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BKA-Präsident staunt über Wasserverbrauch der Zwickauer Zelle

16.03.2012, von

BKA-Präsident Jörg Ziercke (Archiv)

BKA-Präsident Jörg Ziercke (Archiv) Quelle: dpa

Es sind die unbedeutend erscheinenden Kleinigkeiten, die dem Kriminalisten manchmal die große Erkenntnis bescheren – eine Weisheit, auf die schon der Belgier (!) Hercule Poirot gerne und nachdrücklich hingewiesen hat. Der Satz gilt nach wie vor. Auch in Zeiten von Vorratsdatenspeicherung, IMSI-Catcher und immer ausgefeilterer DNA-Analyse staunt man, wie profan kriminalistsicher Erkenntnisgewinn sein kann. Im Fall der “Zwickauer Zelle” macht sich das BKA derzeit erhebliche Gedanken über den Wasserverbrauch des Trios. Er ist den Ermittlern nämlich zu gering.

Bei einer Tagung des “Gesprächskreises Nachrichtendienste“, an der mein Kollege Ulrich Krätzer von der Nachrichtenagentur dapd lobenswerterweise teilgenommen hat, berichtete BKA-Präsident Jörg Ziercke heute, dass der geringe Wasserverbrauch in der Wohnung sowie nicht gefundene männliche Bekleidung bei den Ermittlern die Theorie geweckt haben, Beate Zschäpe könnte überwiegend alleine in der Wohnung gelebt – und die Gruppe somit noch eine andere Unterkunft gehabt haben. 

Tatsächlich sind die Ermittler wohl schon relativ bald auf diesen Umstand aufmerksam geworden und diskutieren dazu verschiedene Theorien: Gab es eine weitere Wohnung? War die Gruppe so viel unterwegs, dass der Wasserverbrauch so niedrig war? War man einfach sparsam (um das böse Wort waschfaul zu vermeiden)?

Wie in den besten Zeiten der RAF-Fahndung haben sich die Ermittler jedenfalls schon vor einiger Zeit mit diversen Stromversorgern in Verbindung gesetzt und die Alias-Namen der Gruppenmitglieder abgefragt: Haben sie anderswo Strom angemeldet? Bislang gibt es dafür aber keine Hinweise.

Auch die fehlende Männerkleidung im Brandschutt ist für die Ermittler kein eindeutiges Indiz: Sie könnte schlicht verbrannt sein, denn in einem hinteren Bereich der Doppelwohnung stand nach der Auswertung der Experten wohl ein Kleiderschrank, der praktisch restlos niedergebrannt ist. Waren die Uwes ordentliche Menschen, könnte darin ihre Kleidung gelagert gewesen sein – sofern sie nicht bei den beiden Männern im Wohnmobil war. Gefunden wurde jedenfalls ein Sportschuh Größe 46, der wohl nicht Frau Zschäpe gehörte.

Was Hercule Poirot wohl aus diesem Schuh schliessen würde?

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Kommentare zu „BKA-Präsident staunt über Wasserverbrauch der Zwickauer Zelle“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Christoph
    schreibt am 17. März 2012 11:15 :

    Blöde Frage eines Laien: Wären eventuelle metallische Bestandteile der Bekleidung (Nieten und Knöpfe von Jeans, Teile von Reißverschlüssen) nicht noch nach dem Brand als solche identifizierbar?

    • Holger Schmidt
      schreibt am 18. März 2012 11:11 :

      Die Wohnung ist wohl – wie bei Brandruinen durchaus üblich – unterschiedlich stark ausgebrannt. An der Stelle des angeblichen Schrankes so sehr, dass die Ermittler nach meinem Kenntnisstand nichts konkret zuordnen können.

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