. . Ein Projekt vom SWR

Mehr Artenvielfalt nach Bonn

09.07.2014, von

Gute Idee, der Weltbiodiversitätsrat. Nur: Werden den Vorschlägen auch Umsetzungen folgen? Zweifel sind angebracht.

Am Uno-Standort Bonn ist eine weitere internationale Einrichtung angesiedelt worden. Wie das Bundesumweltministerium in Berlin mitteilte, wurde das Sekretariat des Weltbiodiversitätsrats IPBES am Dienstag eröffnet. Nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC dient der Biodiversitätsrat der wissenschaftlichen Politikberatung, in diesem Fall aber zum Thema biologische Vielfalt. Er soll der Politik Handlungsoptionen zum Schutz und zur Nutzung der Biodiversität aufzeigen.

via Weltbiodiversitätsrats IPBES der Uno: Sekretariat in Bonn eröffnet – SPIEGEL ONLINE.

Empfehlen

Neue Jagdregeln in Baden-Württemberg – “natürlich!”

15.05.2014, von

Das neue Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz in Baden-Württemberg ist strittig. Zwischen Naturschützern, Jägern und Regierung. Wir haben einige Knackpunkte rausgegriffen und diese Woche bei natürlich! zum Thema gemacht. Hier die Sendung zum nachschauen: http://swrmediathek.de/player.htm?show=0657ab20-daa3-11e3-a953-0026b975f2e6

Immer weniger schwimmende Schillerlocken

12.05.2014, von

Fast ein Drittel aller 1700 untersuchten Fisch- und anderer Meerestierarten sind gefährdet und stehen deshalb auf der neuen Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz. Darunter sind auch Fische wie der Dornhai (aus dessen Flossen Bauchlappen leider immer noch die sogenannten Schillerlocken hergestellt werden).

“Die Situation der Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen ist kritisch und hat sich weiter verschärft”, so BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Eine Hauptursache für deren Rückgang sei die nach wie vor viel zu hohe Fischereiintensität mit Grundschleppnetzen, die selbst in den Meeresschutzgebieten weitgehend unreguliert stattfindet.

Möglicherweise ist der Zustand der Tierwelt in den Meeren aber sogar noch deutlich schlechter, weil den Experten nur unzureichende Informationen zur Verfügung stehen. Nicht schön.

via BfN: BfN stellt neue Rote Liste der Meeresorganismen vor.

Vom Artenschutz hin zum Schutz der Vielfalt?

03.04.2014, von

Spannend, was die Kollegen bei SWR2 im Programm haben: Wenn sich die wissenschaftlichen Erkentnisse zur zoologischen Systematik ändern, dann muss der Artenschutz daraus Konsequenzen ziehen. Hörenswert.

Im herkömmlichen Artenschutz spielen die so genannten Roten Listen immer noch eine Hauptrolle. Sie führen einzelne Pflanzen-, Pilz- oder Tierarten auf, die vom Aussterben bedroht sind. Das sei natürlich keineswegs überflüssig, meinen die Vertreter des neuen Ansatzes. Doch auch Werner Kunz vom Institut für Genetik an der Universität Düsseldorf fordert, das Schutzkonzept auszuweiten. Hin zur Artenvielfalt.

via Was ist eine “Spezies”?: Neue Definition könnte den Artenschutz verändern – SWR2 :: Wissen | SWR.de.

Tag der traurigen Tropenwälder

13.09.2013, von

14. September ist Tag der Tropenwälder. Und alle Jahre wieder jammern sie allerorten darüber, dass die Tropenwälder immer mehr schrumpfen. Jährlich die Fläche Griechenlands etwa. Aber tun dagegen, och, dann vielleicht doch lieber nicht. Zumindest nicht gleich oder besser: sollen doch die anderen was machen.
Und es dauert: Das Verbot, in die Europäische Union illegal geschlagene Tropenhölzer einzuführen zum Beispiel, ja, das gibt es mittlerweile, das ist toll, das freut den Artenschützer. Nur dumm, dass es im Grunde zwanzig Jahre zu spät kommt, weil die wertvollsten Bestände inzwischen schon abgehackt sind. Die Mühlen der Bürokratie sind halt so langsam und ein Schuft der böses dabei denkt.
Oder, auch so eine nette Geschichte, nehmen wir die Palmölplantagen. Fast sieben Milliarden Euro hat unsere Europäische Union im Jahr 2011 ausgegeben, um die Verwendung von Biosprit zu fördern. Biodiesel wurde mit fast vierzig Cent pro Liter subventioniert. 40 Cent pro Liter! Schließlich sollen die Erneuerbaren Energien im Sprit eu-weit mal zehn Prozent ausmachen, da muss man schon was für tun, klar.
Nur: Längst ist klar, dass Biosprit alles andere als Bio ist sondern blanker Unsinn. Zum einen, weil er keineswegs klimaneutral ist. Es ist für das Klima wesentlich besser und für usn Steuerzahler wesentlich günstiger, den Verbrauch der Autos zu drosseln statt dem Treibstoff Biosprit beizumischen, wie das derzeit der Fall ist. Und zum anderen, wir erinnern uns: Tag der Tropenwälder 14. September: Biodiesel ist ein Waldkiller sondergleichen. Denn statt Urwald für Orang-Utans, Tiger oder Elefanten stehen in weiten Teilen Südostasiens mittlerweile Palmöl-Monokulturen ohne Ende und in Mittelamerika siehts auch nicht besser aus.
Fast zwei Milliarden Kilogramm Palmöl werden dem Diesel in der EU pro Jahr zugesetzt, hinzu kommen große Mengen Soja- und Rapsöl. Doch die veränderte Landnutzung in den Tropen für Biosprit hat die EU zwar per Gutachten selbst feststellen lassen, nur Konsequenzen zieht niemand daraus. Das EU-Parlament hat nämlich dieser Tage allem besseren Wissen zum Trotz die weitere Beimengung von Biosprit auf den Weg gebracht, auch wenn deshalb Ökosysteme in den Tropen zerstört werden, um Zuckerrohr-, Palm- und Sojaplantagen zu pflanzen.
So sind wir: Da haben wir einen Tag der Tropenwälder, da fördert das Umweltministerium diese Woche bundesweit 400 Jugendgruppen, die sich für Erneuerbare Energien einsetzen wollen unter www.energiewende-und-du.de – und die Wirklichkeit? Traurige Tropen, gerodet für Profit und Bequemlichkeit. Alle Jahre wieder.

