Kategorie: Reisen USA
Mal wieder kommt mein Gastvater vom Einkaufen nach Hause, mal wieder hat er Leckeres im Gepäck. Manchmal sind es Muffins, manchmal Kekse oder sogar Käsekuchen. Heute sind es dagegen Donuts, über die sich mein Magen freuen darf. Doch nicht nur ich freue mich, sondern auch die Girl Scouts, eine Art weibliche Pfadfinder, und amerikanische Kriegsveteranen dürfen mitjubeln – den erste verkaufen die Süßigkeiten, um Geld für gute Zwecke zu sammeln, wie für Veteranen zum Beispiel. Dabei setzen sie auf eine aggressive Verkaufsstrategie, die nicht bei allen Zustimmung findet.
Arm vs. Reich. Stark vs. Schwach. Oben vs. Unten. Was sich anhört wie Klassenkampf ist in diesem Land häufig bittere Realität. Durch die „Occupy-Wall-Street“-Proteste zeigt sich mal wieder, wie groß die Schere der Ungleichheit in dem Land mit schwacher Sozialabsicherung und ohne Gesundheitsversicherung bereits geworden ist. Gleichzeitig sind die USA eines der gläubigsten und christlichsten Länder dieser Welt. Da stellt sich natürlich die Frage, wie das zusammenpasst: Christliche Nächstenliebe auf der einen Seite, bittere Armut auf der anderen. Wenn der Staat nicht hilft, müssen das eben andere machen.
Die amerikanische Antwort auf Armut und Not lautet „Fund-Raiser“. Wenn der Staat nicht hilft, ist der Bürger gefragt. Jene so- genannten „Fund-Raiser“, Spenden- und Benefizaktionen auf kirchlicher, schulischer oder gesellschaftlicher Basis gehören hier zum Alltag und existieren in den verschiedensten Formen, doch alle haben sie ein gemeinsames Ziel: Helfen.
Die Amerikaner spenden so viel wie kaum ein anderes Land auf der Welt, und dennoch verschenkt man nie einfach sein Geld – immer gibt es eine Gegenleistung. Seien es Süßigkeiten, die Eintrittskarte zu einer Charity-Veranstaltung oder einem wird als Gegenleistung das Auto gewaschen. Es gibt kaum etwas, das nicht als Gegenwert für eine Spende angeboten wird. Immer wieder begegnet man den “Girl-Scouts” an Supermarktausgängen und Tankstellen, den kleinen Verkaufsagentinnen, kaum eine älter als 10, die mit ihrem süßen Zahnlückenlächeln dem vorbeilaufenden potenziellen Spender gar keine andere Wahl lassen sollen, als die angebotenen Produkte zu kaufen. Fast professionell antrainiert hört es sich an, wenn die kleinen Mädchen mit einem „würden Sie doch bitte für einen guten Zweck helfen?” dem Kunden das Vorbeilaufen schwer machen. So erzielen die „Girl-Scouts“ Jahr für Jahr hohe Summen mit Cookies, Donuts und allen anderen möglichen Leckereien.
Auch ich selbst bin in diesem Jahr zum Verkaufsagent geworden, der durch den Verkauf von Gebäck und anderem Spenden gesammelt hat. Allerdings nicht für die Veteranen, sondern für den Chor unserer Schule, in dem ich selbst stolzes Mitglied bin. Im Oktober verkaufen wir Käsekuchen und Cookie-Teig, im Dezember Tickets zu einem unserer Benefiz-Konzerte und im Mai sammeln wir nochmal ordentlich mit einer eigens produzierten Talent-Show, u.a mit Marcel dem Pianisten, im Auditorium der Schule, zu der über 100 Besucher kommen. Insgesamt nehmen wir in diesem Jahr fast 5000$ ein, eine stattliche Summe, die auch Kindern aus finanzschwächeren Familien die teure Teilnahme am Washington-Trip des Chores ermöglicht. Stolz blicken wir nun zurück, und sind froh, dass alle dieses einmalige Erlebnis miterleben konnten.
Durch den Erwerb von T-Shirts wie diesem lassen sich politische Kampagnen unterstützen
Doch nicht nur Wohltätigkeitsorganisationen setzen auf das bewährte Prinzip des „Geben und Nehmens“, sondern auch die amerikanischen Politiker versuchen im Wahlkampf, durch den Verkauf von Fan-Utensilien Geld zu sammeln. Wer also 30$ für Obamas Kampagne spendet, erhält im Gegenzug ein schönes T-Shirt und darf durch dessen Tragen weiter Werbung machen – ein Gewinn für beide Seiten. Denn nur durch die geringfügigen, aber häufigen Spenden des kleinen Mannes kann Obama seinen extravagant teuren Wahlkampf finanzieren; über 1 Milliarde! Dollar gaben er und sein Vize Joe Biden im letzten Wahlkampf 2008 aus.
Und so genieße ich weiter meine Donuts, und seien wir doch mal ehrlich: Wenn man beim Essen auch noch etwas für den guten Zweck tut, schmeckt‘s noch viel besser.
„Die Ehe ist eine religiöse Verbindung zwischen Mann und Frau, so steht es in der Bibel“, argumentiert in diesen Tagen ein Mädchen an unseren „Lunch-Tisch“, während andere ihr mit der Forderung nach gleichem Recht und Freiheit für alle widersprechen. Es ist eines der wenigen Male, dass sich amerikanische Jugendliche aus meinem Umfeld so emotional mit aktueller Politik beschäftigen. Denn diesmal geht es nicht um Börsenregulierungen, Senatsbeschlüsse oder andere Belange im fernen Washington, nein, es geht um die Freiheit eines jeden „North Caroliners“, dessen persönliche Partnerschaftsrechte die konservativen Republikaner massiv beschneiden möchten.
