Ludwigsburg: Schönheit Schiller
Abgelegt unter 1 | Schiller am 11.10.2009Schillerbeschallung 7. und letzter Tag
von Andreas Kebelmann
Auch am letzten Tag wieder heftige Regengüsse. Am Morgen auf dem Schillerplatz in Ludwigsburg warten wir die Schauer ab, um unsere Lautsprecher zu montieren. Erste Touristengruppen laufen vom Bahnhof kommend in die Stadt. Als wir unsere Beschallung beginnen, setzt der Regen wieder ein.
Die Schillerstraße ist von kleinen Geschäften gesäumt, Lotto-Annahmestelle, Wettbüro, Parfümerie, Kosmetikgeschäft, Friseur, Musikalienhandlung, ein Kieser-Trainingsstudio. Einige der Geschäfte sind schon seit vielen Jahren hier. Eine traditionelle Einkaufsstraße. Auch in Ludwigsburg wird die relativ kurze Schillerstraße von den Anwohnern in einen ‘besseren’ Teil am Schillerplatz und einen eher weniger frequentierten Teil am Ende bei den Bahngleisen eingeteilt.

Jan Krauter, unser Schillerschauspieler, kämpft gegen den Regen und umschmeichelt die vorbeieilenden Passanten mit Schillers ‘Liebesbriefen an Charlotte’. Einige Frauen fühlen sich angesprochen und bleiben einige Minuten begeistert stehen, bevor sie in den Geschäften verschwinden.
Im ‘Kaufhaus Schiller’, einem Second-Hand Allesbedarfsladen an der Ecke sitzt die Verkäuferin desinteressiert hinterm Tresen und telefoniert lieber weiter, als mit mir zu reden. Dafür finden wir an einigen Geschäften Schillerzitate in den Schaufenstern. ‘Vor einigen Jahren bewarb die Stadt mit einem Wettspiel den einheimischen Dichter’, klärt uns der freundliche Besitzer der Musikalienhandlung auf, der seit über 30 Jahren in der Straße ist. Im Reisebüro auf der anderen Seite bietet der türkische Besitzer Kulturreisen zu den ‘ersten Anfängen der Zivilisation’ an, in den Nahen Osten, nach Nordafrika.

Am Ende der Straße ein ‘Kosmetikinsitut’, Friseur ‘Figaro’, das ‘Comfort Hotel’, ‘Fußpflege’. Es geht um die Schönheit und das Wohlbefinden der Kunden. „Wann sagt man wohl, dass eine Person schön gekleidet sei? Wenn weder das Kleid durch den Körper, noch der Körper durch das Kleid an seiner Freiheit etwas leidet.“ In Schillers Worten findet der Friseur, der seit über 50 Jahren sein Geschäft in der Straße führt, sofort Parallelen zwischen der Schönheit der Herrenmode und der Kunst des Haarschnitt. Als Schmuck diene das Haar schließlich ebenso wie die Kleidung zur Verschönerung des Menschen. Schiller lebensnah.
Schließlich beenden wir durchnässt gegen Mittag unsere letzte Beschallung und flüchten in ein warmes Café. Genug Regen. Genug Schiller.

Auf unserer Tour durch sieben Schillerstraßen in Baden-Württemberg haben wir Schiller auf unterschiedlichster Weise angetroffen. Schiller als Weltbürger, Schillerwein auf dem Dorf, Schiller als Mittel gegen Depression, eine Familie Schiller. Ein Gartenrestaurant, Kaufhaus, Club und eine Parfümerie tragen seinen Namen. Wir waren in einer Schillersiedlung, auf der Schillerwiese, an eine Schillerrampe und auf der Schillerhöhe. Und trafen viele Menschen, die Schiller noch im Kopf hatten: Zitate aus der Glocke, den Kranichen des Ibykus, Geschichten über Wilhelm Tell in Berlin und den Räubern in Hannover. Und seit dieser Woche gibt es ein paar Kinder, die mit viel Spaß Geschichten über den Namensgeber ihrer Strasse gehört und mit Begeisterung Schiller gelesen haben.






