Lieber Twitter-Eiswein als Zitter-Eiswein
Wenn Frank R. Schulz @deutschweine twittert, dann ist klar: Weinmarketing ante portas, das Deutsche Weininstitut spricht. Immerhin um die 1.000 Leute haben den Kanal abonniert. Die frohe Botschaft dieser Tage lautete:
Cooper beschert Eiswein.
Cooper, das ist das derzeitige sibirische Hochdruckgebiet und Eiswein, das wissen wir natürlich alle, ist eine Weinspezialität, aufwändig in der Herstellung, den gibt’s nicht alle Jahre. Stellen wir uns vor, wir wollen aus tiefgefrorenen Rosinen Traubensaft pressen und daraus Wein machen, so etwa.
Vorgeschrieben sind lausige minus sieben Grad im Weinberg bei der Lese oder noch lausiger. “Kalt, kälter, Eiswein”, twittert Frank R. Schulze dieser Tage. Und natürlich: die Trauben müssen pilzfrei geblieben sein. Eiswein ist also selten hierzulande. Meist gibt’s nur, wie @Traubenshow schreibt: “Twitter-Eiswein statt Zitter-Eiswein
”
Mitte Januar war’s dann doch noch so weit, dass hie und da mit Ach und Krach ein paar Grad minus erreicht wurden. @HerdHelden jubelte: “Eiswein! Bei uns wurde es kalt, der #Eiswein ist gerettet.” Prompt wurde gelesen und @vinorama erklärt : “Eiswein in Thuringen: 300 Rebstocke, 300kg Trauben, 40L Most – noch Fragen warum so teuer?”
Für die Sachsen freilich kam Hoch Cooper zu spät, im Elbtal haben sie im Januar alle Hoffnung auf echten Eiswein fahren lassen. @sz-online-redaktion twittert: “Der sächsische Eiswein ist im Eimer.” Mittlerweile freilich stellt sich raus: Womöglich war das anderswo auch so und die Sachsen waren einfach nur ehrlich.
“Laut Landesweinkontrolle: KEIN EISWEIN 2011 !!!”, twittert Karl-J. Thul aus Thörnich an der Mosel, “Trauben waren vergammelt und nicht durchgefroren,…” Etwas nüchterner formulieren unsere SWR Nachrichten: “Mainz. Kontrollen bei Eiswein angekündigt.” Und: „Haben Winzer bei Eisweinlese geschummelt?“ fragen sich auch die @aznachrichten der Allgemeinen Zeitung.
Fakt ist: Die rheinland-pfälzische Weinkontrolle und das Weinbauministerium in Mainz gehen derzeit davon aus, dass längst nicht alle 408.000 Liter Traubenmost, die bei der Landwirtschaftskammer angemeldet wurden, die Voraussetzungen wirklich erfüllt haben. Vor allem nicht im warmen Rheinhessen. Vermutlich ist also nicht überall guter Eiswein drin wo Eiswein drauf steht.
Was tun also: „Handel und Weinkommissionäre sollen jetzt bei entsprechenden Angeboten genau hinschauen, um nicht gegebenenfalls einem Betrug aufzusitzen“, heißt es auf der Internetseite der Allgemeinen Zeitung. Wie – hinschauen? Das ist doch später höchstens noch am Geschmack zu erkennen, ob der Eiswein aus Pilzsuppe oder aus Gefrierrosinen gekeltert wurde.
@rlpnews, unsere Landesregierung twittert jedenfalls: „Umweltministerin Höfken stellt sich schützend vor Eisweinerzeuger.“ Wir sehen schon die Jeanne d’Arc der rheinhessischen Winzer vor uns, wie sie im Kampf gegen anbrandende Horden …, aber Moment mal: Wieso stellt sie sich schützend vor die hiesigen Eisweinerzeuger, die es doch offenbar kaum gibt? Sollte sie sich nicht schützend vor die Verbraucher stellen oder besser die Weinkontrolle verschärfen? Das nämlich wäre nötig.
