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Ökomobil für alle – Das billigste Elektroauto der Welt

11.04.2016, von , in Karte anzeigen

Das wohl günstigste Elektroauto der Welt?

Das wohl günstigste Elektroauto der Welt?

Bislang sind Elektroautos Luxusgüter. Das wollen Studierende der Westfälischen Hochschule (Standort Recklinghausen) ändern. Sie bauen ein Elektroauto für 5000 Euro. Damit sollen Elektroautos für jederman erschwinglich werden. Basis des vermutlich billigsten Elektroautos der Welt ist der indische „Tata Nano“. Das Auto ist so groß wie ein Smart und wurde von den Studierenden knallgrün lackiert, in der Farbe der Hochschule. Reporterin Stephanie Grimme hat den Entwicklern über die Schultern geschaut.

Der Viersitzer hat auch vier Türen. Einen Kofferraum hat er allerdings nicht. Hier ist der Motor. Oder besser gesagt „war“ der Motor. Denn die Studierenden haben den Motorblock, das Getriebe und den Tank ausgebaut. Hier ist jetzt ein großes Loch. Noch.

Die Schnäppchenjäger

Einen Tank braucht das Elektroauto ja nicht. Den Benzinmotor auch nicht.

Tüftelei für den ersten Prototyp. Wie wird ein indisches Billig-Benzinauto zum Elektromobil?

Tüftelei für den ersten Prototyp. Wie wird ein indisches Billig-Benzinauto zum Elektromobil?

Nur das Getriebe vom Tata wird verwendet. Und ein Elektromotor, denn sich die Forscher aus China schicken ließen: „Hier in Deutschland hätten wir rund 10.000 Euro für den Motor bezahlt.“ Das Exemplar aus China kostet hingegen – zusammen mit allen Steuerungselementen – nur 2000 Euro. Das war mit einer der schwierigsten Aufgaben: Das Auto, den Motor, die Akkus und alles, was sonst so gebraucht wird, möglichst billig einzukaufen.

 

 

Viel Handarbeit mit Schrauben und Bohren
Gerade arbeiten die Bachelor- und Masterstudenten daran, den neuen Elektromotor an das Getriebe „anzuflanschen“. Das ist gar nicht so leicht, denn es gibt keine Konstruktionszeichnungen vom Getriebe des indischen Kleinwagens. Um das Getriebe anzubringen, muss eine Art Adapterplatte gefertigt werden. Sie ist recht dick. Aber aus Aluminium. Deswegen schaffen es die jungen Wissenschaftler auch, die Löcher, um daran Motor und Getriebe zu befestigen, mit einer Bohrmaschine selbst zu bohren.

Video:  Umbau des Getriebes

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Wenn dieses Herzstück des Elektroautos fertig ist, kommt der Praxistest.

Wohin mit den vielen Akkus?
Dafür stehen schon 16 Akkus bereit. Hieran soll im nächsten Schritt der Motor angeschlossen werden. Erst nach diesem Test steht fest, ob es mit dem billigsten Auto der Welt tatsächlich etwas wird.

16 Akkus müssen in dem kleinen Auto untergebracht werden

16 Akkus müssen in dem kleinen Auto untergebracht werden

Die nächste Schwierigkeit: Die Akkus und der Motorblock müssen noch in das Auto eingebaut werden. Vom Platz her könnte das knapp werden. Aber Projektleiter Prof. Guido Mihatsch von der Westfälischen Hochschule ist optimistisch. „Wir gewinnen viel Raum durch den Ausbau des Motors“ sagt er. Die Akkus sollen direkt über dem Motor eingebaut werden. Dadurch erhofft er sich einen tiefen Schwerpunkt und dadurch auch gute Fahreigenschaften.

Ökomobil statt Straßenrenner
Elektroautos sind bisher kaum unter 25.000 Euro zu bekommen. Der umgebaute Tata Nano kostet 5000 Euro. Das sind bislang natürlich nur Materialkosten. Dennoch die Frage: Wie kommt der große Preisunterschied zustande? „Das Basismodell, der Tata Nano kostet nur 2000 Euro“, erklärt Prof. Guido Mihatsch. Außerdem habe das umgebaute Elektroauto keine große Reichweite und auch keinen starken Motor. „Wir haben hier keinen Straßenrenner“, sagt er, sondern „ein vernünftiges kleines Ökomobil“.

Die Vision
Mit einer Reichweite von 60 bis 80 Kilometer ist das Auto nicht für Urlaubsfahrten geeignet. Aber als Zweitauto für die Stadt durchaus. Um Kinder von der Schule abzuholen oder für Einkaufstouren. Denn aufgrund der geringen Reichweite von Elektroautos eignen sie sich ja ohnehin nur als Zweitwagen für die Stadt.

 

Alles Überflüssige wird ausgebaut.

Alles Überflüssige wird ausgebaut. Erst dann ist Platz für die Akkus und den Elektromotor.

