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Beate Zschäpe: Kraftprobe verloren

22.07.2014, von

Zschäpe und ihre Verteidiger: Formal ist das Vertrauen noch da

Zschäpe und ihre Verteidiger: Formal ist das Vertrauen noch da

Es war eine Lehrstunde über unaufgeregte Problemlösung: Der Vorsitzende Richter im “NSU-Prozess”, Manfred Götzl, hat heute die seit vergangenem Mittwoch herrschende Aufregung um Beate Zschäpe und ihre Verteidiger in schlanken drei Minuten beendet. Wer den Prozess schon platzen sah, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben: Es sei für ihn nicht erkennbar, dass es konkrete und hinreichende Anhaltspunkte dafür gebe, dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört und die Fortsetzung des Mandats nicht möglich sei, erklärte Götzl. Ob sie noch etwas dazu sagen wolle? Beate Zschäpe schüttelte den Kopf.

Der Vorsitzende erklärte noch, dass er durch den Verzicht auf zwei Zeugen am Vormittag bewusst Zeit für mögliche Gespräche zwischen Beate Zschäpe und ihren Anwälten ermöglichen wollte. Also zwischen den bisherigen Anwälten und jenem, der Zschäpes Erklärung am Freitag eingereicht hatte. Dazu wurde Beate Zschäpe schon heute morgen vor neun Uhr in das Oberlandesgericht gebracht. Ob diese Möglichkeit genutzt wurde, ist unklar.

Der “neue” Anwalt spielte heute keine Rolle. Er war nicht zugegen, wurde nicht namentlich erwähnt. Offenbar gibt es derzeit keine Bestrebung von Beate Zschäpe, ihn (auch) als Anwalt haben zu wollen. Oder will er nicht? Sein Name soll hier unerwöhnt bleiben. Kollegen des Bayerischen Rundfunks haben versucht, mit ihm in Kontakt zu kommen. Den will er offenbar nicht. Der Internetauftritt seiner Kanzlei und frühere Mandate legen jedenfalls nahe, dass er kein Szeneanwalt ist. NSU-Verschwörungstheoretiker hätten allerdings Freude am Straßennamen seiner Kanzleiadresse. Doch solcherlei Spitzfindigkeiten sind albern.

Ihre alten und nun Immernoch-Anwälte wirkten am Morgen zunächst etwas unsicher, übten sich aber einfach im “wie-gehabt”. Wolfgang Heer und Anja Sturm schirmten Beate Zschäpe vor den Fotografen ab, man saß in der üblichen Sitzordnung und schmollte allseits etwas. Eine Stunde nach Verhandlungsbeginn kam die erste Intervention – und die war wieder alten Stils:

Wolfgang Heer kritisierte eine Frage des Vorsitzenden als suggestiv. Götzl bestritt das. Heer: “Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen!”. Götzl: “Nein, ist es nicht.” Heer: “Doch, das Kind liegt im Brunnen!”. Fast wie in alten Zeiten.

Beate Zschäpe wirkte angegriffen. Aber nur in den ersten drei Minuten konnte man sicher sein, dass es an der Verteidigerkrise lag. Denn schon kurz nach Eröffnung begann die beeindruckende Aussage der 21jährigen Juliane S., die eindrucksvoll und hoch emotional erzählte, wie sie Beate Zschäpe (als “Lieschen”) und die Uwes auf einem Campingplatz kennenlernte und wie die drei enge Freunde wurden. Die junge Frau ist bis heute so erschüttert vom Verrrat und den Mordvorwürfen, dass sie – vor allem am Anfang ihrer Vernehmung – bitterlich weinte und schluchzte. Das ging allen im Saal unter die Haut.

Unter dem Strich hat also Beate Zschäpe nicht nur nichts erreicht, sondern verloren.

Ihre Verteidiger bleiben ihr “verpflichtet”, aber die Stimmung ist hin. Eine Alternative scheint sie nicht gefunden zu haben. Und reden will sie offenkundig auch nicht. Fast demonstrativ fragte sie der Vorsitzende am Ende der Vernehmung von Juliane S., ob sie denn vielleicht eine Frage stellen wolle. Kann man verstockt den Kopf schütteln? Sie kann.

 

 

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[ Bild ] ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt berichtet über aktuelle Entwicklungen im Bereich des islamistischen Terrorismus in Deutschland, den Rechtsterrorismus des "NSU" und anderer Gruppen sowie rund um aktuelle Entwicklungen zur ehmalige "Rote Armee Fraktion" (RAF). Auch hier nachzulesen: Ältere Berichte vom "Sauerland-Verfahren" gegen die "Islamischen Jihad Union" und der Prozess gegen Verena Becker im Mordfall Buback.

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