Zu Besuch bei Neu-Hunsrückern
Rheinland-Pfalz schrumpft. Davon sind besonders ländliche Regionen wie der Hunsrück betroffen. Trotzdem gibt es Leute, die entscheiden sich ganz bewusst aufs Land zu ziehen. Ich habe zwei von ihnen getroffen: Margit und Ralf.
Hier stehen die Beiden vor ihrem ca. 300 Jahre alten Fachwerkhaus mitten in Rhaunen im Kreis Birkenfeld. Sie stammen eigentlich aus dem Saarland und haben das Haus vor vier Jahren gekauft. Warum ausgerechnet im Hunsrück? “Es ist unser Traumhaus”, erzählt Ralf, “wir haben uns einfach in das Haus verliebt. Es ist für mich auch ein Zurück zu den Wurzeln, weil meine Familie aus dem Hunsrück stammt.”
“Es braucht junge Familien im Ort”
Was passiert mit den Häusern auf dem Land, wenn viele in die Städte abwandern? Einige bleiben leer stehen – und sind oft stark renovierungsbedürftig. Das weiß auch Immobilienmakler Sascha Diepmans, der im Hunsrück Häuser verkauft. Er muss manchmal regelrechte “Bruchbuden” an den Mann bringen. Trotzdem engagiert er sich sehr dafür und hat auch seine Gründe…
Sascha Diepmans liebt seine Heimat – und plädiert immer dafür, ein altes Haus zu renovieren, statt ein neues zu bauen. Aus gutem Grund: “Zukunftsfähige Orte müssen von innen leben,” erklärt der Makler, warum er sich so engagiert, “das heißt auch, dass junge Familien im Ortskern angesiedelt werden müssen.”
Hier steht Sascha Diepmans vor einem Bauernhaus, das er für 50.000 Euro verkaufen möchte.
Bio ist ein Erfolgsmodell
Wie begegnen eigentlich Landwirte der Bevölkerungsflucht? Sie können ja nicht einfach in die Stadt ziehen – sondern müssen sich überlegen, wie ihr Hof überlebt. Ich habe mal auf dem Weingut Burgunderhof in Worms-Pfeddersheim vorbeigeschaut. Die Winzerfamilie Pfannebecker hat auf Bio umgestellt.
Die Umstellung ist zwar arbeits- und kostenintensiv – aber es lohnt sich. 2007 haben sie umgestellt, 2010 gab’s den ersten Wein. Und die Natur wird geschont!
Die Holländer kommen
Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Nur was machen die Bauern in Rheinland-Pfalz? Sie können ja nicht einfach ihren Hof aufgeben. Das ist eine Chance für Bauern aus der Niederlande: Die Eifel haben sie ja immer schon als attraktives Reiseziele gesehen – jetzt kaufen sie dort auch Bauernhöfe. Mein Kollege Jan Teuwsen war in Üxheim in der Vulkaneifel und hat mir von dort Bilder geschickt.
Die Hammermühle war mal ein deutscher Bauernhof – jetzt ist sie fest in holländischer Hand.160 Kühe, 2 Pferde, mehr als 200 Hektar Weidewiese. Das ist jetzt das Reich des Bauern aus der Niederlande, der hier voll und ganz auf die Milchwirtschaft setzen will. In seinem Heimatland müsste er weit mehr dafür investieren.
Mit dem Bürgerbus nach Saarburg
Gerade habe ich von meinem Trierer Kollegen Jan Teuwsen erfahren: In Saarburg gibt es ein innovatives Projekt – den Bürgerbus. Wunderbar für all diejenigen, die auf dem Land wohnen, kein Auto haben und keine Bushaltestelle in der Nähe. In Saarburg haben sich die Menschen einfach selbst geholfen und einen Bürgerbus organisiert. Mein Kollege hat mir dazu Fotos geschickt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte!
Die Verbandsgemeinde hat diesen Service zusammen mit Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt. Für die Rentnerin Brigitte Dierks ist es die einzige Möglichkeit, von ihrem Heimatort Ockfen zum Arzt nach Saarburg zu kommen.
Hier können Sie sich den Radiobeitrag von Jan Teuwsen noch mal anhören:


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