Ciao, bella Italia et mille gracie
Pünktlich auf die Minute verlässt unser Sonderzug mit einem Elektrodoppelpack an der Spitze den Bahnhof Verona Nouvo Porte. Zuvor wird dem Organisator Hans-Jürgen Rosenberger für Planung und Durchführung der Reise gedankt. Dann ziehen 645 104 im grün-grauen Design und und die braune 645 090 unseren Siebenwagenzug mit einer kurzen Unterbrechung hinauf auf den Brenner.
Ein Blick auf Trient, ein Blick auf Bozen, beide Städte glänzen im Sonnenlicht und schon sind wir an der Grenze. Auf dem Brenner werden bei strahlend blauem Himmel im schönsten Sonnenschein die Loks gewechselt.
Nun zieht das österreichische Krokodil den Zug nach Kufstein, wie 01 1066 darauf wartet, die Pferdchen galoppieren zu lassen.
Die Fahrt hat großen Spaß gemacht, vielen Dank an alle Beteiligten. Für mich waren Siena und die Franco-Crosti Lok die Glanzlichter, aber auch alle anderen Fahrzeuge und die Landschaft können sich wahrlich sehen lassen.
Vielen Dank, bis denn und tschüß.
Montag, 6. Oktober
Auf zu Romeo und Julia
Blaues Meer, blauer Himmel, Sonne satt und Dampf pur, so rasen wir an der Adria entlang von Rimini in Richtung Ravenna. Tagesziel ist die Stadt mit dem weltberühmten Paar, das am Ende doch nicht zusammen kommen konnte: Romeo & Julia.
Ein paar Minuten Verspätung am Morgen fallen nicht ins Gewicht, zumal die meisten Fahrgäste von dampfenden Eindrücken aus dem Bw von Rimini erfüllt waren. Vier Dampfrösser sind dort nebeneinander zu bewundern. Eines davon steht bereits unter Dampf. Unseres.
Es wird noch bekohlt. Dabei schaufeln drei Bahnarbeiter die Kohle aus einem Güterwagen auf ein Transportband, oben auf dem Tender wird diese vom Heizer verteilt.
Wenig später steht Lok 685.196 im Bahnhof, kuppelt an und nach einem akademischen Warteviertelstündchen setzt sich unsere Fuhre in Bewegung. Die Adria in Sichtweite geht es Richtung Ravenna. Die Lok 685.196, größte betriebsfähige Dampflok Italiens, lässt es laufen. Auch noch durch die Ebene der Emilia Romana über Ferrara bis Rovigno. Dort erfolgt der Lokwechsel auf die 740 039, welche den Zug entlang der Etsch über die Nebenbahn nach Legnago bringt.
Mit dem Bad am frühen Morgen in der Adria klappt es leider nicht. Das liegt weniger an der Adria, als am inneren Schweinehund, der sich ein wenig in die Programmgestaltung einmischt und nur wenig Lust zum Schwimmen hat.
An Radfahren werden viele Reiseteilnehmer erinnert, als der Zug Station in Cesenatico macht, Direkt vor dem Bahnhofsgebäude befindet sich das Marco-Pantani Museum. Damit wird an den größten Sohn der Stadt erinnert, an den Radrennfahrer Marco Patani, wegen seiner Kopfbedeckung auch “Pirat” genannt,, der vor einigen Jahren aus dem Leben geschieden ist.
An diesem Reisetag ist die Strecke fast von Anfang an “topfeben”, es geht durch die Poebene und durch Orte hindurch, die wir bereits auf der Hinfahrt bewundern konnten, wie Faentia und Ferrara. Die Sonne scheint, als müsse sie die vier grauen Tage zuvor vergessen machen.
Zahlreiche Fotohalte und Scheinanfahrten mit der 740 039 bei strahlendem Sonnenlicht lassen beste Stimmung aufkommen. Diese ändert sich auch nicht mehr, als der Zug bei Nogara wieder die Hauptstrecke erreicht und die Sonne kurz vor Verona tief rot hinter dem Horizont verschwindet.
