Passend zu den Protesten am Wochenende gegen ein Atommüll-Endlager Gorleben ist mir jetzt der argumentative Background ins Haus geflattert. “Mythen der Atomkraft” hat Ex-Kollege Gerd Rosenkranz sein Essay genannt, das jetzt unterstützt von der grünen Heinrich-Boell-Stiftung im oekom-Verlag erschienen ist. Auf rund hundert Seiten widerlegt Rosenkranz die wichtigsten Aussagen der Atomkraftbefürworter. weiterlesen »
Befürchtet der iPhone-Hersteller, der kalifornische Computerkonzern Apple, etwa unangenehme Erkenntnisse?
Apple hat eine App, die Handystrahlen misst, aus dem App Store verbannt. Sie stammt von Tawkon aus Israel. Der Entwickler hat Techcrunch zufolge eine Nachricht von Apple erhalten, in der es heißt, das Tool könnte bezüglich der Nutzbarkeit des Smartphones bei den Anwendern Verwirrung stiften.
Soso. Verwirrung also. Ja, die kann ein börsennotiertes Erfolgsunternehmen nicht brauchen. Schon gar nicht, wenn’s um Gesundheit geht, da hört der Spaß auf…
Fasten und zeitweilig kein Fleisch essen, das hat in unserer Wohlstandsgesellschaft nicht nur körperlich durchaus angenehme Folgen. Das ist auch gut für die Umwelt, zumindest global betrachtet. Weniger Fleisch bedeutet immer auch: weniger Wasserverbrauch, weniger Energieverbrauch, weniger Erdölverbrauch, weniger Verschmutzung. Deshalb ein Hoch auf den Kollegen Thomas Laufersweiler, der schon seit Aschermittwoch tapfer durchhält und (nahezu) kein Fleisch und nichts Süßes isst. Nachzulesen im Fastenblog. Da kann ich mit meinem Alkoholverzicht bis Ostersamstag nicht mithalten. Apropos: Hier ist ein wirklich kurzweiliger Beitrag von Werner Eckert aus unserer Redaktion zu den Zusammenhängen von Wein und Fastenzeit zu hören. Dass z.B. Mönche in alter Zeit 5000 Kalorien am Tag verspeisten (und deshalb fasten mussten um nicht zu platzen :)) hätte ich nicht gedacht.
Nicht überall kann frei und kritisch gebloggt werden. Reporter ohne Grenzen (ROG) stellt am heutigen “Welttag der Internetzensur” fest:
Im Jahr 2009 haben insgesamt rund 60 Staaten Internetzensur ausgeübt. Noch nie zuvor hat ROG eine so hohe Zahl von inhaftierten Bloggern, Internetnutzern und -dissidenten dokumentiert: Derzeit sind fast 120 von ihnen im Gefängnis, im vergangenen Jahr waren es zur gleichen Zeit rund 70. Die meisten Internetnutzer sind in China inhaftiert (72), gefolgt von Vietnam (17) und dem Iran (12).
Gerade “Umweltprobleme” gelten erfahrungsgemäß in vielen Staaten ähnlich wie Menschen- oder Frauenrechte als besonders “kritische” und damit zensuranfällige Themen. AutorInnen, die dazu bloggen, sind teilweise massiven Repressionen ausgesetzt.
In den USA gibt es eine Debatte darüber, dass Bohrungen nach Erdgas zunehmend mit giftigen Chemikalien unterstützt werden, lese ich bei “reuters“. Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA ist wenig begeistert darüber, was in den Untergrund injiziert wird:
EPA Administrator Lisa Jackson said on Monday she was “very concerned” about the composition of fracturing fluids and that she hoped the agency would conduct a study this year if it obtained funding.
Die EPA ist also “sehr besorgt”, die genaue Zusammensetzung der Chemikalien wenig öffentlich. Klar ist: Probleme gab’s letztes Jahr bereits wegen der geplanten Gasgewinnung bei New York, die nach Meinung von Kritikern die Trinkwasserversorgung der Megacity gefährdet. Ok, da geht es um Schiefergasgewinnung, ich frage mich dennoch bei dieser Gelegenheit: Wie ist das eigentlich bei der Erdwärmenutzung, der Tiefengeothermie? Gibt’s da womöglich ähnliche Probleme? Vor allem wenn die Hot-Dry-Rock-Technologie eingesetzt wird, bei der unter Hochdruck Risse ins Gestein gesprengt werden? Diese Vorgänge sind ja auf den ersten Blick denen bei der Schiefergasgewinnung nicht unähnlich. Rechercheaufgabe für nächste Woche, heute reicht’s zeitlich nicht. (Mal sehen, ob ich bis dahin nicht schon irgendwo die Schlagzeile lese: “Vergiftet die Erdwärmenutzung unser Wasser?” :))
Mitten in der derzeitigen Kältewüste Deutschland diese Meldung: Die Wüstenbildung schreitet voran. Echte Wüsten sind gemeint. 38 Prozent der Erdoberfläche gelten als gefährdet, ergab unlängst eine spanische Studie. Unter den problematischen Regionen sind vor allem Küstengebiete, Prärien, der ganze Mittelmeerraum (Spanien!) plus Steppen und Wüsten aller Klimazonen. Die Gründe:
Trockenheit, Erosion, ausbeuterische Wasserentnahme, Übernutzung der Böden und das Risiko von Bränden seien in erster Linie menschliches Handeln und die Hauptursachen für die zunehmende Wüstenbildung, so der Wissenschaftler.
Not macht erfinderisch. Wohin mit dem ganzen CO2, das unseren Planeten so gefährlich aufheizt? Ok, vermeiden ist das eine, Abscheiden und Einlagern das andere. Aber die Einlagerung von Kohlendioxid in den Untergrund ist aus verschiedenen Gründen stark umstritten und nicht ungefährlich. Wie wär’s mit einer besseren Lösung: CO2 zu Kalkstein verwandeln. weiterlesen »
War noch nichts mit Krokussen, zumindest in höheren Lagen. Fast waagrecht fegten heute mittag auf der Schwäbischen Alb die Schneeflocken über die zugeschneite Landschaft. Schneehöhe teilweise bis zu einem halben Meter. Wenn das demnächst taut, könnten die neuen Überflutungsbecken entlang des Rheins das erste Mal beweisen müssen, dass sie ihrer Aufgabe gewachsen sind. #Hochwasser Aber schön sah’s trotzdem aus heute, da draußen in Frau Holles Federlager.
Krokusse, gesehen in Baden-Baden. Frühling. Endlich. Und wer glaubt, den Klimawandel gäbe es nicht, bloss weil das Winterwetter so lang angehalten hat: Klima ist das eine, Wetter das andere.
Zur Abwechslung ein Wort in eigener Sache. Ein Dank. Der vor einigen Tagen geschriebene Blogbeitrag von Stefan Niggemeier über die seit vielen Monaten laufende andauernde - ja, ich darf das so nennen - “Hetzkampagne” gegen die öffentlich-rechtlichen Sender spricht mir aus dem Herzen. Hier nur die ersten Zeilen:
Es ist wie ein schlimmer Tinnitus. Ein nerviges Klingeln, das nie wieder aufhört. Seit Monaten läuten Verleger und Privatsender ununterbrochen irgendwelche Alarmglocken. Jeden Tag beschwert sich irgendein Lobbyist wieder lautstark über irgendeine Ungerechtigkeit, beklagt irgendeine Ungeheuerlichkeit, kündigt Eingaben, Klagen, Proteste an. …
Google ist längst mehr als nur ein Suchmaschinenkonzern. Die “Datenkrake”, wie Kritiker gern sagen, hat längst ihre Arme in andere Geschäftsbereiche ausgedehnt. Energie zum Beispiel. Dabei setzt Google inzwischen massiv auf die Nutzung der Erdwärme. Allerdings weniger das, was bei uns mancher Häuslebauer macht: Wärmesondentechnik im Vorgarten, sondern Tiefengeothermie. Also richtige Kraftwerke. Aber erstmal sammelt Google - genau: Daten. Gar nicht dumm: In den USA gab es zwar viele öffentliche Daten zu den Temperaturverhältnissen im Untergrund. Die waren aber schlecht zugänglich. Das hat sich geändert. Seither liegen die Potentiale für die Erdwärmenutzung als Karte in GoogleEarth vor.
