Interview mit Ibrahim Abou-Nagie
Die Verteilung von deutschen Koranübersetzungen hat in den vergangenen Wochen für viel Aufsehen, Ausschreitungen in Bonn und Solingen sowie eine heftige politische Debatte gesorgt. Hinter der Aktion steht der Bonner Geschäftsmann und Prediger Ibrahim Abou-Nagie. Nach einigem Zögern war er bereit, mir ein Interview zu geben, das heute Abend um 20:15 im Radioprogramm SWRInfo ausgestrahlt wird (Webradio hier). Ich dokumentiere hier den Wortlaut des Interviews:
6 Jahre Haft & harte Kritik an der CIA
Heute hat das Oberlandesgericht Koblenz Ahmed Sidiqi wegen der Mitgliedschaft in den Terrororganisationen Al Qaida und Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig. Doch Bundesanwaltschaft und Verteidigung schienen beide zufrieden. Harte Schelte gab es allerdings vom Senat für die Bedingungen, unter denen der Angeklagte in Afghanistan in US-Gewahrsam gefangen gehalten wurde. Diese Haft wurde im Verhältnis 1:3 angerechnet – also genauso, wie der Senat in einem früheren Urteil Haft des pakistanischen Geheimdienstes angerechnet hatte, in der der damalige Angeklagte geschlagen worden war. Eine Ohrfeige für den Freiheitsgaranten USA – allerdings habe ich keine Anhaltspunkte, dass diesem Aspekt des Urteils dort besondere Beachtung geschenkt wird.
Was Verena Becker und Akte X gemeinsam haben
Der Fall Buback und die Frage nach der Beteiligung von Verena Becker erinnern mich schon lange an “Akte X” und Fox Mulders Suche nach der Wahrheit in rätselhaften Fällen. Inspiriert von Akte X ist während der Recherchen im Mordfall Buback ein kleines selbstgemachtes Plakat entstanden, angelehnt an ein Plakat, dass bei Special Agent Mulder im (fiktiven) Büro hängt. Selten fand ich es treffender als gestern.
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Verena Beckers Erklärung
Hier zur Dokumentation die – auch schon anderweitig publizierte – Erklärung von Verena Becker. Es gilt das gesprochene Wort der gestrigen Hauptverhandlung.
“Bevor ich mit meiner Einlassung beginne, möchte ich Ihnen, Herr Buback, sagen, dass diese Erklärung nicht Ihnen persönlich gilt, sondern dem Gericht. In allen Artikeln und Beiträgen, die ich von Ihnen gelesen habe, wollen Sie wissen, wer Ihren Vater getötet hat. Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, denn ich war nicht dabei. Aber ich beantworte Ihnen heute, wo ich am 7. 04. 1977 war. Im Übrigen sind meine früheren Überlegungen und Selbstbefragungen im Zusammenhang mit Ihnen durch die Anklageerhebung gegen mich überholt worden, und in diesem Prozess muss ich mich verteidigen.
Verena Becker: Ich war nicht dabei!
Das sagte sie soeben gleich zu Beginn:
“Ich habe mich nie versteckt oder in Schweigen geflüchtet. Ich habe mich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt. Schon ab Mitte der 80er Jahre bin ich meinen eigenen Weg gegangen und daran hat sich nichts geändert.” Aber beim Attentat in Karlsruhe sei sie nicht dabei gewesen und bis zu ihrer Freilassung in den 1980er Jahren auch nie in ihrem Leben in Karlsruhe gewesen.
Wendet sich Verena Becker an die Angehörigen?
88 Verhandlungstage hat sie geschwiegen, morgen will sich Verena Becker zu den Vorwürfen äußern, sie sei 1977 eine Mittäterin an dem Mordanaschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dessen beiden Begleitern gewesen. Ihre beiden Verteidiger kündigen eine kurze inhaltliche Erklärung an. Die Motive sind unklar: Hat die Verteidigung kurz vor Ende des Prozesses Angst, es könne eng für Verena Becker werden? Die Bundesanwaltschaft hat eine andere Vermutung: Becker wolle Worte für die Angehörigen finden!
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Verena Becker will aussagen
Nach 86 Verhandlungstagen und mehr als eineinhalb Jahren Prozessdauer sorgten die Anwälte von Verena Becker mit ihrer Ankündigung heute im “Buback-Prozess” für einen kleinen Paukenschlag: Verena Becker wolle am 14. Mai umfassend Angaben machen. Doch ganz so groß ist die Sensation nicht: Seit Monaten orakeln die Anwälte Walter Vendedey und Hans Wolfgang Euler, es könne zu Angaben von Verena Becker kommen.
Rechter Terror: tödlich unterschätzt
Seit gestern steht das ARD radiofeature über den ”Nationalsozialistischen Untergrund” zum Anhören und zum Download auf bereit. Gemeinsam mit Kollegen des Mitteldeutschen Rundfunks und des Bayerischen Rundfunks habe ich es in den vergangenen Wochen produziert. Es fasst den bisherigen Ermittlungsstand zusammen und fragt, warum die Terrorserie so lange unentdeckt blieb.
Filiz ist frei
Die als Terrorhelferin verurteilte Filiz Gelowicz ist bereits heute aus der Haft entlassen worden. Ihr Anwalt Mutlu Günal erklärte, zuvor habe der Generalbundesanwalt auf Rechtsmittel gegen die Aussetzung der Reststrafe auf Bewährung verzichtet. Aus baden-württembergischen Justizkreisen gab es für die Freilassung eine informelle Bestätigung.
Filiz Gelowicz kommt auf Bewährung frei
Die als Terrorhelferin verurteilte Ulmerin Filiz Gelowicz wird nach meinen Informationen in der kommenden Woche auf Bewährung aus der Haft entlassen. Das Berliner Kammergericht entschied, dass die Reststrafe der 30jährigen unter anderem wegen ihres positiven Verhaltens im Strafvollzug zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.




ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt berichtet über aktuelle Entwicklungen im Bereich des islamistischen Terrorismus in Deutschland und vom Prozess gegen die Ex-RAF Terroristin Verena Becker wegen des Mordanschlags auf Siegfried Buback und seine Begleiter. Auch hier nachzulesen: Berichte vom "Sauerland-Verfahren" gegen vier islamistische Terroristen der "Islamischen Jihad Union" vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

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