Was Verena Becker und Akte X gemeinsam haben
Der Fall Buback und die Frage nach der Beteiligung von Verena Becker erinnern mich schon lange an “Akte X” und Fox Mulders Suche nach der Wahrheit in rätselhaften Fällen. Inspiriert von Akte X ist während der Recherchen im Mordfall Buback ein kleines selbstgemachtes Plakat entstanden, angelehnt an ein Plakat, dass bei Special Agent Mulder im (fiktiven) Büro hängt. Selten fand ich es treffender als gestern.
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Verena Beckers Erklärung
Hier zur Dokumentation die – auch schon anderweitig publizierte – Erklärung von Verena Becker. Es gilt das gesprochene Wort der gestrigen Hauptverhandlung.
“Bevor ich mit meiner Einlassung beginne, möchte ich Ihnen, Herr Buback, sagen, dass diese Erklärung nicht Ihnen persönlich gilt, sondern dem Gericht. In allen Artikeln und Beiträgen, die ich von Ihnen gelesen habe, wollen Sie wissen, wer Ihren Vater getötet hat. Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, denn ich war nicht dabei. Aber ich beantworte Ihnen heute, wo ich am 7. 04. 1977 war. Im Übrigen sind meine früheren Überlegungen und Selbstbefragungen im Zusammenhang mit Ihnen durch die Anklageerhebung gegen mich überholt worden, und in diesem Prozess muss ich mich verteidigen.
Verena Becker: Ich war nicht dabei!
Das sagte sie soeben gleich zu Beginn:
“Ich habe mich nie versteckt oder in Schweigen geflüchtet. Ich habe mich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt. Schon ab Mitte der 80er Jahre bin ich meinen eigenen Weg gegangen und daran hat sich nichts geändert.” Aber beim Attentat in Karlsruhe sei sie nicht dabei gewesen und bis zu ihrer Freilassung in den 1980er Jahren auch nie in ihrem Leben in Karlsruhe gewesen.
Wendet sich Verena Becker an die Angehörigen?
88 Verhandlungstage hat sie geschwiegen, morgen will sich Verena Becker zu den Vorwürfen äußern, sie sei 1977 eine Mittäterin an dem Mordanaschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dessen beiden Begleitern gewesen. Ihre beiden Verteidiger kündigen eine kurze inhaltliche Erklärung an. Die Motive sind unklar: Hat die Verteidigung kurz vor Ende des Prozesses Angst, es könne eng für Verena Becker werden? Die Bundesanwaltschaft hat eine andere Vermutung: Becker wolle Worte für die Angehörigen finden!
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Verena Becker will aussagen
Nach 86 Verhandlungstagen und mehr als eineinhalb Jahren Prozessdauer sorgten die Anwälte von Verena Becker mit ihrer Ankündigung heute im “Buback-Prozess” für einen kleinen Paukenschlag: Verena Becker wolle am 14. Mai umfassend Angaben machen. Doch ganz so groß ist die Sensation nicht: Seit Monaten orakeln die Anwälte Walter Vendedey und Hans Wolfgang Euler, es könne zu Angaben von Verena Becker kommen.
OLG lässt Osterei von der Polizei durchsuchen
Den Bericht vom gestrigen Tag im „Buback-Verfahren“ gegen Verena Becker könnte man ganz kurz halten, denn es gibt faktisch nichts zu berichten. Aber das “Nichts” war unterhaltsam, auch wenn das Geplänkel um den geheimnisvollen “Herrn Kaiser” im Prinzip vollkommen unnötig war. Rechtsanwalt Matthias Rätzlaff präsentierte mittags tatsächlich seinen „präsenten Zeugen“: Er stehe vor dem Gericht und könne binnen Minuten da sein. Doch so einfach wollte der Vorsitzende Richter Hermann Wieland die Spuk-Show nicht eröffnen. Immerhin gab es ja bereits einen Beschluss gegen einen entsprechenden Beweisantrag, Herrn „Kaiser“ zu hören. Es entsponn sich eine langwierige, aber für die Zuschauer amüsante Auseinandersetzung über die Frage, ob er zu hören sei.
