Die schönsten Bilder der Tour
Schöne Landschaften, witzige Situationen, Radler in Feierlaune – wir suchen Ihr schönsten Tourbild aus 25 Jahren Tour de Ländle. Die ersten Bilder sind schon da. Durchforsten Sie Ihre Bilder und schicken Sie uns online Ihr Tourfoto. Wir verlosen Woche für Woche eine SWR4 Tasse.
Auf ins Jubiläum
Neulich am Silvesterabend hat mir ein guter Freund um Mitternacht mit einem merkwürdig gedätschten Gesichtsausdruck zugeprostet. Seine sparsame Mimik lag aber nicht am Alkohol, sondern am Kalender der Mayas, der bekanntlich am 21. 12. 2012 endet. Das wäre ja nichts Besonderes, aber angeblich soll da auch die Welt untergehen. Sagen zumindest mein Kumpel und ein Film von Roland Emmerich.
Gemach, gemach. Ich habe in den letzten 54 Jahren etwa 15 prognostizierte Weltuntergänge schadlos passieren lassen und ich denke das wird im Dezember auch wieder so sein, weshalb ich lieber mit der Vorbereitung auf die Tour de Ländle beginne. Der so genannte Winter, der ja nichts weiter ist als ein etwas kühler Herbst, taugt ja bisher dazu, so dass ich mich schon ein klein wenig eingefahren habe für eine Tour, die etwas ganz Besonderes werden wird. Nein, keine Untergangsfahrt in klaffende Erdspalten, sondern eine interessante Jubiläumstour von Tauberbischofsheim in den Europapark nach Rust. 25 Jahre gibt es die „Ländle“ nun schon, der Erfinder Heinz Waldmüller ging 1985 mit 80 Radelfans auf Tour und konnte damals nicht ahnen, dass die Idee zu dem wird, was man heute einen Mega-Event nennt. Zumal es nach der zweiten Auflage 1986 erst einmal drei Jahre keine Tour gab. Jetzt fahren bis zu 2000 Radler am Tag im Feld, etwa 200 Menschen arbeiten hinter den Kulissen, damit die Radler kompetent geführt und verpflegt über die Etappen kommen, abends ein Quartier haben und unterhalten werden.
Und für die Jubiläumsfahrer haben sich die Straßentüftler um Gundolf Greule eine Strecke quer durchs Land ausgedacht. Start ist am 28. Juli im Nordosten in Tauberbischofsheim. Vom Taubertal führt die erste Etappe ins Unterland nach Bad Friedrichshall. Von dort aus geht es nach Bruchsal, ehe es dann kerniger wird. Die dritte Etappe endet in Nagold von dort aus geht es nach Schramberg und wer den Schwarzwald kennt, der weiß, dass sich da schon mal ein paar knackige Anstiege vor die Räder schieben. Von Schramberg führt die Strecke auf die Baar nach Hüfingen und von dort aus startet die sechste und vorletzte Etappe nach Waldkirch im Breisgau. Am Freitag dem 3. August geht es zum Finale in den Europa-Park in Rust. Am südlichen Rand des Ortenaukreises liegt dann das Ziel der Jubiläumstour 2012. Und wer nach einer Woche im Sattel noch fit ist, kann sich seine Muskeln in Fahrgeräten durchschütteln lassen, in die man mich nur ohnmächtig oder gefesselt reinbringt. Ich werde lieber sanft mit einem Schiffle durch ein Märchenland schaukeln.
Also, liebe Radfans. Die Tour steht, die Anmeldung für Dauerteilnehmer startet am 1. März 12. März. Bis dahin sollte man übrigen schon ein paar Kilometer in den Beinen haben, auch wenn man es in den ersten zwei Monaten im Jahr ruhig ein wenig gemächlicher angehen lassen kann. Aber ein bisschen was ist besser als gar nichts. So ein- bis zweimal pro Woche ein Stündchen darf es schon sein. Mein Freund hat das Training auch schon aufgenommen. Und seine Laune ist auch wieder besser, weil vor dem Weltuntergang ja noch die Jubi-Tour steht. Und da man bekanntlich immer dann aufhören soll, wenn es am schönsten ist, hat der Weltuntergang seinen Schrecken eh verloren.
Bis bald.
Jürgen Löhle
. . . das Wetter
Schön war es – und zwar fast alles bei der Schlössertour. Vor allem aber das Wetter und damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Auftakt der Tour am 30. Juli in Göppingen. Mein lieber Mann habe ich gefroren, ich stand angezogen wie Mitte März am Start und habe voller Bewunderung die 2.500 Mitradler beobachtet, die teilweise in kurzer Hose und dünnem Trikot auf dem Marktplatz dem Startschuss entgegenfieberten. Respekt liebe Radler – lausige 14 Grad, grauer Himmel, aber der Tourradler scheint voller innerer Hitze zu sein, ich eine Memme oder am Ende beides. Und genauso erstaunlich war das Ende der Tour. Als wir die letzten 67 der rund 500 Kilometer unter die Räder genommen haben, blieben wir zwischen Sigmaringen und Singen bis zum Ende trocken, während der Rest von Baden Württemberg an diesem 5. August im Starkregen regelrecht absoff. Wirklich erstaunlich, aber der Schaukelsommer 2011 hat uns in der ganzen Tourwoche nur einmal mächtig einen eingeschenkt. Die Mittagsrast der 5. Etappe in Markdorf fiel richtig ins Wasser. Das war es dann aber auch – Glück muss man haben.