Charles Baron von der “Klima und Energie” Abteilung von Google stellte das Projekt heute morgen auf der Geotherm-Messe in Offenburg vor. Klingt zunächst nicht übel (oben die Kurzfassung aus Youtube, wobei sich Baron tapfer auf den Beinen hielt - er war für seinen Vortrag eingeflogen und lebte mit gefühlten 2 Uhr nachts kalifornischer Zeit). Google argumentiert als Energieverbraucher mit seiner Verantwortung für den Klimawandel. Aber natürlich geht’s um Geschäftsfelder der Zukunft - und das Nach-Erdöl-Zeitalter kommt so sicher wie das nächste Erdbeben in Istanbul, die Frage ist lediglich: Wann genau? Da bauen die Kalifornien vor: Immerhin neun Firmen im Bereich der Erneuerbaren Energien arbeiten bereits mit Google eng zusammen oder sind von Google (tw.) gekauft worden. Potter Drilling etwa, die ein Verfahren entwickeln, wie sich mit Hochdruckflüssigkeit besser bohren lassen könnte.
Wobei Google interessanterweise auf genau die Technologie aus dem Bereich der Erdwärmenutzung setzt, die bei uns mit für den meisten Wirbel gesorgt hat: die Hot-Dry-Rock-Technologie, auf gut englisch: EGS, Enhanced Geothermal Systems oder besser noch: Engineered Geothermal Systems. Dabei wird in mehreren Kilometer Tiefe mit starkem Hochdruck Wasser ins heiße Gestein gepresst, der Fels bekommt Sprünge und Risse und einige hundert Meter entfernt wird das so erhitzte Wasser wieder hochgepumpt.
Ein solches Verfahren wird in Soultz-sous-forets im Elsaß in einem europäischen Versuchsprojekt ausgetestet, nach erheblichen technischen Schwierigkeiten läuft das Kraftwerk mittlerweile. Aber: Genau dieses Hot-Dry-Rock-Verfahren sorgte in Basel vor zwei Jahren für mehrere schwache Erdbeben, Risse und eine Menge Ärger. Das Projekt wurde erst kürzlich gestoppt, weil Folgeschäden zwischen 40 und 600 Millionen Franken zu erwarten waren. In geologisch sensiblen Regionen wie dem südlichen Oberrheingraben ist dieses Verfahren ungeeignet. Hinterher ist man schlauer. Wobei: der immer wieder durch “induzierte Seismizität” (sprich: menschengemachte Erdbeben) ausgelöste Ärger in den Nachbargemeinden rund um Soultz-sous-Forets hätte den Geothermie-Betreiberfirmen eigentlich ein Warnzeichen sein können. Aber die dachten wohl, sie kommen damit auch ohne aktive Kommunikation durch. Lange wurden die Probleme der Erdwärmenutzung verniedlicht. Und dann wundern sie sich teilweise bis heute, so etwa Dr. Ulrich Lotz in seinem Nachmittagsvortrag auf der Geotherm, dass die Leute Angst haben. Klar haben die Angst und sie haben es mit Recht. Woher sollen sie denn Sicherheit nehmen? Bestimmt nicht von den Erdwärmebefürwortern. Denn jenseits aller unbestreitbar medial durchaus vorhandenen Ignoranz im Umgang mit Erdwärme und der Tendenz zu skandalträchtigen Schlagzeilen: Wer immer nur sagt: da passiert schon nichts, da ist alles sicher, dem glaubt dann erst mal keiner mehr, wenn doch was schief geht.
Natürlich stehen die Risiken der Tiefengeothermie und der Erdsondentechnik in einem völlig anderen und weitaus besseren Verhältnis zum zu erwartenden Nutzen wie etwa bei der Atomkraft. Basel, Staufen, Schorndorf oder Landau zeigen aber: ein Null-Risiko gibt es nicht. Und deshalb ist es umso bedauerlicher, dass eine adäquate Risikokommunikation nach meiner Wahrnehmung bisher nicht zu den Stärken der Erdwärmebefürworter gehört. Und damit ich nicht falsch verstanden werde: ich halte eine Menge von Geothermie als Zukunftstechnologie, aber nichts von Verschleiern und Verharmlosen.
Die Risiken der Geothermie sind lange verniedlicht worden. Im kleinen Staufen südlich von Freiburg ließen sich die Schäden freilich nicht mehr verbergen, die nach einer Erdwärmebohrung aufgetreten sind. Anfang des Jahres hatte ich Gelegenheit, mir selbst ein Bild von den Rissen der Altstadt von Staufen zu machen. Beeindruckend, leider.
Die Anwohner in der Altstadt sind übrigens ziemlich sauer und befürchten, in ihren kaputten Häusern entschädigungslos sitzen zu bleiben. Mehrere wollen gegen die Stadt klagen, bekam ich erzählt. Schließlich hatte die die umstrittenen Bohrungen beim Rathaus vor mehr als zwei Jahren in Auftrag gegeben, die für die Hebungen der Altstadt verantwortlich gemacht werden. Lange war es strittig, inzwischen scheint es Fakt: Wasser ist in eine Schicht aus Anhydrit-Gestein unter der Stadt geraten und hat sich mit dem Anhydrit verbunden. Das Gestein hat sich damit in Gips verwandelt und dadurch sein Volumen vergrößert. Die Altstadt hat sich seither um einige Zentimeter angehoben. ”
Ob es tatsächlich gelungen ist, durch technische Massnahmen im Untergrund die Hebungen zu stoppen, werden die nächsten Monate zeigen. Die Bewegung hat sich zumindest wohl verlangsamt. Für viele historische Häuser kommt das wahrscheinlich zu spät, das ein oder andere wird wohl abgerissen werden müssen.
Für mich sind die Lehren aus dem Staufener Desaster klar: 1. Eine neue Technik birgt Überraschungen. Auch unangenehme. 2. Das Verschweigen von möglichen Risiken der Geothermie wie schwache Erdbeben oder Bodenhebungen wirkt kontraproduktiv. 3. Eine bessere Planung und Interpretation der Bodendaten sowie Qualitätskontrolle von Bohrarbeiten ist unerlässlich. 4. Schäden, die im Zusammenhang mit einer Bohrung stehen, müssen unbürokratisch ersetzt werden, etwa durch einen Fonds oder eine Stiftung.
Morgen fahre ich übrigens auf die “Geotherm“-Messe in Offenburg. Da geht’s um die Chancen der Geothermie. Und um die Risiken.
Bei uns sorgt der Klimawandel künftig häufiger für Niedrigwasser (hier der Rhein letzten Herbst). Das ist nicht schön, aber vergleichsweise harmlos. Den größten Teil der Zeche, meinen die NGO Oxfam und die Böll-Stiftung zu Recht, zahlen vor allem Menschen in armen Ländern. Dürre, Überschwemmungen, Stürme. Da muss etwas geschehen. Es wird etwas geschehen:
Jedes neue Kohlekraftwerk, das in Deutschland ans Netz geht, beschleunigt den Klimawandel. Der neue Kinospot von Oxfam Deutschland und der Heinrich-Böll-Stiftung macht diese Zusammenhänge deutlich.
300 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus deutschen Kohlekraftwerken sind ziemlich genau 300 Millionen Tonnen zuviel. Klimawandel ist eine Waffe, das kann man durchaus wörtlich nehmen - der Spot findet sich hier : Film ab gegen Kohlekraft.
