. . Ein Projekt vom SWR

Vom Artenschutz hin zum Schutz der Vielfalt?

03.04.2014, von

Spannend, was die Kollegen bei SWR2 im Programm haben: Wenn sich die wissenschaftlichen Erkentnisse zur zoologischen Systematik ändern, dann muss der Artenschutz daraus Konsequenzen ziehen. Hörenswert.

Im herkömmlichen Artenschutz spielen die so genannten Roten Listen immer noch eine Hauptrolle. Sie führen einzelne Pflanzen-, Pilz- oder Tierarten auf, die vom Aussterben bedroht sind. Das sei natürlich keineswegs überflüssig, meinen die Vertreter des neuen Ansatzes. Doch auch Werner Kunz vom Institut für Genetik an der Universität Düsseldorf fordert, das Schutzkonzept auszuweiten. Hin zur Artenvielfalt.

via Was ist eine “Spezies”?: Neue Definition könnte den Artenschutz verändern – SWR2 :: Wissen | SWR.de.

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Tag der traurigen Tropenwälder

13.09.2013, von

14. September ist Tag der Tropenwälder. Und alle Jahre wieder jammern sie allerorten darüber, dass die Tropenwälder immer mehr schrumpfen. Jährlich die Fläche Griechenlands etwa. Aber tun dagegen, och, dann vielleicht doch lieber nicht. Zumindest nicht gleich oder besser: sollen doch die anderen was machen.
Und es dauert: Das Verbot, in die Europäische Union illegal geschlagene Tropenhölzer einzuführen zum Beispiel, ja, das gibt es mittlerweile, das ist toll, das freut den Artenschützer. Nur dumm, dass es im Grunde zwanzig Jahre zu spät kommt, weil die wertvollsten Bestände inzwischen schon abgehackt sind. Die Mühlen der Bürokratie sind halt so langsam und ein Schuft der böses dabei denkt.
Oder, auch so eine nette Geschichte, nehmen wir die Palmölplantagen. Fast sieben Milliarden Euro hat unsere Europäische Union im Jahr 2011 ausgegeben, um die Verwendung von Biosprit zu fördern. Biodiesel wurde mit fast vierzig Cent pro Liter subventioniert. 40 Cent pro Liter! Schließlich sollen die Erneuerbaren Energien im Sprit eu-weit mal zehn Prozent ausmachen, da muss man schon was für tun, klar.
Nur: Längst ist klar, dass Biosprit alles andere als Bio ist sondern blanker Unsinn. Zum einen, weil er keineswegs klimaneutral ist. Es ist für das Klima wesentlich besser und für usn Steuerzahler wesentlich günstiger, den Verbrauch der Autos zu drosseln statt dem Treibstoff Biosprit beizumischen, wie das derzeit der Fall ist. Und zum anderen, wir erinnern uns: Tag der Tropenwälder 14. September: Biodiesel ist ein Waldkiller sondergleichen. Denn statt Urwald für Orang-Utans, Tiger oder Elefanten stehen in weiten Teilen Südostasiens mittlerweile Palmöl-Monokulturen ohne Ende und in Mittelamerika siehts auch nicht besser aus.
Fast zwei Milliarden Kilogramm Palmöl werden dem Diesel in der EU pro Jahr zugesetzt, hinzu kommen große Mengen Soja- und Rapsöl. Doch die veränderte Landnutzung in den Tropen für Biosprit hat die EU zwar per Gutachten selbst feststellen lassen, nur Konsequenzen zieht niemand daraus. Das EU-Parlament hat nämlich dieser Tage allem besseren Wissen zum Trotz die weitere Beimengung von Biosprit auf den Weg gebracht, auch wenn deshalb Ökosysteme in den Tropen zerstört werden, um Zuckerrohr-, Palm- und Sojaplantagen zu pflanzen.
So sind wir: Da haben wir einen Tag der Tropenwälder, da fördert das Umweltministerium diese Woche bundesweit 400 Jugendgruppen, die sich für Erneuerbare Energien einsetzen wollen unter www.energiewende-und-du.de – und die Wirklichkeit? Traurige Tropen, gerodet für Profit und Bequemlichkeit. Alle Jahre wieder.

