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Was bringt Petersberg?

04.05.2010, von

Das war nur ein Appetithäppchen – ein Amuse Geulle, wie UN-Klimachef  Yvo de Boer sagte. Satt wird man davon nicht. Und ob der Rest des Menues auch schmecken wird, ist noch die Frage. Auf dem Petersberg waren alle nett zueinander.

Solche Treffen sind sinnvoll – ohne Druck und in kleineren Runden lässt sich besser reden. Und da scheint der Dialog durchaus etwas gebracht zu haben. Vertrauen ist das A und O der internationalen Verhandlungen. Das ist nicht mal nur beim Klimaschutz so. An mangelndem Vertrauen ist der Klimagipfel von Kopenhagen gescheitert. Der Ansatz, den die Deutschen hier gewählt haben – gemeinsam mit Mexiko, das die nächste Klimakonferenz leitet: Vorbilder schaffen Vertrauen.

Seht mal, wie gut Klimaschutz und Wirtschaftsentwicklung zusammenpassen, das wollen sie mit ein paar mehr oder minder neuen Beispielen für internationale Zusammenarbeit zeigen. Das ist ehrenwert aber: den Klimaverhandlungen rennt die Zeit weg. Und da sind sich auch die 45 Staaten, die auf dem Petersberg dabei sind, einig: es muss schnell ein neues internationales Klimaschutzabkommen geben, sonst gibt es gar keines mehr.

Und ich sehe nicht, dass irgend jemand dafür eine Idee hätte, wie das gehen soll. Die UN scheint ihre Taktik bei mittelalterlichen Kriegshorden abgeschaut zu haben: sie ist dabei mit den gleichen Truppen und mit dem gleichen immensen Anlauf in Vorkonferenzen, mit den gleichen Waffen also, die gleichen Burgmauern zu stürmen, wie im letzten Jahr in Kopenhagen. Das ist nicht wirklich erfolgversprechend.

 

Natürlich läuft Klimaschutz auch irgendwie im Kleinen und es wird schon was geschehen, die schlimmsten Horrorszenarien werden nicht eintreten – müssen. Aber es ist so furchtbar ineffizient, teuer und zufällig was da passiert, wenn nicht ein gemeinsames, weltweites Ziel dahinter steht. Da macht dann jeder was er will – oder er macht es auch nicht. Dafür gibt die Bundesrepublik ja nun auch gerade kein leuchtendes Vorbild, wenn sie die Förderung von Erneuerbaren Energien nach Haushaltslage gestaltet oder wenn sie in internationalen Verhandlungen das gleiche Geld zweimal auf die Waagschale legt: einmal für Waldschutz und dann noch mal für Klimaschutz. Nein, ohne ein Abkommen wird das nichts. Aber wie das werden soll… dazu haben die Petersberger Gespräche offenbar auch keine Inspiration gebracht.

 

Die eher linken lateinamerikanischen Staaten fehlten hier ganz – sie hatten den Widerstand gegen die Industrieländer in Kopenhagen organisiert. Und China und die USA haben auch nicht plötzlich ihre hinhaltende Taktik aufgegeben.

Und da muss man am Ende ernüchtert feststellen: auf dem Petersberg gab’s nette Amuse Geulle -als Gaumenkitzel – , die Kröten müssen später geschluckt werden.

Kommentar und Analyse

21.12.2009, von

Der Kommentar
Mit Kopenhagen kann man ja schön spielen: Zuerst war es Hopenhagen, also der Ort der Hoffnung, jetzt ist es Floppenhagen. Die Erkenntnis nach zwei Jahren Vorbereitung, so ungefähr vier Monaten Verhandlungen in dieser Zeit und am Ende 120 Staats- und Regierungschefs in einer Halle: Es geht nicht! Und das bedeutet auch: So geht es nicht weiter.Die feinen Regeln der UNO führen zu endlosem diplomatischem Palaver, das nur die Tatsache tarnt, dass sich alle fein darin eingerichtet haben und die Dauerhaftigkeit der Dinge nicht durch übermäßige Fortschritte gefährden wollen. Und auch wenn Massen an Chefpolitikern zusammenkommen: Einstimmigkeit – wie sie die UNO braucht – führt zu nichts Gutem. Das hat ja nicht nur jetzt den Klimaschutz getroffen. Der Welthandel in der WTO, die Welt-Ernährung in der FAO – alles ist in den letzten Wochen mit Pomp auf Sand gelaufen.
Globale Probleme brauchen globale Lösungen – eigentlich schon. Aber was, wenn die nicht zu haben sind? Das Personal passt nicht zur Aufgabe: Despoten aller Hautfarben, die solche Bühnen für Selbstdarstellung nutzen und Zeit kosten. Ein US-Präsident, der nur auf die Wirkung zuhause achtet und nach dem Hubschrauberprinzip handelt: einfliegen, Staub aufwirbeln, abhauen – und natürlich laut vom Erfolg erzählen. Gehobene Beamte aus weniger bedeutenden Ländern, die gerne auch mal nebenher shoppen, Konferenzpräsidenten, die den Namen ihrer Hauptstadt im Titel eines internationalen Abkommens verewigen wollen, aber maßlos überfordert sind.

