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Echoortung – Orientieren wie die Fledermaus

06.11.2012, von , in Karte anzeigen

Um sich in kompletter Dunkelheit zu orientieren und dabei sogar noch zu jagen nutzen Fledermäuse die Echoortung. Sie sind so geschickt dabei, dass sie damit sogar hakenschlagende Insekten zur Strecke bringen.

Die echofreie Kammer im Biozentrum in Martinsried bei München

Die echofreie Kammer wird genutzt, um Echoorientierung bei Menschen zu untersuchen.

Echoortung ist eine Orientierungstechnik, die auch  blinde Menschen nutzen, um sich zu orientieren. Die meisten nutzen dabei den Stock – er erzeugt auf dem Boden Geräusche, die Hinweise geben auf Toreinfahrten, Bushaltestellen oder Durchgänge. Doch es gibt ein paar blinde Menschen auf dieser Erde, die die Echoortung noch weiter perfektioniert haben. Sie erzeugen mit ihrem Mund Klicklaute und nutzen die Echos um sich noch freier und sicherer zu orientieren. Manche von ihnen können damit sogar Fahrradfahren oder Inlineskaten. Wie sie das machen, das interessiert die Forscherinnen und Forscher am Biozentrum in Martinsried bei München.

Das Biozentrum in Martinsried ist eine Einrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität. Mathematiker und Musikwissenschaftler Ludwig Wallmeier hat dabei einen ausgeklügelten Versuchsaufbau entwickelt: Er kann Versuchspersonen in einen virtuellen akustischen Raum – zum Beispiel einen langen Gang oder eine Kirche – versetzen, in dem sie sich dann mit Echoortung orientieren können.

Eine Teilnehmerin ist mit Headset-Mikrofone für den Versuch ausgestattet

Eine Teilnehmerin ist mit Headset-Mikrofone für den Versuch im Labor für Echoortung ausgestattet.

Ausgestattet mit Headset-Mikrofon geht es in die erste Runde: Damit die Versuche auch optimal funktionieren, müssen die Teilnehmenden in eine sogenannte echofreie Kammer gehen.

Sie ist etwa viermal so groß wie eine Telefonzelle und vollständig ausgekleidet mit dicken, grauen Schaumstoffkeilen. So erzeugt der Raum selbst keine Echos – die Teilnehmenden hören somit nur die virtuellen, durch den Computer erzeugten Echos, die Ludwig Wallmeier ihnen vorspielt.

Versuchspersonen werden an ein Ende des virtuellen Raumes gesetzt und müssen sich zuerst parallel zu den Wänden hin  ausrichten. Das machen sie, indem sie selbst Klicklaute erzeugen, die dann im Computer in Echtzeit bearbeitet werden und dann über die Kopfhörer wieder abgespielt werden.

Der Mathematiker und Musikwissenschaftler Ludwig Wallmeier untersucht Echoortung

So klingt es, als seien die Versuchspersonen tatsächlich in diesem Gang. Das klingt erstaunlich echt – Ludwig Wallmeier könnte mit ein bisschen Aufwand seinen Teilnehmenden so ziemlich jeden Raum vorgaukeln. Langfristig hofft der Mathematiker, dass er sein System verkleinern und handlicher  gestalten kann, so dass blinde Menschen Echoortung irgendwann zu Hause am eigenen Computer üben können – bevor sie sich damit in die reale Welt wagen.

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