Artikelarchiv für Oktober 2010
Abschlusswucherungen
Der letzte Eintrag, etwas verspätet, aber das fürstliche Mahl konnte nicht warten gelassen werden.
Das Abschlusskonzert hat gefallen. James Saunders lieferte einen Klangteppich, der manchen zwar ermüden ließ, aber dies ist kein negatives Kriterium. Die Spieler konnten einen Ton aushalten, solange sie wollten. Manche tremolierten, so dass eine innere Spannung entstand, die schließlich noch durch scheinbar [...]
“Einfach kosmisch!”
Seit einigen Jahren übertragen wir fast alle Veranstaltungen der Donaueschinger Musiktage live in SWR2. Aber nicht nur das: wir diskutieren mit dem (Fach-)Publikum vor Ort über die Konzerte, über die ersten Eindrücke einer gelungenen – oder auch weniger gelungenen – Komposition und ihrer Interpretation.
In diesem Jahr nun wollten wir die Perspektive erweitern um die Wahrnehmung [...]
Streichquartett, Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester
Im Abschlusskonzert mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg standen unter anderem ein “Hapax für Streichquartett und Orchester” von Pascal Dusapin sowie ein Konzert für sechs Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester auf dem Programm. Der Sonntagsfilm zeigt Probenausschnitte und Interviews zu den Werken und macht zwischendrin kleine Abstecher zu Olaf Nicolais Installation “Samani” im Museum [...]
“Geheimnisvolles Streichen und Rühren”
Auch im “Response-Projekt” der Donaueschinger Musiktage wurde auf allen möglichen Gegenständen gestrichen: Kinder zweier Donaueschinger Grundschulklassen führten ihre eigenen musikalischen Inszenierungen in der Erich-Kästner-Halle auf. Motto: “In diesem Haus, da streiche ich und höre Dich – Du klingst – Du singst”. Und dieses Haus war voll, es klang und hörte, das Publikum auch, es war [...]
Orchester sei Dank!
Helmut Lachenmann hat Angst vor dem Orchester; das Gefährliche daran sei, dass man als Komponist fast nichts machen müsse und schon klinge es grossartig. Ohne adornistische Sinnlichkeits-Paranoia gesagt: Orchester ist toll. Ob das lediglich mein Reflex auf das gestrige Pogramm ist, sei dahin gestellt.
Ein Experiment mit weißen Mäusen
Georg Nussbaumer hat seinen ironischer Abgesang an die Gattung Streichquartett samt Cello-Exekution in seinem “Salon Q” ja bereits vielfätig und bildmächtig inszeniert. Im SWR2 Interview ist ihm noch ein weiteres Bild eingefallen: Wie ein Labor-Experiment mit weißen Mäusen sei das Streichquartett, weil man es eben nicht zum Beispiel mit einem Hund anreichern könne. Kein Bellen [...]
Improvised Complexity – Not Composed!
Leider kam ich zu spät in die abgelegene Sporthalle der gewerblichen Schulen und bekam nur noch die letzten fünf Minuten des Peter Evans Quintet mit. Schon als ich durch die erste Tür ins Gebäude ging, erfasste mich die Intensität, mit dem das Quintet ein ellenlanges Tutti zerhackter Tonfolgen voller Kraft in vertrackten Rhythmen spielte bis [...]
Der Samstagsfilm: Quardittiade
Die Quardittiade am Samstag in Donaueschingen: Drei verschiedene Streichquartettformationen aus verschiedenen Ländern – Das Arditti Quartet, das Quatuor Diotima und das JACK Quartet – spielen dreimal ihre Konzerte. Wie ist die Probenarbeit in diesen Quartetten organisiert? Gibt es einen Primarius, der sagt, wo es lang geht? Wie unterschiedlich haben die drei Quartette das gemeinsame Stück [...]
Pervertierung des Objektgehalts – Ablingers “Wachstum und Massenmord”
Auch wenn mir im gestrigen dritten Teil der Quardittiade das Jack-Quartett in der Erich-Kästner Halle ziemlich leid tat mit ihrem doch störrischen Programm, empfand ich die Qual, insbesondere bei der Wiederholung des Ablinger-Stückes „Wachstum und Massenmord“, gedanklich befruchtend. Denn es war kein Konzert, vielmehr eine Performance, die die ganze Szenerie vom Quartett bis zum Festivalrahmen [...]
Quartett mit anderen Augen sehen
Bastian und ich hatten uns eine Woche lang Streichquartettaufnahmen angehört – die zahlreichen Darmstädter Streichquartettkonzerte noch in lebhafter Erinnerung – und kamen zum Schluss, dass diese Besetzung sehr interessant klingen kann, solange man sie nicht sieht.
Streichquartett geschlagen?
Mit Alan Hilarios “slap Schlag, Klaps + stick Stock” für Streichquartett und Quartett-Tisch begann das Jack Quartett heute Morgen in der Erich-Kästner-Halle. Schon der Aufbau erinnerte mehr an ein Schlagzeugensemble als an ein Streichquartett. Und es wurde am Ende eben auch mehr geschlagen, gehämmert und gesägt als gestrichen. Bei den Besucherreaktionen in der Pause überwogen [...]
Neue Gebrauchsmusik – Einige Gedanken
Bei der Menge an Musik, die man während einem solchen Festival zu Gehör bekommt, erschrecke ich auch dieses mal wieder, wie diese Fülle mich irgendwann auf mein Selbst zurückwirft und ich aufs Neue verstehe, wer ich bin, was ich tue, will und lasse und das alles aufgrund von dem, was ich höre.
Der Karl-Sczuka-Preis geht an …
… Oswald Egger und Iris Drögekamp, das wussten schon alle; auch erwartbar dann die langatmige Laudatio – immerhin sind nun alle versichert, dass Jury-Vorsitzende Frau Christina Weiss und ihre Kollegen den Herrn Oswald nicht einfach so aus dem Bauch heraus gekrönt haben, sondern seine Lyrik wirklich richtig gut finden.
1. Schreibduett (Probe)
Die erste Runde ist gelaufen, die Quardittiade hat sich für uns kurz in den “Ochsen” verlagert und nach der Schlachteplatte kommen erste Gedanken zum Konzert des Diotima-Quartetts in der Christuskirche.
Bernhard Lang “Monadologie IX – Anatomy of Disaster”
Bernhard Lang hat ein Streichquartett geschrieben. Im Donaueschingen-Programm liest man , dass er Sequenzen Haydns in einen Computer gespeist hat, in eine Software, die sonst Wetterentwicklungen und Ähnliches prognostiziert. Dass diese Software aber das geforderte Streichquartett im Ganzen prognostiziert, davon bin ich dann nicht ausgegangen und habe meinen Augenmerk auf mögliche offene Schnittstelle gelegt, die [...]

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