Ölbohren im Yasuni-Park: Erst die Dollars, dann die Moral

16.08.2013, von

Achja, unsere Nationalparke oder welche, die es noch werden wollen, sind doch ein steter Quell der Freude für uns Journalisten. Denn es gibt immer was zu berichten: Gemeinde x will nicht so recht, in Gemeinde y sitzen ein paar Bedenkenträger und Herr z äußert sich im Internet auch ziemlich kritisch. Trotz allem: wir bekommen zwei neue Nationalparke im Südwesten, wobei: es sind ja Entwicklungsnationalparke, dort im Nordschwarzwald und im Pfälzer Hochwald. Unsere wilde Natur haben wir in Mitteleuropa ja schon lange platt gemacht.
Naja, inzwischen fördern wir also in unserem Industriestaat mit viel Aufwand wieder ein bisschen mehr Artenvielfalt in naturähnlicher Landschaft. Mehr Wildnis wagen. Ist ja auch gut so. Andere Länder haben dagegen noch Natur satt, Wildnis bis zum Abwinken und würden die gern erhalten – wenn denn jemand dafür zahlen würde. Ecuador zum Beispiel, der kleine Andenstaat, machte der UNO vor sechs Jahren ein ausgesprochen moralisches Angebot: Wir verzichten darauf, die Ölquellen unter unserem Yasuni-Nationalpark zu nutzen, wenn ihr uns dafür entschädigt.

Der Yasuni-Regenwald, das sind nicht irgendwo ein paar beliebige Bäumchen, das ist eines der artenreichsten Gebiete weltweit überhaupt. 2,7 Milliarden Euro, verteilt über zehn Jahre wollte Ecuador dafür haben. Angesichts der Gewinne, die mit Erdöl erzielt werden können, kein Schnäppchen, aber nur noch die Hälfte dessen, was mit den 850 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuni-Park voraussichtlich zu erlösen wäre. Für ein Land, das ein Drittel seines Haushalts aus Öleinnahmen finanziert, ein realistischer Preis.
Und, was hat die UNO, was haben wir Industriestaaten gemacht? 2010 wurde zwar ein UN-Fond für Yasuni gegründet, aber statt 2,7 Milliarden kamen gerade zehn Millionen Euro zusammen, zumeist aus privaten Spenden. Soviel ist der Welt also der Schutz der Biodiversität also wert: nahezu nichts. Ganz zu schweigen davon, dass im betroffenen Gebiet auch Indianer ohne Kontakt zur Aussenwelt leben, deren Leben durch die mit der Ölförderung verbundenen Veränderungen zerstört wird.
Im Internet wird jetzt zwar mobilisiert: #saveyasuninow. Ich würde da eher fragen: #saveyasunihow? Denn Öl zu fördern lohnt sich gerade besonders: aufgrund der blutigen Vorgänge in Ägypten ist der Ölpreis stark angestiegen. Und die Moral von der Geschicht’? Frei nach Bertolt Brecht: Erst das Erdöl, dann die Moral. Da wird’s schwer für #saveyasuninow.

T-Shirts wie vom Affen gemalt

01.08.2013, von

Vom Affen gemalt
Das war übel neulich, diese eingestürzte Textilfabrik in Bangladesch mit über tausend Toten und zahlreichen Verletzten, Sie erinnern sich? Und statt besserer Arbeitsbedinungen gab’ später dann für die demonstrierenden Arbeiter – Tränengas. Dazu läßt sich sagen: „Die „Geiz-ist-Geil-Mentalität der Konsumenten und das rücksichtlose Renditestreben von internationalen Handeslunternehmen wird auf dem Rücken von Arbeitern in Billiglohnländern ausgelebt.“ Das stammt nicht von mir, das hat unser früherer Bundespräsident Horst Köhler dieser Tage dazu gesagt. Da hat er wohl Recht, der Ex-Banker.

