Mein Kollege Werner Eckert ist derzeit auf der Europäischen Ernährungskonferenz im spanischen Madrid. Ausgerechnet dort freilich ist von gesunder Ernährung nicht allzu viel zu sehen. Hier seine Schilderung:
Was sollen wir essen? Europäische Ernährungswissenschaftler treffen sich alle vier Jahre, um Ergebnisse auszutauschen. Derzeit läuft ihre 11. Konferenz in Madrid. Doch die Wissenschaftler sind nicht alleine: Schon am Eingang des Konferenzzentrums in Madrid geben vor allem Coca-Cola und Danone Informationen, werben die Walnussbranche, Molkereien, Kraft und Nestlé. Mehr noch: ein guter Teil der Veranstaltungen werden von Firmen und ihren Instituten gesponsort.
Das ist doch bei allen Kongressen so, sagt Prof. Greet Vansant von der Uni Leuwen in Belgien, aber die meisten haben ja auch ziemlich unabhängige Forschungsinstitute und die vergeben Forschungsgelder und die meisten Universitäten brauchen dieses Geld. Anita Ferraretto von der Uni Mailand versucht den Spagat deutlich zu machen, in dem viele Forscher stehen:
Ich glaube es ist wichtig, mit diesen Sponsoren zusammen zu arbeiten, aber man darf nicht abhängig werden, damit man auch freie Forschung zur Ernährung machen kann.
Richard Mattes von der Purdue University sitzt in einem Seminar über den Nutzen von Nüssen für die Gesundheit. Veranstaltet von der Internationalen Stiftung für Nüsse und Trockenfrüchte – einer Gründung der einschlägigen Industrie. Ein Problem hat er damit nicht:
Sie müssen doch die Wissenschaft an der Qualität der Studien messen. Das ist doch irrelevant wer dafür zahlt. Gute Studien sind gute Studien und wenn es schlechte Forschung ist, bleibt es schlechte Forschung, auch wenn die Regierung sie bezahlt hat.
Eine Haltung, die auch die Präsidentin der Konferenz teilt. Prof. Ascenion Marcos:
Alle diese Veranstaltungen sind durch unseren Wissenschaftlichen Ausschuss überprüft. Wir achten schon darauf. Aber diese Firmen werben für mehr Trinken oder mehr Sport und sie machen da große Anstrengungen gerade auf diesen Feldern, die nicht so gut erforscht sind.
Die Finnin Kirsti Tihonen arbeitet für das Forschungszentrum des Lebensmittelkonzerns Danesco. Sie ist ein bißchen ironisch:
Sie müssen eben auseinanderhalten, was gesponsert ist und was Wissenschaft, so geht das eben heute. Aber es ist eben auch gut, dass es eine offene Diskussion gibt, dass man sich austauscht, auch wenn man nicht immer die gleiche Meinung hat.
Nicht alle aber sind aber damit glücklich, dass die Veranstaltungen der Sponsoren im Programm scheinbar gleichrangig mit anderen stehen. HermuthOberritter, der Geschäftsführer der Deutschen Ernährungsgesellschaft wird in vier Jahren die nächste Europäische Ernährungskonferenz, dann in Berlin, mit veranstalten. Und er differenziert so:
Also ich denke, es macht dahingehend Sinn, dass man eine solche große Konferenz natürlich finanzieren muss. Und dass über Sponsoren natürlich Mittel verfügbar werden. Auf der anderen Seite müssten solche Vorträge ganz konkret getrennt werden vom üblichen Programm und sie müssen deutlicher sichtbar werden als gesponserte Veranstaltungen deutlicher sichtbar werden. Dann wäre das aus meiner Sicht in Ordnung.
Die junge französische Wissenschaftlerin Aurelia Lestema findet zwar an den Veranstaltungen nichts zu beanstanden, aber dass das offenbar Auswirkungen aufs Essen hat, das stört sie:
Es ist ein bisschen ironisch, dass man hier so viel Cola und salziges Gebäck kriegt – bei einer solchen Konferenz, fast nur Sandwiches und so. Ohne auf Diät zu sein: es könnte einfach ein bisschen ausgewogener daherkommen.




schreibt am 28. Januar 2012 13:26 :