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Tag10: Der Kronleuchter-Saal in der Kölner Kanalisation

23.12.2011, von , in Karte anzeigen

An dieser Stelle laufen zwei Kanäle zusammen. Wenn es viel regnet, läuft der Kanal über.

Was haben wir den Monarchen früher nicht alles gewidmet. Prunkvolle Paläste, Bibliotheken mit dem Wissen unserer Zeit, Denkmäler, Schulen und Universitäten. Auch in Köln dachte man an die Herrscher. Für Kaiser Wilhelm II. haben die Kölner einen Kronleuchtersaal eingerichtet. Und zwar in der Kanalisation.  Meine Aufgabe heute: Ich folge dem Weg allen Wassers in der Domstadt und suche diesen Saal.

Der Einstieg zum Kronleuchtersaal

Ohne Hilfe kommt man dort natürlich nicht hin. Deshalb habe ich mich mit Stefan Schmitz von den Entwässerungsbetrieben der Stadt Köln verabredet, und zwar am Theodor-Heuss-Ring. Unter einer schweren Luke aus Metall verbergen sich Stufen in die Tiefe. Wir steigen hinab. Nach einigen Metern gelangen wir in ein Gewölbe. Hier fließt eine grün-braune Brühe aus zwei Kanälen zusammen. An der Mauer daneben eine Gedenktafel. Der Kronleuchtersaal. Hier hat man zwei Kronleuchter aufgehängt, damit der Kaiser alles begutachten kann. Leider war er aber nie hier.

Stefan Schmitz von den Städtischen Entwässerungsbetrieben vor der Gedenktafel für den Kaiser

Wenn es länger regnet, schwappt die Brühe über den Rand. Dann kann man hier nicht mehr stehen, das Abwasser fließ dann durch den Kronleuchtersaal ein weitere dunkle Röhre entlang direkt zum Rhein. Der Geruch ist auszuhalten, vielleicht in etwa so wie in einem alten Keller, nur mit einem Hauch Schwefel. Die Luft ist feucht. Die Gläser meiner Brille beschlagen. Der Kölner haben den Kaiser an diesen Ort eingeladen, weil die Kanalisation eine technische Errungenschaft war, ein echter Fortschritt.

Eine spezielle Kneipp-Kur gefällig?

Das Abwasser fließt etwa zwanzig Zentimeter unter Überflutungsgrenze. Immer wieder treiben Reste von Toilettenpapier vorbei. Ab und an blubbert es unter Wasser, wenn etwas aus einer Hausleitung dazu fließt. Insgesamt haben die Kölner heute 2400 Kilometer Abwasserkanäle von einem Durchmesser zwischen 30 Zentimetern und 5 Metern. Die Arbeiter, die hier untem nach dem Rechten sehen, sind nie alleine unterwegs. Ganz ungefährlich ist ihr Job nicht. Bei starkem Regen könnten sie das Abwasser mitreißen. Gefährlicher sind die Gase wie zum Beispiel Schwefelwasserstoff. Deshalb haben die Kanalarbeiter immer ein Messgerät dabei, das sie warnt, wenn es gefährlich wird.

Hier hängt normalerweise ein Kronleuchter. Im Winter wird er aber traditionell in Schuss gebracht.

Wenn es nicht zu viel geregnet hat, ist zumindest der Kronleuchtersaal fünf Mal im Jahr geöffnet für Musiker und ihr Publikum. Das besondere ist die Akustik, die bei Künstlern und Fans gut ankommt.

Den berühmten Kronleuchter kann ich heute leider nicht sehen. Im Winter wird er abgehängt und wieder in Schuss gebracht. Aber ich durfte immerhin sehen, was früher nur der Kaiser hätte sehen dürfen, wenn er dem Kanal, denn diese Ehre gewährt hätte. Stefan Schmitz lacht: “Immerhin hatten wir ja jetzt einen König hier”.

 

 

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