Noch gar nicht so lange ist es her, um genau zu sein vor 5 Monaten, da durften jene unter Euch, die in Baden-Württemberg leben und über 18 sind, über das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 abstimmen. Das Volksbegehren zum Ausstieg des Landes aus dem Projekt scheiterte, und so wird heute einfach weiter gebaut. Heute, 5 Monate und einen Ozean weiter, sind die Bürger von North Carolina, meinem Heimatstaat, aufgerufen, über das umstrittene „Amendment One“ abzustimmen. Und damit über mehr als einen Bahnhof und ein paar Tunnels: „Amendment One“, so heißt die angestrebte Verfassungsänderung der Republikaner des Landes würde die Rechte homosexueller, aber auch unverheirateter Paare enorm einschränken. Geht es nach der konservativen „Tea-Party“ – Bewegung, soll „die Heirat zwischen Mann und Frau“ bald die einzig rechtlich anerkannte Partnerschaftsform in North Carolina sein – mit verheerenden Folgen für gleichgeschlechtliche und für heterosexuelle Paare. Kinder unverheirateter Eltern würden bei der Krankenversicherung enorme Nachteile erleiden, ein jahrelanger Partner hätte im Notfall kein Mitspracherecht mehr über die ärztliche Behandlung des unverheirateten Lebensgefährten, und schwule Paare dürften immer noch nicht heiraten – mit dem Unterschied, dass eine solche Ehe nun auch verfassungswidrig wäre.
Wenn die Einwohner von North Carolina diesen Dienstag zum Gang in die Wahllokale aufgerufen sind, steht das Senatsgesetz 514, kurz „Amendment One“ zur Abstimmung. Die Republikaner, seit 2010 zum ersten Mal seit über 100 Jahren mit einer Mehrheit im Landesparlament von North Carolina, haben das Gesetz mit ihrer Mehrheit bereits verabschiedet, nun bedarf es noch der Zustimmung der Bürger, da es sich um eine einschneidende Verfassungsänderung handelt. Sollten 50.1% der Wähler für die Änderung der Landesverfassung abstimmen, wäre die Ehe zwischen Mann und Frau als einzig anerkannte Lebensform für die Ewigkeit in der Verfassung definiert – für die Gleichstellungsbewegung der USA ein herber Schlag ins Gesicht.
Im harten Wahlkampf der vergangenen Wochen haben sich leider auch viele Kirchen instrumentalisieren lassen, um gegen Homosexuelle zu hetzen: „Wenn Dein Sohn auf den falschen Weg gerät“, fordert der Baptistenpfarrer Sean Harris aus Hayettesville in seiner Predigt, „ dann hol ihn runter vom falschen Weg, und hau ihm eine rein. Verpass ihm einen schönen Schlag ins Gesicht!“. Gottes Liebe und „jeder Mensch ist gleich“, das interessiert den Pfarrer gerade nicht, nein, er fordert lieber zur Gewalt an den eigenen Kindern auf, sollten diese „auf den falschen Weg geraten“. Auch vor den Wahllokalen lauern die christlichen Fundamentalisten, um den Wählern vor dem Gang an die Urne noch einmal klar zu machen, was bei der falschen Wahlentscheidung droht: „Sie haben mir gesagt, wenn ich gegen die Änderung stimme, komme ich in die Hölle“, berichtet eine Wählerin bestürzt.
Aber nicht nur in North Carolina, sondern in ganz Amerika, kommt es im Zuge der religiösen Fundamentalisierung und auf Initiative der konservativen Tea-Party Bewegung immer wieder zu Anfeindungen gegen Homosexuelle. Vielerorts werden Besucher von Schwulenbars Opfer gewalttätiger Übergriffe und im Jahr 2010 nahmen sich in nur 4 Wochen 10 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren das Leben, nachdem Sie Opfer von Mobbing und Anfeindungen wegen Ihre sexuellen Orientierung geworden waren. Offen fordern Tea-Party Politiker immer wieder, schwulen Lehrern und Lehrerinnen das Unterrichten verbieten, da sie „unmoralisch und eine Schande“ seien.
Präsident Obama, Hoffnungsträger der amerikanischen „Gay-Szene“, versucht diesem anhaltenden Negativtrend so gut es geht entgegenzuwirken. Im vergangenen Jahr schaffte er endlich die jahrzehntelange Diskriminierungspolitik von „Don’t ask, don’t tell“ beim amerikanischen Militär ab. Homosexuelle dürfen nun offen und legal ihrem Land dienen, nachdem in den vergangenen 17 Jahren noch 14.000 Soldaten wegen Homosexualität entlassen und Tausende mehr zum Schweigen oder Lügen gezwungen wurden.
Während ich gerade diesen Artikel schreibe, klingelt das Telefon: Es ist Bill Clinton, der in einer aufgezeichneten Telefonbotschaft an die Wähler appelliert. „Bitte geht wählen und stimmt für Freiheit und Gleichberechtigung, lasst Euch nicht von dem ganzen Gehetze beeinflussen!“, so ruft er die Einwohner North Carolinas zur Wahl auf. Nicht alle Tage wird man vom ehemaligen Präsidenten angerufen, denke ich mir.
An unserem Mittagstisch geht die Diskussion unterdessen munter weiter. Eine 18-Jährige konnten ein Freund und ich bereits überzeugen, am Dienstag zur Wahl zu gehen und abzustimmen. Eng wird es allemal: Aktuelle Umfragen sehen sowohl Befürworter als auch Gegner beinahe gleich auf bei 50%. Für die North Caroliner heißt es jetzt einfach abwarten und hoffen – hoffen auf die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger – bei der alles entscheidenden Abstimmung.
„Mama, krieg ich Nutella“ und „ich will Nutella“ auf der einen, – „nein, viel zu ungesund“ und „das gibt’s nur im Urlaub oder am Wochenende“ auf der anderen Seite. Seit Jahren führen deutsche Eltern diesen Kampf für ein gesundes Frühstück mit ihren Kindern, denn die zuckrige Nuss-Nougat Creme, so gut sie auch schmeckt, ist beim besten Willen komplett ungeeignet für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Und selbst wer nicht in den Genuss solch fürsorglicher Eltern kommt, dem sollte spätestens der gesunde Menschenverstand sagen: Zucker, Schokolade und Nougat, das kann nicht gesund sein.