SWR-Weinexperte Werner Eckert erklärt in den @umweltnews bei Twitter, woran es hängt. Die Prüfer derLandwirtschaftskammer sollten in diesem Jahr ihre Aufgabe ernster nehmen als sonst. Die Prüfkommissionen dort können und müssen Eisweine ablehnen, die muffig schmecken, eine Essignote aufweisen, zu wenig Säure haben oder einfach nicht typisch nach Eiswein schmecken. Auch wenn das Winzerkollegen trifft. Schließlich gilt es, den Ruf eines Produkts zu retten, der durch billige Massenware schon stark gelitten hat. Nicht, dass wir tatsächlich noch dahin kommen, was @wolkenrose verkündet: “Eiswein kann man nicht trinken. das liegt am Aggregatzustand.”
Weltwirtschaftsforum 2.0 – Davos auf Onlinetrip
Während sich deutsche Bedenkenträger damit beschäftigen, dass das Internet sicher ganz böse und außerdem völlig überschätzt wird, sind internationale Organisationen wie das Weltwirtschaftsforum in Davos mit dem schieren Gegenteil beschäftigt: Nur ein Beispiel: Alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, landet nicht nur in Twitter oder Facebook, nein, sondern gleich bei Storify und bei Netvibes. “Dashboard everything” heißt das dann, alle Infos von allen geballt präsentiert und übersichtlich sortiert. Dicke Papierstapel, für die früher einige Bäume dran glauben mussten, sind als pdf zu haben, alles schön geordnet etwa auch bei Scribd.
Zum Runterladen etwa des Global Risk Reports 2012 mit seinen vielen Einschätzungen auch zu Umweltthemen reicht es, sich bei Facebook angemeldet zu haben, klar. Facebook ist inzwischen der Schlüssel zu ganz vielem. Das größte globale Risiko ist übrigens laut Riskreport mit weitem Abstand der Klimawandel. Die Debatten zur Weltverbesserung gibt’s bei Youtube, natürlich auch noch einen eigenen Davos-Kanal für die öffentlichen Vorträge – und bei Chime.in sind sie auch zugange. Meine Güte, was für ein medialer Overkill.
So wirklich nachhaltig scheint mir das nicht wirklich zu sein. Allein 18 Twitterlisten gibt’s mit zig Teilnehmeraccounts, vom Jungen Globalen Führungsnachwuchs bis zu World Leaders mit den Tweets von Präsidenten, Premierministern und Königen. „Weltwirtschaftsforum 2.0 – Davos auf Onlinetrip“ weiterlesen →
Gesucht, gefunden: Das übelste Unternehmen der Welt 2012
Wer wird in diesem Jahr der Sieger bei den Public Eye Awards? Auf deutsch: Welches ist das übelste Unternehmen der Welt 2012? Noch ein paar Tage läuft im Netz die Abstimmung und wer seinen Klick auf der Seite publiceye.ch machen will, der hat dieses Jahr wieder die Qual der Wahl. Die Public Eye Awards verstehen sich als Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum in Davos.
Nicht, dass sich die über 2.000 Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker dort in den nächsten Tagen keine Gedanken über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Lebensbedingungen arbeitender Menschen machen würden. Nur: bei allen guten Absichten: Zwischen der Lebenswirklichkeit jettender Vorstände und dem, was an der Basis passiert, da liegen Welten. Auf Twitter spötteln deshalb die Macher der Public Eye Awards:
So ein bisschen dagegen sein is ja schick, aber bitte doch nicht so, dass die Betroffenen was merken.
Die Betroffenen kommen dafür bei Youtube zu Wort und von den sechs Videoclips zu den sechs Kandidaten sind mir vor allem zwei nachgegangen, vor allem der zu Samsung. Südkoreas reichster Mischkonzern mit 172 Milliarden US-Dollar Umsatz setze teils verbotene hochgiftige Stoffe bei der Produktion seiner Hightech-Geräte ein, so der Vorwurf. Mindestens 50 junge Arbeiter seien deshalb an Krebs gestorben, 140 erkrankt. Han Hye-Kyoung ist 33 und hat einen Hirntumor.
