Traditionelle Frischmilch, bitte!
Abgelegt unter Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Verbraucherschutz am 29.01.2010Dieser Tage habe ich die erste Milch gesehen, die damit wirbt, “nur” pasteurisiert zu sein. “Traditionell hergestellte Frischmilch” steht jetzt auf dem Etikett. Da soll sich die Lebensmittelindustrie nicht beschweren, dass ihr keiner mehr über den Weg traut: In den letzten zwei Jahren haben viele Hersteller ihre Frischmilch durch ein zusätzliches Erhitzungsverfahren namens ESL (Extended Shelf Life = verlängerte Haltbarkeit im Regal) zu einer Art H-Milch-Light gemacht und das oft genug, ohne es offen zu deklarieren. Ein gekochtes Ei würde zwar niemand mehr “frisch” nennen, doch bei Milch stört sowas offenbar keinen großen Geist. Der Vitamingehalt der ESL-Milch liegt niedriger als bei nur pasteurisierter Frischmilch, und die verlängerte Haltbarkeit nutzt nur den Supermärkten, denn einmal geöffnet verdirbt die Milch genauso schnell wie früher. Aber: Man schmeckt es nicht mehr so, die Milch wird faulig, aber nicht mehr sauer.
Immer wieder mussten die Verbraucherzentralen eine angemessene Beschriftung einfordern, aber ich wette, auch heute weiß kaum jemand, dass die Milchqualität durch dieses Verfahren klar verschlechtert wurde. Biomilch ist ohne diese Spezialbehandlung übrigens nach meiner Wahrnehmung in vielen Supermärkten gar nicht mehr erhältlich. Jetzt wird das bisherige Verfahren ohne ESL schon als etwas Besonderes herausgestellt und beworben, ich finde das wirkt fast schon zynisch.