Ölbohren im Yasuni-Park: Erst die Dollars, dann die Moral

16.08.2013, von

Achja, unsere Nationalparke oder welche, die es noch werden wollen, sind doch ein steter Quell der Freude für uns Journalisten. Denn es gibt immer was zu berichten: Gemeinde x will nicht so recht, in Gemeinde y sitzen ein paar Bedenkenträger und Herr z äußert sich im Internet auch ziemlich kritisch. Trotz allem: wir bekommen zwei neue Nationalparke im Südwesten, wobei: es sind ja Entwicklungsnationalparke, dort im Nordschwarzwald und im Pfälzer Hochwald. Unsere wilde Natur haben wir in Mitteleuropa ja schon lange platt gemacht.
Naja, inzwischen fördern wir also in unserem Industriestaat mit viel Aufwand wieder ein bisschen mehr Artenvielfalt in naturähnlicher Landschaft. Mehr Wildnis wagen. Ist ja auch gut so. Andere Länder haben dagegen noch Natur satt, Wildnis bis zum Abwinken und würden die gern erhalten – wenn denn jemand dafür zahlen würde. Ecuador zum Beispiel, der kleine Andenstaat, machte der UNO vor sechs Jahren ein ausgesprochen moralisches Angebot: Wir verzichten darauf, die Ölquellen unter unserem Yasuni-Nationalpark zu nutzen, wenn ihr uns dafür entschädigt.

Der Yasuni-Regenwald, das sind nicht irgendwo ein paar beliebige Bäumchen, das ist eines der artenreichsten Gebiete weltweit überhaupt. 2,7 Milliarden Euro, verteilt über zehn Jahre wollte Ecuador dafür haben. Angesichts der Gewinne, die mit Erdöl erzielt werden können, kein Schnäppchen, aber nur noch die Hälfte dessen, was mit den 850 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuni-Park voraussichtlich zu erlösen wäre. Für ein Land, das ein Drittel seines Haushalts aus Öleinnahmen finanziert, ein realistischer Preis.
Und, was hat die UNO, was haben wir Industriestaaten gemacht? 2010 wurde zwar ein UN-Fond für Yasuni gegründet, aber statt 2,7 Milliarden kamen gerade zehn Millionen Euro zusammen, zumeist aus privaten Spenden. Soviel ist der Welt also der Schutz der Biodiversität also wert: nahezu nichts. Ganz zu schweigen davon, dass im betroffenen Gebiet auch Indianer ohne Kontakt zur Aussenwelt leben, deren Leben durch die mit der Ölförderung verbundenen Veränderungen zerstört wird.
Im Internet wird jetzt zwar mobilisiert: #saveyasuninow. Ich würde da eher fragen: #saveyasunihow? Denn Öl zu fördern lohnt sich gerade besonders: aufgrund der blutigen Vorgänge in Ägypten ist der Ölpreis stark angestiegen. Und die Moral von der Geschicht’? Frei nach Bertolt Brecht: Erst das Erdöl, dann die Moral. Da wird’s schwer für #saveyasuninow.

T-Shirts wie vom Affen gemalt

01.08.2013, von

Vom Affen gemalt
Das war übel neulich, diese eingestürzte Textilfabrik in Bangladesch mit über tausend Toten und zahlreichen Verletzten, Sie erinnern sich? Und statt besserer Arbeitsbedinungen gab’ später dann für die demonstrierenden Arbeiter – Tränengas. Dazu läßt sich sagen: „Die „Geiz-ist-Geil-Mentalität der Konsumenten und das rücksichtlose Renditestreben von internationalen Handeslunternehmen wird auf dem Rücken von Arbeitern in Billiglohnländern ausgelebt.“ Das stammt nicht von mir, das hat unser früherer Bundespräsident Horst Köhler dieser Tage dazu gesagt. Da hat er wohl Recht, der Ex-Banker.