In Kopenhagen war alles dabei – und vielleicht war das das Problem. Weniger ist mehr. Wenn Klimakonferenz, dann kleiner und effizienter. Ergebnisorientiert – und nicht um jeden Preis den Klimaschutz für Frieden, Freude und Eierkuchen verkaufen. Denn es lohnt sich durchaus am Thema dran zu bleiben. Das wäre gut für die Wirtschaft – und für die Welt. 

Eine Analyse

Der “Copenhagen Accord” ist eine Übereinkunft von gut 180 Staaten in der UNO. Sie werden die Tatsache, dass die Klimakonferenz das Papier nur zur Kenntnis genommen hat, so interpretieren, als sei es gültig. Ein Dutzend etwa wird das anders sehen – und sehen dürfen. Allerdings: Wer nicht an den Accord glaubt, bekommt auch kein Geld aus den Töpfen, die laut Übereinkunft eingerichtet werden sollen. Das könnte ein überzeugendes Argument sein.
Das Übereinkommen transportiert als einzige nennenswerte Festlegung das sogenannte Zwei-Grad-Ziel. Das ist jedoch nicht in konkrete Forderungen übersetzt. Es gibt keine mittel- oder langfristigen Ziele für einzelne Länder, wie sie das Kyoto-Protokoll kennt. Die Idee, die hinter dem Papier steckt, ist die: Jeder Industriestaat kann Klimaschutzmaßnahmen, die er zu Hause macht, in einen Anhang eintragen. Auch Schwellenländer können zumindest verbesserte Energienutzung dort einbringen. Diese Ziele könnten dann im kommenden Jahr bei der nächsten Konferenz international verbindlich werden. Rechnet man die heute schon bekannten Zahlen zusammen, dann kommt dabei allerdings keine Beschränkung auf zwei Grad heraus – eher ein Anstieg auf drei oder vier Grad, wie eine Berechnung der dänischen Konferenzpräsidentschaft zeigt. Wie das alles kontrolliert werden soll, ist eher unklar geregelt. Neu ist, dass auch Waldschutz als Beitrag zum Klimaschutz betrachtet und gerechnet werden darf.

Um Geld geht es in dem Accord auch: Er sichert 21 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre – Geld eben für den Waldschutz und für die ärmeren Staaten. Es soll ihnen die Anpassung an den Klimawandel erleichtern. Danach müssten immer mehr Mittel fließen – 2020 schließlich 67 Milliarden Euro im Jahr. Allerdings ist unklar, wer wie viel davon zahlt und ob es dafür neue Geldquellen wie Steuern auf Schiffsdiesel und Flugbenzin geben soll.

Die Übereinkunft soll nicht eigenständiger Vertrag werden. Sie wird im günstigsten Fall in bestehende Abkommen wie das Kyoto-Protokoll und die Klimarahmenkonvention eingearbeitet werden und diese weiterentwickeln. Ob das bis zum Sommer, bis zur nächsten Klimakonferenz in einem Jahr in Mexiko oder erst später geschehen soll, ist offen.

30.000?

06.12.2009, von

Die Agenturen melden, dass 15.000 Menschen nach Kopenhagen kommen wollen, aber hier vor Ort heißt es, es seien bereits 30.000 akkreditiert. Ds sind locker zwei-drei mal so viele, wie sonst auf Klimakonferenzen. Jedenfalls ist die Hölle los. Riesenschlange an der Sicherheitskontrolle. Das Bella-Center, in dem das Ganze stattfindet ist ein ziemlich weitläufiges Ding. Na, da werden immerhin alle reinpassen.

