. . Ein Projekt des SWR

Beluga auf Plastiksuche

17.06.2016, von

Greenpeace tourt mit einem 30-Meter-Boot durch Deutschland. Gegen die Plastikverschutzung unserer Gewässer. 135 Kilo Plastik verbraucht jeder Deutsche. Und irgendwo geht das Zeug halt später hin. Als Mikroteilchen ins Wasser zum Beispiel. Ein unbekanntes Riesenproblem. Die „Beluga II“ macht am 18./19.6. in Mainz fest, Zeit, um sich im Inneren über Plastikmüll und -vermeidung zu informieren. Unsere Sendung über die Menschen der Beluga läuft am 28.6. um 18.15 Uhr im SWR-Fernsehen. natürlich! 

Eigenstrom-Steuer trifft nicht nur Solarbranche!

25.05.2016, von

Die Bundesregierung will in Zukunft Stromsteuer auch auf selbstverbrauchten Strom erheben. Dagegen hat sich dieser Tage vor allem die Solarwirtschaft positioniert. Solaranlagen rechnen sich ja seit Änderungen am EEG vor einiger Zeit im Allgemeinen nur noch, wenn der Strom selbst verbraucht wird. Die jüngsten Steuerpläne für den Eigenverbrauch stammen aus dem Bundesfinanzministerium und dort heißt es: die EU verlangt das so. Und es trifft eben nicht nur die Solarbranche. Ich habe meinen Kollegen Werner Eckert aus der SWR Umweltredaktion gefragt: wen trifft das wirklich?

„Es geht nicht nur um Solarkraftwerke, sondern um schlichtweg allen Strom, der von den Erzeugern selbst verbraucht wird. Also auch um die Kraftwärme-gekoppelte Anlagen von Industriebetrieben, um Biogasanlagen und anderes. Den größten Nutzen von der Stromsteuerbefreiung hatten tatsächlich bislang konventionelle Anlagen bis 2 MW elektrische Leistung. Für die alleine rechnet das Finanzministerium mit rund 1 Milliarde Euro Mehreinnahmen in den Jahren 2018-2023. Bei den Solaranlagen geht es wohl nur um einen Bruchteil davon.
Den Versuch, die Stromsteuer auch für all das einzuführen, hat es schon mal gegeben. Er ist aber gescheitert. Auch jetzt handelt es sich erst mal um eine Idee des Finanzministeriums. Und der Entwurf muss mit dem Umwelt- und dem Wirtschafts-Ministerium abgestimmt werden – da gibt es erhebliche Vorbehalte – und dann eben auch mit der Wirtschaft. Und die ist nicht amüsiert. 2 Cent verändern halt die Kalkulation nachhaltig.“

In der politischen Diskussion ging es diese Woche aber interessanterweise nur um die Solaranlagen. Warum das?

„Die Solarlobby ist besonders empfindlich derzeit. Denn auf der Agenda steht ja auch ein neues EEG- Erneuerbare-Energien-Gesetz. Da gibt es jede Menge Streit, weil in diesem Fall dann Wirtschaftsminister Gabriel die Förderung deutlich eindampfen will. Die Sorge: wenn das zusammen kommt, dann ist Schicht im Schacht mit Sonnenstrom. Da gehen die Neubauzahlen sowieso drastisch zurück. Das dritte Jahr in Folge wird die Mindestmenge nicht erreicht.
Und gerade jetzt geht es eigentlich erst richtig los mit der Energiewende. Bislang war das eigentlcih mehr ein „weiter wie gehabt + Erneuerbare oben drauf“.  an den vergangenen Wochenenden gab es aber Mittags fast genug Strom – nur aus den Erneuerbaren Quellen. Beides nebeneinander – Sonne und Kohle – vertragen Netz und Markt nicht dauerhaft.“

Ob sich tatsächlich die Erneuerbaren durchsetzen erscheint mir bei der derzeitigen politischen Großwetterlage fraglich. Ja, Siemens verkaufte gerade 84 Offshore-Windräder mit der Produktionskapazität eines halben Großkraftwerks an die Schotten. Aber: Die Kohlelobby ist stark und selbst die Atomlobby probiert es immer wieder, die Interessen ihrer Steinzeittechnologie voran zu bringen, trotz gesellschaftlich breiter Ablehnung. Wenn sich der jetzt kursierende Entwurf des Finanzministeriums durchsetzt, wäre das meines Erachtens ziemlich fatal für die Umwelt. Nur ein Beispiel, das ich aus eigener Anschauung kenne. Da überlegt ein energieintensives Unternehmen sein bisheriges umweltfreundliches Holzhackschnitzel-BHKW, das erneuert werden müsste, nicht mehr durch ein BHKW, sondern durch ein Gaskraftwerk zu ersetzen, wenn der Eigenverbrauch besteuert wird. Das umweltfreundliche Kraftwerk würde sich dann nicht mehr rechnen. Danke, Berlin.

