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Abschlusswucherungen

18.10.2010, von

Der letzte Eintrag, etwas verspätet, aber das fürstliche Mahl konnte nicht warten gelassen werden.
Das Abschlusskonzert hat gefallen. James Saunders lieferte einen Klangteppich, der manchen zwar ermüden ließ, aber dies ist kein negatives Kriterium. Die Spieler konnten einen Ton aushalten, solange sie wollten. Manche tremolierten, so dass eine innere Spannung entstand, die schließlich noch durch scheinbar elektronische Störgeräusche, welche aber von reibendem Styropor verursacht wurden, intensiviert wurde. Es erinnerte an Ambient und vielmehr noch an Clicks & Cuts-Tracks. Kein Beat, aber die Risse in dem Klangband verschoben die Wahrnehmung fern von Kontinuierlichem.

In James Saunders' Uraufführungen wurde auf verschiedenen Materialien gestrichen, z.B. Styropor

In James Saunders' Uraufführungen wurde auf verschiedenen Materialien gestrichen, z.B. Styropor

Pascal Dusapin hatte ein Stück für Streichquartett und Orchester komponiert. Wie die sich miteinander vertrugen war schwer auszumachen. Ein romantisch aufgeladenes Stück. Man konnte sich aber nicht ganz entscheiden, ob man jetzt schwelgen oder reflektieren soll. Denn gehalten hat es sich nicht. Das Solo von Arditti-Cellist Luca Fels schwankte zwischen gelangweilten und romantisch überladenen Tönen. Man konnte das Gefühl haben, dass der Cellist einfach nicht romantisch spielen wollte. Aber es war wohl doch eher das Stück.

Lucas Fels: Gelangweilt oder romantisch überladen?

Lucas Fels: Gelangweilt oder romantisch überladen?

Die Stücke von Ivan Wyschnegradsky konnten nicht begeistern. Zwei kurze Stücke von 1956 und 1972 für sechs im Zwölfteltonabstand gestimmte Flügel. Es wurden Akkorde gespielt, jedes Klavier für sich. Diese traten dann „schräg“ zueinander. Ist damit das Szenario der sechs Klavier ausgeschöpft?

Sechs Flügel bei Georg Friedrich Haas' "limited approximations"

Sechs Flügel bei Georg Friedrich Haas' "limited approximations"

Dann folgte aber das neue Stück „limited approximations“von Georg Friedrich Haas, in selber Besetzung plus Orchester. Die Cluster bei ihm erzeugten noch nie gehörte Interferenzen, teilweise enthob der Klang sich zu einem chorähnlichen Gebilde. Von Klavierklängen fehlte teils jede Spur. Das Orchester holte diese Auswüchse stets wieder ins Tonale zurück,  auf einen stehenden Ton. Was man von solcher Metaphysik halten soll, muss wohl jeder selbst entscheiden. Aber immerhin hat sie zu solchen Klangphänomenen geführt. Wie erwartet ging dann auch der Kompositionspreis des SWR Sinfonieorchester an Georg Friedrich Haas. Kein Wunder bei dem Aufwand…

“Einfach kosmisch!”

18.10.2010, von

Seit einigen Jahren übertragen wir fast alle Veranstaltungen der Donaueschinger Musiktage live in SWR2. Aber nicht nur das: wir diskutieren mit dem (Fach-)Publikum vor Ort über die Konzerte, über die ersten Eindrücke einer gelungenen – oder auch weniger gelungenen – Komposition und ihrer Interpretation.

In diesem Jahr nun wollten wir die Perspektive erweitern um die Wahrnehmung derer, für die wir diesen großen technischen Aufwand der Live-Übertragungen überhaupt machen: die Hörerinnen und Hörer von SWR2. Wie erleben sie die Donaueschinger Musiktage im Radio? Am vergangenen Samstag hatte ich das Vergnügen (ernst gemeint!), von 15 bis 22 Uhr in unserem Sendestudio mit vielen Anrufern zu sprechen.

