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Unter Beschuss: Extremtest für Sportbrillen

28.01.2014, von , in Karte anzeigen

Reporter Aeneas Rooch und Sportwissenschaftler Gernot Jendrusch am Versuchsstand. Der Ball wird fallen gelasse und trifft unten auf die Brille auf.

Reporter Aeneas Rooch und Sportwissenschaftler Gernot Jendrusch am Versuchsstand. Der Ball wird fallen gelassen und trifft unten auf die Brille auf.

Wer beim Sport Erfolg und Spaß haben will, muss optimal sehen können – das gilt auch für den Schulsport. Doch es gibt keine bundesweit einheitliche Richtlinie, welche Brille sich für den Sportunterricht eignet, beklagen Sportwissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum; Eltern und Sportlehrer seien mit der Entscheidung, welche Brille ein Schulkind beim Sport tragen soll, allein gelassen und überfordert. In der  Arbeitsgemeinschaft Sicherheit im Sport (ASiS) haben die Bochumer Wissenschaftler deshalb zusammen mit Augenoptikern, Augenärzten und Experten von TÜV, Krankenkassen und Unfallversicherern einen Katalog erstellt, welche Eigenschaften eine schulsporttaugliche Brille haben muss. Zusätzlich haben sie einen Härtetest entwickelt, mit dem sie den Aufprall eines Balls auf die Brille simulieren – es ist ein extremer Praxistest für Sportbrillen. Durchblicker-Reporter Aeneas Rooch hat die Bochumer Sportwissenschaftler in ihrem Labor besucht.

Mit einem gewöhnlichen Staubsauger werden die Bälle angesaugt und ein Stockwerk über dem KunststoMit einem gewöhnlichen Staubsauger werden die Bälle angesaugt und ein Stockwerk über dem Kunststoffkopf in Position gebracht.

Mit einem gewöhnlichen Staubsauger werden die Bälle angesaugt und ein Stockwerk über dem Kunststoffkopf in Position gebracht.

In der schmalen Sporthalle, die sich in der Höhe über zwei Etagen erstreckt, haben sie einen Kunststoffkopf aufgebaut und mit der Nase zur Decke ausgerichtet. Eine Etage höher, auf einer schmalen Galerie, steht ein Staubsauger bereit; das Rohr ist exakt über dem Testkopf fixiert.

Sportwissenschaftler Gernot Jendrusch testet an der Ruhr-Universität Bochum, welche Sportbrillen sich für den Schulunterricht eignen.

Sportwissenschaftler Gernot Jendrusch testet an der Ruhr-Universität Bochum, welche Sportbrillen sich für den Schulunterricht eignen.

Für den Test setzen Dr. Gernot Jendrusch und seine Mitarbeiter die zu prüfende Sportbrille auf den Kunststoffkopf und beschießen sie mit verschiedenen Bällen. Die Bälle werden dazu an das Staubsaugerrohr gehalten und angesaugt.

Wird der Staubsauger ausgeschaltet, löst sich der Ball, fällt senkrecht nach unten und trifft mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h direkt auf die Brille – eine übliche Aufprallgeschwindigkeit im Schulsport. Je nach dem, wie die Sportwissenschaftler das Staubsaugerrohr und den Testkopf zueinander ausrichten, können sie einen Ballaufprall aus verschiedenen Richtungen simulieren.

Der Aufprall eines Balls auf eine  Brille wird mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichnet.

Der Aufprall eines Balls auf eine
Brille wird mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichnet.

Der Aufprall wird mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt und in Zeitlupe am Computer ausgewertet. Die Wissenschaftler untersuchen dabei: Verrutscht die Brille vom Ohr? Verrutscht sie von der Nase? Fällt sie vom Kopf? Verformt sich das Gestell, werden Auge oder Gesicht gefährdet? Löst sich das Glas in Richtung Auge oder vom Auge weg? Der Ballbeschuss ist der dritte Teil des Brillentests, den die Bochumer Sportwissenschaftler zusammen mit Augenoptikern, Augenärzten und verschiedenen Fachleuten entwickelt haben.

 

Video: Sportbrillen im Extremtest

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Beim Sport ins Oberlid eingespießter  Brillenbügel

Das kann ins Auge gehen: Beim Sport ins Oberlid eingespießter Brillenbügel

In einem ersten Schritt wird die Brille in einem Prüflabor verschiedenen Materialtests unterzogen, etwa wie sich der Steg verformen lässt, wie hart/bruchfest die Gläser sind, wie groß das Gesichtsfeld ist und wie gut die Brillenfassung hält. In einem zweiten Test, dem sogenannten Experten-Rating, wird die Brille von Fachleuten untersucht. Dabei prüfen Fachleute unter anderem, ob das Gestell bruchsicher ist und keine scharfen Kanten besitzt, ob die Fassung fest am Kopf sitzt und ob die Gläser nur nach außen (vom Auge weg) herausfallen können.

 

 Reporter Aeneas Rooch mit seiner  Sportbrille, die den Test nicht bestanden hat – bei Belastung ist ein Glas in Richtung Auge herausgebrochen, und das darf nicht passieren.

Reporter Aeneas Rooch mit seiner Sportbrille, die den Test nicht bestanden hat – bei Belastung ist ein Glas in Richtung Auge herausgebrochen, und das darf nicht passieren.

Die Sportbrille von Reporter Aeneas Rooch fällt bereits hier durch: Die Gläser lassen sich durch moderaten Druck lösen, was soweit nicht tragisch ist, doch sie fallen in Richtung Auge heraus – bei einer Sportbrille darf das nicht passieren, es bedeutet ein großes Verletzungsrisiko für das Auge. Sieben der getesteten 16 Sportbrillenmodelle bestehen den Bochumer Test – die Materialprüfung, das Expertenurteil und den Beschuss mit Basketball, Volleyball, Handball und Fußball –, drei sogar mit dem Prädikat „schulsporttauglich plus Augenschutz“.

 

Die Sportwissenschaftler wollen Eltern und Sportlehrern eine objektive Entscheidungshilfe liefern, welche Brille sich für den Schulsport eignet, denn eine Studie mit über 1200 Schulkindern in Nordrhein-Westfalen hat ergeben: 25 Prozent  aller Schüler bräuchten beim Sport eine Brille, tragen aber keine. Und selbst von den Brillenträgern setzt nur die Hälfte auch beim Sport eine Brille auf.

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