Wobei: So ganz taufrisch ist diese Erkenntnis nicht, eigentlich sind wir schon weiter – und bei konkreten Lösungsvorschlägen angelangt. Was also wollen wir denn für unsere T-Shirts jenseits von billig-willich: Faire Löhne für die, die sie herstellen! Und: mit sowenig Chemie hergestellt wie möglich, also Bioanbau. Damit ist klar: Tschüss, Schnäppchen, für 2,50 Euro geht sowas nicht. Andererseits sind ja die Gewinnspannen bei diversen Marken-T-Shirts enorm, für die manche hierzulande satte 30 Euro zahlen, von denen in Bangladesh aber nur 30 Cent ankommen: Stinknormale Stoffe in stinknormaler Verarbeitung, teuer ist allein die Marke. Da ist also noch Musik drin in gängigen Preisen für faire Löhne und wenig Umweltbelastung.
Dass es fair und bio geht beweisen inzwischen immer mehr Modelabel, nur mal eins rausgegriffen, was auch auf der diesjährigen Fashionweek in Berlin zu sehen war (die immer mehr Ökoprodukte dabei hat). Ajoofa heißt das kleine Modellabel aus Ulm. Die Biobaumwolle für die T-Shirts stammt aus Westafrika, die Produktion der Shirts erfolgt laut Ajoofa in Portugal unter fairen Bedingungen und die Designer der fröhlichen Kritzeleien auf den Shirts sind, Achtung Alleinstellungsmerkmal: Affen. Ja, Menschenaffen, die malen. Beschäftigungstherapie im Zoo von Krefeld.
Wie zum Beispiel Barito, ein in Köln geborener vierjähriger Orang-Utan. Malt schöne große rote Kringel aufs Shirt (siehe oben). Klar, Orang-Utans gehören in den Wald und nicht in den Zoo. Aber die, die nun mal im Zoo leben, brauchen Beschäftigung und offenbar malen Affen gern, schreiben sie bei ajoofa.com durchaus glaubwürdig. Ein kleiner Teil der Einnahmen geht an die Affen und an Initiativen wie die Berggorilla und Regenwald Direkthilfe. Klar, vierzig Euro sind viel Geld. Aber dann hat man halt nicht so viele T-Shirts, dafür eines. das ist vom Affen gemalt. (Nimmt übrigens Schweiß deutlich schwerer an als andere Shirts, aber das nur nebenbei als praktische Anmerkung.) Eine nachhaltig gute Idee, finde ich.

Hochwasser – paradiesische Bedingungen für Störche

05.06.2013, von

Stoerche
Rheinhochwasser – für Störche großartig. Denn zu tausenden müssen Mäuse und andere Tiere den schützenden Boden verlassen. Die Störche müssen nur noch absammeln statt mühsam Nahrung zu suchen. Bis zu 40 Störche versammelten sich etwa gestern südlich von Mainz, teilweise übrigens in trauter Gemeinsamkeit mit Bussarden, die sich ihre Nahrung auch vom Boden holten statt über den Feldern zu kreisen. Verkehrte (Hochwasser-)Welt.

Zu teuer: Artensterben kann ich mir nicht leisten, sorry

20.05.2013, von

Wenn Sie glauben, Sie würden wegen der Staatsfinanzkrise noch einmal so richtig zur Kasse gebeten, dann sehen Sie das richtig, das dicke Ende kommt erst noch, garantiert. Nur: Das wird sowas von harmlos sein gegenüber der Summe, die uns der Verlust an biologischer Vielfalt noch kosten wird. 14 Tausend Milliarden Euro über die nächsten vierzig Jahre, hat die EU errechnet – wenn die Biodiversität weiterhin so rasant abnimmt wie derzeit, aber keine Sorge, das tut sie bestimmt. „Zu teuer: Artensterben kann ich mir nicht leisten, sorry“ weiterlesen →

Hartz IV für Zauneidechsen?!