So viel Lob
Und eine gute Route mit gutem Service. Beides war top, Streckenchef Gundolf Greule und die rund 200 emsigen Helfer von Veranstalter SWR4 und EnBW und von den vielen Sponsoren haben dafür gesorgt, dass wir eigentlich nur noch Rad fahren mussten. Dazu kamen die vielen Zuschauer an der Strecke, die uns wieder mächtig angefeuert haben. Ich hatte am Ende vom vielen Winken Muskelkater in der rechten Schulter. Es war aber auch wirklich beeindruckend, was sich die Leute zwischen Göppingen und Singen so alles haben einfallen lassen. Böllerschüsse, dass es einen fast aus dem Sattel geblasen hat, Sirenen, Dorfkapellen – bei den Ortsdurchfahrten kam ich mir manchmal vor wie ein Profi bei der Tour de France, nur halt ein kleines bisschen langsamer. Aber dadurch konnte man die Anfeuerungen auch länger genießen. „Ihr seid super“-Schilder wurden uns überall entgegen gereckt. Ich habe mich versucht zu erinnern, wann mein Chef oder sonst wer mich so gelobt hat. Ohne Erfolg. Die Tour ist also auch was fürs Ego.
Wie Weizenbier ohne Kohlesäure
Und was war sonst so los im Peloton? Ganz klar, Pedelcs, also Fahrräder mit Elektrohilfe, sind im Kommen und an Anstiegen natürlich auch ein Segen für alle, die nicht die Zeit hatten, vorher viel zu trainieren. Die Dinger haben allerdings auch eine Schwäche. Geht der Akku in die Knie, sitzt der Radler auf einem ziemlich schweren Bock, der am Berg viel mehr Kraft braucht als ein leichtes Nur-Rad. Beim Albaufstieg von Eybach her ging einem direkt vor mir an einer steilen Passage schlagartig der Saft aus. Der arme Kerl wurde völlig überrascht, rasend schnell langsam und kippte schließlich einfach um. Aber danach ging es fast nur noch runter und im Ziel gibt es ja dann Streckdosen genug. Merke: ein E-Bike ohne Saft ist am Berg wie ein Weizenbier ohne Kohlensäure – nahezu unbrauchbar. Also immer schön aufladen, denn normalerweise packen die Akkus, wenn man sie nur am Berg zuschaltet, eine Tour de Ländle Etappe problemlos – auch mit heftigem Albaufstieg.
Wasser im Reifen!
Ein wenig merkwürdig war auch Streckenchef Greule am letzten Tag zunächst unterwegs. Sein Rad lief ziemlich unrund, was sich der Mann erst mal nicht erklären konnte, zumal er stocknüchtern war. Des Rätsels Lösung: Ein paar Scherzbolde (wer, wird nicht verraten) haben ihm über Nacht Wasser statt Luft in die Reifen gedrückt (wie, wird auch nicht verraten). Das ist nicht gut für einen harmonischen Radlauf, aber Gundolf Greule hat es gemerkt, das Wasser abgelassen und das Ziel erreicht. Jetzt hat er ein Jahr Zeit, sich nicht nur eine neue Strecke sondern auch eine kleine Revanche auszudenken.
Die Reindrücker
Schön war auch, dass es keine größeren Stürze und Verletzungen gab. Und die kleinen Crashs wurden meist dadurch ausgelöst, dass das Fahren in der Gruppe eben seine Tücken haben kann. Wenn es gleichmäßig läuft, ist das Rollen dicht an dicht kein Problem. Leider haben einige wenige immer noch nicht begriffen, dass die Tour kein Rennen ist, sondern eine Radtour mit einem 18er Schnitt. Obwohl es nichts bringt, da die roten Radler und das Führungsfahrzeug der Polizei das Tempo konstant halten, blasen einige links auf der Gegenfahrbahn nach vorne (verboten und gefährlich), drücken bei Gegenverkehr rechts rein und verursachen im Feld das, was man eine Welle nennt. Und dann scheppert es weiter hinten eben manchmal, weil das Feld wegen der Reindrücker ungleich abgebremst wird. Dies als kleines Mini-Manko einer Tour, die ansonsten wirklich großartig war – und nicht nur das Wetter.
2012 wird die Tour de Ländle 25 Jahre alt. Ich bin jetzt schon gespannt, was es bei der Jubiläumstour so alles zu sehen geben wird.
Bis dahin.
Jürgen Löhle



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