Wobei: So ganz taufrisch ist diese Erkenntnis nicht, eigentlich sind wir schon weiter – und bei konkreten Lösungsvorschlägen angelangt. Was also wollen wir denn für unsere T-Shirts jenseits von billig-willich: Faire Löhne für die, die sie herstellen! Und: mit sowenig Chemie hergestellt wie möglich, also Bioanbau. Damit ist klar: Tschüss, Schnäppchen, für 2,50 Euro geht sowas nicht. Andererseits sind ja die Gewinnspannen bei diversen Marken-T-Shirts enorm, für die manche hierzulande satte 30 Euro zahlen, von denen in Bangladesh aber nur 30 Cent ankommen: Stinknormale Stoffe in stinknormaler Verarbeitung, teuer ist allein die Marke. Da ist also noch Musik drin in gängigen Preisen für faire Löhne und wenig Umweltbelastung.
Dass es fair und bio geht beweisen inzwischen immer mehr Modelabel, nur mal eins rausgegriffen, was auch auf der diesjährigen Fashionweek in Berlin zu sehen war (die immer mehr Ökoprodukte dabei hat). Ajoofa heißt das kleine Modellabel aus Ulm. Die Biobaumwolle für die T-Shirts stammt aus Westafrika, die Produktion der Shirts erfolgt laut Ajoofa in Portugal unter fairen Bedingungen und die Designer der fröhlichen Kritzeleien auf den Shirts sind, Achtung Alleinstellungsmerkmal: Affen. Ja, Menschenaffen, die malen. Beschäftigungstherapie im Zoo von Krefeld.
Wie zum Beispiel Barito, ein in Köln geborener vierjähriger Orang-Utan. Malt schöne große rote Kringel aufs Shirt (siehe oben). Klar, Orang-Utans gehören in den Wald und nicht in den Zoo. Aber die, die nun mal im Zoo leben, brauchen Beschäftigung und offenbar malen Affen gern, schreiben sie bei ajoofa.com durchaus glaubwürdig. Ein kleiner Teil der Einnahmen geht an die Affen und an Initiativen wie die Berggorilla und Regenwald Direkthilfe. Klar, vierzig Euro sind viel Geld. Aber dann hat man halt nicht so viele T-Shirts, dafür eines. das ist vom Affen gemalt. (Nimmt übrigens Schweiß deutlich schwerer an als andere Shirts, aber das nur nebenbei als praktische Anmerkung.) Eine nachhaltig gute Idee, finde ich.

Hochwasser – paradiesische Bedingungen für Störche

05.06.2013, von

Stoerche
Rheinhochwasser – für Störche großartig. Denn zu tausenden müssen Mäuse und andere Tiere den schützenden Boden verlassen. Die Störche müssen nur noch absammeln statt mühsam Nahrung zu suchen. Bis zu 40 Störche versammelten sich etwa gestern südlich von Mainz, teilweise übrigens in trauter Gemeinsamkeit mit Bussarden, die sich ihre Nahrung auch vom Boden holten statt über den Feldern zu kreisen. Verkehrte (Hochwasser-)Welt.

Zu teuer: Artensterben kann ich mir nicht leisten, sorry

20.05.2013, von

Wenn Sie glauben, Sie würden wegen der Staatsfinanzkrise noch einmal so richtig zur Kasse gebeten, dann sehen Sie das richtig, das dicke Ende kommt erst noch, garantiert. Nur: Das wird sowas von harmlos sein gegenüber der Summe, die uns der Verlust an biologischer Vielfalt noch kosten wird. 14 Tausend Milliarden Euro über die nächsten vierzig Jahre, hat die EU errechnet – wenn die Biodiversität weiterhin so rasant abnimmt wie derzeit, aber keine Sorge, das tut sie bestimmt. „Zu teuer: Artensterben kann ich mir nicht leisten, sorry“ weiterlesen →

Hartz IV für Zauneidechsen?!

14.04.2013, von

„Hartz IV für Zauneidechsen“ überschrieb der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer dieser Tage bei Facebook sein Posting. Es machte deutlich, was der OB davon hält, dass an einer bestehenden Strasse jetzt aus Artenschutzgründen ein Zaun errichtet werden musste, der Eidechsen davon abhalten soll, von Baufahrzeugen überfahren zu werden. Wenig hielt der Grüne offenbar davon, das wurde einem bei der Lektüre der Palmerschen Zeilen und des beigefügten Bildes schnell klar: viel zu viel Aufwand für so ein paar Tierchen. Letztlich Bürokratenunfug. „Hartz IV für Zauneidechsen?!“ weiterlesen →

Nächste Seite »

Autor

Ein Blog von Axel Weiß, SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung

Blogeinträge

Umwelt(ge)twitter

    Twitter
     

    Der SWR ist Mitglied der ARD.

    Impressum | SWR ©2014