Glückliche Kühe, arme Bauern – die Milch macht’s?!

19.05.2016, von

Bizarr: da sinkt der Milchpreis und alle sind erstaunt. Es war ja auch nicht etwa seit Jahren angekündigt, dass der Milchmarkt dereguliert wird. Und dieser Beschluss ist damals auch nicht vom Himmel gefallen. Es waren auch unsere politischen VertreterInnen, die das letztlich gebilligt haben. Oder kann sich jemand an massiven, lautstarken Widerstand erinnern, als die Beschlüsse gefasst wurden? 80 Cent pro Liter Milch würde eine mittelgroßer Hof benötigen, um nachhaltig und wirklich tierfreundlich wirtschaften zu können.

An der Schweizer Grenze habe ich so einen Hof besucht, wo die Bauern es anders machen. Ohne das Wort von den glücklichen Kühen überstrapazieren zu wollen: mein Eindruck war zumindest der von sehr entspannten Tieren, denen es unter den besonderen Bedingungen auf dem Gasswies-Hof gut geht. Finanziell ist die mutterkuhgebundene Milchwirtschaft freilich eine schwierige Angelegenheit,  gezahlt werden – immerhin, muss man ja derzeit sagen – derzeit rund 40 Cent für Biomilch. Das ist zwar das Doppelte von dem, was viele konventionelle Bauern bekommen. Aber es reicht eben bei weitem nicht aus, um eine Milchviehwirtschaft zu betreiben, bei der:

  • Kälber eben nicht wie sonst üblich binnen wenige Tage nach der Geburt von der Mutter getrennt werden, was für die Kühe und Kälber als hochentwickelte Säugetiere eine Qual ist.
  • Kälber auch säugen dürfen und nicht nur minderwertige Ersatzmilch bekommen, was natürlich einen Verlust an gemolkener Milch bedeutet
  • alle Kälber einer Herde zwischen Februar und April zur Welt kommen und damit eine optimale Futterversorgung mit frischen Weidekräutern gewährleistet bekommen. Teurer und fragwürdiger Kraftfutterzukauf über Winter ist dann kaum nötig, die Wiesen können extensiver bewirtschaftet werden, aber: es gibt eine fast zweimonatige Milchpause zwischen Weihnachten und Februar.

Eine bessere, andere Milchwirtschaft ist machbar.  Ja, sie bedeutet Mehraufwand, für die Bauern wie für Verbraucher. Aber ich bin überzeugt, dass viele Menschen für Milch und Milchprodukte mehr zahlen würden, wenn sie wüssten, was für eine friedliche und ausgeglichene Atmosphäre in einem Stall herrscht,  in dem Kälber bei ihren Müttern sein dürfen. Immerhin, einige Kuh-Patenschaften hat Familie Rutschmann auf dem Gasswies-Hof inzwischen zur Unterstützung ihres Konzepts erhalten. Das ist nicht viel, aber ein Anfang. Und gerade in den Zeiten des Milchpreisverfalls ein wichtiges Zeichen wider den Irrsinn der tierfeindlichen Massenproduktion.