Sonntag, 5. Oktober 2008
Von Siena nach Rimini mit drei verschienen Loks
Die 685.089 vom Vortag bringt den Zug von Siena nach Pistoia. Auf dem Weg sind einige Fotohalte in malerischen Städtchen mit klingenden Namen wie Castellina in Chianii – Monteriggioni, Poggibonsi-San Gimignione oder Castellfiorentino.
In Pistoia verlässt uns 685 089 und begibt sich in ihr Heimatdepot. Die Fahrgäste folgen ihr, schließlich gibt es in den Hallen und im Freigelände einige Fahrzeuge zu bewundern. Zwei Dampfloks werden im Moment aufgearbeitet, wobei Lok 640 148 einen ziemlich fortgeschrittenen Eindruck macht.
Nun hängt die E-Lok 645.023 vor unserem Zug, die uns in ziemlich flotter Fahrt von Pistoina nach Bologna bringt. Die Linie trägt einen klingenden Namen, es ist die “Porrettana”, knapp einhundert Kilometer lang, eröffnet 1864. Zahllose Kurven, Viadukte und Tunnel bringen die Züge aus der Ebene über die Berge des Apennin. Der Scheitelpunkt liegt auf 615 Meter Höhe. Insgesamt weist die Verbindung 45 Tunnel auf mit einer Gesamtlänge von 18 Kilometern.
Die Anzahl der Viadukte beträgt 75. Bereits 1934 wurde eine neue Linie zwischen Bologna und Florenz eröffnet, die “Direttissima”, weil die alte, größtenteils eingleisige Linie der Porrettina den Verkehr nicht mehr bewältigen konnte. Es hat aber Spaß gemacht, auf der historischen Linie in die Hauptstadt der Emilia Romana zu gelangen.
Auf dem Hauptbahnhof, Bologna Centrale, erfolgt der nächste Lokwechsel. Nun ist 685.196 am Zug und bringt uns im Laufschritt an die Adria nach Rimini zum Teutonengrill. Der ist allerdings wegen zu geringer Nachfrage geschlossen. Beinahe zumindest.
Aber bei Temperaturen unter 20 Grad und einer untergegangenen Sonne will sich keine rechte Bade- und Bräunungsatmosphäre einstellen. Vielleicht morgen früh.
Samstag, 4. Oktober 2008
Heute spüren wir den Herzschlag der Toskana. Wir fahren mitten hinein in diese liebliche Gegend. Ziel ist Monte Antico und die Gegend um den Montalcino.
Mit den beiden Dampfloks vom Vortag starten wir von Siena aus auf zum Teil nicht mehr planmäßig befahrenen Strecken. Zunächst führt die Fahrt nach Asciano, ehe es durch das landschaftlich reizvolle Orcia-Tal geht. Leider macht uns ein Wasserkran einen dicken Strich durch unseren Fahrplan.
In Monte Antico ergoss sich das Wasser nicht in einem dicken Strahl, es tröpfelte nur. Ein Rinnsal, das allen Verantwortlichen mehr Schweiß auf die Stirn trieb, als Wasser in den Tender. Die Strecke wird regelmäßig von Museumszügen befahren, deshalb kam niemand auf den Gedanken eines Schadens an der Anlage, wahrscheinlich hervorgerufen durch Bauarbeiten im Gleisbereich. Nach zwanzig Minuten ist die Entscheidung gefallen, Wasserfassen erfolgt in Torreniero Montalcini. Dort wird auch die Reisegesellschaft mit toskanischen Köstlichkeiten verpflegt.
Die Stimmung ist glänzend, zumal sich auch noch die Sonne hinter den Wolken hervorwagt. Als das Büffet abgeräumt und die letzte Flasche Rotwein leergetrunken ist, rollt der Zug dennoch nicht weiter. Auch in Torreniero fließt das Wasser nicht wirklich druckvoll. Feuerwehrautos aus einem Nachbarort müssen das Wasser herholen, es gibt am Bahnhof weder Wasserkran noch Hydranten, diese sind in dieser Gegend unüblich. Die Geduld aller Beteiligten ist wieder gefragt. Auch die Wasserfestigkeit unseres Kamerateams wird unfreiwillig getestet. Kamerafrau Yvonne kann nicht rechtzeitig Reißaus nehmen und wird vom kühlen Nass überschüttet.