14.04.2013, von

„Hartz IV für Zauneidechsen“ überschrieb der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer dieser Tage bei Facebook sein Posting. Es machte deutlich, was der OB davon hält, dass an einer bestehenden Strasse jetzt aus Artenschutzgründen ein Zaun errichtet werden musste, der Eidechsen davon abhalten soll, von Baufahrzeugen überfahren zu werden. Wenig hielt der Grüne offenbar davon, das wurde einem bei der Lektüre der Palmerschen Zeilen und des beigefügten Bildes schnell klar: viel zu viel Aufwand für so ein paar Tierchen. Letztlich Bürokratenunfug. „Hartz IV für Zauneidechsen?!“ weiterlesen →

Grüner Gegenwind für rheinland-pfälzische Windräder

17.09.2012, von

Das war zu erwarten, dass die rheinland-pfälzischen Naturschutzverbände das heute vorgelegte Gutachten der Landesregierung zu Windenergie und Naturschutz kritisieren würden. Nur zwei Prozent Tabuflächen, die von vornerherein Windenergie ausschließen, das ist ihnen zu wenig. Dabei sind ihre Argumente teilweise genauso schräg wie Teile des kritisierten Gutachtens. Dem Luchs ist es nämlich piepegal, ob im Pfälzerwald Windräder stehen oder nicht – der überlebt stark befahrende Straßen nicht und illegale Jagdleidenschaften. Es macht auch einen Unterschied, ob ich ganze Eifelvulkane abbaue und plattmache oder ob auf ihnen ein paar Windräder stehen. Und wer weiß, mit welchem Enthusiasmus ein ernsthafter Naturschutz im Biosphärenreservat Pfälzerwald in den letzten Jahrzehnten – nicht – vorangetrieben wurde, der kann den Katzenjammer aus dieser Ecke über ein paar Windräder mehr oder wenig nicht ernsthaft ernst nehmen. Der Tonfall der Pressemitteilung ist so gehalten dass Böswillige vermuten könnten, zumindest ein Teil der Verbände wollte vor allem den Preis für mehr politische Beteiligung und Staatsknete für Landschaftspflege ein wenig nach oben treiben und nutze dazu die Windkraftdebatte.

Andererseits macht sich das vorgelegte Gutachten natürlich auch lächerlich, wenn es reihenweise Schutzgebiete auflistet und bewertet, die schon aufgrund ihrer topographischen Situation von vorneherein niemals als Windkraftsstandort in Frage kommen werden – oder möchte jemand Windräder in die Aarmündung, das Rhein- oder Moseltal stellen? Und dass das unterirdische Mayener Grubenfeld ungeeignet für Windkraftanlagen ist, dazu hätte es keines Gutachtens bedurft.  Da hätte man sich viel “Bewertungsarbeit” und vernebelnde Prozentrechnerei sparen können. Nein, vor allem die Hochflächen und die Berge sind windhöffig und energetisch spannend.

Wer sieht, wie derzeit die Riesenwindräder im Hunsrück auf dem Hochsteinchen unübersehbar sprießen und das inzwischen reichlich verspargelte Hinterland von Kastellaun nach Süden begrenzen, der kann den ein oder anderen Ärger über die Störung der romantisierenden Landschaftsästhetik und Befürchtungen über Lärm und fehlenden Erholungswert wie auch Störungen der Zugvogelwelt durchaus nachvollziehen. Und machen wir uns nichts vor: Investoren sind die Interessen von Fledermäusen und Rotmilanen und örtlicher Bevölkerung völlig schnurz, solange sie nicht planungsrelevant sind. Das verstärkt den örtlichen Ärger, klar, und der lässt sich höchstens über mehr Beteiligung an den Erlösen der Windkraft eindämmen.

Naturschutz und Windkraft sind vereinbar, ja, aber eben nicht immer und überall. Da muss auch keiner so tun als wäre das anders. Es wird tierische Opfer geben und dann ist es vor allem wichtig, nicht in Zynismen zu verfallen. Ein Blick in die USA könnte da hilfreich sein, dort ist der technische Umweltschutz mit automatischen Abschaltungen etc. teil offenbar schon etwas weiter als hierzulande – nach massiven Protesten der Naturschutzverbände.