Für manche kommt diese Einsicht jedoch erst sehr spät: Athena Hohenburg, Mutter aus San Diego, Kalifornien, hat jahrelang an Nutella als gesunden Brotaufstrich geglaubt. „Nutella – für ein besseres und gesünderes Frühstück“, das habe ja sogar auf dem Glas gestanden. Erst Jahre später dann der Schock: „Ich war komplett schockiert, als ich gehört habe, dass Nutella gar nicht gesund sein soll“, meint Hohenburg, „Ferrero ist daran schuld, dass meine Tochter (4) zu dick ist!“. Zusammen mit Eltern anderer übergewichtiger Kinder, die jahrelang „Opfer“ der Nutella-Lüge wurden, ist sie nun vor Gericht gezogen – mit Erfolg: knapp 3 Millionen Dollar Schadensersatz muss Nutella seinen Kunden zahlen, knapp 4 Dollar pro in den letzten 3 Jahren gekauftem Glas. Wer jetzt allerdings den großen Gewinn wittert, der wird enttäuscht – denn 20 gibt es maximal, dann ist Schluss.
Jeder, der in den letzten Jahren nachweislich Nutella gekauft und gegessen hat, kann in den USA ab dem 5. Juli bis zu 20 Dollar einfordern – bei massivem Übergewicht der eigenen Tochter allerdings nur ein schwacher Trost. Deutlich besser erwischt haben es in der Vergangenheit schon andere Kläger wie in etwa die 80-jährige Stella Liebeck, die sich im Jahre 1992 an einem verschütteten Kaffee die Haut verbrannte und darauf millionenschweren Schadensersatz von McDonalds zugesprochen bekam. Neben dem Strafersatzgeld von 2,7 Millionen Dollar erhielt sie außerdem 200.000 Dollar Schmerzensgeld, das allerdings aufgrund ihres auf 20% taxierten Eigenverschuldens auf 160.000 reduziert wurde. Von 2002 bis 2007 vergab danach der Comedian Randy Cassingham jährlich den so genannten „True Stella Award“ für die kurioseste Zivilklage.
True Stella Award 2002-2007 (Quelle: wikipedia)
2002: Angehörige, die ihre Mutter zur Notoperation brachten, verklagten die Ärzte wegen des emotionalen Stresses, den sie dadurch erlitten.
2003: Die Stadt Madera verklagte den Hersteller eines Tasers (Elektroschock-Pistole) auf Übernahme der Schadensersatzforderung, nachdem ein angestellter Polizist seine Dienstpistole mit dem Taser verwechselte und deshalb einen Festgenommenen erschoss.
2004: Eine Frau verklagte den Autohersteller Mazda nach einem Unfall, weil dieser unzureichende Anweisungen zum Gebrauch des Sicherheitsgurtes gemacht habe.
2005: Ein Mann verklagte David Blaine und David Copperfield auf Gewinnbeteiligung, da sie ihre „göttlichen Kräfte“ von ihm (er bezeichnete sich selbst als Gott) stehlen würden.
2006: Ein Mann verklagte Michael Jordan und das Unternehmen Nike auf 832 Millionen Dollar für den seelischen Schaden, den er durch wiederholte Verwechslung mit dem Basketballstar erlitten habe.
2007: Ein Anwalt verklagte eine Trockenreinigungsfirma wegen des Verlustes einer Hose auf über 65 Millionen Dollar für erlittene seelische Schäden.
Noch ungläubiger schaue ich dann, als ich auf der Website einer kalifornischen Lokalzeitung diese Umfrage entdecke. Sage und schreibe mehr als 25% der Amerikaner geben darin offen zu, daran geglaubt zu haben, dass Nutella wirklich gesund sei. 2/3 wussten, woran sie waren, und 8% haben Nutella noch nie probiert. Wie die Umfrage zeigt, ist der Fall der ,,Nutella-Lüge” ist keineswegs nur die Angelegenheit einer einzelnen Mutter, auch Naivität spielt, seien wir doch mal ehrlich, eine große Rolle. Oder hat denn irgendeiner unter Euch jemals Nutella als gesundes ,,Health-Produkt” gegessen? Wohl kaum, und genau diese Naivität mancher Amerikaner hat Ferrero genutzt, um mit dem ,,gesunden Brotaufstrich” zu werben. Wenn jeder vierte Amerikaner schon an die gesunde Wirkung einer zuckrigen Schoko-Nougat-Creme glaubt, dann sagt das doch schon alles.
Auch in den USA werden im Zuge des „Nutella-Prozesses“ kritische Stimmen an den Eltern laut. In einem offenen Brief fordert die amerikanische Publizistin Rebecca Stropoli Eltern auf, verantwortungsvoll auf die Ernährung ihrer Kinder zu achten. „Es sollte doch hinlänglich bekannt sein, dass Schokolade und Zucker nicht so gesund sein können wie Brokkoli“, schreibt sie der Mutter des 4-jährigen „Nutella-Opfers“.
Ferrero selbst will nun die Etiketten der Nutella-Gläser verändern, doch noch immer wirbt das Unternehmen auf seiner USA-Website mit dem Image des gesunden Brotaufstrichs. Vollkornbrot, Milch und Obst stehen hier direkt neben der legendären Nuss-Nougat Creme. Und so wird es wohl auch in Zukunft Eltern geben wie Athena Hohenburg, die an ein gesundes Frühstück mit Nutella glauben. „Gar keine Anhaltspunkte auf die ungesunden Auswirkungen“ habe diese gehabt, bis sie zufällig vom hohen Fett- und Zuckergehalt las. Jetzt ist sie schockiert, dass Nutella seine ungesunde Wirkung einfach so verschweigen konnte.
Ich selbst könnte unterdessen den Vorteil nutzen, dass meine Eltern 8000km entfernt in Deutschland sitzen, und so viel Nutella essen wie ich will. Ich könnte auf meinen Verstand hören und die Zuckerbombe komplett weglassen. Aber viel lieber esse ich noch ein wenig Nutella, und vielleicht winkt dann auch für mich in ein paar Jahren ein schöner Schadensersatz. Denn in den USA, das weiß ich spätestens seit heute, ist wirklich gar nichts unmöglich.