Quelle: Die ganze Sendung: natürlich! vom 17. Mai 2016

Unsere Landschaft: ausgeräumt und totgespritzt

06.05.2016, von

   
 Dieser Tage war ich mit Jürgen Feder unterwegs in den Feldern und Wiesen der Rheinaue im Süden von Mainz. Der Mann ist „Extrembotaniker“, zumindest wird er gern so genannt und auch wenn ihm der Begriff nicht wirklich reinläuft – irgendwo schmeichelt das auch. Ich kenne wenig Leute mit einer derart profunden Artenkenntnis wie ihn. Irgendwas über 4000 heimische Pflanzenarten hat er „drauf“ und dazu meist noch eine Geschichte, die er gern erzählt. Sein deutlich norddeutscher Dialekt tut der Würze seiner Stories auch hier im Süden keinen Schaden, Jürgen Feder ist begeistert und sprüht nur so von Energie. 
Umso krasser, was sich bei der Flurbegehung so alles zeigt oder besser: was sich nicht zeigt. Trauerspiel Nummer Eins: unsere Feldflur. Totgespritzt. Die Äcker drängen selbst die ohnehin schon schmalen Feldwegchen immer weiter zurück, jeder Quadratzentimeter wird genutzt, der Rest säuberlich freigeräumt von allem, was den bäuerlichen Profit reduziert. Basta-Politik mit Roundup Ready. Verständlich aus kurzfristig betriebswirtschaftlicher Sicht, aber fatal für die Artenvielfalt. Welche Artenvielfalt? „Da ist nichts los“, sagt Jürgen und er hat Recht. Außer ein paar Hirtentäschel und Löwenzähnen und einigen wenigen Allerweltsarten, die zufällig den industriellen Bewirtschaftungsanstrengungen entkommen sind, ist kaum eine Art zu finden. Basta eben, das war’s. 

Dabei kann das ganz anders aussehen. Letzte Woche im Klettgau an der Schweizer Grenze auf dem Gasswieshof von Silvia und Fredi Rutschmann. Hier haben nicht nur die Kälber noch ihre Mütter und Kühe noch ihre eigenen Kälber – eine Rarität auf einem Milchviehhof, wo sonst Kälber und Kühe binnen Tagen auf Nimmerwiedersehen von einander getrennt werden (denkt mal drüber nach, Vegetarier, sagen da die Veganer mit Recht) –, nein, auch die Wiesen vom Hof Gasswies sind bunt wie früher allgemein üblich. Ja, die Rutschmanns betreiben einen preisgekrönten Biohof und ja, das rechnet sich leider alles nur mit viel Wohlwollen und der Unterstützung von Leuten, die etwa Patenschaften für Kühe übernehmen und auch dann nur ziemlich knapp. Kein Modell, das sich mal eben eins zu eins nach Rheinhessen oder sonstwo in die ausgeräumten Flure übertragen lässt. Aber eines, das nachdenklich macht. 

Die Rutschmanns sind Idealisten, die sich eben genau nicht damit abfinden wollen, dass in der Milchwirtschaft der Tierschutz mit Füßen getreten wird und unsere Feldfluren betriebswirtschaftlich saubergerechnet und deshalb plattgemacht werden. Sie wollen das, was wir VerbraucherInnen auch wollen: eine vielgestaltige Landschaft mit tiergerechter Landwirtschaft. Lassen wir mal beiseite, dass strikten Veganern jede Milchviehwirtschaft auf den Zeiger geht (ich frage mich allerdings, woher ohne Viecher der natürliche Dünger kommen soll, um das Gemüsewachstum anzuregen und wer dann die Landschaft offen halten soll, aber das ist eine andere Debatte), klar ist aber, dass derzeit nur wenige Leute bereit sind, eine solche angepasste Landwirtschaft zu bezahlen. 

Der Milchpreis, den die Rutschmanns kriegen, liegt bei 40 Cent. Sie würden das Doppelte benötigen, um gut rum zu kommen und etwa die Ausfälle beim Ertrag zu kompensieren, die die saugenden Kälbchen verursachen. Und was macht Aldi diese Woche stattdessen? Senkt den Verkaufspreis (sic!) der Milch auf 46 Cent. Alles klar? So geht das: freie Fahrt für freie Milchpreise. Die Folgekosten für ruinierte Höfe, ruinierten Existenzen, massiven Defiziten beim Tierschutz, kaputte Landschaft interessieren nicht. Womit wir wieder bei Jürgen Feder sind, dem Extrembotaniker. 