Obama kommt zur rechten Zeit

05.12.2009, von

das ist ja mal eine interessante Wendung: Barack Obama kommt nun doch am Ende des Klimagipfels! Dann, wenn auch die anderen Staats- und Regierungschefs kommen, zum High-Level-Segment.  Das kann man als Signal werten: er erwartet was von dieser Konferenz. Kopenhagen wird spannender als gedacht!

Indien im Boot

03.12.2009, von

Auch Indien hat heute klar gelegt, was das Land in Sachen Klimaschutz machen kann und will. Da bewegt sich was. Allerdings hat die Mehrheit im deutschen Bundestag heute auch entschieden, dass jede Hilfe für ärmere Länder im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen, von der “normalen” Entwicklungshilfe abgezogen wird. Das heißt – aus Sicht der Entwicklungsländer: es gibt keinen Euro mehr, egal was sie in Kopenhagen zusagen. Das ist wenig hilfreich.

Es ist wie bei der Echternacher Springprozession: zwei Schritt vor, einer zurück. Wir werden das Wochenende über noch eine Menge Meldungen lesen.

Inzwischen wirds Ernst mit den Vorbereitungen für Kopenhagen – auch technisch. Heute haben wir die Übertragungsmöglichkeiten gecheckt. Es soll ja bei Ihnen zu Hause klingen, als kämen die Berichte von nebenan. Aber je ausgefeilter die Programme und Geräte sind, desto schwieriger ist es, sie ins Laufen zu bringen. Irgend wo ist immer ein Häkchen falsch oder ein Komma zu viel. Jetzt sollte es laufen. Um die Anlage im Pressezentrum kümmert sich der NDR für alle. Aber vom Hotel aus, früh morgens oder spät abends, bringe ich eigene Technik mit. Studioqualität über eine einfache Telefonleitung. Wenns klappt…

Climate-Gate III und Schluss

30.11.2009, von

Wer hat die Tausende von Mails gelesen, die durch die CRU-Hackerei öffentlich wurden? Manche der Kommentatoren, die sich hier gemeldet haben, tun so. Wer kann beurteilen, wie viel Science da drin steckt? Ich nicht. Wir haben getan, was Journalisten tun sollen: wir haben gefragt. Nein, nicht Herrn Rahmstorf. Einen, den auch die Klimaskeptiker als einen neutralen anerkennen. Auch weil er in den fraglichen Mails von Mann und Co. oft angegriffen wurde: Hans von Storch vom GKSS in Geesthacht. Er hat auch die Mails wirklich gelesen und verstanden. Achtung festhalten: Prof. von Storch sagt uns im Interview (auf SWR ContRa in der Sendung “Umwelt und Ernährung http://www.swr.de/contra/-/id=7612/nid=7612/did=2290354/13mnltw/index.html), dass da keinerlei wissenschaftliche Überraschung drin steckt. Dass der Klimawandel kaum bezweifelbar ist, dass es sich lohnt in Kopenhagen etwas gegen ihn zu tun. Seine Kritik richtet sich ausschließlich gegen das politische Engagement vieler seiner Wissenschaftler-Kollegen.

Liebe Klimaskeptiker-Fraktion: nehmt es zur Kenntnis.

Climate-Gate II

29.11.2009, von

Danke für die vielen Rückmeldungen auf den Climategate-Eintrag. Auch wenn das überwiegend Kritik ist. Die nehme ich/nehmen wir, die Journalisten, ernster als viele glauben.

Was ist aber tatsächlich passiert? Der private Mail-Verkehr einiger Klimawissenschaftler ist öffentlich geworden. Das muss man sicherlich hinnehmen, denn hier herrscht überwiegendes öffentliches Interesse. Das finde ich auch. Aber: was steht da drin? Eine Menge menschlicher Häßlichkeiten über Kollegen und Kritiker. Dann schauen Sie sich mal Ihre eigenen Mails der vergangenen 10 Jahre an. Und? wie viele nette, häßliche Fundstellen sind da drin? Das sagt alleine… gar nichts.

Faktisch bleiben ein paar Diskussionen darüber, wie man Daten aufbereitet. Es geht um Dinge, die immer wieder in peer-review-Prozessen überprüft werden. Soll ich an eine Weltverschwörung von abertausenden von Wissenschaftlern verschiedenster Fachrichtungen glauben? Dazu beziehen sich die Kritiker meist auf uralte Graphen, die längst durch bessere, auch offenbar unbestrittene, ersetzt wurden. Absolut richtig ist es, das Engagement von Wissenschaftlern im politischen Klimaschutz-Prozess zu prüfen.

