. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Auf den Spuren der Urmenschen

03.06.2013, von , in Karte anzeigen

Archäologe Dr Jordi Serangeli von der Universität Tübingen mit einer Speernachbildung vor der Grabungsstelle

Archäologe Dr Jordi Serangeli von der Universität Tübingen mit einer Speernachbildung vor der Grabungsstelle

Die Schöninger Speere gelten als älteste Jagdwaffen der Menschheit. Sie sollen vor über 300.000 Jahren hergestellt worden sein. Als sie in den 90er Jahren entdeckt wurden, wurde das weltweit als Sensation gefeiert. Denn die 8 außergewöhnlich gut erhaltenen hölzernen Speere beweisen, dass der Urmensch anders als bisher angenommen ein intelligenter Jäger mit erstaunlichen Fähigkeiten war. Nun sollen die Holzspeere in einem eigens dafür errichteten Forschungs- und Erlebniszentrum ausgestellt werden, dem Paläon. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Fundort, dem niedersächsischen Braunkohlegebiet Schöningen. Dort suchen Archäologen auch heute noch nach den Spuren unserer Vorfahren und entdecken täglich Neues. Reporterin Carmen Woisczyk war mit auf der Suche nach Resten der Urmenschen.

Reporterin Carmen Woisczyk  und Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli haben einen 300.000 Jahre alten Knochen entdeckt

Reporterin Carmen Woisczyk und Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli haben einen 300.000 Jahre alten Knochen entdeckt

Wie lebte der Urmensch vor mehr als 300.000 Jahren? Was hat er gegessen, wie hat er gejagt und wie hat er sich organisiert? Diesen Fragen gehen Archäologen im niedersächsischen Braunkohletagebau Schöningen in etwa 10 Metern Tiefe auf den Grund. Sie suchen Jahrtausende alte Artefakte wie Feuersteine, die unseren Vorfahren als Werkzeuge dienten oder Knochen von Beutetieren. So wollen Sie das Leben der ersten Menschen rekonstruieren. Einige Archäologen graben mit Schaufeln, andere kratzen vorsichtig mit der Kelle oder dem Spachtel und hocken dabei in einem mehrere Meter tiefen Graben.

Die Archäologen tragen die Erde im Schöninger Tagebau Schicht für Schicht ab

Die Archäologen tragen die Erde im Schöninger Tagebau Schicht für Schicht ab

Darüber ist ein Zelt aufgebaut, das vor Wind und Wetter schützt. An einer Seite des Grabens ist der Boden Schicht für Schicht abgetragen und sieht aus wie eine Treppe aus dunkler Erde. Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli von der Universität Tübingen und sein Team haben dort einen 300.000 Jahre alten Fußknochen von einem Wildpferd entdeckt und legen ihn vorsichtig frei.

Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli legt einen 300.000 Jahre alten Fußknochen von einem Pferd frei.

Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli legt einen 300.000 Jahre alten Fußknochen von einem Pferd frei

Die Archäologen schauen sich den Fund genau an, sie suchen nach Schnittspuren von Werkzeugen. Schnittspuren könnten ein weiterer Beweis für die Jagd auf Wildpferde und die Fertigkeiten der Urmenschen sein.

Beinahe täglich entdecken die Forscher Neues: Dabei ist die Erhaltung von Funden wie Knochen oder Hölzern aus der Steinzeit weltweit einmalig. Denn bis vor 30 Jahren waren sie permanent von Wasser bedeckt und lagen somit gut geschützt vor Umwelteinflüssen in einem sauerstoffarmen Milieu. Erst durch den Tagebau wurde der Grundwasserspiegel deutlich gesenkt und die Erdschichten mit den steinzeitlichen Artefakten wurden frei. Diese werden nun gründlich durchsucht.

Ein wertvoller Fund Der 300.000 Jahre alte Zahn stammt wohl von einem Nagetier

Ein wertvoller Fund Der 300.000 Jahre alte Zahn stammt wohl von einem Nagetier

Das heißt, die gesamte Erde wird mit viel Wasser in einer speziellen Schlämmanlage durch ein feinmaschiges Sieb gespült. So gehen auch winzige Bruchstücke von Steinwerkzeugen oder Mäusezähne, Insektenflügel, Samen, sowie Holz- und Pflanzenreste nicht verloren. Alle Fundstücke werden später im Labor genau untersucht -  auch der an diesem Tag gefundene Pferdefußknochen. Die Wissenschaftler freuen sich, denn es sei ein wertvoller Fund, der mehr über das Leben vor 300.000 Jahren verraten könnte.

Share

Hinterlasse eine Antwort

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2014