Der Bremer Landschaftsplaner zeigte mir später in der Mainzer Neustadt zwischen Gehwegrand und Kinderspielplätzen in einem alten Parkgelände rund 50 Pflanzenarten auf wenige Quadratmetern alter Mähwiese. Soweit sind wir jetzt: es flüchten nicht nur Wildschweine, Füchse und Marder in die Städte, auch die Pflanzen haben hier ihre neue Heimat gefunden, weil das Land kein Lebensraum mehr ist. Zumindest nicht dort, wo sich die Landwirtschaft ungehemmt ausbreiten kann. Wie gesagt: betriebswirtschaftlich verständlich, aber gesellschaftlich eine Katastrophe. Da ist es ein schlechtes Zeichen, wenn in den Koalitionsverträgen im Südwesten die Spaltung des Agrarsektors in hie Ökobauern und Naturschutz, dort industrielle Agrarpolitik vorgenommen wird. Im Gegenteil: es ist die Kapitulation der Grünen vor der Brüsseler Agrarindustrielobby. 
Denn die Nischenmärkte im Ökosektor werden in Rheinland-Pfalz noch weniger gegen die industrielle Normalität des bäuerlichen Wirtschaftens anstinken können und verkommen zu grünen Feigenblättern einer gescheiterten Agrarwende. Und dass in Baden-Württemberg künftig ein schwarzer Landwirtschaftsminister besonders nachhaltig das fortführen, was der (sagen wir: etwas zu lebenslustige) Alexander Bonde in den letzten fünf Jahren nunja vorsichtig angegegrünt hatte, steht auch kaum zu erwarten. Schlechte Zeiten also für Extrembotaniker Jürgen Feder beim nächsten Besuch im Wilden Süden. Es herrscht viel Einfalt statt Vielfalt bei uns. Das darf man ruhig wörtlich nehmen. Daran ändern übrigens auch ein paar Quadratkilometer Nationalparke nichts.
Übrigens: die Rutschmanns und ihr vorbildlicher Biohof sind zu sehen bei „natürlich!“ Im SWR-Fernsehen am 17.5. um 18.15 Uhr, Jürgen Feder folgt am 24.5., gleiche Uhrzeit. Oder später in der SWR-Mediathek. Die Fotos oben zeigen übrigens eine Weide der Rutschmanns im Klettgau und eine Sumpfwolfsmilch im Laubenheimer Ried, über die Jürgen Feder ganz entzückt war. 😉

Alle reden über Böhmermann, keiner über Salz

15.04.2016, von

Unbeachtet versalzen weltweit immer mehr Gewässer, mit fatalen Folgen für die Gewässerqualität. Eintags-, Stein- und Köcherfliegen sterben, begünstigt werden gebietsfremde Arten. Die Kosten für die Trinkwasserbehandlung steigen, wirtschaftliche Schäden sind die Folge. Ursachen: Landwirtschaft, Abwässer aus dem Berg- oder Salzabbau, der chemischen und der Kali-Industrie. Auch Fracking könnte zunehmend ein Problem werden, warnen Wissenschaftler von der Uni Landau. „Die Bedeutung der Versalzung von Gewässern wird unterschätzt“, heißt es in einer Mitteilung der Uni. Wohl wahr.

Aktion Samentüte: Rettet die Bienen!

11.04.2016, von

Eine wundervolle Aktion der KollegInnen von „Kaffee oder Tee“, der nachmittäglichen Servicesendung im SWR-Fernsehen: Alle Hobbygärtner im Südwesten können sich in einem Raiffeisen-Markt kostenlos eine Tüte mit bienenfreundlicher Saatgutmischung abholen. Darin enthalten sind klassische Blumensorten wie Kornblume oder Klatschmohn, aber auch unbekanntere Arten wie Natternkopf oder Buchweizen. Den viele der üblichen hübschen Zierpflanzen sind für unsere heimischen Bienen wenig nahrhaft.

Wer keine Samentüte mehr bekommt, kann sich eine zuschicken lassen. Mehr Infos hier:

http://www.swr.de/kaffee-oder-tee/bienen-retten/-/id=2728760/did=17046982/nid=2728760/19k1b2h/index.html#Karte

Die guten alten Sundheimer

16.03.2016, von

   

  

  

 Rar geworden: Hühner, die sowohl Eier legen als auch fleischlich zu nutzen sind. Doch es gibt solche „Zwienutzungshühner“, zum Beispiel die Sundheimer, die einzige originär badische alte Hühnerrasse. Sehr entspannte Tiere, dabei durchaus eierlegend, 200 jährlich. Wir von „natürlich!“ waren auf einem Archehof bei Freiburg zu Besuch, haben Besitzerin Katharina Mensch getroffen und uns auch Angorahasen, einen winzigen Stier und indische Laufenten zeigen lassen. Zur Sendung hier

Allgäuer Brauer warnt vor TTIP

02.02.2016, von

Vor lauter Flüchtlingsdebatten in den Hintergrund geraten, dabei höchst umstritten und in den Auswirkungen auf die Umwelt fragwürdig: TTIP, das Freihandelsabkommen mit den USA. Ein Allgäuer Brauer macht jetzt unter seinesgleichen mobil. Übrigens war er auch der erste in Deutschland, der seine Brauerei klimaneutral aufgestellt hat.

