieten. Das bischen Energiemehraufwand, das spielt doch keine Rolle.
Wir beherrschen die Natur, das war schon unter Stalin das Credo der Grossmannsucht, doch auch nach dem Tod des Tyrannen folgten in den nächsten Jahrzehnten allerlei umfangreiche Pläne zur Umgestaltung der russischen Natur. Real existierende Industrieagrarkultur, geprägt von völlig überzogenen Allmachtsvorstellungen. Gigantische Bewässerungsvorhaben, ewig lange Flussumleitungen sollten zeigen: Technik besiegt Natur, wir Menschen beherrschen alles, wenn wir nur wollen. Heute können wir am ausgetrockneten Aral-See das Resultat des Wahnsinns bewundern.

Der Schoß ist fruchtbar noch, geht mir da durch den Kopf, wenn ich die 700.000 Kubikmeter zwischengelagerten Schnees vom Vorjahr betrachte, mit dem der Winter 2014 in Sochi gepimpt wird. Oder die 400 festinstallierten plus 27 mobilen Schneekanonen, die für weiße Abfahrten sorgen sollen. Je nach Lesart kostete der olympische Wahnsinn sieben bis 50 Milliarden Dollar und da reden wir nicht von der energetischen oder ökologischen Bilanz. Dafür steht dann ein 40.000 Plätze fassenden Stadium im Imeretinskaya Feuchtgebiet, das einst für sein reichhaltiges Vogelleben bekannt war.

Offiziell freilich ist das ganz anders: „In Harmonie mit der Natur“, wirbt die Seite www.sochi2014.com für grüne Winterspiele. Null Müll soll anfallen, lautet das Versprechen der Grünen Spiele. Das passt zwar nicht zusammen mit diversen illegalen Bauschuttablagerungen von den Olympiabaustellen nördlich von Sochi. Und auch wie der benachbarte Sochi Nationalpark und das Biosphärenreservat Kaukasus ausgerechnet durch den Ausbau der regionalen Infrastruktur geschützt werden sollen, bleibt das Rätsel der russischen Verantwortlichen. Denn normalerweise gilt: je besser zugänglich eine Region ist, umso stärker wird sie besucht. Das ist schön für den Tourismus und das Bruttosozialprodukt, weniger schön allerdings für bisher eher weniger belastete Naturräume wie den Westkaukasus. Aber wen interessiert schon Natur bei soviel Olympia. (und soviel Geld…)

Rotkäppchen und der böse Nationalpark

10.01.2014, von

Es gibt Menschen, für die ist Natur eher feindlich und ein Nationalpark daher offenbar ein Graus. Womöglich leben dort sogar größere wilde Tiere.

Kreisjagdmeisterin Heiderose Hügel aus Idar-Oberstein: "Erst kommt der Luchs und dann der Wolf."

Andere zeigen ein eher alttestamentarisches Verständnis (macht euch die Erde untertan) vom Umgang mit Umwelt, wenig Verständnis von Ökologie (da ist die Tierwelt im Hunsrück im Gleichgewicht) und von Nachhaltigkeit scheint mancher Bauernführer in Rheinland-Pfalz wenig beleckt.
Wir schreiben das Jahr 2014 n.Chr., gelegentlich vergißt man das.

via Bauerntag: Präsident Leo Blum wettert gegen den Nationalpark – Nahe-Zeitung – Rhein-Zeitung.

Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google

15.11.2013, von

Es gibt gute Gründe, von der Datenkrake Google die Finger zu lassen. Meine Suchmaschine heisst längst wieder metager.de, speichert die IP-Adresse meines Rechners angeblich nicht und liefert trotzdem meist brauchbare Ergebnisse. Aber lassen wir das, manchmal, ja manchmal, da macht Google richtig coole Dinge. Zum Beispiel gibt es jetzt eine hochaufgelöste Karte des Planeten, auf der ist bis auf dreißig Meter genau zu sehen, wieviel Wald auf der Erde wächst oder besser: wuchs.