Der Trend zum E-Book, zum elektronischen Lesen, kommt aus den USA. Der dort ansässige Online-Buchhändler Amazon hat den Vertrieb eigener Lesegeräte und den dazugehörigen Inhalten in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben. Die Lesegeräte, die E-Book-Reader von Amazon, hören auf den niedlichen Namen „Kindle“ und von diesen Readern gibt es mittlerweile ein halbes Dutzend verschiedener Modelle. Die anderen Anbieter mussten nachziehen und wollten den Markt nicht Amazon allein überlassen.
Für unseren USA-Blogger, der in Hickory in North Carolina zur Schule geht, gehört das elektronische Lesen zum Alltag – nicht nur an der Schule, sondern auch in der Freizeit.
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An einem warmen Ferientag sitze ich am Sandstrand der Atlantikküste und genieße die Sonne und das Wellenrauschen im Liegestuhl. Neben mir höre ich das Lachen unserer Reisegefährtin und Literaturfanatikerin. Worüber sie wohl lacht, frage ich mich, und drehe den Kopf. Aha, es ist wieder ihr neuer E-Book-Reader, der sie überall hin begleitet. Sie liest und liest, doch der Roman, der sonst 500 Seiten dick wäre, ist hier nur wenige Gramm leicht.
O-Ton amerikanische E-Book Leserin: „I have a kindle, it’s the Amazon Kindle. It’s a pretty cool thing, I really like it because it saves a lot of trees and a lot of paper. It’s really easy to use and especially convenient while traveling.” (Ich habe das Amazon Kindle. Es ist ziemlich nützlich, und es rettet Bäume und spart Papier. Außerdem ist die Bedienung einfach und es ist praktisch beim Reisen.)
Während sich das Geschäft mit der elektronischen Tinte in Europa noch in der Startphase befindet, haben sich E-Books in den USA schon seit langem durchgesetzt – wie auch neueste Studien eindrücklich belegen.
In Deutschland wussten bis vor kurzem noch fast 50% der Befragten nicht einmal, was ein E-Book genau ist, derweil haben fast 43%, also fast die Hälfte der lesenden Amerikaner, im vergangenen Jahr ein Buch oder eine Zeitschrift als E-Book gelesen. Beim Onlinehändler amazon.com haben die E-Book-Verkäufe erstmals die Zahl der gedruckten Bücher überholt. Auch die Verbreitung der benötigten Geräte selbst, der sogenannten E-Book-Reader, ist in den letzten zwölf Monaten um satte 250 % in die Höhe geschossen. Fast 100 Millionen Amerikaner besitzen heute schon ein Kindle oder Tablet.
Diese sind wiederum in allen Altersgruppen vertreten: Denn besonders für uns Schüler bietet der Umstieg aufs E-Book viele Vorteile. So sind in den USA Literaturklassiker, die im Englischunterricht behandelt werden, frei im Netz verfügbar. Während deutsche Schüler noch Jahr für Jahr die bekannten gelben Reklamheftchen kaufen müssen, kann sich der Amerikaner seine Unterrichtslektüre umsonst aufs E-Book laden.
Auch sonst bieten die modernen Modelle wie das neue Amazon Kindle Fire mit Touchscreen, das diese Woche auf den deutschen Markt kommt, viele nützliche Funktionen: Neben der praktischen Handhabung und der riesigen Auswahl gibt es etwa eine Volltextsuche, mit deren Hilfe man in einem E-Book nach bestimmten Wörtern oder Sätzen suchen kann. Vor allem beim Lernen oder der Recherche kann dies viel Zeit und lästiges Blättern sparen.
Der deutsche E-Book-Markt boomt derweil noch lange nicht so wie in den USA. 80% der Deutschen vertrauen weiterhin ausschließlich auf gedruckte Bücher, nur 2% nutzen hauptsächlich E-Books. In Amerika schauen die Verlage deshalb längst auf neue Märkte wie Indien oder Brasilien. Denn während die Mehrheit der Deutschen auch in Zukunft nicht aufs E-Book umsteigen will, sind es in jenen Schwellenländern fast 2/3 der Bevölkerung, die sich das digitale Lesen gut vorstellen können.
=> HIER gibt es das gesamte SWR.info Medienmagazin noch mal zum nachhören und nachlesen.
Liebe Leserinnen und Leser,
heute dürft Ihr einfach mal zu Zuschauerinnen und Zuschauern werden, denn Barack Obamas Wahlkampfauftakt inklusive spektakulärem Hollywoodfilm habe ich Euch einfach mal in einem kleinen Video zusammengefasst. Am Sonntag um 10.03, 13.32 und nochmal um 18.32 bin ich dann auch wieder im SWR.info Medienmagazin im Radio zu hören. Hört rein auf SWR.info!
Viel Spaß
Euer Marcel
Es hört sich an wie ein Bett ohne Decke, wie Pommes ohne Ketchup, wie Fußball ohne Tore: ein Klo ohne Spülung. In den USA soll aber genau das nun dazu beitragen, Wasser und damit wertvolle Energie zu sparen. Denn noch immer sind die USA weltweit Energieverschwender Nummer 1, und sind damit China oder Russland um Längen voraus.
Als ich nach der Verkostung 86 verschiedener Limonadensorten aus aller Welt im Coca-Cola Museum der Millionenmetropole Atlanta meine Blase entleeren möchte, traue ich zuerst meinen Augen kaum. Nach mehreren Monaten Aufenthalt in den Vereinigten Staaten erblicke ich hier eine der ersten Energiesparmaßnahmen – und was für eine! Anstatt bei dem horrenden Verbrauch amerikanischer Spritschleudern oder bei der Energieeffizienz von Gebäuden anzufangen, wird hier kurzer Hand das Wasser auf der Toilette gestrichen – ein interessanter Ansatz, der sich leider besser anhört, als er in der Praxis riecht. Dennoch werden dadurch angeblich 300.000 Gallonen, also über 1 Million Liter Wasser pro Jahr eingespart. Da lässt es sich auch einmal über den beißenden Geruch hinwegsehen, den diese Wasserlosigkeit zweifelsohne mit sich bringt.
