Sie lauern im Sumpf. Versteckt. Unter Wasser. Was auf den ersten Blick wie ein harmloser Tümpel aussieht, steckt dann voller Verderbnis. Zumindest für Wasserflöhe, denn die sind die Lieblingsbeute der fleischfressenden Pflanze namens Wasserschlauch. In kleinen kugeligen Bläschen, die wie Wassertropfen aussehen, werden sie eingefangen und verdaut. Eine Pflanze für Eingeweihte und Kenner, für Laien viel zu unauffällig. Letzten Samstag hatte ich freilich das Vergnügen, mit der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) in einem Naturschutzgebiet bei Mainz unterwegs zu sein. Und die BiologInnen der GNOR wissen genau, was wo lebt, wächst, kreucht und fleucht.
Viel Natur ist ja nicht geblieben, doch die 71 Hektar im Laubenheimer Ried haben es in sich. Unweit der Landeshauptstadt verbergen sich im Gebüsch kleine, aber feine Orchideen wie Sumpfstendelwurz. An einem neu angelegten Teich versucht sich das Gottes-Gnadenkraut, eine alte Heilpflanze, wieder heimisch zu machen. Da nisten fünf Storchenpaar oben auf Strommasten, schauen auf die alten Stromtalwiesen mit raren Schwertlilien (Iris spuria), während daneben im dichten Gebüsch Nachtigallen schlagen und im Schilf die Rohrsänger flöten. Und die Anwesenheit der seltenen gelbblütigen Spargelerbse (kl. Foto) weist auf einen hohen Salzgehalt von Boden und Grundwasser hin, eine geologische Besonderheit. Ähnliches gilt für die extrem seltene Bunge, ebenfalls ein Salzanzeiger. 
Leider ist das Naturschutzgebiet möglicherweise durch die Neuansiedlung von Obstplantagen in unmittelbarer Nähe bedroht. Ein Obstbauer will nicht nur Hagelnetze aufspannen (eine Gefahr für Vögel), sondern auch Tröpfchenbewässerung legen. Damit aber könnte er in heißen Jahren dem Ried möglicherweise das Wasser abgraben. Die Naturschützer wollen sich damit nicht abfinden und versuchen derzeit, eine umweltverträglichere Wirtschaftsweise durch zu setzen. Hoffentlich erfolgreich, das Ried hätte es allemal verdient, erhalten zu werden.






schreibt am 24. Dezember 2011 08:07 :
schreibt am 10. Januar 2012 18:01 :