Prof. Guido Mihatsch’s Vision: Möglicherweise werden irgendwann in Innenstädten nur noch Elektroautos zugelassen sein. „Das würde natürlich die Wohnqualität massiv erhöhen und die Feinstaubbelastung auf Null reduzieren.“ Zukunftsvisionen. Aber jetzt schon hätte man mit dem umgebauten Tata Nano ein Fahrzeug für Kurzstrecken, das für jeden erschwinglich würde. Und den Beweis, dass Elektromobilität nicht teuer sein muss.

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Kommentare zu „Ökomobil für alle – Das billigste Elektroauto der Welt“

Es sind 5 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Wolf Dieter Holzträger
    schreibt am 12. April 2016 23:21 :

    Ich bin gespannt was aus dieser „Zukunftvision“ mal wird. Technischen Werte wie Reichweite im Bergischen oder Märkischen Land, Wiederaufladezeit von dem Batterieblock Sicherheit……

  2. Michael
    schreibt am 14. April 2016 15:15 :

    Schön, schön,
    aber: damit möglichst kein Feinstaub freigesetzt oder aufgewirbelt wird, müssten auch Reifen und Bremsen verändert werden. Daneben gibt es aber auch weitere Feinstaubquellen in der Stadt, aber das gehört hier nicht her.
    Damit die Wohnqualität deutlich besser wird, müsste in Wohnquartieren die Kfz-Verkehrsfläche den Fußwegen und Grünflächen weichen. Das wird mit Elektroautos nicht erreicht, denn die brauchen leider den gleichen Platz wie ein Verbrennungsfahrzeug. Und als Zweitwagen brauchen sie sogar noch einmal zusätzlich Raum, auch wenn es nur ein kleines Auto ist.
    Dann ist da noch das Stromtanken. Gerade im innerstädtischen Geschosswohnungsbau mit Straßenparkern ist es nicht leicht, ein Elektroauto zuhause zu laden. Wenn deren Zahl steigt, reichen wahrscheinlich auch einige wenige Ladestationen an jedem Supermarkt-Parkplatz zahlenmäßig nicht aus, um viele Fahrzeuge in kurzer Zeit zu laden. Fahrzeuge und Ladestationen müssten auch das Schnellladen unterstützen – und das am besten auch noch kostengünstig.
    Ich finde, für eine hohe Zahl an Elektrofahrzeugen muss eine adäquate Infrastruktur geschaffen werden, die ggf. auch von bekannten Mustern abweicht. Hier ist, neben den technischen Belangen der Fahrzeugkonstruktion ein – an Hochschulen sicher leicht zu praktizierendes – interdisziplinäres Denken erforderlich. Ich wünsche den Studierenden gutes Gelingen.

  3. Dieter
    schreibt am 15. Mai 2016 11:13 :

    Hype Elektoauto:

    Um die Belastung mit N02 (Stickoxid) zu verringern ist das Elektrofahzeug tatsächlich ein Fortschritt. Doch vergisst man, dass immer noch über 70% der Stromgewinnung über fossile Brennstoffe und Kernspaltung (NOCH) geschieht. Wenn tatsächlich die Mehrzahl auf Elektoautos umsteigt, muss gewährleistet sein daß der überwiegende Teil der Stromgewinnung durch Erneuerbare Energiequellen geschieht…. sonst ist der CO2-Effekt gleich 0 — zusätzlich wird beim Aufladen der Akkus ein nicht zu vernachlässigter Teil der elektrische Energie durch die nicht verlustlose Gleichrichtung und Leitungsverluste in nutzloser Wärme verbraucht. Gibt es denn hierzu schon verlässliche Untersuchungen?
    Trotzdem halte ich E-Fahrzeuge für den Nahverkehr für eine sinnvolle Alternative, wenn die anderen Problem (siehe vorigen Kommentar) gelöst sind.

  4. Alex
    schreibt am 2. November 2016 13:38 :

    Ein mobiler Verbrennter kommt mit so grob geschätzt mit 20 bis 35 % Wirkungsgrad, je nach Größe und Lastzustand daher. Das übertrumpft jede elektrische Antriebstechnik samt Akku problemlos. Warum wohl kosten hier zu Lande 100 km mit dem Verbrenner um die 8 Euro während das Selbe in elektrisch mit 2-3 Euro kostet? Und nebenbei ist der Verschleiss und der Wartungsbedarf bei Verbrennern schon recht hoch, während die Zuverlässigkeit trotz 100 Jahren Fortschritt auch weiterhin um Welten hinter der Elektrik zurück liegt.

  5. JuergenVagt
    schreibt am 30. Januar 2017 00:56 :

    Interessanter Beitrag, ich bin auf meinem Blog ausführlicher darauf eingegangen :
    http://elektroautovergleich.org/ und habe auch ein paar Ratgeber geschrieben.

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