In der Tat haben die Amerikaner das Energiesparen mehr als bitter nötig. Noch immer liegen sie vor den vermeintlich „Bösen“ wie China und Russland auf Platz 1 der Energieverschwender-Tabelle; 300 Millionen Amerikaner, die nicht einmal 5% der weltweiten Bevölkerung ausmachen sind gleichzeitig für 25% des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Während Sprit- und Energieverbrauch in den USA an der Spitze des Weltniveaus liegen, kostet Benzin nicht einmal ein Drittel vom europäischen Preis, Strom inklusive der Steuervorteile oft weniger als ein Sechstel.
Die typisch amerikanischen Holz- oder Leichtsteinhäuser sind zudem schlecht isoliert und im Garten bleibt auch mal gerne der Whirlpool dauerhaft eingeschaltet – beheizt auf 38.8°, 24h am Tag, 7 Tage die Woche, Sommer wie Winter. Im Zuge meiner Energierecherchen für diesen Artikel habe ich die Stromrechnungen meiner deutschen Familie und der amerikanischen Gastfamilie verglichen, sowohl den Verbrauch in kWh als auch in Bezug auf den Preis. Das Ergebnis kommt nicht unerwartet und ist doch überraschend. Während das deutsche 6-Personen Haus nicht einmal 1/6 des amerikanischen 2-Personenhaushalts verbraucht, liegen beide bei den Kosten exakt gleichauf. Während wir hier in Amerika also pro Person 18 Mal so viel Strom verbrauchen, bleibt der Preis dennoch günstig – niedrigen Energiekosten und Steuergeschenken sei Dank.
Dass jene Energie so günstig ist, hat aber auch andere Gründe: Die noch immer preiswerteste Form der Energiegewinnung ist die Kohlekraft, die aber gleichzeitig riesige CO2- und Abgasschleuder ist, Mitverursacherin und Auslöserin für den weltweiten Klimawandel, deren Leugnung noch immer die Lieblingsbeschäftigung vieler Republikaner ist. Tea-Party Anhänger wie der ehemalige Präsidentschaftsbewerber und Gouverneur von Texas Rick Perry fordern munter den Bau neuer Kohlekraftwerke zum Zweck der Jobgewinnung, Ron Paul will die einzig regulierende Instanz, die amerikanische Umweltbehörde EPA gleich ganz abschaffen. Für all das, was den wirtschaftsliberalen Rechten Amerikas zuwider ist, wird diese verantwortlich gemacht: Steigende Energiepreise, Überregulierung, Arbeitslosigkeit und Geldverschwendung – kaum ein Problem, das nicht der Umweltbehörde in die Schuhe geschoben wird. Wenn es nach den Republikanern geht, soll die EPA künftig keine giftigen Emissionen mehr regulieren dürfen. Außerdem wollen sie ihr die Wasserschutzhoheit und das Recht auf Klimagasregulierung entziehen. Nicht einmal dem Uranabbau direkt am Grand Canyon soll in Zukunft noch etwas im Wege stehen. Um diese Vorhaben voranzutreiben, streicht die Kongressmehrheit der Republikaner fröhlich weiter Klimaschutzgelder, Ökoförderungen und andere wichtige ökologische Subventionen.
Doch nicht nur bei der grünen Energieerzeugung, sondern auch beim Stromsparen steht den USA noch ein langer, steiniger Weg bevor. Immer und überall laufen die bekannten Klimaanlagen, Schulgebäude werden ohne Not auf 16° heruntergekühlt. Allein 20 Milliarden Dollar! zahlt die US-Armee jährlich für die Klimatisierung ihrer Soldaten in Afghanistan. Wenn man „nur“ wenige Stunden außer Haus ist, bleibt da schon gerne mal der Fernseher an, genau wie der Computer. Und die Praxis des Ausschaltens des Stand-By Modus, wie es mir mein Vater seit jüngster Grundschulzeit predigt, ist in Amerika nicht einmal bekannt. Sie ist eben doch wahr, die Aussage von Obamas Energieminister, die ihn fast seinen Job gekostet hätte: „Die Menschen fangen erst an, Energie zu sparen, wenn es Ihnen auch im Geldbeutel wehtut“, sagte er und schob gleichzeitig die Forderung zur Verdreifachung der Benzinpreise und Anhebung auf europäisches Niveau hinterher. Empört waren die Reaktionen der Energienation USA, laut hallten die Aufschreie quer durchs Land. Newt Gingrich, konservatives Gegenstück zu Obama, nahm die Empörungswelle lieber zum Anlass, nach dem alten „Brot und Spiele“- Motto römischer Diktatoren einen Literpreis von unter 50 Cent zu versprechen.
In Wirklichkeit hat besagter Energieminister genau Recht, denn bevor die Strompreise markant steigen, wird sich hier keiner zur Sparsamkeit verpflichten. 54%, das ist über die Hälfte der hergestellten amerikanischen Energie, werden aufgrund mangelnder Isolierung oder schlechter Effizienz ungenutzt verschwendet, während Öl, Kohle und Gas noch immer die drei wichtigsten Energiequellen sind und bleiben. Obama hat zwar kürzlich angekündigt, amerikanische Autos bis 2025 energieeffizienter zu machen, doch ein solch wagemutiges Versprechen muss auch er erst einmal einhalten können. Amerika muss endlich verstehen, dass es ein neues Energiekonzept braucht, das sowohl sparsamer als auch effizienter ist. Denn der Verlust des Status der Weltmacht Nummer 1 liegt nicht zuletzt an der immer größer werdenden Abhängigkeit von ausländischem Öl. Die Frage ist nur, wie dies der amerikanische Verbraucher einsehen und sein Verhalten danach ausrichten soll?
Ich gönne mir unterdessen dann doch ein schlechtes Gewissen – und spüle auf dem Klo.
Eigentlich stand es schon lange fest, und doch kommt es überraschend: Rick Santorum, einzig verbliebener ernsthafter Gegner von Mitt Romney, scheidet freiwillig aus dem Rennen um die republikanische Nominierung aus und überlässt seinem ärgsten Konkurrenten Romney kampflos das Parkett – und das nicht ohne Eigennutz. Schon in 4 Jahren könnte Santorum zurückkehren und wie Romney zweimal hintereinander kandidieren.