Und da kam so einiges zusammen: angefangen von radikaler Ablehnung über den Donaueschinger „Bockmist“ über eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit dem „Krach“ bis hin zu Dankbarkeit, über das Radio dabei sein zu können, Dankbarkeit auch für intensive Hörerlebnisse, für die uns ein Hörer am Ende sogar noch telefonisch Küsse übermittelte…

Aus dem gesamten Sendegebiet und weit darüber hinaus erreichten mich die Anrufe, die ich in später Nacht noch zu einer Collage zusammen geschnitten habe. Im Anschluss an die Live-Übertragung des Konzertes am Sonntagmittag ließ Wolfgang Scherer im Gespräch mit Gästen die Hörerreaktionen auf das Festival Revue passieren.
Übrigens: ob Zustimmung oder Ablehnung – allen Anruferinnen und Anrufern gemeinsam war offenkundig eines: die Begeisterung für das  Medium Radio – wie schön!

Audio mit den Höreranrufen:

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Martin Roth, SWR2 Musikredakteur

Streichquartett, Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester

17.10.2010, von

Im Abschlusskonzert mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg standen unter anderem ein “Hapax für Streichquartett und Orchester” von Pascal Dusapin sowie ein Konzert für sechs Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester auf dem Programm. Der Sonntagsfilm zeigt Probenausschnitte und Interviews zu den Werken und macht zwischendrin kleine Abstecher zu Olaf Nicolais Installation “Samani” im Museum Biedermann.

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“Geheimnisvolles Streichen und Rühren”

17.10.2010, von

Auch im “Response-Projekt” der Donaueschinger Musiktage wurde auf allen möglichen Gegenständen gestrichen: Kinder zweier Donaueschinger Grundschulklassen führten ihre eigenen musikalischen Inszenierungen in der Erich-Kästner-Halle auf. Motto: “In diesem Haus, da streiche ich und höre Dich – Du klingst – Du singst”.  Und dieses Haus war voll, es klang und hörte, das Publikum auch, es war ein ganz anderes als das von den Musiktagen bekannte. „“Geheimnisvolles Streichen und Rühren”“ weiterlesen →

Orchester sei Dank!

17.10.2010, von

Helmut Lachenmann hat Angst vor dem Orchester; das Gefährliche daran sei, dass man als Komponist fast nichts machen müsse und schon klinge es grossartig. Ohne adornistische Sinnlichkeits-Paranoia gesagt: Orchester ist toll. Ob das lediglich mein Reflex auf das gestrige Pogramm ist, sei dahin gestellt.

Die Radio Kamer Filharmonie Hilversum

Die Radio Kamer Filharmonie Hilversum beim Konzert am Sonntagmorgen

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Ein Experiment mit weißen Mäusen

17.10.2010, von

Labormäuse

Georg Nussbaumer hat seinen ironischer Abgesang an die Gattung Streichquartett samt Cello-Exekution in seinem “Salon Q” ja bereits vielfätig und bildmächtig inszeniert.  Im SWR2 Interview ist ihm noch ein weiteres Bild eingefallen: Wie ein Labor-Experiment mit weißen Mäusen sei das Streichquartett, weil man es eben nicht zum Beispiel mit einem Hund  anreichern könne. Kein Bellen also, nur Piepen ist erlaubt, und dem weiß gekachelten Labor können die armen Mäuse nicht entfliehen … „Ein Experiment mit weißen Mäusen“ weiterlesen →

Improvised Complexity – Not Composed!

17.10.2010, von

Leider kam ich zu spät in die abgelegene Sporthalle der gewerblichen Schulen und bekam nur noch die letzten fünf Minuten des Peter Evans Quintet mit. Schon als ich durch die erste Tür ins Gebäude ging, erfasste mich die Intensität, mit dem das Quintet ein ellenlanges Tutti zerhackter Tonfolgen voller Kraft in vertrackten Rhythmen spielte bis es damit leider schnell endete. Dennoch überzeugt.

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Der Samstagsfilm: Quardittiade

17.10.2010, von

Die Quardittiade am Samstag in Donaueschingen: Drei verschiedene Streichquartettformationen aus verschiedenen Ländern – Das Arditti Quartet, das Quatuor Diotima und das JACK Quartet – spielen dreimal ihre Konzerte.  Wie ist die Probenarbeit in diesen Quartetten organisiert? Gibt es einen Primarius, der sagt, wo es lang geht? Wie unterschiedlich haben die drei Quartette das gemeinsame Stück in ihren Programmen, das Streichquartett von James Dillon interpretiert? Und wie finden die Zuhörer in Donaueschingen das Konzept der Quardittiade?