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Herr “Kaiser” und das angebliche Becker-Tonband
Morgen geht es nach der Osterpause im Buback-Verfahren gegen Verena Becker weiter – und zwar wohl mit einer verspäteten Übergabe der inzwischen gefundenen Ostereier: Der Nebenklagevertreter des Bruders von Siegfried Buback Rechtsanwalt Matthias Rätzlaff (Celle) wird “Willi Kaiser” als präsenten Zeugen stellen – und hat ihn nach eigenen Angaben auch ordnungsgemäß über einen Gerichtsvollzieher geladen (so etwas hatte zuvor schon die Verteidigung versucht). “Herr Kaiser” soll über seinen angeblichen, umfangreichen Schatz ehemaliger Geheimdienstunterlagen berichten, die vom KGB, der Stasi oder anderswoher stammen sollen. Zu diesen Unterlagen – die in weiterer österlicher Anlehnung wohl zwischenzeitlich auch einmal vergraben gewesen und wieder auferstanden sein sollen - soll auch ein Tonband gehören. Auf ihm soll eine Stimme zu hören sein, die etwas sagt wie: “Ich habe den Hund erschossen”. Dabei könnte es sich um Verena Becker handeln und Siegfried Buback soll gemeint sein. Oder eben auch nicht. Wenn das Band denn existiert. Rechtsanwalt Rätzlaff hat es jedenfalls bislang noch nicht gehört.
Nehmen wir also den morgigen Tag, wie den Ostersonntag: Mal sehen, wer morgen welches Ei findet. Und was drin steckt.
P.S.: Am Vormittag kommt der frühere Vorsitzende Richter am OLG Stuttgart, Dr. Foth, als Zeuge.
“Präsente Zeugin” abgewiesen – und doch geladen
Was von der Verteidigung als Überraschungscoup geplant war, wurde zu einer kleinen Fehlzündung. Tatsächlich präsentierten die Anwälte von Verena Becker im „Buback-Prozess“ am Donnerstag die frühere Terrorhelferin Monika Haas. Doch der Senat war von dieser Überraschungsaktion nicht sonderlich angetan und gab den Strafverteidigern Walter Venedey (Berlin) und Hans-Wolfgang Euler (Frankfurt) eine kleine, feine Lektion in Strafprozessrecht. Und trotzdem wird Monika Haas als Zeugin kommen.
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Entlastet Monika Haas Verena Becker?
Nimmt der “Buback-Prozess” gegen Verena Becker morgen eine neue Wendung? Einziger geladener Zeuge ist der frühere Bundesanwalt Leo Kouril, der über frühere RAF-Prozesse in den 1980er Jahren berichten soll. Die Frage an ihn: Wusste er im Verfahren gegen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits Verfassungsschutzinformationen über eine mögliche andere Zusammensetzung des Mordkommandos gab?
Buback-Anwalt im SWR1-Leute-Interview
Der Waiblinger Strafverteidiger und Opferanwalt Jens Rabe, derzeit Anwalt der Familie Buback im Verfahren gegen Verena Becker (vom Gericht Elisabeth Buback beigeordnet), ist morgen ab 10:00 Uhr Gast von Wolfgang Heim in der Sendung SWR1 Leute. Rabe vertrat 2010/2011 Angehörige des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen, das sich gerade zum dritten Mal jährt. Zudem wird Rabe in dem/den Verfahren gegen den “Nationalsozialistsichen Untergrund” (NSU) eine Opferfamilie als Nebenkläger vertreten.
Wer das Interview nicht live hören kann: Es wird nach der Sendung als Podcast angeboten. Und für Nachteulen: Im SWR-Fernsehen ist das Interview mit Jens Rabe in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 03:15 Uhr zu sehen. Es soll ja Kollegen geben, die um diese Zeit auch manchmal diesen Blog lesen




ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt berichtet über aktuelle Entwicklungen im Bereich des islamistischen Terrorismus in Deutschland und vom Prozess gegen die Ex-RAF Terroristin Verena Becker wegen des Mordanschlags auf Siegfried Buback und seine Begleiter. Auch hier nachzulesen: Berichte vom "Sauerland-Verfahren" gegen vier islamistische Terroristen der "Islamischen Jihad Union" vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

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