Ich bin krank geworden von der Arbeit in der Elektronikfabrik von Samsung,
sagt eine sichtlich von Krankheit gezeichnete Frau. Sie erzählt:
Samsung sagt, meine Krankheit hat nichts mit der Fabrik zu tun. Aber andere Arbeiter sind auch krank geworden bei Samsung.
Nicht weniger manipulativ gedreht, nur in ganz anderer Machart ist der Film zum Kandidat Freeport, der weltgrößte Gold- und Kupferminen auf West-Papua. Hier kontrastieren Luftaufnahmen gigantischer Löcher im Erdboden mit nüchternen Worten. Seit Jahrzehnten belastet der US-Konzern die Umwelt auf der Tropeninsel mit Giftschlämmen und das indonesische Menschenrechtskomittee wirft ihm etwa Todesdrohungen gegen Gewerkschafter vor.
Auch die britische Bank Barclays bekommt ihr Fett ab, sie wird als hungertreibender Nahrungsmittelspekulant angeprangert, auch der Schweizer Chemiekonzern Syngenta bekommt vorgeworfen, in Drittweltstaaten sein Herbizid Paraquat zu verkaufen, das bei uns aus guten Gründen verboten ist. Derzeit bei der Abstimmung auf Platz Zwei: Der brasilianische Vale-Konzern, der den ökologisch wie sozial verheerenden Belo Monte Staudamm im Amazonasbecken mit baut. In seiner öffentlichen Antwort auf die Nominierung sieht sich Vale völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und verweist auf seinen dicken Nachhaltigkeitsbericht, in dem alles drin steht. Immerhin: der Konzern hat reagiert, das haben nicht alle:
Wir haben fünf Antworten erhalten. Nur Tepco ignoriert uns,
schreiben die Macher der Public Eye Awards in ihrem Twitterkanal @PEAwards. Und fragen nach den Gründen des Schweigens:
Ist es ihnen peinlich? Oder sind sie pleite?
Naja, ehrlich gesagt: Hätten Sie vom Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima Tepco nach der Vorgeschichte etwas anderes erwartet als Schweigen? Bis 26. Januar läuft die Abstimmung im Netz noch, dann werden Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern, eine Schweizer NGO, das Ergebnis feststellen. Also ich setze auf Tepco, den Favoriten.
———-Nachtrag:
Ok, es war dann doch nicht Tepco. Vale hat gewonnen, aber knapp. Und Barclays für ihre Spekulation auf Nahrungsmittel. Was folgern wir daraus? Ureinwohner vertreiben und Leute hungern lassen ist schlimmer als eine radioaktive Verseuchung? Mh. Ist statistisch eh nicht signifikant, das Ergebnis. Meine Zusammenfassung hier: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/publiceye100.html
Die etwas andere Krötenwanderung
Auf den ersten Blick zeigt das grüne Vorschaubild, das jemand auf meine Facebook-Pinwand gestellt hat, einen Nadelwald aus der Luft. Darüber steht: Krötenwanderung. Stimmt, denke ich, ist ja bald wieder so weit und sehe vor meinem geistigen Auge plattgefahrene Amphibien und eimerschleppende Helfer an Krötenzäunen. Dann freilich fällt mir auf, dass das Wort „Krötenwanderung“ aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt ist wie ein klassischer Erpresserbrief. Als ich sehe, wer den Link auf das Youtube-Video gepostet hat – Graswurzel-TV – wird mir klar: Krötenwanderung hat auch noch eine ganz andere Bedeutung:
„Deine Kröten laufen nicht nur durch Geldautomaten, Hände, Bilanzen und Aktienanlagen. Sie können auch viel Unheil anrichten. Wenn Du bei der falschen Bank bist werden deine Kröten in Waffen oder Atomkraft investiert. Und die Banken wetten auf steigende Nahrungsmittelpreise und fördern damit Not und Hunger in der Welt.“
Occupy Economy, hier in der virtuellen Variante. Das Netz ist eine großartige Fläche für Propaganda, „Die etwas andere Krötenwanderung“ weiterlesen →
Genböckchen aus der EU gärtnert jetzt mit Genpflanzen
Alle reden über den Bundespräsidenten und seine Beziehungen zur Wirtschaft, aber Wulffs Revier ist überall. Zum Beispiel in der EU. Etwa in der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Die Kritik von NGO wie Testbiotech brachte den Europäischen Bürgerbeauftragten P. Nikiforus Diamandouros jetzt dazu, unzureichende Regeln gegen Interessenskonflikte bei der EFSA anzumahnen. Das Problem hat einen Namen:
Dr. Suzy Renckens war bis 2008 bei der EFSA Leiterin der Abteilung, die für die Risikobewertung gentechnisch modifizierter Organismen zuständig ist. Nur zwei Monate nach Beendigung dieser Tätigkeit wechselte Renckens zu dem Agro-Unternehmen Syngenta, das eben solche gentechnisch modifizierten Pflanzen herstellt wir berichteten.