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Pervertierung des Objektgehalts – Ablingers “Wachstum und Massenmord”

17.10.2010, von

Auch wenn mir im gestrigen dritten Teil der Quardittiade das Jack-Quartett in der Erich-Kästner Halle ziemlich leid tat mit ihrem doch störrischen Programm, empfand ich die Qual, insbesondere bei der Wiederholung des Ablinger-Stückes „Wachstum und Massenmord“, gedanklich befruchtend. Denn es war kein Konzert, vielmehr eine Performance, die die ganze Szenerie vom Quartett bis zum Festivalrahmen durchleuchtete.

JACK Quartet spielt Ablinger

Das JACK Quartet bei Peter Ablingers Quartettprobe

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Quartett mit anderen Augen sehen

16.10.2010, von

Bastian und ich hatten uns eine Woche lang Streichquartettaufnahmen angehört – die zahlreichen Darmstädter Streichquartettkonzerte noch in lebhafter Erinnerung – und kamen zum Schluss, dass diese Besetzung sehr interessant klingen kann, solange man sie nicht sieht.

Das Arditti Quartet bei der Uraufführung des Streichquartetts von Bernhard Lang

Das Arditti Quartet bei der Uraufführung des Streichquartetts von Bernhard Lang

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Streichquartett geschlagen?

16.10.2010, von


Mit Alan Hilarios “slap Schlag, Klaps + stick Stock” für Streichquartett und Quartett-Tisch begann das Jack Quartett heute Morgen in der Erich-Kästner-Halle. Schon der Aufbau erinnerte mehr an ein Schlagzeugensemble als an ein Streichquartett. Und es wurde am Ende eben auch mehr geschlagen, gehämmert und gesägt als gestrichen. Bei den Besucherreaktionen in der Pause überwogen jedenfalls die skeptischen Stimmen. Achtung! Das Video ist von einem blutigen Anfänger (von mir!) mit einem Smartphone aufgenommen worden. Die Qualität ist unterirdisch :-(

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Neue Gebrauchsmusik – Einige Gedanken

16.10.2010, von

Bei der Menge an Musik, die man während einem solchen Festival zu Gehör bekommt, erschrecke ich auch dieses mal wieder, wie diese Fülle mich irgendwann auf mein Selbst zurückwirft und ich aufs Neue verstehe, wer ich bin, was ich tue, will und lasse und das alles aufgrund von dem, was ich höre.

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Der Karl-Sczuka-Preis geht an …

16.10.2010, von

… Oswald Egger und Iris Drögekamp, das wussten schon alle; auch erwartbar dann die langatmige Laudatio – immerhin sind nun alle versichert, dass Jury-Vorsitzende Frau Christina Weiss und ihre Kollegen den Herrn Oswald nicht einfach so aus dem Bauch heraus gekrönt haben, sondern seine Lyrik wirklich richtig gut finden. „Der Karl-Sczuka-Preis geht an …“ weiterlesen →

1. Schreibduett (Probe)

16.10.2010, von

Die erste Runde ist gelaufen, die Quardittiade hat sich für uns kurz in den “Ochsen” verlagert und nach der Schlachteplatte kommen erste Gedanken zum Konzert des Diotima-Quartetts in der Christuskirche.

Das Quatuor Diotima spielt Dillons Streichquartett Nr. 6 in der Christuskirche

Das Quatuor Diotima spielt Dillons Streichquartett Nr. 6 in der Christuskirche

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Bernhard Lang “Monadologie IX – Anatomy of Disaster”

16.10.2010, von

Bernhard Lang hat ein Streichquartett geschrieben. Im Donaueschingen-Programm liest man , dass er Sequenzen Haydns in einen Computer gespeist hat, in eine Software, die sonst Wetterentwicklungen und Ähnliches prognostiziert. Dass diese Software aber das geforderte Streichquartett im Ganzen prognostiziert, davon bin ich dann nicht ausgegangen und habe meinen Augenmerk auf mögliche offene Schnittstelle gelegt, die mir im Programmtext entgegenkam: Lang hatte die besten Sequenzen ausgewählt und dann für Streichquartett arrangiert. Mir schien das Arrangieren sei hier der blinde Fleck.

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