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Gute Sicht trotz Nebel – VR-Display hilft Hubschrauber-Piloten

31.10.2016, von , in Karte anzeigen

Hubschrauber Simulator: In diesem Labor kann man fliegen (Foto: Stefan Geier)

Hubschrauber Simulator: In diesem Labor kann man fliegen (Foto: Stefan Geier)

Wenn die Sicht zu schlecht wird, können Hubschrauberpiloten nicht fliegen. Anders als normale Flugzeuge fliegen die Piloten ausschließlich auf Sicht. Gerade wenn das Wetter schlecht ist, passieren viele Unfälle. Bei starkem Nebel muss der Hubschrauber dann trotz Notfall am Boden bleiben. Verletzte müssen länger auf Hilfe warten. Am Lehrstuhl für Hubschraubertechnologie der Technischen Universität München haben Ingenieure eine Technik entwickelt, mit der Hubschrauberpiloten auch bei widrigen Sichtverhältnissen starten können.



In diesem Labor steht ein halber Hubschrauber. Franz Viertler vom Lehrstuhl für Hubschraubertechnologie an der TU München sitzt im hinteren Teil des Hubschraubers und stellt das Wetter ein. Ein Rechner erzeugt aus den Daten ein Bild und projiziert es an eine halbrunde Leinwand rund um das Cockpit. Dann öffnet Viertler die Seitentüren des Hubschraubers. Einsteigen. Das Cockpit ist original: Bildschirme, Anzeigen, Knöpfe, Hebel und Pedale – alles wie im echten Hubschrauber.

Das Wetter kommt aus dem Kofferraum

Letzte Vorbereitungen vor dem Flug (Foto: Stefan Geier)

Letzte Vorbereitungen vor dem Flug (Foto: Stefan Geier)

Sobald der Simulator startet hört man den Klang der Rotoren. Der Sitz vibriert. Gestartet wird auf einer Plattform im Tegernsee. Die haben die Entwickler virtuell in den See „gepflanzt“. Das Wetter ist schlecht. Extremer Nebel. Sichtweite unter 200m. „Normalerweise müsste ein Hubschrauber bei diesen Sichtverhältnissen am Boden bleiben“, sagt Franz Viertler.

 

 

Sicherer Flug trotz schlechter Sicht

Der Hubschrauber startet. Auf dem Weg zu einem fiktiven Unfallort. Hindernisse tauchen auf. Ein Baukran, Windräder, ein Funkmast. Franz Viertler sieht sie erst spät aus dem Nebel auftauchen. Da sind sie eigentlich schon zu nah. Die Kollisionsgefahr wäre im realen Leben viel zu groß.

Achtung da vorne kommt ein Hindernis! (Foto: Stefan Geier)

Achtung da vorne kommt ein Hindernis! (Foto: Stefan Geier)

Deshalb haben die Ingenieure ein Display entwickelt, das der Pilot auf den Kopf gesetzt bekommt. Zwei Brillen werden vor die Augen geklappt. Dadurch kann man weiterhin sehen, was draussen passiert. Aber gleichzeitig spielt der Computer die Umrisse von kommenden Hindernissen ein – weit bevor sie aus dem Nebel auftauchen. Damit kann sogar Reporter Stefan Geier das ein oder andere Hindernis sicher umfliegen.

 

Piloten fühlen sich sicherer

In einer Studie haben die Wissenschaftler professionelle Hubschrauberpiloten im Simulator fliegen lassen. Bei schlechten Sichtverhältnissen und unter realen Bedingungen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Piloten weniger gestresst sind und sich durch die Zusatzinformationen viel sicherer fühlen.

Stefan Geier mit der VR-Brille (Foto: BR)

Stefan Geier mit der VR-Brille (Foto: BR)

Noch ist die Technik im Versuchsstadium. Aber das Team um Franz Viertler hofft, dass in wenigen Jahren Piloten damit auch in Bedingungen fliegen können, bei denen sie heute noch am Boden bleiben müssen. Und damit z.B. verletzten Personen schneller helfen können.

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