Ein Schuft, der Böses dabei denkt.
Damit verabschiede ich mich übrigens bis ins Neue Jahr. Danke fürs Lesen, danke auch für die Geduld! Die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Einträgen sind länger geworden. Seit wir im Sommer einen Hackerangriff auf unseren Blog hatten, können wir aus Sicherheitsgründen nicht mehr so bloggen wie zuvor. Eine Änderung ist auch derzeit nicht in Sicht. Statt täglicher Einträge, wie in den letzten vier Jahren, wird’s wohl eher künftig auf wöchentliche Anmerkungen hinauslaufen. Und die Freigabe von Kommentaren dauert leider auch länger, eigentlich ein Unding für einen Blog, ich weiß, geht aber gerade nicht anders. Mal sehen, was 2012 bringt. Bis dahin, schöne Feiertage, Guten Rutsch!
Wollen wir wirklich die Landschaft mit Photozellen zumüllen?
Erneuerbare Energien, gern. Unbedingt. Aber nicht bedingungslos. Ich bin einfach nicht entzückt, wenn ich lese, dass 62 Hektar mit Unterkonstruktionen, Solarmodulen und Wechselrichtern bebaut werden. 62 Hektar. Klar, es geht um einen alten Militärflugplatz in Brandenburg, den die Firma Gehrlicher Solar jetzt mit der größten Solaranlage ihrer Firmengeschichte zubaut. Aber kann man darauf wirklich stolz sein? Von einem Rückbau der Millitäranlage lese ich nichts, das wäre ja noch nachvollziehbar: Solarenergie liefert das nötige Geld für den Rückbau. Ich lese: “Großprojekt”. Ich hätte aber gern viele kleinere, angepaßte Anlagen. In Lärmschutzwände. In Häuserwände. In und auf Dächer. Und das an ganz, ganz vielen Stellen im Land. Keine ganz winzigen Photovoltaikanlagen, die sind unrentabel, klar. Aber angepaßte an bestehende Baustrukturen. Die alte “Viel hilft viel”-Ideologie dagegen mitsamt ihrem Größenwahn (der vor allem die Honorare der Erbauer treibt) überlassen wir doch lieber den Anhängern von Steinzeittechnologien wie der Atom- oder Kohlekraft, oder?
Mal eben ins Kernkraftwerk marschiert – na und?
Kaum haben wir Deutsche mal wieder den Ausstieg aus der Kernkraft vereinbart, schon interessiert sie uns kaum noch, könnte man meinen. Oder sagen wir besser: Schon sinkt der News-Wert von atomkraftbezogenen Ereignissen jenseits der heimischen Endlagerung. Jüngstes Beispiel: Nogent/Frankreich. In der dortigen Atomanlage hat Greenpeace gerade vorgemacht, dass es möglich ist, mal eben in das Zentrum eines Kernkraftwerks vorzudringen. In ihrem Blog zeigen sie, wie das gelaufen ist. Ein wackeliges Video, ein Typ namens Julien flüstert uns zu, er sei jetzt gerade im Herzen eines AKW und finde seine Aktion im Gegensatz zum französischen Präsidenten Sarkozy keineswegs unverantwortlich. Die offiziellen Reaktionen auf die Greenpeace-Behauptungen lassen den Schluss zu: Ja, die waren wirklich mitten im AKW.
