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Öffnung in engen Grenzen – westliche Investoren in Libyen

17.03.2008, von , in Karte anzeigen

Ölfeld in Libyen (Foto: dpa)Investitionen in Libyen, das heißt in erster Linie Öl: Mindestens ein Dutzend Firmen aus aller Welt wetteifern derzeit um libysche Bohrkonzessionen. Libyen verfügt nicht nur über die vermutlich größten Ölvorkommen Afrikas, sondern obendrein um besonders hochwertige: Der Rohstoff ist hier extrem leicht und deshalb kostengünstig zu raffinieren. Dazu kommen große Gasvorkommen, die erst seit wenigen Jahren überhaupt gefördert werden. Es herrscht also Goldgräberstimmung.


Allerdings mit strengen Regeln, erklärt Harald Emps, Direktor der RWE-Niederlassung in Tripolis:

Wir schreiben alle zwei Jahre, oder drei Jahre, Konzessionen für Fremdunternehmen aus, wo man sich dann bewerben muss, mehr oder weniger, dass man so eine Konzession zugeteilt bekommt. Und da hatten wir das Glück, 2003 sechs Konzessionen zu bekommen. Von den zehn Bohrungen haben wir jetzt fünf abgehäuft. Wobei wir Glück hatten, dass wir fündig waren. Es hätte genauso in die Hose gehen können.

Angebote gibt es nur im Paket – die Firmen können sich nicht aussuchen, wo sie bohren wollen:

Die Regionen werden vorher praktisch bekannt geben. Und dann kann man über eine Studie, die man selbst erarbeitet, überlegen, ob man für diese Konzession bietet. Das ist eine Bietergesellschaft. Man muss ja dafür auch etwas hinblättern.

Wieviel genau er hinblättert, darf Harald Empl nicht verraten. In jedem Fall geht das Unternehmen in Vorkasse. Wenn es das Glück hat, und fündig wird, zahlt sich diese Investition wieder aus. Sobald gefördert wird. Über 51% der Anteile verfügt die Nationale libysche Ölfirma NOC. Wenn das Öl zu fließen beginnt, trägt sie auch ihren Teil der Bohrkosten. Vorher allerdings nicht.


Gasaufbereitungsanlage eine deutschen Firma (Foto: dpa)Harald Empl ist seit Anfang der 90er Jahre in Libyen tätig. Damals, zu Zeiten des Embargos, gab es weder Flüge nach Tripolis, noch ausländische Waren. Seit sich Libyen geöffnet hat, ist vieles einfacher geworden, sagt auch Mohamed al-Hawary. Er arbeitet für die Firma Sahara Libya, die seit einigen Jahren Konferenzen und Messen organisiert, um ausländische Firmen ins Land zu locken:

Libyen heißt jeden Investor willkommen. Seit 2001 haben wir ein neues Gesetz, das Gesetz Nummer fünf: Darin sind Garantien für Investitionen festgelegt. Es gibt keine Grenzen für Investoren hier. Das wichtigste in Libyen ist aber die Sicherheit, sie steht an erster Stelle.

Auch die Visumsbestimmungen wurden vereinfacht, Geschäftsleute können sich jetzt einen Einreisestempel direkt am Flughafen holen. Allerdings kann sich jedes Gesetz hierzulande von heute auf morgen ändern. Erst vor wenigen Wochen hat die Regelung, dass Europäer eine arabische Übersetzung ihres Passes benötigen, dutzende Reisende kalt erwischt: Sie wurden einfach wieder nach Hause geschickt. Harald Empl kann ähnliches berichten:

Von heute auf morgen wurde ein Stempel der Firma, wo RWE in Lateinisch aufgedruckt ist, nicht anerkannt und die Papiere nicht angenommen. Wir hatten zum Glück einen Stempel mit arabischen Buchtaben des Firmennamens.


Produktionsstätten (Foto: dpa)Um Geduld bittet Abdel Nasser al-Nageh, Mitbegründer des deutsch-libyschen Wirtschaftsforums und eine der führenden Figuren in der aufstrebenden libyschen Privatwirtschaft: Bislang kommen kleine Firmen nicht zum Zuge, sagt an-Nageh, denn die ausländischen Investoren suchen sich nach wie vor staatliche Firmen als Partner.

Gerade wenn die Deutschen glauben, dass wir in Libyen etwas privatisieren, müssen sie uns auch ihre Erfahrungen mitbringen. Wir alleine schaffen das nicht. Wir brauchen auch die ausländische Hilfe, damit wir als kleine Wirtschaft stärker sind und damit wir auch dann die kleine Wirtschaft unterstützen zu können – in der Kooperation. Momentan hat die kleine Wirtschaft in Deutschland keine Chance, nach Libyen zu kommen, weil wir noch nicht in der Lage sind, konkurrenzfähig zu sein.

An-Nageh vergleicht Libyen mit einem rekonvaleszenten Kranken, der sich nur langsam von der Embargo-Zeit erholt. Um wieder ganz auf die Beine zu kommen, ist das Land auf Hilfe angewiesen.

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