Ein Brasilien-Stand auf der Biofach-Messe in Nürnberg. Ein buntes Bild, passend zur Szene. Die Bioszene spaltet sich weiter - hie ideologiebefrachtete Traditionalisten, dort Bioanbieter, deren einziger ideologischer Ansatz in dem Satz besteht: Make money and make more money. Zugegeben, das sind die Extreme. Aber es ist schon was dran, da driften Welten auseinander. Das wurde mir am Freitag beim Besuch der “Biofach” ziemlich deutlich, wo sich mehrere tausend Bio-Anbieter aus aller Welt bis zum Wochenende präsentierten. Für Freitag abend war dort auch das dritte Jahrestreffen nachhaltiger Blogger terminiert, aber tagsüber war für mich die Messe dran.
Wer vom Osten das Messegelände betritt, landet als zunächst im Weinland. Halle 4A war vollgestopft mit internationalen Bioweinen, dieser Marktsektor wirkt recht lebendig. Und erzeugt bei den Passanten schnell so ein leicht beschwingtes Gefühl, je nach Anzahl der Proben. Selbst ein Foto wird leicht unscharf :).
Drei Getränke sind mir auf dieser Biofach besonders aufgefallen. Da ist einmal das Hanfbier. Die Pflanzen Hanf und Hopfen sind verwandt, deshalb versucht sich seit 1997 die Kronenbrauerei mit diesem exotisch wirkenden Getränk. Um es gleich zu sagen: das einzige, was berauschend wirkt an diesem Bier, sind die 4,8 Prozent Alkohol. Ansonsten ist ein gut gekühltes Hanfbier eher was für heiße Sommerabende, die bittere Würze einer ordentlichen Hopfenportion gehen ihm doch ein wenig ab. Es ist halt mal was anderes.
Am Innovationsstand des Bundeswirtschaftsministeriums hatten sich auch die Jungs von “Acht Grad” eingerichtet und brachten ihre Bio-Weinschorle an Mann und Frau. Ein trendig wirkendes Getränk für die coole Party, auf dem Markt gebracht von zwei Heilbronner Wein-Studenten, entstanden aus einer Diplomarbeit. Wie’s schmeckt kann ich noch nicht beurteilen (andere haben es schon getan). Ich hab’ ein Fläschchen mitgenommen, das werden wir in den nächsten Wochen mal testen, wenn die Fastenzeit vorbei ist und das Wetter etwas mehr nach Weinschorle ruft als derzeit. Was die Jungs selber dazu meinen, warum man ihr “Acht Grad” trinken sollte hat mir der eine erzählt:
Das dritte Getränk macht deutlich, welchen Spagath zwischen Ideal und Kommerz mittlerweile auch die Macher der Biofach-Messe hinlegen müssen. Norwegisches Gletscherwasser, abgefüllt in Dosen, designed und stylisch verpackt. Nachhaltig ist anders. Bio vom Grundgedanken her betrachtet auch. Aber es ist cool und genau die richtige Nummer für den ein oder anderen Lohas. Einem Bio-Überzeugungstäter (ja, die gibt es noch) dreh sich bei so einem Produkt angesichts seiner Ökobilanz der Magen um. Gekauft wird’s halt trotzdem.
Sehr witzig fand ich eine aus der Schweiz stammende Produktpalette von Waschmitteln und Flüssigseifen, die mit sehr aparten Aromastoffen versehen waren. Das roch zum Beispiel sehr intensiv nach Dill. Ohne Witz: ich fand das ziemlich überzeugend. Der nachhaltige Gedanke dabei: keine Ingredienzien, die von weiter her kommen als 800 Kilometer. Deshalb werden die Zutaten in der Nähe des Genfer Sees angebaut. Was die Firma freilich nicht abhält, mit viel Heidi zu werben (die aber aus dem Bündner Rheintal stammt, also gerade vom anderen Ende der Schweiz). Mal sehen, vielleicht komme ich dazu, mir diese “Laboratoires” bei Gelegenheit mal anzuschauen.
Wunderbar schmeckt eine Schokolade, deren Optik zunächst etwas verstörend wirkt. Die auf japanischem Grünem Tee basierende Schoki ist nämlich grasegrün. Das Motto des Herstellers: Eat your tea. Ein Angebot, das ich mir nicht zwei Mal sagen lassen würde. Tee schmeckt zwar nach meinem Geschmack völlig anders, aber egal. Da ich noch nicht die Zeit hatte für einen Schoko-Verkostungskurs, um mit Begriffen wie “dezenter Anklang an abgehangene Ledersohle” oder ähnlich aussagekräftigen Bezeichnungen souverän um mich zu werfen, bleibt’s bei meiner Kurzbewertung: lecker. Über Geschmack lässt sich bekanntlich eh streiten.
Was unsere Haustiere zu fressen bekommen ist oft unter aller Sau. Nur meist weiß bis auf den Hersteller gar niemand, was da alles an minderwertigen Zutaten ins Hunde- oder Katzenfutter eingemischt wird. Auf der Biofach gab’s jetzt Bio-Tierfutter zu sehen. Ein Wachstumsmarkt, soviel steht fest. Ob’s das braucht, darüber lässt sich sicher streiten, obwohl: wenn ich an diverse Tierkrankheiten denke… Henning Klukkert vom Marketing der Firma demeter-Felderzeugnisse hat mir auch erzählt, warum wir alle seiner Meinung nach dringend unsere Haustiere mit Bioware füttern sollten.
Abends gab’s dann ein nachhaltiges Bloggertreffen. War schön, einmal einige der Menschen persönlich kennen zu lernen, die ich bisher “nur” über ihre Webpräsenzen oder Kommentare kannte. Eine von der Nürnberg-Messe unterstützte, interessante Veranstaltung mit rund vier Dutzend TeilnehmerInnen. Ich habe eine Menge diskutiert und interessante Initiativen kennengelernt, mehr dazu vielleicht bei Gelegenheit hier im Blog. Michael hat freilich schon die wesentlichen Fakten zusammengetragen.
Letztes Jahr hab’ ich’s verpasst, dieses Jahr klappt es: heute abend ist in Nürnberg auf der Biofach wieder Bloggertreffen der nachhaltigen Art. Bin gespannt, wen ich dort treffe. Und vorher mache ich einen ausgiebigen Rundgang auf dieser internationalen Fachmesse für Bio-Ware. Die Branche steht wirtschaftskrisenbedingt deutlich unter Druck, zumindest bei uns wächst der Umsatz nicht mehr so wie in den Vorjahren, unterm Strich deutet sich eine deutliche Trendwende an. Manche Anbieter haben auch in den letzten Jahren - freundlich formuliert - eine kreative Preisgestaltung betrieben und ihrer Kundschaft den Biomehrwert nicht recht vermitteln können. Man könnte auch sagen: Wer so ungeniert in die Taschen anderer greift, hat irgendwann ein Problem. Und ich meine damit nicht nur die Preise für das gelegentlich angebotene Bio-Essen in der (extern gecaterten) Kantine des SWR.
Auch Bioware wie ESL-Milch, die ungeniert als “Frischmilch” deklariert wird, trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit und Imagepflege bei. Das ist halt das Problem, wenn man mit dem Idyll schnuckeliger, Klein-Bauernhöfe wirbt und dann deutlich wird: ein Biohof kann durchaus mit viel Beton gebaut sein und ganz legal 10.000 Rinder beherbergen. In der Branche geht es halt zu wie im ganzen Lebensmitteleinzelhandel: knallhart. Daran ändert auch ein neues EU-Biosiegel wenig, mehr Kontrolle ist angesichts diverser Betrugsfälle durchaus gefragt (und wird auf der Biofach kontrovers diskutiert, wie ich im Vortragsprogramm gesehen habe).
Aber um nicht falsch verstanden zu werden: Nach wie vor sind die Bioproduktionsbedingungen eine ordentliche Portion besser als die konventionelle sogenannte “gute landwirtschaftliche Praxis” mit ihrer kontinuierlichen Brunnenvergiftung durch Nitrat und Pestizide. Nach dem Boom sind jetzt halt die Mühen der Ebenen dran. Von den Künast’schen “zwanzig Prozent” Marktanteil sind wir noch weit entfernt.