Es wird spannend zu sehen, ob es den beteiligten Ministerien in Rheinland-Pfalz gelingt, über ihren Windschatten zu springen und großzügigere Abstandregelungen in der Landesplanung und den Bauvorgaben zu verankern. Bislang sieht es nicht danach aus – das wäre ein fataler Fehler und für die dringend benötigte Akzeptanz der Erneuerbaren ziemlich schädlich. Das heute vorgelegte Naturschutz-Gutachten hätte bereits viel stärker ein Zeichen in Richtung Versöhnung setzen können. Warum sind die Natura2000-Gebiete nicht zunächst einfach draußen geblieben – Prüfung im begründeten Einzelfall dabei nicht ausgeschlossen. Das wäre zumindest ein Zeichen gewesen.

Ein Leitfaden zu sein und Klarheit zu schaffen, “wo aus naturschutzfachlicher Sicht im Land Windkraft möglich ist” ist ein Anspruch, der so nicht einzulösen war und ist, das kann dieses Gutachten nicht leisten. Letztlich für den Naturschutz entscheidend werden die Einzelfallprüfungen werden. Für pauschale Bewertungen ist Natur viel zu komplex. Das wissen Verbände wie Ministerien aber auch selbst sehr genau.

Käseglocke überm Baggerseebiotop

18.07.2012, von

Vogelschützer haben manchmal was von Briefmarkensammlern. Liebevoll wird jedes einzelne Stück gesichtet, die Beobachtung penibel notiert und präzise abgelegt. In eingeweihten Kreisen tauscht man sich dann aus, was als besonders wertvoll zu gelten hat. Oh, ein Dunkler Wasserläufer am Baggersee x, ein Bienenfresser am Stadtrand von y, gleich neben der Umgehungsstrasse. Und, aha, der Uhu brütet in der Steilwand vom Steinbruch bei … Aber – psst – nicht weitersagen, wer da genau wo eine Meise hat und wo der Pirol pfeift. Fundorte und Brutgebiete müssen strengstens geheim bleiben. Damit keiner die Nachtigall stört.

Ich verrate ja auch niemandem, wo meine Blaue Mauritius gelagert ist. Klar. Macht ja auch Sinn. Aber manchmal geht es mir schon auf den Zeiger, diese Mentalität. Dann nämlich, wenn sie einfach nur andere ausgrenzt ohne die Folgen zu bedenken. Dann wird aus dem Schutzgedanken letztlich ein Besitzdenken: Mein Schatz gehört mir. Und der muss vor den bösen Anderen geschützt werden, auf Biegen und Brechen. Da wird dann penibel mit mächtigem Dornengestrüpp der kleine Pfad versperrt, der seit Jahren durch die Büsche hintenrum ins Naturschutzgebiet mit den alten Baggerseen führt, den immer die Liebespärchen benutzt haben, die spielenden Kinder und die, die sich für Libellen, Frösche und Schwertlilien interessieren oder einfach nur mal am Sommernachmittag am Teich sitzen wollten. Jetzt müssen die sich erst wieder andere Wege suchen müssen oder draußen bleiben.

Formal ist das natürlich völlig korrekt, schließlich soll die Natur ja geschützt werden. Wo kämen wir hin, wenn da jeder durchs Schutzgebiet trampelt, brütende Enten stört und auf winzigen Orchideen rumtrampelt. Nur: soviele sind das gar nicht. Und dann stellt sich schon die Frage der Verhältnismäßigkeit. Nur was man kennt, kann man auch schützen. Aber wer hat denn überhaupt noch eine Chance, etwas Natur kennen zu lernen – einfach so, jenseits belehrender Führungen mit pädagogischem Zeigefinger und verbietender Schilder?

Wo ich als Jugendlicher völlig selbstverständlich baden war, ist aus dem „brutalen Eingriff in die Natur“, dem Baggersee, ein Biotop geworden. Prädikat: wertvoll. Dort ist heute alles mit Verboten abgeriegelt. Vorsicht: Natur. Zutritt nur für Befugte. Im Zweifel kommt der Ranger und erklärt die Streuobstwiese am Altrheinarm zur Picknick-freien Zone.

