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Wieder mal eine Klimalüge? Vahrenholt und die Schlagzeilen

06.02.2012, von

Ein neues Buch provoziert Schlagzeilen. “Co2-Lüge” macht die BID draus. ”Die Klimakatastrophe findet nicht statt” faßt der Spiegel zusammen. Fritz Vahrenholt – SPD-Politiker und Energiemanager – sagt aber nur: es ist keine Katastrophe – aber doch ein Klimawandel. Sein Punkt: die Sonne ist wichtiger als gedacht. Versuch einer Einordnung:

Der Klimawandel findet statt und der Mensch spielt dabei eine wichtige Rolle. Es kommt drauf an, wie man ein Buch liest. Fritz Vahrenholt – illustrer Politiker und Energiemanager – kommt zu dem Schluss, dass der Kampf gegen den Klimawandel lohnt. Erneuerbare Energien und Klimagashandel – er stellt das nicht in Frage. Das halten wir mal fest. Ansonsten hat diese neue Diskussionsrunde ums Klima eine wissenschaftliche und eine politische Seite:

1 und 1 ist zwei. So viel Sicherheit gibt es – wenn denn überhaupt – nur in der Mathematik. In den Naturwissenschaften gibt es keine Wahrheiten – nur Wahrscheinlichkeiten. Auch wenn viele Menschen das noch nicht mitgekriegt haben. Unstrittig ist, dass im vergangenen Jahrhundert die globale Durchschnittstemperatur um knapp ein Grad gestiegen ist. Und  zumindest die Vahrenholt-Truppe bestreitet auch nicht, dass der Mensch dafür eine Verantwortung trägt. Der Streit ist: wie groß ist die? Sonne und Mensch sollten Halbe/Halbe machen bei der Schuldfrage, das ist so etwa die These. Das ist so gut oder schlecht zu belegen wie 90/10 oder 40/60. Die Sonne wird sehr wohl in den Studien des Welt-Klimarates berücksichtigt und die überwiegende Zahl der Wissenschaftler räumt ihr eher weniger denn mehr Einfluss auf den derzeitigen Temperaturanstieg ein. Das stellen andere in Frage. So funktioniert Wissenschaft. Im Lauf der Zeit werden dann die Modelle immer besser. Wenn die praktischen Empfehlungen an Politik und Wirtschaft doch die gleichen sind- und das sind sie – dann ist das geradezu ein Glücksfall und kein Anlass für sensationslüsterne Schlagzeilen.

Die politische Dimension: der SPD-Mann Vahrenholt gefällt sich als Querdenker. Er ändert seine Auffassung auch von Zeit zu Zeit.  Dazulernen ist ehrenhaft. Aber als er von Sonnenenergie schwärmte, war er gerade bei Shell – einem Konzern der voll auf Solar setzte. Für Wind – und gegen Sonne – machte er sich erst stark, als er die RWE-Windkrafttochter managte. Und vielleicht hat er nicht mal Unrecht damit. Aber das hat alles mit einer Co2-Lüge nun so gar nichts zu tun. Nur mit Tagespolitik in Deutschland. 2013 wird der Klimarat den nächsten großen Report vorlegen. Nach allem was derzeit abzusehen ist, wird er den Klimawandel keineswegs abblasen. Im Gegenteil: er könnte stärker sein, als bisher angenommen – wahrscheinlich ist das – sicher nicht.

Das Ergebnis ist Krötensuppe

12.12.2011, von

 Es ist Krötensuppe: jede Menge Unangenehmes zu schlucken. Aber Du verhungerst nicht. Es geht noch was im Klimaschutz. Nichts was die Herzen der Szene höher schlagen lässt, aber: es geht. Sie wollten auch alle was in Durban. Das war extrem anstrengend ohne Schlaf und über zwei Nächte hin am Ende. Das gibt man sich nicht aus Jux.  Das Gute also zuerst: es wird bis 2015 einen neuen Anlauf zum internationalen Klimaschutz geben – mit Allen! Mit den USA und auch den großen Schwellenländern. Die beginnen zu begreifen, dass es nicht reicht „ich bin ein Entwicklungsland“ zu rufen. Natürlich ist Indien nicht mit den USA gleich zu setzen. Aber aber wenn Indien stur auf Wachstum und Kohle setzt, dann ist es selbst da nur eine Frage der Zeit, bis der historische Vorsprung der Industriestaaten beim Dreckmachen eingeholt ist. China demonstriert das eindrucksvoll.

 Aber: der Preis für diesen Fortschritt ist sehr hoch: ein Jahrzehnt geht verloren im Kampf gegen den Klimawandel. Das ist tragisch, wenn man den Wissenschaftlern glaubt: denn 2020, wenn das neue Abkommen dann endlich liefern soll, sind die Temperaturen schon kaum mehr einholbar am Steigen. Und: die riesigen Papierbündel, in denen die Konferenz das alles aufgeschrieben hat, die stecken wie immer voller Tretminen. Wetten: im kommenden Jahr ist die Hälfte dessen, was jetzt beschlossen wurde, wieder anders ausgelegt.