Nun kommt es im November also zum großen Duell, das sowieso schon alle vorausgesagt haben: Mitt Romney (65) gegen Barack Obama (50). Obama gegen Romney, das ist der Kampf zwischen Amtsinhaber und Herausforderer, Demokrat gegen Republikaner, liberal gegen konservativ. Es ist ein Duell voller Spektakel, schwarz gegen weiß, der Ex-Senator aus Illinois gegen den Gouverneur aus Massachusetts. Beide liegen in Umfragen ungefähr gleichauf und so könnten es am Ende Kleinigkeiten sein, die die Wahl entscheiden. Frauen zum Beispiel. Und hispanische Einwanderer. Oder wie so oft mal wieder die Jugend.
Genau jene drei Gruppen, die Romney im Vorwahlkampf unfreiwillig eher vergraulen als anziehen hatte müssen. Ein Verbot der Anti-Babypille, Massenabschiebungen im Süden des Landes und Kürzungen im Bildungshaushalt forderte der einst moderate Romney, um bei den konservativen Wählern mithalten zu können gegen Rick Santorum, den erzkonservativen Gegenspieler. Der heutige Romney ist ein neuer, anderer und rechterer Romney. Er hat sich unter dem Druck Santorums in die rechte Ecke der amerikanischen Politiklandschaft drängen lassen; eine Ecke, aus der er nun schwer wieder herauskommen wird. Denn Obamas Wahlkampfprofis haben in den letzten Monaten jede Bewegung, jeden Satz Romneys genau analysiert und sind deshalb topvorbereitet auf den harten Wahlkampf der nächsten Monate.
Nicht nur für die Medien in aller Welt, die Kandidaten selbst und die Wähler in den USA waren es anstrengende, unterhaltsame und kuriose Monate. Auch ich habe die Geschehnisse stets verfolgt und analysiert. Verstärkt durch das politische Engagement meines Gastvaters waren die Vorwahlen und der Wahlkampf fast täglich eines der Hauptthemen. Wenn dieser Blog nun Tagesschau.de, Spiegel Online oder eine andere Nachrichtenseite wäre, stünde an dieser Stelle wohl ein detailgetreuer Rückblick auf die Fakten und Geschehnisse der vergangenen Monate, gefolgt von Umfragen und einer Zukunftsprognose. Ihr würdet erfahren, wie die Republikaner alle paar Tage einen neuen „Frontrunner“ erkoren und wie diese alle der Reihe nach scheiterten. Es würde erinnert werden, wie Romney mit seinen noch konservativen Gegenspielern zu kämpfen hatte und wie sehr er von seinem eigenen moderaten Kurs abkommen musste.
Auch ich könnte jetzt an dieser Stelle über endlose Kandidatenschlachten und Debatten, über Umfragen und Prognosen schreiben. Ich könnte den Wahlkampf zusammenfassen und noch einmal Revue passieren lassen. Ich könnte all das nochmal schreiben, und für viele von euch wäre sicher auch viel Neues dabei. Doch genauso gut könnt ihr einfach auf irgendeine Nachrichtenseite gehen und Euch alle Fakten und Details nochmal in Ruhe durchlesen. Dazu braucht es keinen Blog.
Was ich im Folgenden vielmehr versuchen werde, ist, die vergangenen Monate einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten – aus einer Perspektive, die nicht in den deutschen Nachrichtensendungen und Tageszeitungen vertreten ist: Meine eigene, die eines deutschen Austauschschülers in den USA des Jahres 2012.
„Jungen und Mädchen dürfen im Bus nicht nebeneinander sitzen!“, so lautet die klare Regel, „und nachts kleben wir Eure Türen mit Siegeln ab, so dass Ihr nicht mehr raus könnt!“. Wir befinden uns nicht etwa im fundamentalistischen Iran noch in einem anderen streng muslimischen Land , sondern in den Vereinigten Staaten von Amerika im 21. Jahrhundert. Und wir sind keine Schwerverbrecher oder Kriminelle, sondern eine ganz gewöhnliche Schulklasse auf ihrem dreitägigen Ausflug in die Hauptstadt Washington D.C.
„Mit brennender Sorge“, so heißt eine Enzyklika von Papst Pius gegen den deutschen Nationalsozialismus aus dem Jahr 1937. Genauso gut beschreibt diese Formulierung allerdings auch die Stimmung der amerikanischen Eltern auf dem Elternabend vor unserem Washington-Trip. „Wird auch sichergestellt, dass Jungen und Mädchen im Bus nicht nebeneinander sitzen?“ fragt eine besorgte Mutter und wird zugleich von der Lehrerin beruhigt: „Natürlich würden die Geschlechter im Bus getrennt sitzen”, das sei ja selbstverständlich, denn „immerhin ist ein Reisebus ja lang und Schüler könnten verbotene Handlungen mit Decken verbergen.“ „O M G! – Oh My God“, denke ich mir – „Welcome to America“, geht es hier aber prüde zu!
Während ich noch völlig verwirrt und belustigt im Hintergrund sitze, geht es mit den Fragen auch schon weiter: Wie denn überwacht werde, dass die Badebekleidung im Hotelpool nicht zu knapp und anzüglich ausfällt, will eine andere Mutter frei nach dem Motto „Oh say, can you see?“, der ersten Zeile der US-Hymne, wissen. Sie hört sich dabei an, als ob sie gerade ihr dreimonatiges Baby für immer abgeben müsste und nicht, als ob die 17-jährige Tochter für drei Tage auf Klassenfahrt ginge. Ratlos schaue ich meine amerikanischen Freunde, die neben mir sitzen, an. Doch zu meiner Verwunderung empfinden jene das Spektakel gar nicht als ungewöhnlich, sondern nehmen es gelangweilt hin – mit anderen Worten: sie sind es gewohnt. Dies ist sicher nicht ihre erste Erfahrung mit einer Gesellschaft von Eltern, für die “Liberals” nichts anderes als Hippies und Sozialisten sind.