Leute, wie sollen unsere Kinder denn lernen, dass Natur was Tolles, was Wertvolles ist, wenn nur noch Botaniker, Zoologen und Naturschützer Zutritt haben? Einfache Lösungen für das Dilemma gibt es nicht, das ist mir auch klar. Mit kleinkarierter Käseglockenmentalität und ornithologisch-botanischem Besitzstandsdenken kommen wir im Natur- und Artenschutz aber nicht weiter, soviel steht fest.

Naturschutz mal anders – ein Elefantenkönig auf Großwildjagd

20.04.2012, von

El Rey de los elefantes – wer im Netz nach an Carlos sucht, stösst schnell auf den neuen Spitznamen des spanischen Königs: der Elefantenkönig. Auf Deutsch nennen sie ihn manchmal auch den “Dschungelkönig”. Obergrünrock Juan Carlos hat sich jedenfalls gründlich in die Nesseln gesetzt, mit seiner kürzlichen Elefantenjagd in Botswana. Und dann auch noch diese Vielleicht-Affäre mit der schnuckligen Corinna von Sayn-Wittgenstein. Die spanisch- und portugiesisch-sprachigen Medien und Blogs zerreissen sich in diesen Tagen jedenfalls das Maul über den 74jährigen Hüfthelden.

Auch wenn er sich inzwischen entschuldigt hat: Was muss sich der Ehrenpräsident des spanischen WWF  auch auf seine alten Tage auf Elefantenjagd begeben… Obwohl: Großwildjagden haben j a schon eine gewisse Tradition beim WWF. International wie national. Ein Blick in die Leitungsetagen zeigt so illustre Gestalten wie den Duke of Edinburgh. Einst Großwildjäger, dann WWF-Ehrenpräsident, ja, genau: der Lord Mountbatten, mit dem schrägen Humor, der Bundeskanzler Kohl schon mal mit den Worten begrüßte:  „Guten Tag, Herr Reichskanzler“.

Auch in Deutschland zeigten Stiftungsrat oder Vorstand des WWF im Lauf der Jahre immer wieder gern jägerische Affinitäten. Da waren etwa der Ex-Chef der Holstenbrauerei, ein Adliger aus Schleswig-Holstein oder, besonders hübsch, ein Kölner Industrieller mit aparten Jagdtrophäen im Büro. Als allzu öffentlich wurde, dass der Leoparden und Elefanten schießt, haben sie sich damals ganz schnell von ihm getrennt. Und war da nicht früher auch ein spenden- und jagdaffiner Prinz zu Sayn-Wittgenstein jahrelang im Präsidium?

Naja, Juan Carlos will der spanische WWF jetzt jedenfalls auch loswerden. Dabei hat El Rey de los elefantes nur seine naturschützerische Pflicht erfüllt. Weil es in Botswana viele Elefanten gibt, sie nicht mehr wandern dürfen, fressen sie alles alles ganz kaputt. Ratzefatz, Bäume, Sträucher, weg. Da müssen die Jäger doch regulierend eingreifen dürfen, oder? Ganz legal übrigens.

Und die Hubertusjünger lassen ein Geld vor Ort… die reinste Entwicklungshilfe  – 7.000 bis 30.000 Euro kostet eine Jagdlizenz, schreibt die Zeitschrift Epoca genüsslich in ihrem Blog. Und das in einer Zeit, da auf der Iberischen Halbinsel alle den Gürtel enger schnallen müssen. Alle? Naja, sagen wir besser: fast alle. Aber für die Schüsse auf die Dickhäuter hat Juan Carlos ja gar nicht selbst bezahlt, müssen wir der Gerechtigkeit halber feststellen, die Bärenjagd mit Schuss 2006 in Russland war schließlich auch gesponsort. Ja doch: Bei einem Jahresgehalt von 292.000 Euros muss man schon ein bisschen haushalten.

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Ein Blog von Axel Weiß, SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung

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