Hoffnung für Wale: Australien setzt Japan unter Druck. Bis November sollen durch Verhandlungen die Fangquoten im Südmeer “freiwillig” auf Null reduziert werden. Ein besonderes Gewicht bekommen die Forderungen des australischen Premierministers Kevin Rudd deshalb, weil morgen der japanische Außenminister zu Besuch nach Australien kommt.
Mr Rudd told the Channel 7 TV station that Australia would “work with the Japanese to reduce, through negotiation, their current catch to zero”.
Australien hat schon mehrere Anläufe genommen, den japanischen Walfang zu beenden. Diesmal scheint es ernster zu sein, immerhin war Premier Rudd auch mit dem Versprechen zur Wahl angetreten, sich für die Wale ein zu setzen und bisher war wenig passiert. Sollte Australien freilich wie jetzt angekündigt gegen Japan gerichtlich vorgehen, weil Japan nicht freiwillig verzichtet, dann könnte das am Ende für die Wale aber auch schlecht ausgehen. Wenn Australien verliert, wäre der Fang legalisiert und die Position der Walfanggegner auch in der Internationalen Walfangkommission geschwächt.
Am Aschermittwoch ist zwar angeblich alles vorbei, aber noch hält sich der seit langem längste Winter in Deutschland samt seiner Schneemengen hartnäckig. Auch im Naturschutzgebiet Tegeler Fließ in Berlin, wo unsere Redaktionskollegin Stefanie Peyk dieses Foto gemacht hat.
Die Tobin-Steuer war früher - heute ist die Robin-Hood-Steuer angesagt: Oxfam, Unicef, die Heilsarmee und diverse andere NGO in Großbritannien haben sich zusammengeschlossen und fordern: besteuert Spekulationen der Banken:
Die Idee ist simpel und bestrickend. 0,05% Steuer auf spekulative Banktransaktionen würden über Hundert Milliarden Pfund in die Kassen spülen und dazu dienen Armut und Klimawandel zu bekämpfen.
Das hat was. Was im Werbespot auf der Internetseite der Initiative freilich nicht deutlich wird: der Widerstand der Banker ist knüppelhart. Sie sind an politische Vorgaben nach wie vor nicht wirklich gewohnt. Und bislang konnten sie sich mit ihrem Verhalten ja auch mit Verweis auf globale Konkurrenz weitgehend durchsetzen.
Zumindest bei manchen deutschen mittelständischen Unternehmen wird solch ein Benehmen wenig goutiert - den Hinweis auf die Robin-Hood-Steuer habe ich dem - immer wieder gern gelesenen - Blog im Umfeld eines saarländischen Lebensmittelherstellers entnommen.
Na geht doch: Bahn statt Flugzeug. Selbst für einen Ski-Tripp aus London in die Berge - das ist nämlich gar nicht so kompliziert wie es scheint. Zumindest für Engländer. Ein unabhängiges Klimaschutzportal namens “snowcarbon” macht’s möglich. Die kümmern sich um Auswahl und Buchung.
We explain how to book, whether you choose to travel by day or overnight, and provide exact journey details. And we show how taking the train can cut your carbon emissions by up to 90%.
Hinter dem Portal stehen zwei britische Reisejournalisten. Eine runde Sache, lobt auch die Alpenschutzkommission. Mit einer Bahnreise können bis zu 90 Prozent CO2-Emissionen einer Flugreise eingespart werden. Gibt’s eigentlich auch eine entsprechende Möglichkeit in Deutschland? Rechercheaufgabe für nächste Woche. Oder predigen wir doch lieber fundamentalistischen Verzicht - wer muss schon übers Wochenende Ski fahren?
Als vor fast zehn Jahren in Nordrumänien der Damm einer Goldfabrik brach, vergifteten Zyanide und Schwermetalle mehrere Flüsse und zahlreiche Felder. Die Folgen sind heute noch spürbar, lese ich in der “WOZ”. Der Artikel über die Menschen aus Bozânta ist traurig, spannend und wichtig, denn angesichts des horrenden Goldpreises steigt nach wie vor der Druck, Gold zu produzieren - koste es Umwelt und Anwohner, was es wolle.
Am Morgen nach dem Dammbruch ging Danut Ghisa in die Nähe der Unfallstelle, er besass dort Weide- und Ackerland. Alles war schwarz, erinnert er sich, es roch nach Bittermandeln. Er ahnte, dass etwas sehr Schlimmes passiert sein musste. Wie schlimm es tatsächlich war und dass die Folgen noch zehn Jahre später spürbar sein würden, konnte er sich damals nicht vorstellen.
Das musste ja passieren: Vor zwei Jahren hat mir das Umweltbundesamt erzählt, die Einträge der Emissionswerte im Emissionshandelsregister seien sicher vor Kriminellen. Und dann das: Jetzt haben Computerhacker doch ordentlich zugeschlagen und einige Millionen Euro erbeutet. Wobei sich jedoch rausstellt: es waren Phishing-Attacken, d.h. es wurden unter einem Vorwand wohl bei mehreren Firmen die Passwörter für den Emissionshandel betrügerisch abgefangen, nicht aber in die Computer der Emissionshandelsstelle eingebrochen. Wer verstehen will, was da eigentlich geschieht beim Emissionshandel: Meine Eindrücke von meinem damaligen Besuch im “Grundbuchamt für Treibhausgase” habe ich damals hier im Umweltblog notiert, ich reaktiviere diesen Link aus gegebenen Anlass zum Nachlesen.
Der brasilianische Bischof Erwin Kräutler gehört für mich zu den beeindruckenden Gestalten der Menschheitsgeschichte. Ich habe ihn vor vielen Jahren kennengelernt und verfolge sein Engagement seither mit einer gehörigen Bewunderung. Mit unglaublicher Kraft und Zähigkeit kämpft der gebürtige Österreicher für die Bewohner seiner Diözese Altamira im Amazonasgebiet und setzt sich für den Erhalt der Regenwälder ein. Gegen massive Widerstände, trotz Morddrohungen. Auch jetzt noch, nach dem die brasilianische Umweltbehörde eingeknickt ist und das gigantische Belo Monte Projekt genehmigen will - das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Es wird ein Drittel des Bezirks Altamira fluten.
Altamira wird unter Wasser stehen, und die Verantwortlichen wissen noch immer nicht, wie viele Familien davon betroffen sind, und noch weniger, was mit ihnen geschehen soll.
Wenigstens will jetzt auch die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Pará gegen die erteilte Umweltlizenz vorgehen.
Auf den ersten Blick ist es nur eine enge Zusammenarbeit: Shell und Brasiliens Ethanol-Gigant Cosan gehen künftig gemeinsame Wege, lese ich in der Financial Times online. Wert des Joint ventures: 12 Milliarden Dollar. Der Vorstandsvorsitzende von Cosan machte klar, worum es geht: Bioalkohol im großen Stil weltmarktfähig zu machen.
Rubens Ometto, Cosan’s chairman, said the joint venture would provide “the step forward that was lacking, in spite of all our efforts, to make ethanol a global commodity.”
Wenn soviel Geld im Spiel ist wird es wieder ein bisschen schwieriger zu verhindern, dass letztlich der Regenwald die Zeche zahlt und gerodet wird. Weil andere landwirtschaftliche Flächen für den Zuckerrohranbau benötigt werden. Offiziell ist das kein Thema, aber in Brasilien gelten oft die Regeln des Faktischen, nicht unbedingt die geschriebenen Gesetze.
Weil uns mehrfach der Wunsch erreicht hat, unsere Schülerpraktikantin soll doch bitte auch mal testen, wie die Schokolade zum Einatmen schmeckt, die sie von der Kölner Süßwarenmesse mitgebracht hat - bitte schön, gern, hier das Video vom Selbstversuch.