Vom Jahr 2000 bis 2012 wurde eine Waldfläche von der vierfachen Größe Deutschlands vernichtet.
Matt Hansen von der Uni Maryland in den USA hat die Ergebnisse in seinem Blog dargestellt und auch im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.
Pro Minute verschwindet Wald in der Größe von 50 Fussballfeldern, also so jede gute Sekunde eins weg und jetzt eins und jetzt ein fussbaldfeld Wald und wieder eins weg na und so weiter. Im Blog ist das auch sehr schön grafisch umgesetzt und wer da nicht ins Grübeln kommt hat kein Herz oder ist Klimapolitiker und grade auf der UN-Konferenz in Warschau zum Klimaschutz, der keiner ist und noch nie wirklich einer wahr.
„Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google“ weiterlesen →

Ölbohren im Yasuni-Park: Erst die Dollars, dann die Moral

16.08.2013, von

Achja, unsere Nationalparke oder welche, die es noch werden wollen, sind doch ein steter Quell der Freude für uns Journalisten. Denn es gibt immer was zu berichten: Gemeinde x will nicht so recht, in Gemeinde y sitzen ein paar Bedenkenträger und Herr z äußert sich im Internet auch ziemlich kritisch. Trotz allem: wir bekommen zwei neue Nationalparke im Südwesten, wobei: es sind ja Entwicklungsnationalparke, dort im Nordschwarzwald und im Pfälzer Hochwald. Unsere wilde Natur haben wir in Mitteleuropa ja schon lange platt gemacht.
Naja, inzwischen fördern wir also in unserem Industriestaat mit viel Aufwand wieder ein bisschen mehr Artenvielfalt in naturähnlicher Landschaft. Mehr Wildnis wagen. Ist ja auch gut so. Andere Länder haben dagegen noch Natur satt, Wildnis bis zum Abwinken und würden die gern erhalten – wenn denn jemand dafür zahlen würde. Ecuador zum Beispiel, der kleine Andenstaat, machte der UNO vor sechs Jahren ein ausgesprochen moralisches Angebot: Wir verzichten darauf, die Ölquellen unter unserem Yasuni-Nationalpark zu nutzen, wenn ihr uns dafür entschädigt.

Der Yasuni-Regenwald, das sind nicht irgendwo ein paar beliebige Bäumchen, das ist eines der artenreichsten Gebiete weltweit überhaupt. 2,7 Milliarden Euro, verteilt über zehn Jahre wollte Ecuador dafür haben. Angesichts der Gewinne, die mit Erdöl erzielt werden können, kein Schnäppchen, aber nur noch die Hälfte dessen, was mit den 850 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuni-Park voraussichtlich zu erlösen wäre. Für ein Land, das ein Drittel seines Haushalts aus Öleinnahmen finanziert, ein realistischer Preis.
Und, was hat die UNO, was haben wir Industriestaaten gemacht? 2010 wurde zwar ein UN-Fond für Yasuni gegründet, aber statt 2,7 Milliarden kamen gerade zehn Millionen Euro zusammen, zumeist aus privaten Spenden. Soviel ist der Welt also der Schutz der Biodiversität also wert: nahezu nichts. Ganz zu schweigen davon, dass im betroffenen Gebiet auch Indianer ohne Kontakt zur Aussenwelt leben, deren Leben durch die mit der Ölförderung verbundenen Veränderungen zerstört wird.
Im Internet wird jetzt zwar mobilisiert: #saveyasuninow. Ich würde da eher fragen: #saveyasunihow? Denn Öl zu fördern lohnt sich gerade besonders: aufgrund der blutigen Vorgänge in Ägypten ist der Ölpreis stark angestiegen. Und die Moral von der Geschicht’? Frei nach Bertolt Brecht: Erst das Erdöl, dann die Moral. Da wird’s schwer für #saveyasuninow.

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Ein Blog von Axel Weiß, SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung

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