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„Quax“ und „Pilot“ – die Sorge vor den überbegabten Studenten

25.06.2013, von

Durchsuchung im Raum Stuttgart: Staatsgefährdende Gewalttat?

Durchsuchung im Raum Stuttgart: Staatsgefährdende Gewalttat?

Unter den Ermittlern im LKA Baden-Württemberg muss es passionierte Filmfreunde geben: Als man auf der Suche nach einem Operationsnamen für die Ermittlungen rund um Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart war, kam man auf die Idee, den Vorgang „Quax“ zu nennen. Wie „Quax der Bruchpilot„, ein „Heinz-Rühmann-Film“, den Leser eines Blogs wohl eher nicht mehr kennen. Ob sich die Ermittler der Ambivalenz des Namens bewusst waren? Bruchpilot, das mag auch derjenige sein, der sein Modellflugzeug zu anderen Zwecken missbraucht. Wer aber den Film gesehen hat, weiss, dass Otto „Quax“ Groschenbügel (gespielt von Heinz Rühmann) vor allem durch seine große Klappe auffällt – hinter der sich nicht viel verbirgt. Hatte man unfreiwillig einen besonders gut passenden Operationsnamen gewählt?

Tatsächlich pendelte „Quax“ in den vergangenen Monaten zwischen den Extremen. Es gab Phasen, in denen die Ermittler von Staatsanwaltschaft Stuttgart, Generalbundesanwalt, Verfassungsschutz und LKA Baden-Württemberg Angst hatten, ihre „Zielpersonen“ seien unmittelbar dabei, eine hochgefährliche Flugzeugbombe zu bauen. Dann sah alles wieder ruhiger aus. Entsprechend kontrovers wurde diskutiert: Gefährlicher Terrorplot? Oder übermütige Studenten, die den Mund zu voll nehmen, wenn es um politische Diskussionen ging?

Entsprechend hin und her gingen auch die Ermittlungszuständigkeiten: Anfangs war es die Staatsanwaltschaft Stuttgart, dann der Generalbundesanwalt mit dem Grundsatzreferat von Bundesanwalt Michael Bruns, der auch schon das GIMF-Verfahren und die „Düsseldorfer Zelle“ bearbeitete. Im Sommer 2012 schien „Quax“ kein Fall mehr für die Strafverfolger zu sein und wurde dem Bundesamt für Verfassungsschutz zur weiteren Beobachtung übertragen. Doch Ende 2012 wurden die Studenten wieder munterer – und der Generalbundesanwalt stieg erneut in die Ermittlungen ein. Bis heute.

Aber was genau taten die jungen Männer? Waren es nur abstrakte Überlegungen, was man alles mit Technik und Wissen von der Uni anfangen kann? Wilde Phantasien von jungen Leuten? Oder wurde ein Anschlag in Deutschland geplant – auf die Ungläubigen, unter denen die Männer lebten? Dafür gab es keine konkreten Anhaltspunkte. Allerdings soll bei Treffen in einem Stuttgarter Studentenwohnheim viel vom Konflikt in Syrien und der Frage nach der eigenen Beteiligung die Rede gewesen sein. Also vielleicht ein Plan für den Kampf dort?  Studienprojekte trugen jedenfalls nicht zur Beruhigung der Behörden bei. Wenn die akademische Aufgabe lautet, ein Modellflugzeug oder eine Drohne einen bestimmten Kurs nach GPS-Daten fliegen zu lassen, um am Ende eine Foto zu schiessen – wer kommt da nicht auf komische Gedanken?  

Und dann die Sache mit dem Geld: Einigen Beschuldigten wird vorgeworfen, Geldwäsche betrieben zu haben. Darum geht es im Verfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Dieses Verfahren wurde „Pilot“ getauft. Der Zusammenhang scheint offensichtlich – doch wie eng hängen die beiden Verfahren wirklich zusammen?  

Bis zum Schluss blieben für die Ermittler viele Fragen offen. Und sie hatten es mit jungen, technikaffinen Leuten zu tun, die wie selbstverständlich mit dem Internet umgehen. Das machte die Sache nicht einfacher. Nun wurden ihre Wohnungen durchsucht, Computer, Festplatten, aber auch „technische Gegenstände und Unterlagen“ sichergestellt. Die Auswertung wird zeigen, ob „Quax“ ein Bruchpilot werden wollte – oder ein Grossmaul war. 

 

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Kommentare zu „„Quax“ und „Pilot“ – die Sorge vor den überbegabten Studenten“

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  1. Phonomatic
    schreibt am 1. Juli 2013 23:20 :

    ich bin mir nicht sicher, dass der Ermittler bei „Quax“ an den Rühmann-Film dachte, statt an die Disney-Figur …

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