An Indien denken wir üblicherweise nicht, wenn wir an “Seen” denken. Es gibt aber Seen in Indien und einer davon hat heute eine bedauerliche Ehrung erfahren. Der Global Nature Fund aus Radolfzell hat den indischen Pulicat-See zum “Bedrohten See des Jahres 2010″ erklärt. Denn:
Gravierende Umweltbelastungen zerstören die Lebensgrundlage von 50.000 Fischern sowie hunderttausender Menschen am indischen Pulicat See. Die einst sehr artenreichen Fischgründe und die für das Ökosystem so wichtigen Mangrovenwälder in der Lagune nördlich der Stadt Chennai haben einen alarmierenden Zustand erreicht.
Daran wird die heutige Ehrung zwar nicht sofort etwas ändern, aber zumindest ist schon mal Aufmerksamkeit auf das Problem gelenkt. Ein erster Schritt.
Dieser Tage habe ich die erste Milch gesehen, die damit wirbt, “nur” pasteurisiert zu sein. “Traditionell hergestellte Frischmilch” steht jetzt auf dem Etikett. Da soll sich die Lebensmittelindustrie nicht beschweren, dass ihr keiner mehr über den Weg traut: In den letzten zwei Jahren haben viele Hersteller ihre Frischmilch durch ein zusätzliches Erhitzungsverfahren namens ESL (Extended Shelf Life = verlängerte Haltbarkeit im Regal) zu einer Art H-Milch-Light gemacht und das oft genug, ohne es offen zu deklarieren. Ein gekochtes Ei würde zwar niemand mehr “frisch” nennen, doch bei Milch stört sowas offenbar keinen großen Geist. Der Vitamingehalt der ESL-Milch liegt niedriger als bei nur pasteurisierter Frischmilch, und die verlängerte Haltbarkeit nutzt nur den Supermärkten, denn einmal geöffnet verdirbt die Milch genauso schnell wie früher. Aber: Man schmeckt es nicht mehr so, die Milch wird faulig, aber nicht mehr sauer.
Immer wieder mussten die Verbraucherzentralen eine angemessene Beschriftung einfordern, aber ich wette, auch heute weiß kaum jemand, dass die Milchqualität durch dieses Verfahren klar verschlechtert wurde. Biomilch ist ohne diese Spezialbehandlung übrigens nach meiner Wahrnehmung in vielen Supermärkten gar nicht mehr erhältlich. Jetzt wird das bisherige Verfahren ohne ESL schon als etwas Besonderes herausgestellt und beworben, ich finde das wirkt fast schon zynisch.
Die Schweiz ist keinesfalls ein Land nur von Superreichen wie Schumi, die am Genfer See unbezahlbare Liegenschaften bewohnen. Die Schweiz, das sind auch tausende Bergbauern, denen es Jahr für Jahr schwerer fällt, dem Druck der Globalisierung stand zu halten. Da hilft Neutralität nicht weiter. Denn die Bedingungen der Almwirtschaft sind im Vergleich zu, sagen wir: brandenburgischen Milchviehfarmen mit 10.000 Rindern, hundsmiserabel unwirtschaftlich.
Ohne Bewirtschaftung freilich wären die Alpen bald nicht mehr die Alpen, die wir kennen. Und mancher Hang käme ins Rutschen. Das kann keiner wollen und deshalb gibt es in der Schweiz die Berghilfe. Die sammelt ab Sonntag für ihre Projekte zur Unterstützung der Bergbauern. Find ich gut.
Ins Zentrum der diesjährigen Sammelkampagne stellt die Berghilfe die Alpwirtschaft. Diese sei für die Menschen in den Bergen kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
“Die 4. Revolution. Energy Autonomy.” Neuer Film. Ab März im Kino. Soll ziemlich nachhaltig sein. Alles über NewEnergy-Aktivisten und Unternehmer wie Hermann Scheer, Matthias Willenbacher. Im Drehtagebuch erfahre ich vorab nicht nur die Luftfeuchte im brasilianischen Regenwald (95%), sondern auch:
Der Regisseur telefonierte beim Versuch, einen Vertreter aus der Ölbranche als Protagonisten zu gewinnen, insgesamt 17 Stunden.
Cutterin, Regisseur und Regieassistentin sichteten nach dem Dreh 116 Stunden Filmmaterial.
Der Film ist nun 83 min lang.
Die 4.Revolution kann beginnen
Mal gespannt auf die Preview nächste Woche, falls meine Berliner Kollegin hingehen kann.
Solche Presseerklärungen lieben wir ganz besonders:
Südfleisch GmbH – RA Dolde und Partner, Stuttgart – ./. Stadt Ansbach – RA in Partnerschaft Tacke Krafft, München. Die Beteiligten streiten (noch) über die Festsetzung eines
auszugleichenden Vermögensnachteils wegen der mittlerweile bestandskräftigen Rücknahme von Tauglichkeitserklärungen für Rindfleisch von ca. 38 000 BSE-testpflichtigen Rindern. Die Beklagte
hatte die der Klägerin, einem Schlachtbetrieb, erteilten Tauglichkeitserklärungen nach Art. 48 BayVwVfG zurückgenommen, weil die mit den Untersuchungen von der Beklagten als Verwaltungshelfer
beauftragte Firma die Tests in einem behördlich nicht zugelassenen Zweitlabor durchgeführt hat. Klage und Berufung der Klägerin sind erfolglos geblieben. Das Berufungsgericht hat einen Anspruch auf
Ausgleich eines Vermögensnachteils verneint, weil das Vertrauen der Klägerin in den Bestand der Tauglichkeitserklärungen nicht schutzwürdig sei. Zwar habe sie weder gewusst, noch wissen müssen, dass dem Zweitlabor die behördliche Erlaubnis fehle. Sie habe aber eine gesteigerte Verantwortung für die von ihr anempfohlene Untersuchungsfirma und ein erhebliches Eigeninteresse an einer reibungslosen Abwicklung der BSE-Tests gehabt.
Das Revisionsverfahren kann Gelegenheit geben, den Maßstab weiter zu präzisieren, wann das Vertrauen des Betroffenen in den Bestand eines Verwaltungsaktes unter Abwägung mit dem öffentlichen Interesse als schutzwürdig angesehen werden kann.
Alles klar, worum’s da übermorgen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gehen wird? Das Vertrauen des Lesenden in die Verständlichkeit solcher Presseerläuterungen ist ein missbrauchtes.
Müssen wir Umdenken in Sachen Allergie und Ernährung? Das könnte man meinen. Bis vor kurzem galt hypoallergene Kost als das A&O der Babynahrung, wenn nicht (mehr) gestillt wurde, verbreitet ist die Meinung: am besten bis zum 12. Monat. Und jetzt?
Der Kontakt mit möglichen Allergenen ist im ersten Lebensjahr erwünscht und das gilt für alle Babys, auch die allergiegefährdeten. Ab dem fünften Monat dürfen deswegen Schritt für Schritt, entsprechend den Bedürfnissen des Babys Kuhmilch, Weizen oder Fisch eingeführt werden.
Also: nix Zurückhaltung, her mit den kleinen Allergenen. Da könnte was dran sein, schließlich gibt es auch diverse Krankheiten, die besser im frühen Kindsalter durchlebt werden als später. Und zu starke Hygiene gilt auch nicht gerade als supergesund. Meine Erfahrung mit Ziegenmilch statt Kuhmilch ab dem fünften Monat freilich war zumindest bei meinen eigenen Kindern durchaus positiv, sie haben lange Jahre später (immer noch) keine “harten” Allergien. Aber ich will das nicht überbewerten, vom Einzelfall auf die Allgemeinheit schließen, das dürfen sonst nur Ernährungswissenschaftler
Die Idee hat was, die heute im britischen “Ecologist” nach zu lesen ist: Ein Brennstoffzellen-Auto könnte mit weniger als einem Liter Wasserstoff auf 100 Kilometer fahren. Treibhausgas-Emissionen: 30 Gramm auf 100 Kilometer, nicht mal ein Drittel heutiger Spitzenwerte. Wenn der Wasserstoff mit Erneuerbaren Energien erzeugt wird, sinken die Emissionswerte noch einmal um den Faktor Zehn.