Es ist alles zu wenig, um den Klimawandel wirklich aufzuhalten. Aber mehr ging – gemeinsam - wieder mal nicht. Keiner wird allerdings abgehalten, eigenständig mehr zu tun. Die EU könnte – statt sich für ihre harte Haltung in den Verhandlungen feiern zu lassen – auch noch ein Stück anziehen beim Klimaschutz. Aber vielleicht spart sie’s auf für nächstes Jahr- in Doha.

 

Die zweite Nacht

10.12.2011, von

Der Klimagipfel geht in die zweite Nacht. Sie werden immer länger und immer dramatischer diese Konferenzen. Ist das ein Zeichen für Ernsthaftigkeit oder für Streitsucht? Es gibt zwei große Arbeitsgruppen: zur Zukunft des Kyoto-Protokolls und zu einer langfristigen Perspektive für den Klimaschutz (LCA). Sie haben nach Stunden nun beide ihre Abschlusssitzungen durchgezogen, Mit vielen Wortmeldungen. Aber so wie ich das verstehe nur einer offenen Frage: ob nämlich die nächste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls 5 oder 8 Jahre lang wird. Der dickste Brocken kommt noch: jetzt muss wohl noch ein Papier kommen, in dem der Weg zu einem ganz neuen Abkommen ebnet, das alle Staaten einbindet. Auch die Schwellenländer und die USA. It’s not over till it’s over. Indien hat Widerstand angekündigt.

Freiwillige Zusagen und warum die EU sie nicht will

08.12.2011, von

Freiwillige Zusagen sind ein schöner Anfang. Aber ihre Halbwertszeit ist gering. Es gab einen Versuch: bis zum Jahr 2000 sollte der Ausstoß an Treibhausgasen auf den Stand von 1990 zurückgeführt werden. Haben auch die USA unterschrieben. Doch das Datum ist still und heimlich verstrichen. Die Entschuldigung der USA auf Nachfragen: die Wirtschaft läuft so gut. Geht leider nicht. Das erklärt, warum die EU so sehr auf Verbindlichkeit beharrt. Die Amerikaner dagegen die Ergebnisse von Cancun über den grünen Klee loben. Da durfte jeder erklären, was ihm so vorschwebt zu tun. Und er wurde gefeiert. Bis es dann Ernst wird, ist die Sache vergessen und eine Entschuldigung findet sich. Das gilt auch für nationale Ziele – wie sie China anstrebt. Jedes Land kann sie jederzeit selbst ändern. Andere haben darauf keinen Einfluss.

Auch ein Protokoll – wie das von Kyoto – ist nur ein Stück Papier, aber es hat völkerrechtlich einen ganz anderen Status. Auch solche Abkommen leben zunächst vom Grundsatz „pacta sund servanda” – also: Verträge sind einzuhalten – das ist eine moralische Pflicht. Und bei einem Verstoß gibt es keine unmittelbaren Strafen. „Wir können ja nicht mit Panzern in Kanada einmarschieren, wenn die Ihre bindenden Verpflichtungen beim Klimaschutz nicht erfüllen, sagt ein Diplomat, aber: ein Vertragsbrüchiger setzt sich subtilen Strafen der Völkergemeinschaft aus. Kanada hat zum Beispiel in der UNO Abstimmungsniederlagen eingesteckt, die man durchaus darauf zurückführen kann, dass das Land beim Klimaschutz nicht spurt. Tatsächlich sind die Klimaverhandlungen einer der wenigen UN-Prozesse, der überhaupt starke Abkommen hervorbringen kann. Und deshalb will die EU ihn nicht dadurch entwertet sehen, dass er unter seinen Möglichkeiten bleibt.

 

Das China-Syndrom

06.12.2011, von

Entschuldigung für die blog-Pause. Das Internet im Hotel läuft nicht richtig und ich war den ganzen Tag unterwegs. Da ging gar nichts.

China hält die Konferenz ganz nett in Spannung. Die Chinesen haben am Wochenende zu aller Überraschung in Aussicht gestellt, sie könnten vielleicht doch einen rechtsverbindlichen Abkommen in einer ferneren Zukunft mal zustimmen. Das kam gut an. Allerdings waren da ziemlich viele Bedingungen dabei. Und jetzt ist das Rätselraten groß: was meinen die Chinesen? Ist das nur ein Verhandlungstrick oder eine echte Wende? Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der heute in Durban richtig angekommen ist, der hat erst mal ganz abgewiegelt. Ähnlich gestern schon die Amerikaner. Und die Beobachter der Umweltverbände scheinen hin und her gerissen. Wir halten uns daran, das mit allen Reaktionen möglichst gut abzubilden.  Alles andere ist noch Spekulation. Aber die Konferenz hat wenigstens ein Thema.