Für schlicht falsch halte ich das Argument, dass Milliarden sinnlos in den Klimaschutz investiert würden. Und dass deshalb schon der Zweifel an dem geltenden Modell ausreiche, um Nichtstun in dieser Sache zu rechtfertigen. (siehe frühere Einträge)

Infos: http://en.wikipedia.org/wiki/Climatic_Research_Unit_e-mail_hacking_incident

die Klimaskeptische Seite mit einer Auswahl: http://bit.ly/8N0Pny

Macht der Klimawandel Pause?

28.11.2009, von

Das ist eine Frage, die derzeit viele beschäftigt:
1) die Daten selbst sind umstritten. Die beiden großen Lieferanten, das Hadley-Center und die GISS (ein Nasa-Programm) haben unterschiedliche Bezugszeiträume und sie gehen unterschiedlich mit dem Fakt um, dass es über der Arktis keine Messstationen gibt. Deshalb ist bei Hadley 1998 das bisher wärmste Jahr gewesen, bei GISS 2005. Davon abgesehen zeigen beide Systeme ein gewisses “Innehalten” des Temperaturanstiegs
2) sind die Ursachen nicht ganz klar. Die Sonne schwächelt derzeit ziemlich deutlich. Und auch die thermohaline Zirkulation – eine Wasser-Strömung, die Wärme aus den Tropen in den Norden schaufelt – ist in einer periodischen Schwächephase. Das sind die plausibelsten Gründe.
3) ist die Erderwärmung kein Graph, der mit einem Lineal gezogen wird. Das zickelt und zackelt so vor sich hin. Es gibt warme und kalte Jahre – entscheidend ist die Tendenz. Da überlagern sich viele Effekte. Sagen wir so: wenn ich in einem Raum die Heizung andrehe, dann steigt die Temperatur. Aber wenn ständig einer reinkommt oder ich das Fenster aufmache, dann sinkt sie zwischen durch auch mal wieder ab.
Fazit: die vergangenen Jahre haben keine Temperaturrekorde aufgestellt. Das wird in die Modelle eingearbeitet, mit denen das Klima berechnet werden wird. Die zeigen langfristig eher immer schlimmere Folgen des Treibhausgas-Anstiegs.
Wir haben es hier nicht mit dem kleinen Einmaleins zu tun, sondern mit höherer Mathematik. Und: es geht immer um Wahrscheinlichkeiten. Gewissheiten gibt es nicht. Kann es aber auch gar nicht geben. Und das ist etwas, was ich den Klimaskeptikern vorwerfe. Sie übertragen das juristische Prinzip des “im Zweifel für den Angeklagten” auf komplexe naturwissenschaftliche Modelle. Zweifel wecken alleine bringt da nichts. Der Punkt ist: wie geht man mit Befunden um. Wenn wir ständig und in jeder Beziehung nichts täten, weil wir Zweifel haben: wie säh die Welt dann aus?

Glaube, Liebe, Hoffnung…..

27.11.2009, von

ist ja nett, dass ein paar Menschen hier anfangen Meinungen auszutauschen. Noch schöner wäre es, wenn wir das in einem ruhigen und sachlichen Rahmen tun könnten. Ich habe eine Religion… aber das ist nicht der Klimaschutz.

USA und China bewegen sich

26.11.2009, von

Nach den USA hat auch China etwas auf den Tisch gelegt. Gut: die US-Vorschläge laufen auf -4% Treibhausgase in 2020 (gemessen an 1990) hinaus. die EU hat -20% angeboten. Es ist auch fraglich, wie “hart” die US-Regierung diese Zahl in ein internationales Abkommen einbauen will, bevor die nationale Gesetzgebung völlig durch ist.

Interessanter ist da vielleicht China. Die Chinesen signalisieren erst einmal: wir sind bereit zu Verhandlungen, in denen es auch um Ziele für uns (und andere Schwellenländer) geht. Das ist ein Ansatz. Dass das keine absoluten Zahlen sind, sondern welche zur Energieeffizienz, das war wohl vorher klar. Grob gesagt: China will ein Auto, ein T-Shirt, einen Fernseher, 2020 mit halb so viel Energieaufwand erzeugen wie 2005.  Immerhin! Das bremst den Anstieg. Und: es ist eine Ausgangsposition – kein Verhandlungsergebnis.

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