Revolutionär: Das Design des Autos wäre Open-Source, d.h. kostenlos für jeden kopier- und veränderbar, ein völliger Wechsel im Geschäftsmodell der Autoindustrie, angeknüpft an den Erfolg von Opensource-Projekten wie dem Computerbetriebssystem Linux oder der Firefox-Browser. Damit aber, hofft der Ideengeber Riversimple, könnte das Auto flexibler weltweit produziert werden und mit kleineren Stückzahlen bereits in die Gewinnzone kommen.
Der Clou freilich: der Wagen wird nicht verkauft, sondern kommt als Leasingmodel auf den Markt. Nur so entsteht ein Anreiz, das Auto wirklich nachhaltig und ressourcensparend zu bauen, sagt Hugo Spowers von Riversimple:
There’s no driver for resource efficiency if we sell the car. If we sell the cars… we have a direct incentive to sell as many cars as possible, so there’s absolutely no commercial sense to build in longevity, low running cost or fuel efficiency – the opposite in fact.
In eins, zwei britischen Städten könnte ein Versuch mit solchen Autos bereits im übernächsten Jahr starten. Manchmal muss die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt kommen - die traditionelle Autoindustrie kriselt kräftig. Mal sehen, ob es den Briten gelingt, den Automarkt mit ihrer revolutionären Ideen aufzurollen.
Selten dass ein Buch voller Lustkäfer, Mietnomaden und Giftmorde steckt. Und dann noch den putzigen Namen trägt: “Die Ölkäfer von Rheinland-Pfalz und im Saarland”. Die Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz Rheinland-Pfalz, das ist dort der dritte große Naturschutzverband, stellt ein solches Buch heute vor. Aufwändig gemacht, sorgsam gedruckt, ein herrrrliches Stück Literrraturrr. Weil: Zum einen sind die Ölkäfer eine wunderhübsche Tiergruppe und die zeigt das Buch auch in vielen trefflichen Abbildungen. Dann gab es bislang weltweit noch kein Werk, dass sich so intensiv mit den Ölkäfern beschäftigt hat, der Inhalt des Buches reicht also weit über Rheinland-Pfalz hinaus.
Entscheidend ist aber: die Meloidae, die Ölkäfer, sind nicht irgendwelche Krabbelkäfer, sondern sie haben auch ein ganzes Stück menschlicher Kulturgeschichte geschrieben. Der berühmteste Ölkäfer ist zum Beispiel ein kleiner, goldgrün schimmernder Käfer mit dem Namen „Spanische Fliege“. Den hat schon im 12. Jahrhundert die berühmte Heilkundlerin Hildegard von Bingen erwähnt und das liegt wohl an dem Gift, das dieses Käferchen erzeugt. Cantharidin heisst diese ölartige Substanz, sie erzeugt auf der Haut Blasen und Geschwüre und ist 10x giftiger als Strychnin.
Das Gift der Spanischen Fliege wurde gern an europäischen Adelshöfen in früheren Jahrhunderten benutzt, um missliebige Personen ins Jenseits zu befördern. Besonders berüchtigt war da etwa die 1653 geborene Baronessa Teofania di Adamo, die das sogenannte Aqua Tofana erfunden hat. Das war eine geschmacks- und geruchslose Flüssigkeit, die aus Ölkäfern destilliert wurde und davon waren wenige Tropfen bereits tödlich. 600 Morde gehen wohl auf den Einsatz von Aqua Tofana zurück, die Baronessa wurde dafür freilich 1723 dann hingerichtet.
Wenn man das Cantharidin in geringer Dosis nimmt wirkt es erektionsfördernd, als Aphrodisiacum also. Im Internet kann man das heute noch kaufen, ein Fläschchen Liebestropfen Spanische Fliege extra, 15 ml, gibt’s für schlappe zehn Euro. In den USA ist es allerdings strikt verboten. Ja, und echte medizinische Anwendungen von der Substanz gibt es auch, die wird bei Nieren- und Harnwegserkrankungen angewandt.
Spannend ist auch die Biologie dieser Käfergruppe. Nur ein Beispiel: viele Ölkäfer sind Mietnomaden. Der Gemeine Maiwurm, das ist ein tiefschwarzer Ölkäfer, legt pro Käfer bis zu 40.000 Eier, oft am Fuss von Kräutern. Die geschlüpfte Larve kriecht später auf die Blüte und wenn dort die nächste hungrige Wildbiene oder Hummel vorbeikommt, klammert sich die Larve an sie dran und lässt sich mit ins Nest schleppen. Dort lebt sie dann wie die Made im Speck von den Pollen- und Nektarvorräten der Bienen bis sie sich schließlich verpuppt und als erwachsener Ölkäfer das Wirtsnest verlässt.
Leider ist es wie so oft: je nützlicher ein Tier ist, umso bedrohter ist es - das gilt auch für Ölkäfer. Ende des 19. Jahrhunderts waren die Ölkäfer noch häufig, da wurden allein in England und Frankreich rund 40 Millionen Käfer jährlich für medizinische Zwecke verbraucht. Und allein 1880 wurden noch 15.000 Kilo Ölkäfer nach Deutschland importiert.
Carl Bosch, der Vorstandsvorsitzende der BASF aus der Zeit um den 1. Weltkrieg, war ein leidenschaftlicher Käfersammler und hatte auch einige Ölkäfer in seiner Sammlung gehabt - Sammlungsort war Ludwigshafen. Das wäre dort heute sicher wesentlich schwieriger. Von den 14 in Rheinland-Pfalz und Saarland vorkommenden Arten sind 13 auf der Roten Liste, 5 davon sind ausgestorben, weitere vier sind vom Aussterben bedroht. Umso schöner ist es, dass es jetzt zumindest ein Buch gibt, damit wir wissen, was da verloren zu gehen droht. Ach ja, noch was: Dem Band liegt eine Audio-CD bei - mit dem “Ölkäfer Song” der ostfriesischen Gruppe “Die Deichprinzen”. „Die Ölkäfer in Rheinland-Pfalz und im Saarland“ von Johannes Lückmann und Manfred Niehuis kostet 34,50 Euro und ist erhältlilch bei: GNOR, Osteinstr. 7-9, 55118 Mainz oder im Buchhandel unter ISBN 978-3-9807669-4-4.
Energie sparen fällt schwer. Draußen sind’s null Grad, aber die Wärmeschleuse steht sperrangelweit auf. Zu sehen ist niemand. Na sowas. Bis zur Nullemissionsgesellschaft ist’s noch ein langer Weg. Gesehen heute in Mainz. Klar, der Klimawandel kommt nicht von sowas, aber Kleinvieh macht auch Mist.
Dieser Baum zeigt, was Natur leisten kann: trotz Verletzung weiteres Wachstum und Integration des Fremdkörpers. Gesehen dieser Tage bei Freiburg am Schwarzwaldrand.
Wer hat das unglaubwürdigste Sozial- und Ökolabel? Wer ist die Mutter aller Schönfärberei? Wer hat die skandalösesten Umweltpraktiken weltweit? Wichtige Fragen, finde ich, in Zeiten, in denen ein unabhängiger Journalismus einen immer schwierigeren Stand hat und die PR boomt. Antworten auf diese Fragen gibt’s bei den “Public Eye Awards”, pünktlich zur Eröffnung des Davoser Welt Economic Forum am 27. Januar.
