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3D für die Ohren – Hörgeräte für die Zukunft

10.11.2014, von , in Karte anzeigen

 

 

Forscher erkunden das menschliche Gehör (Foto: Colourbox)

Forscher erkunden das menschliche Gehör

Kommt gleich ein Auto um die Ecke? Was will der Bekannte auf der lauten Party gerade sagen und in welche Richtung muss ich mich drehen, wenn ich in der Menge gerufen werden? Um Schalle vor Störkulissen und im Raum wahrzunehmen, arbeiten beim Menschen Gehirn und Gehör zusammen. Aber was, wenn die Zusammenarbeit gestört wird? Hörgeräteträgern geht es so, auch weil die Technik nicht die gleichen Hörsignale liefern kann. Wissenschaftler der TU München setzen da an. Um Hörgeräte intelligenter zu machen und die biologische Hörtechnik besser zu verstehen, machen sie das Hörerlebnis messbar. Testpersonen wie Reporterin Silke Schmidt-Thrö dürfen dafür in einem Wohnzimmer großen Raum im Keller der Technischen Universität München Platz nehmen.

Der Ring besteht aus 96 Lautsprechern (Foto: BR)

Der Ring besteht aus 96 Lautsprechern

Der Bekannte, der durch die Menge zuruft oder der Störenfried im Kino, der zwei Reihen hinter einem geräuschvoll kaut. Menschen hören räumlich auch ohne das passende Bild. Richtung, Distanz, aber auch die Größe des Raumes erarbeitet das Gehirn mit den Informationen des Gehörs. Sogar einzelne Sprecher kann es herausfiltern. Aber nur bei gesunden Hörern. Für Hörgeräteträger wird die Ortung „vor mir“ und „hinter mir“ schon zur Herausforderung. Um die Technik intelligenter zu machen, nehmen Testpersonen wie Reporterin Silke Schmidt-Thrö im Keller der Technischen Universität München Platz.

Bernhard Seeber erklärt Reporterin Silke Schmidt-Thrö den Aufbau der Anlage (Foto: BR)

Bernhard Seeber erklärt Reporterin Silke Schmidt-Thrö den Aufbau der Anlage

Ein einfacher Stuhl mit selbst konstruierter Kopfstütze steht in der Mitte eines Wohnzimmer großen Raums. Um ihn herum, ein Lautsprecherring mit circa drei Metern Durchmesser. Schwarze Stoffbahnen dunkeln die Wände ab. Die Heimat der SOFE „Boltzmannstr. 11“  ist kein Hingucker. Und das ist Absicht.

Die  Wissenschaftler der Audio-Signalverarbeitung um Professor Bernhard Seeber von der Technischen Universität München schaffen über die 96 Lautsprecher und eine spezielle Software Hörumgebungen – 3D für die Ohren.
15 Meter Entfernung in einem Wohnzimmer

Im Hörtest werden über Computer die Antworten eingegeben (Foto:

Im Hörtest werden über Computer die Antworten eingegeben

Ist der Schall 15 Meter oder nur 0,5 Meter entfernt? Ist der Schall „vorne“ oder „hinten“? Das kann Silke Schmidt-Thrö testen, ohne den Raum zu verlassen. Auf einem Bildschirm muss sie die gehörten Distanzen angeben. Gar nicht so einfach, nicht nur, wenn es um die Feinabstimmung geht. Schon normalhörende Testpersonen hätten in bis zu 25 Prozent der Fälle „vorne“ und „hinten“ verwechselt laut Bernhard Seeber. Für Schwerhörige mit Hörhilfe wird es noch verwirrender.

Über ein Hörgerät kommt nicht mehr das gleiche Signal wie über das gesunde Ohr an. Der Raum ist diffuser, vieles klingt dumpfer und das Orten von Schallen ist schwerer. Das können sogar Normalhörende wie Silke Schmidt-Thrö ein wenig nachempfinden. Die Schwerhörigkeit an sich können Bernhard Seeber und sein Mitarbeiter Gabriel Gomez zwar nicht ausgleichen. Sie feilen aber an der Übersetzungsleistung der Technik durch neue Algorithmen für den Minicomputer im Hörgerät. Ob es funktioniert, testen sie in der SOFE.

Gabriel Gomez mit dem Test-Hörgerät (Foto: BR)

Gabriel Gomez mit dem Test-Hörgerät

Dafür gibt es spezielle Test-Hörgeräte, die über Kabel mit einem Computer verbunden sind. Das Signal der SOFE wird so über ein kleines Mikrofon am Ohr aufgezeichnet und entweder unverändert oder mit Algorithmus verbessert ins Gerät zurückgespielt. Den Unterschied erkennen die Personen im Vergleich selbst nicht. Aber die Forscher können ihn messen.

Die Vorstudien mit Normalhörenden waren vielversprechend. Aber es wird weiter gefeilt. Die Hoffnung: Wirkt der Algorithmus bei gesunden Hörern, hilft er später auch im Test mit Schwerhörigen. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es laut Bernhard Seeber noch viele. Gerade digitale Hörgeräte böten ein Potenzial zur Schallverarbeitung, das noch nicht voll ausgeschöpft ist.

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