Heute abend werden sie feiern, in Düsseldorf, und alle werden wie erbeten in Abendgarderobe, Smoking und Abendkleid erscheinen. Denn der Deutsche Nachhaltigkeitspreis 2009 wird verliehen! Jawohl, sowas gibt’s. Den Preis hat ein cleverer Kollege ins Leben gerufen, mit Merkelscher Schirmherrschaft adeln können und zeichnet damit Unternehmen aus, “die vorbildlich wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Schonung der Umwelt verbinden”. Das klingt gut. Zu gut fast schon. Zur Debatte stehen für den Nachhaltigkeitspreis Konzerne wie SAP, Vaillant oder Procter & Gamble u.a. (Vaillant tritt übrigens auch als Sponsor auf, na so was.) Aber auch ein umtriebiger Ökounternehmer wie der badische Gärtner Christian Hiß bekommt eine Auszeichnung.
Beim Blick auf die Gästeliste möchte man meinen, hier finde das Jahrestreffen der Reichen, Schönen und nebenher auch der üblichen grünen Vorzeigeverdächtigen statt, wenn man die Debatten um Nachhaltigkeit schon ein paar Jahre verfolgt. Joschka Fischer passt da genauso hin wie Stargast Jane Fonda. Und für den Ehrenpreis an Wolfgang Schäuble und eine Sonderauszeichnung für Yusuf Islam (war: Cat Stevens) gibt’s selbstredend eine plausible Begründung. Auch der Deutsche Fussballbund bekommt übrigens ein Preislein ab (Jugendarbeit!!), damit auch ja alle strömen zum großen Festbankett, bei dem diverse I.H. , S.H., S.H.D. (Hohheiten und Durchlauchtigkeiten also) nicht fehlen dürfen.
Wer viel Geld in den Kassen klingeln hat, kann sich eben vorbildliche Nachhaltigkeit leisten (es macht ja trotzdem nicht jeder), man tauscht im Zweifel den GM-Hummer gegen einen Toyota Prius und darf abends mit Gattin am Galabuffet mit seinesgleichen gute Vorsätze austauschen. Nur an der global nicht-nachhaltigen Wirtschaftsweise ändert sich dummerweise bisher wenig. Immer noch setzen die Akteure ungebremst auf Wachstum, Wachstum und abermals Wachstum. Auch so mancher Preisträger für Nachhaltigkeit. Oder habe ich die Vorschläge zur Einführung etwa einer Tobin-Steuer oder des Ökosozialprodukts von Wolfgang Schäuble bisher nur übersehen? Nein, ernsthafte Änderungen sind nicht wirklich erwünscht: Finger weg von den Spielregeln des globalen Marktes!
Schneller reich wird man ohne Nachhaltigkeit. Bisher zumindest. Aber vielleicht ändert sich das ab jetzt und die Gala in Düsseldorf ist nur ein erster Schritt. Wollen wir also nicht länger kritteln. Nachhaltigkeit ist in jedem Fall eine spannende Sache, und deshalb haben wir uns mit Prof. Martin Müller unterhalten. Der hat an der Universität Ulm den bundesweit einzigen Stiftungslehrstuhl inne für nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung und nachhaltiges Wirtschaften. Der Talk hängt hier an zum Nachhören.

Interview Prof. Martin Müller, Nachhaltigkeitsprofessor [9:39m]:
Play Now |
Play in Popup |
Download