Vergeben werden diese wenig schmeichelhaften und umso notwendigeren Anti-Oscars von der Schweizer EineWelt-NGO “Erklärung von Bern” sowie von Greenpeace. Die Abstimmung dazu läuft ab sofort im Internet. Nominiert für den “Global Award” sind diesmal aus 40 von NGO vorgeschlagenen Kandidaten unter anderem GDF Suez, Arcelor Mittal oder die Royal Bank of Canada. Zur Begründung schreiben die Preisspender:
“Der indische Stahlgigant Arcelor Mittal betreibt das grösste und zugleich dreckigste Stahlwerk Südafrikas. Die Royal Bank of Canada ist grösster Financier des ökologisch wie sozial fatalen Ölsand-Abbaus in der kanadischen Provinz Alberta. Und GDF Suez schliesslich ist treibende Kraft hinter einem Grosskraftwerk am brasilianischen Madeira-Fluss, das gigantische Umweltzerstörungen und Massenvertreibungen der indigenen Bevölkerung zur Folge hat.”
Alle Jahre wieder liegt der Kritische Agrarbericht des Agrarbündnisses auf meinem Schreibtisch und alle Jahre wieder freue ich mich über diesen Rundumschlag für mehr nachhaltige Landwirtschaft. Die AutorInnen ziehen Bilanz (Wem gehört die Milch?), grübeln über Perspektiven (Nebenerwerb hat Zukunft), denken über die Zukunft des ländlichen Raums nach (Vernetzung stärken) oder plädieren für mehr Erneuerbare Energien (Sonnenkraftwerk bäuerliche Landwirtschaft). Schön an diesem Bericht ist, dass er gut lesbar ist und die breite Vielfalt der Entwicklungen im Agrarsektor von Umwelt bis Soziales und Politisches abdeckt. Wald, Gentechnik, Natur, Regionalentwicklung, Produktion, Ökolandbau, Welthandel - alles wird gestreift, aber nicht oberflächlich abgetan. weiterlesen »
• Many countries report that the oestrogen
derivate ethinyl estradiol is responsible for
the feminisation of male fish, most likely
in combination with other hormones or
hormone‑mimicking substances;
• The anti-inflammatory drug diclofenac, used as
a veterinary drug, has killed tens of millions of
vultures in Asia.
Besonders problematisch: das Hormon Ethinylestradiol, das männliche Fische “verweiblicht”, wie aus vielen Staaten berichtet wurde. Es ist ein häufiger Bestandteil von empfängnisverhütenden Mitteln. Und der Entzündungshemmer Diclofenac hat nach dem Bericht der EEA viele Millionen Geier im asiatischen Raum auf dem Gewissen, weil er in der verbreitet in der Tiermedizin eingesetzt wurde.
Das sind alles keine neuen Erkenntnisse, die die EEA heute präsentiert, aber: Sind für das Problem der freigesetzten hormonähnlichen Substanzen inzwischen ausreichend politische Vorgaben und entscheidende Verbesserungen auf den Weg gebracht worden? Soweit sind wir offenbar noch nicht. Die Mühlen mahlen langsam, besonders auf EU-Ebene. Immerhin, sie mahlen und unter der schwedischen Ratspräsidentschaft gab’s jetzt im vergangenen Herbst noch mal einen Workshop in Uppsala.
Zu hoffen gibt auch die Tatsache, dass die Industrie selbst an das Problem herangeht. So experimentiert etwa der Fachbereich Ökologie der Uni Landau inzwischen an Nachklärverfahren für die Pharmaindustrie (wir haben dazu in der Sendung Im Grünen berichtet). Erste Ergebnisse mit einer Ozonbehandlung lassen hoffen, dass zumindest die endokrinen Gifte der Hersteller in zunehmend abgebaut werden können, bevor sie im Wasser landen.
Hübsche Fotos von Tieren oder Pflanzen? Noch bis zum Tag der Artenvielfalt am 22.Mai 2010 läuft der Fotowettbewerb, den Baden-Württemberg ausgelobt hat:
Jeder, der Freude am Fotografieren in der Natur hat, kann teilnehmen und seine Bilder heimischer Arten über die Internetseite www.natur-portrait.de einreichen.
Zu gewinnen gibt’s immerhin einige Male ein paar hundert Euro und Sachpreise.
Die biologische Vielfalt interessiert keine Sau, die nicht gerade beruflich damit zu tun hat. Oder? Klar, noch ein paar Idealisten und Naturschützer. Schade eigentlich, denn die Vielfalt ist auch ökonomisch wichtig. Sagt der Chef der Europäischen Umweltagentur und der sollte es wissen:
We know that market prices need to reflect the full value of the benefits that we obtain from healthy ecosystems as well as the true costs of using them.
Allerdings: das gilt nur volkswirtschaftlich gesehen - in betriebswirtschaftlicher Logik rechnet es sich oft genug mehr, die Nachhaltigkeit mit Füssen zu treten. Das ist dann der Punkt, an dem Politik gefragt ist, sonst spiegeln die Marktpreise eben NICHT den wahren Nutzwert gesunder Ökosysteme wider und auch nicht die wahren Kosten der Nutzung der Natur. Aber was die (deutsche) Politik faktisch von der Vielfalt hält, sind Lippenbekenntnisse. Das zeigt die aktuelle Kritik der Umweltverbände an der Umsetzung der deutschen Biodiversitätsstrategie in den letzten beiden Jahren, Motto: aussitzen, konterkarieren, verzögern (siehe anhängendes Audio). Das gilt zumindest für die meisten Vorhaben, die nicht vom Umweltministerium getragen wurden.
Aber auch die lieben Kollegen hängen das Thema reichlich tief: die Eröffnung des Internationalen Jahrs der Artenvielfalt durch Bundeskanzlerin Angela-”Wir müssen jetzt handeln”-Merkel brachte es in der Süddeutschen heute gerade mal als Einspalter auf Seite 6.
Wenn der Kollege und Philosoph Peter Zudeick hier Recht hätte, dann wären meines Erachtens auch sämtliche nicht-nachhaltigen Verträge sittenwidrig:
Das Bürgerliche Gesetzbuch begrenzt die Vertragsfreiheit durch “die guten Sitten”. Die geltende Rechtssprechung interpretiert das so, dass ein Rechtsgeschäft sittenwidrig ist, wenn es “gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden verstößt”.
Denn ein gerechtes Denken ohne Nachhaltigkeit (auch im Sinne der Fürsorge für die kommenden Generationen) kann es nicht geben. Interessanter Ansatz. Aber im Grundgesetz steht ja auch: Eigentum verpflichtet. Nur: Wozu? Bauern zur Schonung des Grundwassers respektive der Trinkwasserbrunnen? Banker zum Investment in ressourcenschonende Projekte? Wir sehen: Es gibt noch eine Menge zu tun.
Steigende Rohstoffpreise könnten den Abbau von Manganknollen aus der Tiefsee interessant machen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat sich schon entsprechende Lizenzrechte im Pazifik gesichert. Nur: die Erzförderung ist mit einem starken Eingriff in das noch weitgehend unbekannte Ökosystem der Tiefsee verbunden, befürchtet der Meeresbiologe Gerd Schriever vom norddeutschen Biolab Forschungsinstitut.
Durch den Abbau der Knollen würde auch Sediment an die Oberfläche gepumpt werden. Dieses würde, zurück in den Pazifik gekippt, die Filterwerkzeuge dieser Kleinstlebewesen verstopfen und sie damit abtöten. Dazu käme das kalte Tiefseewasser, dass in der Umgebung der verarbeitenden Plattform die Wassertemperatur absenken würde.
Dadurch fällt Lebensraum für viele Arten weg. Und: Rentabel sind solche Förderanlagen nur, wenn - bergbautypisch - die schlackigen Überreste vor Ort entsorgt, sprich: über Bord gekippt werden. Das wäre die größte Gefahr für die - noch - klare See und ihre Bewohner. Entsprechende Schiffe sind wohl bereits in der Entwicklung. (Dies ist ein Blogeintrag aus der Serie: Jeder Euro, der auf diesem Planeten verdient werden kann wird verdient. Und zwar sofort.)
Werbung für mehr Klimaschutz mal anders. Immerhin setzt jeder innereuropäische Flugpassagier im Schnitt 400 Kilogramm CO2 frei. Die werden hier sichtbar. Harte, aber gut gemachte Werbung einer britischen Aktionsgruppe gegen Flugverkehr.