Wie gesagt: ich war heute unterwegs. Und zwar etwa 200 km nördlich von Durban in St. Lucia. Das ist eine großen Lagune, ein wundervolles Naturschutzgebiet.

Mit dem Boot in die Feuchtgebiete bei St. Lucia

Mit dem Boot in die Feuchtgebiete bei St. Lucia

Das Thema: nachhaltiger Tourismus. Südafrika ist das einzige Land, in dem es fairtrade-Tourismus gibt. Dabei soll nicht nur die Umwelt geschont werden, sondern auch mehr Geld bei den Menschen vor Ort ankommen. So ganz kann man das bei einem so kurzen Besuch nicht überblicke und beurteilen. Aber das Potential ist groß.

Flusspferde fühlen sich wohl im Brackwasser. Drei Flüsse speisen Süßwasser in die 60 km lange Lagune ein. Führen sie viel Wasser ist die Lagune süß. Führen sie wenig Wasser, dann dringt salziges Meerwasser ein.

Südafrikanischer Seeadler - Teil der enormen Artenvielfalt-.

Demonstration zur Klimakonferenz

03.12.2011, von

Durban: Klimakonferenz COP17Die Demonstration zur Klimakonferenz 2011 war eher - sagen wir: mittelgroß. Rund 5000 Menschen kamen in Durben zusammen, keineswegs die bis zu 20,000, die die Organisatoren erwartet hatten.COP17-Demo

Klimafreundlich unterwegs – mit dem Fahrrad auf der COP

03.12.2011, von

 

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Hunderte von Rädern stehen direkt vor der Klimakonferenz in Durban. Leider werden nur wenige ausgeliehen. Wie ist das: Fahrradfahren in Durban? Geht prima!

Gegen Kohle – für Sonne und Wind

02.12.2011, von

 

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Umweltschützer demonstrieren gegen Kohle und für Erneuerbare Energien bei der Weltklimakonferenz in Durban. Ihr Slogan: It’s  hot in here, there’s too much action in the atmosphere. Take action and get your satisfaction. (etwa: es ist heiß auf der Welt, zu viel Klimagas in der Atmosphäre – Tu was und Du wirst glücklich)

Morgen soll es nicht nur solche kleinen Aktionen geben auf der Klimakonferenz, sondern eine große Demonstration in der Stadt.

Die Verhandlungen schleppen sich so dahin. Hinter den Kulissen wird an ersten Papieren gearbeitet, am Samstag abend könnten erste Zusammenfassungen fertig sein, die die Delegationen dann über Sonntag durcharbeiten. Dann weiß man mehr: wie viel hier wirklich angepeilt wird und wie viel möglich ist.

So sieht es aus….

01.12.2011, von

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Ich hatte es schon versprochen: hier also jetzt endlich der Film, der zeigt, wie wir Kellerasseln hier im International Broadcasting Center arbeiten. Normalerweise ist das eine Tiefgarage. Der Hinterkopf links ist Detlef Reepen vom WDR, rechts Claus Stäcker, der ARD-Korrespondent aus Johannisburg, Udo Lehnen ist der Technik-Spezialist im Team und rechts sieht man noch Georg Ehring vom Deutschlandfunk.

Ein Kollege in Deutschland meinte: “gib acht, dass keiner Deinen Parkplatz haben will.” Ein Trost: die deutsche Delegation hat vielleicht etwas mehr Platz, ist aber auch “unterirdisch”. Ich will nicht meckern: abends lassen sie uns raus. Und das Abendessen im Freien hat für einen Adventsflüchtigen Deutschen schon was.

Wieviel Bürgerbeteiligung wann?

29.11.2011, von

Das Interesse an den Klimaverhandlungen in Deutschland scheint -von hier aus betrachtet- doch eher verhalten. Da ist mir durch den Kopf gegangen: wie ist das eigentlich mit der Bürgerbeteiligung? Stuttgart 21, Flughafenausbau und Gorleben. Da manifestiert sich Widerstand. An konkreten Punkten und ganz nah bei den Menschen – und dann, wenn es Ernst wird. Der Klimaschutz könnte derzeit auch mehr Bürgerbeteiligung brauchen. Aber der ist wohl noch zu abstrakt und weit weg. Wogegen wollen wir später protestieren? Gegen die Hitze? Gegen Dämme und Deiche? Gegen die Einwanderung von Klimaflüchtlingen? Die Politiker sagen: wir haben verstanden. Wir werden die Bürger in Zukunft früher einbinden. Gut. Aber diese schöne Form der Bürgerbeteiligung nutzt wenig bei globalen Problemen. Lösungen habe ich keine. Es könnte nur zum Problem werden, wenn wir nur noch an der nächsten Großbaustelle abarbeiten.

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