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Abspeisen statt einspeisen – Ende der Energiewende?!

24.02.2012, von

Zufälle gibt’s. Da warnt dieser Tage der künftige Chef des Stromgiganten RWE Peter Terium vor noch mehr Solarpaneelen und nahezu zeitgleich verkünden die Herren Rösler und Röttgen das Ende des deutschen Solarzeitalters. Die Netzgemeinde findet keineswegs, dass die Energiewende damit auf einem guten Weg ist, im Gegenteil. Allein auf tagesschau.de beteiligen sich über 10.000 UserInnen an der Umfrage, drei Viertel halten den Kürzungsbeschluss für falsch.

AntiAtomNetz Koblenz twittert: „Röttgen und Rösler wollen Photovoltaik in Deutschland abschaffen“ und spricht von einem „Amoklauf der Bundesregierung gegne die Solarenergie.“  „Ein Riesenfiasko für eine zukunftsfähige Energieversorgung“, meint auch der BUND, ein “wesentlicher Eckpfeiler der Energiewende droht abgewürgt zu werden“.

Für dieses Jahr waren bereits weitere (sinnvolle) Kürzungen der Solarförderung angekündigt, Tenor vieler Kommentare: die neuen Beschlüsse gehen zu weit und kommen viel zu schnell.  SolarServer zitiert etwa den Chefanalysten der auf Solarenergie spezialisierten Beraterfirma EuPD Markus Lohr: „Das ist nicht das Ende des deutschen Markts, aber Herstellern und Installateuren bleibt kaum noch Luft zu Atmen.“ Das klingt nach mehr als nur kosmetischen Veränderungen, die dann bevorstehen. Von Verhältnissen wie in den USA, wo sich Firmen wie Google oder Apple demonstrativ mit Erneuerbaren Energien schmücken, können wir hierzulande (bei “Vorreiter” Deutschland) nur träumen.

„Das ist völlig verrückt“, schimpft die Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebs in Oberschwaben über die neuen Beschlüsse und das ist nur eine von vielen ähnlichen Äußerungen aus der Branche. Wenig entzückt sind natürlich auch eingegrünte Bundesländer wie Rheinland-Pfalz. „Eine heimische Zukunftbranche wird ausgebremst“, twittert die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.

Nur bei faz.net, dem ewigen Stenz des Marktliberalismus, heisst es unter der hinreißend innovativen Überschrift „Statt Öko-Planwirtschaft“:  „Es sollte nicht länger derjenige belohnt werden, der möglichst viele teure Anlagen installiert, sondern derjenige, der Strom aus erneuerbaren Quellen günstiger als andere produziert.“  Ja, billich willich, das kennen wir und natürlich gibt’s dafür kräftig Haue von der Netzgemeinde: „Markt, Markt, man kann dieses Mantra nicht mehr hören“, heisst es in den Kommentaren, „Andere Energieerzeuger werden ebenfalls subventioniert“ oder „Bitte nicht übertreiben oder wenigstens nachrechnen“. Der eigentliche Umweltskandal freilich bleibt bei all dem Geschrei der Solarbranche beinahe unbemerkt: Auf europäischer Ebene wird Deutschland künftig verbindliche Ziele in der EU-Effizienzrichtlinie verhindern – und außer dem BUND hat’s kaum einer gemerkt.

Bleibt nur die Hoffnung auf einen grünen Superman, der die Energiewende vor RWE, Röttgen und Rösler retten kann? Brad Pitt vielleicht oder Leonardo DiCaprio? Die gelten als „Energy-Efficient Celebrities“, energiesparende Berühmtheiten also. DiCaprio unter anderem weil er ein Hybridauto fährt und ein energiesparendes Klo für 3.000 Dollar zuhause hat (ja, sowas gibt’s)  und Brad Pitt hat der Uni seiner Heimatstadt schon mal 600.000 Dollar rübergeschoben für die energetische Sanierung der Mehrzweckhalle.

So richtig der Burner sind die beiden aber noch nicht. Vielleicht ist die Hoffnung ja weiblich? Supermodel Gisele Bündchen aus Brasilien zum Beispiel. Die jettet nicht nur für das UNO-Umweltprogramm in der Weltgeschichte rum, nein, sie hat in ihrem eigenen Haus ein Regenwasseraufbereitung installiert und ihr Blog wimmelt von guten Ratschlägen: Standby aus bei unbenutzten Elektrogeräten oder Treppe benutzen statt Aufzug. Machen wir, klar doch, Gisele. Ihr Motto: „Here the fashion is to be responsible“, hier ist es Mode, sich verantwortlich zu fühlen. Liebe Gisele, komm’ mal nach Berlin und erklär‘ das mit der Verantwortung bittebitte den Herren Röttgen und Rösler, wir haben da Handlungsbedarf. Und – bitte komm schnell.

 

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Kommentare zu „Abspeisen statt einspeisen – Ende der Energiewende?!“

Es sind 4 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Bei Photovoltaikanlagen drängt die Zeit | Singold Bote
    schreibt am 27. Februar 2012 08:01 :

    [...] Wirtschaftsminiter Philipp Rösler und Umweltminister Norbert Röttgen in der letzten Woche eine neue Charmeoffensive gestartet haben, kann man ihnen beim besten Willen nicht vorwerfen. Mit der Ankündigung die Photovoltaikvergütung [...]

  2. verstehen
    schreibt am 3. April 2012 17:53 :

    Naja, die Förderung der Photovoltaik und damit der asiatischen Firmen ist wirklich nicht sinnvoll.
    Deutsche Unternehmen müssen sich auf Entwicklung und ggf. Produktion in Asien beschränken.

    Die deutschen Firmen haben in der letzten Jahren in Vormachtstellung leider verschlafen. Sie haben das Geld lieber verprasst als es in notwendige Entwicklungen zu stecken.

  3. Linda
    schreibt am 4. Juni 2012 07:02 :

    Hmja, Röttgen ist inzwischen weg vom Fenster, und sorry… wen interessiert noch, was Fipsi Rösler von sich gibt? Dass die FDP überhaupt noch etwas zu sagen hat, wundert mich.
    Wundern kann man sich auch darüber, dass die Strompreise an der Börse zu deutlich niedrigeren Preisen gehandelt werden, als die Verbraucher dafür bezahlen müssen. Wo der Rest wohl bleibt?
    Dass die Energiewende eigentlich ein Riesengeschäft sein könnte – zur Abwechslung mal auch zum Vorteil der Bürger, nicht nur der Wirtschaft – liegt eigentlich auf der Hand. Nachzulesen z.B. auch hier: “Wirtschaftliche Perspektiven eines zukünftigen Umgangs mit Energieressourcen in den Industriestaaten”: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/111502.html#inside

    Dankeschön und Grüße!

  4. Roland
    schreibt am 29. März 2013 08:19 :

    Die Energienutzung und Zivilisation started mit Menchenkraft, Hunde, Ochsen, Pferde, Wasser, Solar & Wind, Kohle, Öl & Gas, Kernspaltung, Kernverschmelzung, spaeter Antimatter.
    Die deutsche Energiewende ist ein Schritt zurück in die Steinzeit der Energiegewinnung.

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Autor

Ein Blog von Axel Weiß, SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung

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