Was taugen Wärmepumpen wirklich? Eine strittige Frage, je nach wirtschaftlichem Interesse des Antwortgebers. Die Elektrowärmepumpen, die in Ein- oder Zweifamilienhäusern eingebaut sind, werden gern als effizient und CO2-sparend angepriesen, es bestehen aber Zweifel. Sehr sinnvoll ist also ein Praxistest und den hat sich die Lokale Agenda-Gruppe Energie aus dem badischen Lahr vorgenommen hat, wir werden die Ergebnisse mit großem Interesse verfolgen:
In einem vierjährigen “Feldtest Elektro-Wärmepumpen” untersucht sie den Stand heutiger Wärmepumpentechnik, deren Effizienz und Wirtschaftlichkeit am Oberrhein.
Nach Scharmützeln mit einem japanischen Walfänger ist das Schnellboot einer Tierschutzgruppe im eisigen Wasser der Antarktis gesunken. Die Besatzung konnte gerettet werden.
Wir schreiben das Jahr 2010 und noch immer halten einige Länder wie Japan, Norwegen oder Island ohne Not an überholten Riten wie dem Walfang fest. Absurd.
Das UNO-Jahr der Artenvielfalt hat begonnen. Ist auch nötig, sagt die Weltnaturschutzunion IUCN. Denn bisher haben alle Maßnahmen nicht gegriffen, um den Verlust an biologischer Vielfalt zu mindern.
Targets to reduce the loss of biodiversity by 2010 look set to have fallen far short of what had been hoped for.
Das war’s also für dieses Jahr. Als ich am letzten Arbeitstag vor Weihnachten noch für die Kollegen von SWR cont.ra einen halbstündigen Jahresrückblick aus Umweltsicht produziert habe wurde mir klar: das war kein Jahr für Gewinner. Zumindest nicht für nachhaltige Gewinner und die Umwelt. Die üblichen Verdächtigen dagegen kamen wie immer fein raus, nur ein bisschen getadelt - schließlich endet das Strafrecht bei A13 und im Zweifel kommt der Staat für privatwirtschaftliche Defizite auf, sie müssen nur groß genug sein. Jaja, ich weiß, Porsche hat ein bisschen Unabhängigkeit verloren und Sal.Oppenheims Besitzern erging’s grad auch nicht gut. Sorry, aber das ist Jammern auf einem verdammt hohem Niveau. Erklär das mal jemandem aus Tuvalu, dessen Insel in den nächsten Jahren dank Klimawandel absäuft. Ende, aus, fertig sucht euch halt ein neues Plätzchen.
Und wenn wir schon dabei sind: Das i-Tüpfelchen war Kopenhagen. Da wurde deutlich wie nie: “Jeder Dollar, der auf diesem Planeten verdient werden kann, wird verdient. Und das sofort.” Sie erklären immer noch sehr viele Probleme des Planeten, diese beide Sätze.
Hatte ich mir nicht zum letzten Jahreswechsel vorgenommen, nur noch Positives zu bloggen? Hat irgendwie nicht funktioniert, da war dann das wirkliche Leben vor. Am besten, ich nehme mir für 2010 nichts mehr vor. Dann kann’s nur besser werden. In diesem Sinne: einen fröhlichen Jahreswechsel, das nächste Jahr wird hart genug. Wetten? Oder, frei nach Uli Keuler: “Geduld, Geduld, das Schlimmste kommt noch.” Und dass mir keiner vorwirft, ich sei einer dieser negativ denkenden Unker, typisch deutsch, immer skeptisch und ein Haar in der Suppe suchend. Sorry Leute, in der Suppe liegen derzeit mindestens 5 fette Perücken. Und darüber wird man reden müssen, so oder so. Aber vorher ziehe ich mich die nächsten Tage erst mal auf die Schwäbische Alb in den dort angesagten Regen zurück. Neue Kraft tanken, ist nötig. Wenn’s (private) iPhone aus dem Funkloch der sanftgrünen Hügel der Rauhen Alb funkt und ich die Finger nicht davon lassen kann wird gebloggt. Sonst ist Ruhe. Bis zum 4. Januar 2010. Euer Axel Weiß.
Ostafrika leidet unter einer katastrophalen Dürre. Inzwischen unübersehbar, berichtet die Welthungerhilfe in ihrem Blog.
Die weltbekannte Schneekuppe des Kilimandscharo gibt es nicht mehr; sie ist weggeschmolzen. Flüsse, die am Anfang dieses Jahrzehnts noch Wasser führten, sind nicht mehr da. Zumindest fliesst kein Wasser mehr. Auch jetzt – mitten in der Hauptregenzeit - regnet es kaum, und die Bauern schauen schon wieder ganz besorgt zum Himmel. Wenn es hier nicht schleunigst einige Tage lang ausgiebig regnet, werden die Erwartungen auf eine Ernte und auf ein baldiges Ende des auch für die Armen peinlichen Hungers und auf ein bisschen mehr Selbstrespekt dieses Jahr an Weihnachten erneut enttäuscht. Auf den Äckern wächst nur noch alle fünf Jahre etwas, das die bäuerlichen Haushalte für ein paar Monate mehr schlecht als recht über Wasser hält.
Da bekommt das Scheitern des Weltklimagipfels noch einmal eine ganz andere, ganz konkrete Bedeutung.
Absolut lesenswert: das heutige Interview mit Peter Sloterdijk über die Folgen von Kopenhagen in der Süddeutschen Zeitung. Da sind wesentliche Kernpunkte zur Analyse und weiteren Entwicklung der Weltpolitik im Zeichen des Klimawandels drin. Die Rolle der Bremser aus der Ölindustrie, die Frage der Zwischenlagerung von CO2, die ideologische Aufladung der Klimadebatte, die Hoffnungen auf eine “heilsame Warnkatastrophe” und auf multipolare Ingenieursintelligenz usw. Muss man weissgott nicht alles so sehen wie der Karlsruher Philosoph, ich find’s aber ungemein anregend.
Fehlt nur noch die Debatte um die aufkeimende Aversion gegen UNO-Prozesse, die mich doch daran erinnert, dass auch der UNO-Vorgänger Völkerbund als Quasselbude diskreditiert wurde. Verbesserungen der Zusammenarbeit sind dringend nötig, keine Frage. Kopenhagen ist aber nicht an der UNO gescheitert, sondern an unüberbrückbaren Egoismen und Interessensgegensätzen.
Der Gegensatz zwischen der Klimarhetorik und den tatsächlichen Beschlüssen kann Millionen Menschen das Leben kosten.
Das sagte der Chef der WWF-Klimadelegation Kim Carstensen nach Vorlage des sogenannten Kompromissvorschlags durch Obama. Wir lernen: die Karawane zieht weiter, der Prozess wird weiter gehen. Es lebe das Prinzip Hoffnung, und die stirbt bekanntlich zuletzt. Beim nächsten Treffen in Bonn könnte in den USA das Klimagesetz endlich den Senat passiert haben, vielleicht hat Obama dann mehr Handlungsspielraum. Obwohl: Ob er ihn nutzen würde erscheint dennoch fraglich. Zugeständnisse an China wird es kaum geben, wer füttert schon seinen Rivalen? Und China wird nur dann seine Emissionen reduzieren, wenn das seinen eigenen Interessen nutzt und seiner eigenen Entwicklung dient. Motto: es ist nicht unser Problem, dass die Industrialisierung so einen hohen Preis hat, gleiches Recht für alle. Das Eigeninteresse dominiert die mächtigen Nationalstaaten der Welt nach wie vor. Allen voran die USA. (Und, machen wir uns nichts vor, im Grunde auch die Europäer.) Das Gefangenen-Dilemma - hier bekommen wir es live vorgeführt. Fehlendes Vertrauen der einzelnen Mitspieler führt zur schlechteren Lösung für alle Beteiligten. Millionen Menschen werden dieses Spiel mit dem Leben bezahlen. #Dürre #Überflutungen #Wirbelstürme