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Flexibler Zeuge: Konvertieren für das BKA

03.08.2011, von

Fax des Verfassungsschutzes zum Zeugen

Fax des Verfassungsschutzes zum Zeugen

Erstaunliche Wendungen im “Buback-Prozess” gegen Verena Becker hat es ja schon reichlich gegeben. Heute darf ich eine weitere präsentieren. Es handelt sich um eine Geheimdienst-Schnurre – wobei viel dafür spricht, dass diesmal die beteiligte Verfassungsschutzbehörde eher Objekt als Subjekt ist. Es geht um den merkwürdigen Auftritt von Peter B. vor dem Oberlandesgericht Stuttgart am 14. Juli.

Der Zeuge sollte zu seinem Wissen über den Anschlag im Jahr 1977 aussagen und zierte sich erheblich. Mit der Begründung: Nachdem er sein Wissen 2009/2010 dem Bundeskriminalamt mitgeteilt habe, sei der thüringische Verfassungsschutz zu ihm gekommen und habe ihn bedroht: Es könne Nachteile für ihn bringen, wenn er weitere Angaben in dem Fall mache.

Vor drei Wochen herrschte bei Gericht Ungläubigkeit und Verwunderung über diese Aussage. Fest stand bislang nur: In den 70er Jahren war B. einmal V-Mann und Kronzeuge in einem Prozess gegen Linksextremisten in Rheinland-Pfalz. Doch damit habe das alles nichts zu tun, es gehe um ganz aktuelle Vorgänge, raunte der Zeuge. Und mauerte.

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland unterbrach sicherheitshalber die Vernehmung und will nun beim Verfassungsschutz Thüringen eine Klärung des merkwürdigen Vorgangs erreichen. Er dürfte eine erstaunliche Geschichte zu hören bekommen.

Denn nach meinen Recherchen hat es tatsächlich einen Kontakt von Peter B. mit dem Verfassungsschutz gegeben. Das bestätigt mir der Nachrichtendienst schriftlich. Es sei aber nicht um Vorgänge rund um den Prozess gegen Verena Becker gegangen. Worum es sonst ging, will der Verfassungsschutz nicht sagen. Zudem stellt die Behörde den Vorgang gerade andersherum dar: B. habe im vergangenen Jahr von sich aus den Kontakt zum Amt gesucht. Ein Gespräch mit ihm habe tatsächlich stattgefunden. B. habe zu dieser Zeit in Thüringen in Haft gesessen, der Verfassungsschutz habe ihn dort aufgesucht. Eine Zusammenarbeit mit B. sei daraus aber nicht erwachsen, teilt die Behörde schriftlich mit. Das Peter B. wohl wegen Betrugs im Gefängnis saß, macht die Sache nicht besser.

Peter B. will sich zu dem Vorgang nicht äußern. Es sei alles sehr sensibel, sagt er am Telefon. Er fühle sich bedroht.

Oder will Peter B. nur Aufmerksamkeit? Offenbar hat er im vergangenen Jahr versucht, sich selbst bei den Ermittlungsbehörden als V-Mann anzudienen. Nach Informationen des SWR-Hörfunks hat er dem Bundeskriminalamt angeboten, er könne für die Behörden als Spitzel arbeiten. Dabei soll er erhebliche Einsatzbereitschaft gezeigt haben: Er habe auf gute Kontakte in die linke Szene verwiesen und erklärt, er sei auch bereit, zum Islam zu konvertieren, falls seine Dienste im Bereich islamistischer Terrorismus gebraucht würden, notierten die Ermittler.

Das BKA war nicht interessiert.

 

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Kommentare zu „Flexibler Zeuge: Konvertieren für das BKA“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Richard Meier
    schreibt am 3. August 2011 21:51 :

    Na, das ist doch mal ein auskunftsfreudiger Verfassungsschutz! Mehr davon!!

  2. Maria R.
    schreibt am 10. August 2011 09:42 :

    wohl eher ein willkommener Nebenkriegsschauplatz um Transparenz demonstrieren?!

  3. peter becker
    schreibt am 15. August 2011 17:04 :

    Nun, falsche und verdrehte Aussagen, sind eine Sache. Schlechte Recherche eine andere. Beides trifft auf Sie zu !!! Herr Holger Schmidt, sie sollten besser gute Recherche betreiben als gewissen Menschen nach dem Munde zu schreiben. Was ich nicht brauche ist eine Aufmerksamkeit in dieser Form wie Sie sie hier anführen. Wir haben telefoniert, aber was Sie schreiben hat nichts mit unserem Telefonat zu tun. Selbst in Kollegenkreisen wird Ihnen eine besondere Beziehung zur Bundesanwaltschaft nachgesagt – und so schreiben Sie auch.
    Eigentlich sind in diesem Prozeß nicht mehr die betroffenen Personen wichtig, wie Frau Becker und andere Personen, sondern die Wahrheit. Eine Wahrheit die viel unbequemer ist als die Frage danach, ob Frau Becker nun geschossen hat oder nicht. Der Finger am Abzug einer Maschinenpistole ist das Ende einer Terroraktion und nicht der Anfang. Planung, Organisation und Verantwortliche müssen nicht die Gleichen Personen oder Personengruppen sein.
    Wie sagte der Vorsitzende Richter zu meinem Vorbringen, wir leben hier in einem Rechtsstaat, als ich die Gründe meiner Ausgeverweigerung darlegte. Auf dem Papier mag dies der Fall sein, die Realität sieht hingegen ganz anders aus.
    Die Menschen sollen ein bestimmtes Bild von Ihrer Umwelt erhalten und dazu gehört es die GUTEN und die BÖSEN zu trennen und zu interpretieren. Erkennen wir wirklich wer die Guten und die Bösen sind in der Schlangengrube der Geheimdienste ? Genaues hinschauen lohnt sich bestimmt wenn an der Wahrheit interessiert ist.

    Peter Becker

    Noch was: Was mich verwundert ist, daß das Landesamt für Verfassungsschutz Ihnen überhaupt eine Aufkunft erteilt hat. Ein klarer Regelverstoß von Seiten des VS. Sehr bedenklich ! Auch für die, die direkt an der Front stehen.

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