58 Kernkraftwerke laufen in Frankreich, für Anschläge offenbar zumindest teilweise eine eher leichte Beute. An drei anderen Standorten sind die Greenpeacer bei ihren Einbruchsversuchen zwar nicht so weit gekommen, aber ein “Erfolg” würde im Zweifel ja auch reichen. Es gibt also zu tun für die Sicherheitsbeauftragten der Nuklearindustrie. Hoffentlich steigen die lieben Nachbarn auch bald aus aus dieser Technologie.
Übrigens sind gerade aus der Reaktorruine von Fukushima wieder ein paar hundert Liter radioaktive Brühe ausgelaufen. Es dürften nicht die letzten gewesen sein. Denn AKW sind so sicher wie die Rente, das hat auch der jüngste Stresstest im nahe der deutschen Grenze gelegene Cattenom AKW ergeben: gravierende Mängel. Noch also haben wir Medien flächendeckend jeden Grund, über massive Sicherheitsmängel wie die jetzt von Greenpeace aufgezeigten zu berichten, nicht nur die üblichen Verdächtigen. Sich jetzt bereits auf der sicheren Seite zu wähnen ist leichtsinnig.
Lieber Nusskipferl statt Durbangipfel?
Dicke Bretter bohren ist eine Sache, klar, der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht einfach mal eben so erfolgreich zu führen. Aber wenn jahrelang nix rauskommt, dann frage ich mich schon, ob die Werkzeuge die richtigen sind. Beim jetzt gestarteten UN-Klimagipfel könnten vermutlich die meisten Länder täglich den Preis “Fossil of the day” ernten, den eine NGO-Gruppe verleiht.
In Durban ist es derzeit ziemlich trübe, lese ich, hoffen wir, das ändert sich. Dabei spüren wir den Klimawandel immer deutlicher, hierzulande noch luxuriös mit einem legendären Rhein-Niedrigwasser und Trockenheit, die aber erst auf Dauer ein Problem ergibt. Erzähle ich nachher in der Landesschau.
Andere Staaten stehen ganz anders da, im Sahel breiten sich die Wüsten aus, Pakistan und Tuvalu & Co. versaufen. Nicht schön. Aber über eine Postwachstumsgesellschaft mögen sich trotzdem derzeit nicht so viele Menschen einen Kopf machen. Dabei wäre das dringend mehr nötig. Immer nur End-of-the-pipe zu versuchen, zu retten, was zu retten ist, das funktioniert nicht. Manchmal kriegt man bei dieser Weltlage schon Lust, in ein Nusskipferl zu beissen, das hat wenigstens einen handfesten Inhalt – im Gegensatz zu manchem Klimagipfel. Hoffen wir, der in Durban wird die große Ausnahme, mal sehen, was Kollege Werner Eckert in den nächsten Tagen noch dazu schreibt.
Neues Institut soll nachhaltiges Wachstum fördern
Passend zum Auftakt der UN-Klimaverhandlungen in Durban, Südafrika, kam heute folgende Meldung:
“Die Stiftung Mercator und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben heute in Berlin die Gründung eines gemeinsamen Instituts für Forschung und wissenschaftliche Politikberatung bekannt gegeben. Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) wird interdisziplinäre Forschungsbeiträge zu Fragen des nachhaltigen Wachstums in einer begrenzten Welt erarbeiten.”