Sie übersteht dieses Missgeschick mit viel Humor und einer klatschnassen Hose. Derweil fährt ein Teil der Gruppe mit dem Bus nach Siena, um die Stadtrundfahrt noch bei Tag zu erleben.
Während sich die Busse noch durch den Verkehr kämpfen, ist unser Zug abfahrbereit und wenig später auf der Strecke. Die Spätnachmittagssonne ermöglicht einige eindrucksvolle Bilder, die ihren Abschluss in Asciano finden, wo Lok 640 003 auf der Drehscheibe eine Runde dreht. 19.30 endet dieser Reisetag am Hauptbahnhof in Siena.
Freitag, 3. Oktober 2008
Der Dampfer mit dem Schornstein auf der Seite
Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt und vor den traumhaften Fotomotiven den Weckruf in aller Herrgottsfrühe. Noch in der Morgendämmerung bringt die Oldtimer E-Lok 645 090 unseren Sonderzug von Vicenza nach Faenza. 
Dabei geht es durch die fruchtbare Ebene des längsten italienischen Flusses mit dem etwas anzüglichen Namen Po. Wenig später, bereits in den Bergen des Apennin, beginnt das absolute Glanzlicht der Reise, die Fahrt auf der “Faentina”, einer Gebirgsbahn, welche die Städte Faenza und Florenz verbindet.
Nun werden wir auch mit der Entwicklung von Attila Franco und Dr. Piero Crosti konfrontiert, die auch deren Namen trägt. Die beiden Mitarbeiter der italienischen Staatsbahn haben sich anno 1926 eine Idee patentieren lassen, bei der die Rauchgase der Dampflok nicht durch den Schornstein ausgeschieden, sondern weitergeleitet werden, dabei heizen sie mit ihren 300 Grad das Wasser im Kessel zusätzlich auf. Mit diesem System können bis zu zwanzig Prozent Kohle eingespart werden. Die Franco-Crosti Lok ist geboren.
Ein einziges betriebsfähiges Exemplar gibt es noch in Italien. Lok 741.120. Mit ihr und der Diesel-Schublok D 341 geht es auf die Faentina. Diese einzigartige einspurige Strecke weist nicht weniger als 47 Tunnel sowie 167 Brücken und Viadukte auf. Eine wirklich herausragende Linie, die leider von Petrus ein wenig mit Schauern und grauen Wolken bedacht wird. Dennoch ist es eindrucksvoll “den Dampfer mit dem seitlichen Schornstein” vorbeirauschen zu sehen.
Auf dem Bahngelände von Borgio San Lorenzo können wir unserer Lok in aller Ruhe zuschauen, wie sie vor der letzten Etappe nach Florenz auf der Drehscheibe von allen Seiten ins rechte Licht gestellt wird. In Florenz müssen wir von der ccAbschied nehmen.
In einem neuen Dampf-Doppelpack geht es nach Siena. Dieser besteht aus der “gemixten” Dampflok 640 003, die den Tender von der Lok 640 148 zieht, und Dampflok 685 089.
Mit ihren 1.250 PS ist sie die stärkste betriebsfähige italienische Dampflok. Zwischen Loks und unserem Zug hängt für das Personal noch ein Centoporte Wagen, einer der fast schon legendären Abteilwagen.

Begleitet von einem goldenen Sonnenuntergang werden die letzten Kilometer des Tages zurück gelegt.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Ein Grappa, der Dampf macht
Der Tag beginnt nicht mit dem morgendlichen Dauerlauf des Moderators, denn der hat verschlafen, schafft es aber, noch in aller Eile zu duschen und einen Kaffe zu trinken.

