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Wie gut sind Gründächer fürs Stadtklima?

28.11.2016, von , in Karte anzeigen

Die Forscher messen, wie viel CO² die Parzellen aufnehmen und wie viel Wasser verdunstet wird (Foto: NDR)

Die Forscher messen, wie viel CO² die Parzellen aufnehmen und wie viel Wasser verdunstet wird

Begrünte Dächer sehen nicht nur schön aus, sondern sind auch gut fürs Stadtklima. Bekannt ist, dass sie unter anderem CO2 aufnehmen und Feinstaub binden. Und sie kühlen die städtische Hitzeinsel im Sommer, indem das dort gespeicherte Regenwasser verdunsten kann. Doch wie gut können Gründächer das tatsächlich? Und unter welchen klimatischen Bedingungen sind sie am effektivsten? Das wollen Stadtklimatologen der Technischen Universität Braunschweig jetzt genauer als je zuvor bestimmen. Sie untersuchen Gründächer in Berlin und Braunschweig – und nutzen dabei erstmals auch eine Messmethode, die bislang nur für große Wälder und Moore angewendet wurde. Carmen Woisczyk war bei Messungen auf einem Gründach in Braunschweig dabei.

Grüne Dächer in grauer Stadt

Die Stadtklimatologen auf dem Gründach (Foto: NDR)

Die Stadtklimatologen auf dem Gründach

Auf dem flachen Dach des geoökologischen Instituts der Universität untersuchen die Forscher sechs verschiedene Parzellen, die jeweils einen Quadratmeter groß sind. Es sind Holzkästen mit der für Gründächer typischen Vegetation: Sedumarten mit fleischigen, dicken Blättern, die auch Trockenperioden gut überstehen. Die Parzellen werden unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt: Sie werden unterschiedlich stark bewässert oder gar nicht mit zusätzlichem Wasser versorgt. Eine Parzelle haben die Forscher mit einem lichtdurchlässigen Kunststoffdach überdacht, um Regenwasser abzuhalten.

Pflanzen für gutes Stadtklima

Forscher bei der CO²-Messung (Foto: NDR)

Forscher bei der CO²-Messung

Mit einer speziellen Messstation wird regelmäßig überprüft, wie viel CO² die einzelnen Module aufnehmen und wie viel gespeichertes Wasser sie unter den verschiedenen Bedingungen wieder abgeben können. Je mehr CO² sie aus der Luft binden und je mehr Wasser sie verdunsten, desto besser ist das fürs Stadtklima, sagen die Forscher. CO² ist ein schädliches Treibhausgas, das zum Beispiel durch den städtischen Straßenverkehr entsteht. Außerdem sind Städte im Sommer regelrechte Hitzeinseln, die abgekühlt werden können, wenn in Gründächern gespeichertes Regenwasser verdunstet.

Messschüssel liefert Klimadaten

Eine Parzelle wurde überdacht, um das Regenwasser abzuhalten. (Foto: NDR)

Eine Parzelle wurde überdacht, um das Regenwasser abzuhalten.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu – aber bisher fehlten verlässliche Daten, mit deren Hilfe der Bedarf an Dachgrünflächen für eine Stadt genau berechnet werden kann, sagen die Forscher. Sie nutzen in Berlin und Braunschweig verschiedene Methoden, um diese Daten in Bezug auf den prognostizierten Klimawandel zu bestimmen. In Braunschweig wird auf jede Parzelle ein Messgerät gesetzt, das ein bisschen an ein Küchengerät erinnert. Es sieht aus wie ein Mixer mit einer gläsernen Rührschüssel. Allerdings steht die Schüssel auf dem Kopf und schließt sich automatisch für eine Messung, die nur wenige Sekunden dauert. Wie eine Glocke liegt sie über den Pflanzen in der Parzelle, während die Konzentration von Kohlendioxid und Wasserdampf gemessen wird.  Jede einzelne Parzelle wird so regelmäßig über Wochen und Monate überwacht.

Pflanzen binden CO²

Unterschiede in der Vegetation: Viel und kein Regenwasser (Foto: NDR)

Unterschiede in der Vegetation: Viel und kein Regenwasser

Noch ist die Analyse nicht abgeschlossen. Doch schon jetzt zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen bewässerten und nicht bewässerten Parzellen: Je mehr Wasser sie speichern können, desto mehr CO² binden sie und desto mehr Wasser geben sie auch wieder ab. Berechnungen anhand der bis jetzt gewonnen Daten zeigen, dass ein Quadratmeter Gründach bis zu 300g CO² pro Jahr aufnehmen kann. Am niedrigsten sind die Werte, wenn die Pflanzen trocken stehen, wie bei der überdachten Parzelle. Dort wird außerdem über 40 Prozent weniger Wasser verdunstet im Vergleich zu einer optimal bewässerten Parzelle.

Gute Bewässerung wichtig

Mit Prakanlagen können die Gründächer nicht mithalten (Foto: NDR)

Mit Prakanlagen können die Gründächer nicht mithalten

Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass man in Zukunft vor allem über nachhaltige Bewässerungsmethoden nachdenken muss, da auch in Deutschland durch den prognostizierten Klimawandel die Niederschläge weiter zurückgehen werden. Gründächer können Parkanlagen oder Wiesen also nicht ersetzen, davon sind die Wissenschaftler überzeugt. Doch gebe es gerade in den Städten noch viele geteerte Flachdächer, deren Potential man ausschöpfen könne.

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