Solch ein vermeintlich Liberaler findet sich dann doch noch unter der überwältigenden Menge der Panik-Eltern, und zugleich begeht er einen Fehler, den er später noch bitter bereuen sollte. „Wie sollen die armen Kids denn ohne Alkohol und Drogen Spaß haben?“, fragt er scherzhaft, als die Betreuer gerade das strenge „Alkohol und Drogen Null-Toleranz“ –Programm vorstellen. Während die Schüler lachen und jubeln, verfinstern sich mit einem Schlag die Gesichter der übrigen 30 Erwachsenen. Mit böser Miene schauen sie den „Verräter“ an und werden ihm an dem besagten Abend auch nicht mehr verzeihen. Nachdem die Frage von der Lehrerin komplett übergangen wird, ignoriert man ihn auch später bei der gemeinsamen Diskussionsrunde. Dabei hatte der einfache und freundliche Familienvater ja nur einen Spaß machen wollen, um die angespannte Stimmung ein wenig aufzuheitern, was ihm bekanntlich gewaltig misslungen ist. Zumindest wir Jugendliche halten zu ihm und haben Mitleid.
Ein paar Tage später sollte es dann auch endlich wirklich losgehen. Noch halb verschlafen kommen wir morgens um 7.00 an der Schule an, wo wir erst einmal in den Chorraum beordert werden. Persönliche Gegenstände sind auf einem zugewiesenen Stuhl auszubreiten, während die Koffer nach Drogen durchsucht werden. Der Test fällt – zum Glück – für alle Schüler negativ aus und so kann es endlich losgehen auf die 7 Stunden lange Fahrt; auf nach Jungs und Mädchen getrennten Sitzreihen natürlich, nicht zu vergessen.
In Washington angekommen ist es auch schon bald Schlafenszeit, und so werden wir auf unsere Zimmer geschickt, mit dem freundlichen Hinweis diese unter gar keinen Umständen mehr zu verlassen. Von außen werden unsere Türen mit einem “Siegel” zugeklebt, so dass man den Raum unbemerkt nicht mehr verlassen kann. Widerstand ist zwecklos; wenn wir doch einmal aus dem Zimmer wollen, zur Toilette zum Beispiel, müssen wir eine Betreuungsperson anrufen, die dann das in jeder Nacht andersfarbige Siegel von außen entfernt. Für diejenigen, die immer noch mit einem nächtlichen Ausflug liebäugeln, gibt es gleich noch die Warnung hinterher, dass im vergangenen Jahr zwei Schüler für das Brechen des Siegels von der Schule verwiesen wurden. Damals hatte man einen zerrissenen Tesastreifen entdeckt und darauf die Polizei und die Hotelsecurity eingeschaltet. Diese sah sich sogleich die Überwachungsvideos des Hotelflurs an, auf denen die zwei „Ausbrecher“ auch deutlich zu identifizieren waren – wie sie sich am Getränkeautomaten eine Cola holten. Den Schulverweis gab es dennoch, schließlich wurde auf illegale Art und Weise das Zimmer verlassen.
Soviel jedenfalls zur Praxis. Als vergleichsweise eher liberal aufgewachsener Europäer fragt man sich da natürlich, wie es dazu kommt, dass eine ganze Generation, ja ein ganzes Land sich so prüde und konservativ verhält. Dazu muss man fairerweise auch sagen, dass es überall da, wo es ein Extrem gibt, meist auch ein Gegenextrem existiert, das dann im Chaos von unvorstellbarem Ausmaß endet. Dies erkläre ich Euch am besten am Beispiel zweier Filmbeiträge der Fernsehkollegen vom NDR bzw. WDR. Im ersten Film besucht „Weltbilder“-Reporter Dennis Gastmann eine so genannte „Keuschheitspredigt“, bei der hunderten von jungen Teenagern sexuelle Abstinenz gepredigt, ja sogar vorgeschrieben wird. Von konservativen Kräften unterstützt warnen diese so genannten „Prediger“ vor der bösen Gefahr, die in der Sexualität lauert.
Auf der Veranstaltung selbst finden die Prediger zwar teilweise große Zustimmung, doch langfristig scheinen weder eine solche Panikmache noch getrennte Bussitze etwas zu bewirken. Die USA haben noch immer die mit Abstand höchste Geburtenrate unter Teenager-Eltern, und das mit gewaltigem Vorsprung vor allen anderen Industrienationen der Welt. Von 1000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, werden in Amerika sage und schreibe 55! ungewollt schwanger, das ist nicht weniger als jedes 20. junge Mädchen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es gerade einmal 16/1000, also nicht einmal ein Drittel der Anzahl der schwangeren US – Teenager. An meiner High-School sind schwangere Mädchen keine Seltenheit, immer wieder sieht man auf dem Gang eine Schülerin mit Kugelbauch. Und auch für die Zeit nach der Geburt ist vorgesorgt: Nicht nur eine Ganztagesbetreuung für Schüler-Kinder gibt es an der Hickory High School, sondern sogar einen Spielplatz mit Rutsche und Klettergerüst ist direkt neben dem Fußballplatz errichtet worden.
Doch wo liegt das Problem? Mangelnde Kontrolle und Fürsorge kann man den amerikanischen Eltern beim besten Willen nicht vorwerfen. Ohne Wirkung der Kontrollmechanismen existieren exzessive Partys und Feten, die von unzähligen Teenagern jetzt zur „Springbreak“-Zeit gefeiert werden. Was sich dabei zeigt, ist, dass die jungen Menschen gerade durch die strikten Verbote vielfach ihr Limit einfach nicht mehr kennen oder einschätzen können. Dieser Vermutung ist Udo Lielischkies vom Weltspiegel in seiner Reportage „Urlaub vom prüden Amerika“ nachgegangen. Diese zeigt die Partyzeit des typischen amerikanischen Studenten, der einmal im Jahr alle Tabus hinter sich lässt und bis zum Abwinken durchfeiert.