Pünktlich kurz nach halb zehn startet der Dampfzug ins Val Sugana mit zwei Dampfloks der Reihe 740 (740.038 + 740.293). Es geht über die nicht elektrifizierte Strecke in Richtung Bassano del Grappa (allen Weinbrandfreunden wohl bekannt) durch die herrliche Landschaft der südlichen Dolomiten. Allerdings brauchten wir wieder ein wenig Geduld, weil wir mit unserem Zug den Fahrdienstleitern hie und da ein wenig Arbeit bereitet haben und beispielsweise in Pergine über Gebühr lange warten mussten.
Auch die Sonne macht am heutigen Tag Dienst nach Vorschrift. Dennoch ist die Film- und Fotoausbeute nicht zu verachten.
In Bassano del Grappa am Fuße des 1775 Meter hohen Monte Grappa ist ein Aufenthalt von zwanzig Minuten zum Wasser fassen eingeplant. Unsere Ione Scheuble will sich die doppelte Grappa-Freude machen.

Sie genehmigt sich in Grappa einen Grappa, begeistert sich in der Gaststätte an der Dekoration, den zahllosen verschiedenen Flaschen, die auch alle fotografiert werden, und bemerkt den Abfahrtspfiff nicht.
Erst ein Anruf reißt sie aus allen Träumen. Der hinabgestürzte Grappa, macht ihr ziemlich Dampf. In allerletzter Sekunde wird der Zug erreicht. Eine gute Stunde später laufen wir in Vicenza am Rande der Poebene ein.
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Wenn ein Kuckuck auf dem Barwagen klebt …
6:35 Uhr steht der Stuttgarter Hauptbahnhof unter Dampf. Es startet der Eisenbahn-Romantik Toskana-Express auf seine erste Etappe. 610 Kilometer stehen auf dem Programm. Dampfross 01 533 der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte zieht unseren Siebenwagenzug. Die Dreizylinder-Schnellzug-Dampflok 01 1066 der Ulmer Eisenbahnfreunde hilft als Vorspann. Knapp 5.000 PS ziehen den Sonderzug über die Geislinger Steige nach Ulm und weiter über Augsburg nach München.
“Nach einem Wasserhalt in Brannenburg passiert der Zug in Kufstein die Grenze zu Österreich und erreicht nach schneller Fahrt durchs Inntal am frühen Nachmittag Innsbruck…..” So steht es zumindest in der Reisebeschreibung, doch aus der schnellen Fahrt wird erst einmal gar nichts, im Gegenteil. Es häufen sich 140 Minuten Verspätung an.
An der Grenze hatte der Österreichische Wagenmeister an einem Radsatzlager des Barwagens angeblich einen “Fettaustritt” festgestellt. Und schon ziert ein “Rotzettel”, ein bahntechnischer Kuckuck, unseren Barwagen: “Dieser Wagen darf die Betriebsstelle Kufstein nicht verlassen”. Mit freundlichen Grüßen ÖBB Traktion, Gf Wagendienst West, Wagenmeister bF mobil. Unterschrift unleserlich. Mit freundlichen Grüßen stand nicht auf dem Zettel, das habe ich nur der Form halber hinzugesetzt.
Irgendwann haben sich die Verantwortlichen auf die Weiterfahrt geeinigt. Fortan fährt der Zug weiter mit Volldampf durch Österreich. Und der Barwagen rollt ohne technische Weh Wehchen auch weiter mit.
Mit Volldampf geht es über die Brenner Nordrampe bis zum Grenzbahnhof Brenner. Schubunterstützung gewährt ein österreichisches Krokodil der Baureihe 1020. Da auf der Südrampe ein Dampfverbot besteht, verabschieden wir am Brenner unseren dampfenden Doppelpack.

Neue Zuglok ist eine Maschine der Baureihe 626 der FS. Der E-Lok Oldtimer bringt den Sonderzug durch das Eisacktal via Franzensfeste und Bozen nach Trient. Bedauerlicherweise hat sich die Sonne bereits am Brenner auf ihre Untergangstour begeben. Somit war der Abstiegt Richtung Bozen und Trient eine Tour durch die Dunkelheit.



























