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NSU: 240 Journalisten waren bis heute nicht im Gericht

16.07.2013, von

Übrige Presseausweise des NSU-Verfahrens

Übrige Presseausweise des NSU-Verfahrens

Am Anfang war die Aufregung um das Akkreditierungsverfahren für den NSU-Prozess groß. Wie viele andere Kollegen hatte auch ich Sorgen, wie die Arbeitsbedingungen für Journalisten sein würden. Heute ist der 23. Prozesstag und es ist eine gewisse Routine eingekehrt. Trotzdem ist eine Zahl ausgesprochen erstaunlich: Rund 240 Kolleginnen und Kollegen, die sich im Vorfeld für das Verfahren akkreditiert haben, waren bis heute nicht im Gericht. Jedenfalls haben sie ihre Ausweise nicht abgeholt.

Sie füllen in der Pressestelle des Oberlandesgerichts einen ganzen Tisch. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Insgesamt hatten sich rund 900 Journalisten angemeldet – es ist also ein knappes Drittel noch übrig.

Eine ganze Reihe nicht abgeholter Ausweise “gehört” ausländischen Kollegen, zum Beispiel aus den USA, den Niederlanden oder Irland. Gut denkbar, dass die Kollegen zum Auftakt berichten wollten, in Anbetracht des zu erwartenden Ansturms und der Tatsache, dass sie keine Einlassgarantie hatten, davon wieder Abstand nahmen.

Allerdings sind auch viele Kollegen deutscher Medien dabei – zum Beispiel von Illustrierten. Auch hier kann man über die Gründe nur spekulieren. Möglicherweise haben sich mehrere Redaktionen einzelner Verlagshäuser mit vielen Kollegen akkreditiert, um in der Verlosung die Chancen zu erhöhen.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, hat die Pressestelle des Oberlandesgerichts bei der Akkreditierung übrigens zunächst sechs Akkreditierungen übersehen, die in einem “Email-Spam-Ordner” gelandet sind. Das fiel am ersten Verhandlungstag auf. Die sechs Kollegen wurden nachakkreditiert. Ein gravierender Fehler? Nein, sagt der Vorsitzende in einer Stellungnahme. Denn der Grundsatz der Öffentlichkeit des Verfahrens sei dadurch nicht berührt.

Von den sechs Opfern des Spam-Ordners hat übrigens bislang nur eine Kollegin ihren Ausweis abgeholt.

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Kommentare zu „NSU: 240 Journalisten waren bis heute nicht im Gericht“

Es sind 4 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Juergen Pohl
    schreibt am 17. Juli 2013 08:19 :

    Auch ich kann nur spekulieren, warum für den NSU-Prozess akkreditierte Journalisten niemals im Gericht aufgetaucht sind. Allerdings muss ich feststellen, dass die Berichterstattung der meisten regelmäßig anwesenden akkreditierten Pressevertreter nicht nur haarscharf, sondern meilenweit am tatsächlichen Verhandlungsverlauf vorbei schrammt. Ich verfolge den NSU-Prozess als berufstätige Privatperson von Anfang an, jedenfalls soweit es mein Beruf erlaubt. Als Besucher ohne Akkreditierung mache ich mir haufenweise handschriftliche Notizen, da ich bei der Sicherheitskontrolle Smartphone und Laptop abgeben muss. Das bedeutet für mich: Doppelter Arbeitsaufwand. Und: Ich wage mal zu behaupten, dass Prozesstage, die ich auf der Besuchertribüne verfolgt habe, in meinem Blog wesentlich realistischer dargestellt werden, als bei den akkreditierten Profis.

  2. Scribe
    schreibt am 17. Juli 2013 14:49 :

    Ich muss mich hier mal – wenn auch anonym – outen: Auch mein Namensschild müsste dort liegen.
    Warum?
    Ganz einfach: Die Medien, für die ich tätig bin, haben sich dort mit mehreren (soweit ich sehe: vier) Journalisten (für formal zwei Medien) akkreditiert, um etwa im Fall von Urlaub / Krankheit / Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis etc. Ersatz zu haben (eine Nach-Akkreditierung ist ja nicht vorgesehen!). Regelmäßig berichten (derzeit) zwei Kollegen. Bei Bedarf (oder Gelegenheit, wenn ich mal anderweitig in München bin) wird das Kärtchen also schon noch abgeholt. (Auf einem Tisch müsste es deshalb nicht die ganze Zeit bereitliegen, ich würde mich auch vorher ankündigen …)
    Vor diesem Hintergrund finde ich es jedenfalls erstaunlich, dass NUR 240 von 900 bisher noch NICHT dort waren …
    Und anders als hier im Blog vermutet, ging es bei der Benennung mehrerer Journalisten pro Medium mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gerade NICHT um eine Erhöhung der Chancen zur Verlosung: Das hätte insoweit gar nicht funktioniert, weil die Sitze ja nicht für den einzelnen (akkredierten) Journalisten, sondern PRO MEDIUM vergeben wurden – und das wiederum hätte man eigentlich wissen können, wenn man sich die Akkreditierungsbedingungen mal angeschaut hätte.

    • Holger Schmidt
      schreibt am 17. Juli 2013 15:01 :

      @scribe Genau: Verlosungschancen pro Medium. Weswegen es sinnvoll war, als Verlagsgruppe xy die Titel 1, 2 und 3 mit jeweils mindestens einem Kollegen zu melden. Oft zitiertes Beispiel: Gruner + Jahr mit “Brigitte” und “stern”. Soll Ihr Haus gerüchteweise ähnlich gemacht haben.. ;-)

  3. Scribe
    schreibt am 17. Juli 2013 15:22 :

    Ja, klar, sagte ich ja.
    Aber wir hätten ja die selben Loschancen gehabt, wenn wir jedes Medium mit je einem Journalisten gemeldet hätten.
    Durch das Akkreditieren mehrerer Journalisten pro “Medium” konnte man seine Loschancen nicht erhöhen, das ist in ihrem Blog-Eintrag zumindest missverständlich ausgedrückt (zumal Sie ja von “Redaktionen” schreiben) …
    Und ich finde es auch nicht wirklich übertrieben, wenn man pro Medium (die in unserem Falle auch regelmäßig berichten) noch exakt einen Vertreter akkreditiert (die primär akkreditierten können sich natürlich, über den Umweg der Medien-Vertretung, auch wechselseitig vertreten).
    Für mich entfachen Sie hier einen Sturm im Wasserglas. Dass das OLG die Kärtchen nun womöglich drei Jahre lang auf einem Tisch herumliegen lässt, ist deren Vergnügen. (Oder sollen mit dieser Demonstration die scheinbar desinteressierten Journalistenkollegen vorgeführt werden, und Sie sind dem auf den Leim gegangen?)

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