17 Millionen Euro stellt die Stiftung Mercator für acht Jahre zur Verfügung, 40 Stellen sollen entstehen. Das ist nicht gerade wenig für eine private Stiftung. Die Leitung des Instituts hat Prof. Ottmar Edenhofer, der dabei aber weiterhin Vize-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bleibt. Ich bin sehr gespannt, wie das neue Institut im Spannungsfeld von Wirtschaftswachstum und Klimawandel agiert, ob und welche Lösungsvorschläge daraus resultieren.
Bioflaschen mit Profit statt Verantwortung?
Was für eine verbraucherfeindliche Regelung, diese Pfandpflicht für Getränke! Natürlich ist das als Erkenntnis schon fünf Jahre alt, aber doch immer wieder neu ein Aufregerthema. Finde ich jedenfalls zumindest dann, wenn mir die Hälfte meiner leeren Flaschen vom Leergutautomaten wieder ausgespuckt wird. Annahme verweigert. Leider ganz legal.
Ärgerlich: Wer Einwegflaschen kauft, ist klar im Vorteil, denn die kann er oder sie viel leichter wieder loswerden und das Pfand zurück bekommen. Wer Einwegplastikflaschen verkauft, muss auch welche zurücknehmen, egal wo sie gekauft wurden (solange das deutsche Pfandsymbol drauf ist) . Wer Einwegglasflaschen verkauft, muss das auch. Die Rücknahmepflicht beschränkt sich zwar auf Läden über 200 Quadratmeter und die selbe Materialart, aber bei Mehrweg gibt’s eben überhaupt keine derartige Rücknahmepflicht.
“Nein, diese Flaschen nehmen wir nicht zurück, die sind nicht von uns”, hieß es dieser Tage mal wieder freundlich im Laden um die Ecke. Klare Aussage und leider richtig. Es waren nämlich Mehrwegflaschen von einer Art, die nicht im Sortiment war, die ich abgeben wollte. Und eine seltene 6er-Kiste Mineralwasser kann ich jetzt auch wieder in einen ganz anderen Laden bringen, um mein Pfand wieder zu bekommen.
Aufgefallen ist mir aber noch was ganz anderes, nämlich die Praxis von Firmen wie die Adelholzener Alpenquellen. Die verkaufen ein Getränk, das wie Apfelschorle schmeckt. Heißt auch so ähnlich: “bioschorle Apfel”. Und diese Schorle wird in einer Plastikflasche verkauft, die auf den ersten Blick wirkt wie ein – pfandpflichtige – Schorleflasche etwa von “Gut und Günstig” oder andere. Nur ein kleiner Aufdruck neben dem Zeichen von “Naturland” signalisiert: Kein Pfand. Ab also in den Restmüll oder in die Landschaft damit, ist ja nichts wert und kostet mich nichts, könnte da mancher denken. Kein neuer Dreh, mir aber heute erstmals aufgefallen.
Ich finde die derzeitige Pfandregelung verbraucherfeindlich und wenig zielführend. Ein klares Verbot von Einwegverpackungen wäre mir lieber, solange keine höhere Umweltverträglichkeit gegenüber Mehrwegpackungen zweifelsfrei nachgewiesen wird. Nur: derzeit sehe ich wenig Alternativen zum Pfand als Anreizsystem zur Wiederverwertung. Erstaunlich ist, dass Lebensmittelketten wie “tegut” mit eigentlich nachhaltigem Anspruch durch den Verkauf von pfandfreien Plastikflaschen à la “bioschorle” oder auch der Naturland-Verband ausgerechnet eine potentielle Ressourcenverschwendung unterstützen. Da scheint eine Lücke zwischen Image, Anspruch und Wirklichkeit zu bestehen.
Klar geworden ist mir jedenfalls bei meiner kurzen Beschäftigung mit der unseligen Pfandregelung noch einmal, warum der Mehrweganteil in Deutschland immer weiter gesunken ist. Denn trotz anderslautender Bekenntnisse: noch immer sind die Flaschen für mich als Kunde nicht auf den ersten Blick erkennbar als Mehrweg oder Einweg. Nicht mal die Pfandpflicht ist sofort sichtbar.







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