„Über 80% der Verbraucher in Deutschland und in Europa lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab! Sollte die geltende Kennzeichnungspflicht zu Fall gebracht oder aufgeweicht werden, dann ist der Markt offen für gentechnisch veränderte Produkte mit der Folge, dass der Verbraucher möglicherweise getäuscht wird in diesem Zusammenhang.“

Gottfried Härle, Brauer in 4. Generation und Inhaber der Brauerei Härle KG im Allgäu.

Mehr Plastikmüll –  jetzt auch vom 3D-Drucker

29.12.2015, von

Neue Technologien wie 3D-Drucken bieten neue Chancen, wundervolle Möglichkeiten der Fabrikation, auch für Privatmenschen. Doch erste Nebenwirkungen  sind auch bereits sichtbar und wenig erfreulich für die Umwelt:

Der Karlsruher Experte Christian Lölkes sagte am Dienstag beim Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Hamburg, fünf bis zehn Prozent aller 3D-Druckerzeugnisse seien Ausschuss und wanderten auf den Müll.

Quelle: 32C3: Trend-Technologie 3D-Drucken belastet die Umwelt | heise online

Dammbrüche von Minen: Umweltsauerei mit Systematik

26.11.2015, von

Wied-Rio DoceBrasiliens größte Umweltkatastrophe mit Giftschlämmen im Rio Doce steht in einer unschönen Systematik, mit der die Metallgewinnung in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Umwelt massiv vergiftet hat.

Da sind 182.000 Tonnen Zyankali jährlich (!), mit denen etwa Gold aus dem Gestein gelöst wird. In Rumänien brach beim Ort Baia Mare ein Rückhaltedamm im Jahr 2000, Rumänien, Ungarn und Serbien erlebten eine wochenlange, massive Wasservergiftung.
Oder die gewaltige Ok-Tedi-Mine in Papua-Neuguinea mit ihren riesigen Abfallmengen. Über 30.000 Menschen leben südlich der Mine und sind massiv von den Umweltwirkungen der Mine betroffen. Immer wieder geriet auch Zynakali in die angrenzenden Flusssysteme. In den frühen 1990er Jahren waren zeitweilig die ersten 70 Kilometer des Flusses nach der Mine biologisch tot. Die Probleme sind bis heute massiv, wer sie thematisiert, lebt gefährlich (aber die Mine liefert eben auch das wichtigste Einkommen für das ansonsten bitterarme Land…).

1998 riss in Südspanien ein Damm, seine arsenhaltigen Schlämme vergifteten 4600 Hektar Ackerland und bedrohten eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Europas, die Coto de Donana. Der Versuch, die seither geschlossene Mine wieder zu eröffnen, scheiterte diesen Sommer weniger an der Einsicht der betreffenden Firmen als an einer mutigen Richterin.

Und jetzt also Brasilien, wieder ein riesiges Gebiet betroffen, Dutzende Menschen starben nach dem Dammbruch am Rio Doce, die ökologischen Folgen bis hin zum Meer sind unabsehbar. Und warum? Letztlich wegen Profitmaximierung. Gier. Das Übliche halt.

Proben aus den verschlammten Flussabschnitten durch das städtische Abwasser- und Wasserversorgungsunternehmen der Stadt Baixo Guandu bestätigten die Giftfracht im Wasser: Aluminium, Blei, Kupfer, Arsen, Quecksilber. Wann und ob das Flusswasser wieder genutzt werden kann ist höchst fraglich.

Besonders bitter: der Rio Doce war nicht irgendein eh schon versiffter Flusslauf in industrieller Landschaft, sondern auf weite Strecken noch von ökologisch hohem Wert. Der hatte sich seit der Erkundung durch Naturforscher Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied (siehe Bild) Anfang des 19. Jahrhunderts zwar um einiges verschlechtert, war dennoch hoch. Wie lange das System jetzt brauchen wird, um halbwegs wieder einen vielfältigen Lebensraum zu bieten ist offen.

Quelle: Brasiliens größte Katastrophe: Rio Doce | WWF Blog

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Ein Blog von Axel Weiß, SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung

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