Hier gehts zur ARD-Mediathek zum ,,Weltspiegel”-Beitrag ,,Urlaub vom prüden Amerika”
Es sind zwei Filme, zwei Klischees, zwei Philosophien von Amerika. Doch erst der Vergleich der beiden erstaunlichen Events zeigt, was für ein vielfältiges und variationsreiches Land die Vereinigten Staaten von Amerika in Wirklichkeit sind. Auf der einen Seite die prüden Moralwächter, auf der anderen die exzessiven Dauerpartymacher, denen eine Regel schon eine zu viel ist. Ich habe in meiner Zeit in Hickory beide Positionen kennen und schätzen gelernt. Denn nicht zuletzt sollte man nie vergessen, dass es genau diese bunte Mischung ist, die das Leben in USA für uns Europäer so spannend macht. An den strengen Regeln für unsere Busfahrt ändert dies unterdessen leider nichts, und so herrscht über die gesamten 7 Stunden strikte Geschlechtertrennung: Junge mit Junge, Mädchen mit Mädchen, sonst gibt’s Ärger.
Auf unserem Trip werden diese Anstandsregeln übrigens kaum gebrochen und so bleibt es an diesem Wochenende bei 55 von 1000 Schwangerschaften, ohne dass wir als Schulchor Nummer 56 hinzufügen werden.
Was macht eigentlich ein Blogger genau und wie funktioniert das wohl komplizierteste Wahlsystem der Welt, das in den Vereinigten Staaten von Amerika? Auf diese und viele weitere Fragen habe ich in den letzten Wochen in den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung Antwort gegeben und dabei die Wahlen und das politische System der USA anhand von Beispielen und Vergleichen erklärt. Außerdem habe ich ein Interview gegeben, in dem ich über mein Auslandsjahr, meine Erfahrungen als ,,jugendlicher Auslandskorrespondent” und mein Engagement beim Südwestrundfunk (SWR) erzähle.
Um die Artikel auch mich Euch Bloglesern teilen zu können, habe ich diese nun hier hochgeladen. Klickt einfach auf den Link unter dem Bild, und schon könnt ihr Euch die Seite als pdf-Datei runterladen. Oder Ihr klickt einfach auf das Bild, um es zu vergrößern.
Viel Spaß!
Interview mit Marcel Schliebs Stuttgarter Nachrichten (17.3.)
Wie wählt Amerika? Marcel Schliebs erklärt das US-Wahlsystem (24.3.)
Der Blick hinter die Maske – Marcel Schliebs im Blick vom Fernsehturm (20.2.)
Es ist 2:30 mitten in der Nacht, und eigentlich sollte ich jetzt ich Bett liegen. Eigentlich. Vielmehr sitze ich auf dem Sofa und bin fasziniert. Fasziniert von einer Sportart, von der ich nicht mal im Ansatz erwartet hatte, dass sie mich einmal so begeistern würde. In den letzten zweieinhalb Stunden bin ich Fan geworden: Nicht nur Fan der Dallas Mavericks oder von Dirk Nowitzki, nein sogar Fan einer ganzen Sportart – Basketball.
„Endlich“, denke ich mir, „wurde ja auch Zeit“. Denn nun habe ich endlich meine erste US-Sportart gefunden, für die ich mich so wirklich begeistern kann. Einige gescheiterte Versuche gab es zuvor: Im American Football rennt alle 2 Minuten ein Mob voller Bodybuilder für ca. 5 Sekunden aufeinander zu, bis einer sich auf den Boden wirft (bzw. geworfen wird) und schon gibt es die nächste minutenlange Unterbrechung. Ganz zu schweigen von Baseball, eine der zumindest für Zuschauer langweiligsten Sportarten dieses Planeten. Für mich als Sportfanatiker, dessen Lieblingssportarten in der Aufzählung selbst für einen langen Blogpost zu ausführlich wären, ist das natürlich eine ganz neue Erfahrung. Kaum eine Sportart hat es bisher geschafft, mich nicht zum Fan zu machen. Von Fußball über Handball, Radsport, Leichtathletik bis hin zu diversen Wintersportarten und vielen mehr, alle verfolge ich stets mit größtem Interesse.
Doch bis auf den Superbowl, der ein tolles Showereignis ist, haben Football oder Baseball das einfach nicht geschafft.
Umso glücklicher bin ich deshalb, als ich eines Tages das Fernsehprogramm aufschlage und das NBA Topspiel des Tages entdecke – Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks gegen die Jazz aus Utah. Erst um 22.30 soll es losgehen, doch das macht nichts, denn am nächsten Morgen habe ich sowieso keine Schule. Außerdem brauche ich noch genau eine solche TV-Session, warten doch diverse Hemden im Trockner darauf, herausgeholt und gebügelt zu werden. Ja, auch das muss man als Jungjournalist und Austauschschüler, wenn Frau Mama nicht mehr im Haus wohnt. Und so beginnt also meine eigenartige Begegnung mit der NBA, einer ganz neuen Sportart, ja sogar einem neuen Stück amerikanischer Kultur. Bügeleisen und Cola stehen bereit, bereit zu einer Nacht voller Basketball.

Ich ( im roten T-Shirt in der zweiten Reihe) mit meinen Mitschülern beim Basketballspiel unserer Schule
In den folgenden Wochen sollte sich die neu entflammte Liebe keineswegs abschwächen, sondern weiter verstärken. Neben weiteren NBA-Spielen im TV häufen sich Besuche bei den Basketballspielen unserer Schule und auch ich selbst übe schon fleißig am richtigen Gefühl für den perfekten Korb – jeden Freitag spiele ich seitdem mit amerikanischen Freunden eine Runde „Korb-ball“, wie der Sport in der unspektakulären deutschen Übersetzung heißt. Und so heißt es auch diesen Freitag hoffentlich wieder: Sprung-Wurf-Korb, denn Basketballfieber, das lässt nicht so schnell nach.
PS: Diesen Freitag wird es wohl nichts mit der wöchentlichen Basketball-Runde, vielmehr steht ein noch viel aufregenderes Ereignis an: Mit dem Schulchor gehen wir auf einen Trip nach Washington und besuchen dort nichts Geringeres als das Weiße Haus! Sollte ich Herrn Obama über den Weg laufen…. ich richte Ihm Eure Grüße aus.
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