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Baotou - Leben zwischen Fabrikschloten

02.11.2007, von Petra Aldenrath, in Karte anzeigen

Die Fabrikschlote stoßen stinkende gelb-rote Rauchwolken aus.Im kommenden Jahr finden in Peking die olympischen Spiele statt. Immer wieder ist die extreme Luftverschmutzung in Peking ein Thema, das die Medien bewegt. Damit die Athleten ihre Wettkämpfe austragen können, sollen zu den Spielen 1,5 Millionen Autos still gelegt werden, alle Baustellen müssen schließen und es wird darüber nachgedacht, dass sogar die Fabriken um Peking ihre Produktion einstellen. Die Menschen in der Industriestadt Baotou, in der Inneren Mongolei, werden von all diesen Maßnahmen nichts haben. Die Umwelt dort ist ein einziges Desaster. Rund um Baotou ist ein Fabrikareal neben dem anderen. Aber, es gibt auch immer noch Menschen die hier leben. Sie atmen täglich den Dreck, der aus den Fabrikschloten kommt ein und trinken das verseuchte Wasser. Die Lebenserwartung der Menschen, die dort leben, beträgt oft nur zwischen 30 und 40 Jahre.


Der Kindergarten inmitten der Fabriken.Baotou, die Provinzhauptstadt der Inneren Mongolei. Am Stadtrand ist die Industrie angesiedelt. Hier steht eine Fabrik an der anderen. Stahlwerke, Eisen- und Aluminiumverarbeitung, Maschinenproduktionsanlagen oder auch Chemiewerke. Aus den Schornsteinen der Industrieanlagen quillt dicker schwarzer Rauch, aber auch gelblich, rote Dampfwolken werden in die Luft gepustet. Es stinkt nach Gift. In den nahe gelegenen See werden die Abwässer eingeleitet. Am Rande des Sees hat sich die Industrieschlacke abgelagert. Eine schleimige, grau-grüne Substanz. Inmitten der Fabriken liegen heruntergekommene Wohngebiete.

Ob das hier schwer verschmutzt ist? Natürlich ist das schwer verschmutzt. Schau dir doch den Rauch an. Der brennt dir in den Augen. Siehst du den Rauch? Man kann hier oft nicht atmen.

Erzählt ein 35jähriger Mann. Er ist hier aufgewachsen, inmitten der Fabriken. So wie auch seine Kinder. Sie gehen hier zur Schule, spielen auf der Straße.

Wie sollen wir unsere Kinder schützen? Da gibt es keinen Weg,

zuckt der 35-Jährige mit den Schultern.

Verschmutzter WegWährend die Fabrikbesitzer in schmucken Vororten wohnen, kann sich keiner derjenigen, die in den Industrievororten Baotous leben einen Umzug leisten. Also bleiben sie in ihren ärmlichen Behausungen, mit Blick auf die rauchenden Fabrikschlote. In den Gassen der Industrieorte liegt der Müll, überall zwischen den Häusern ragen dicke Stromverteiler aus dem Boden. Die Fabriken werden mit Energie versorgt, die Menschen die mittendrin leben, haben noch nicht mal fließend Wasser.

Wir hatten hier mal Hühner, die sind alle erstickt. Sie sind eingegangen.

Und die Menschen?

Wir sterben hier früh. Ich kann Ihnen diese Wahrheit sagen. Ich bin mittlerweile 80 Jahre alt. Aber viele, die die giftigen Rauchwolken einatmen, werden schwer krank und sterben. Gerade vor kurzem sind drei Dorfbewohner gestorben. Sie waren alle zwischen 30 und 40 Jahre alt. Das ist nur wegen der Umweltverschmutzung. Ohne die würden die Menschen hier auch nicht sterben.

Die Schule, die das kleine Mädchen besucht, befindet sich direkt neben den Fabriken.Die Umwelt in China ist katastrophal. 70% aller Flüsse sind verseucht, in mehr als einem Drittel des Landes fällt sauer Regen. Die Pekinger Regierung spricht davon die Umwelt stärker zu schützen, sie entwirft eigene Energiefahrpläne, unterschreibt Umweltschutzabkommen und beteuert der Welt, es tue alles um nicht die Fehler, die die Industrienationen früher gemacht haben, zu wiederholen. Nämlich erst die Umwelt zu zerstören, um sie später wieder zu reparieren..


Ein 80jähriger sagt: „Ich habe nichts mehr zu verlieren, aber die Menschen heute sterben hier jung“.Für den 80jährigen Mann aus der Wohnsiedlung in der Industriezone von Baotou sind das bislang hohle Versprechen. Bereits mehrmals beschwerten sich die Menschen am Stadtrand von Baotou darüber, dass die Fabriken keine Schadstofffilter, einfach nichts benutzen. Als Antwort erhielten sie von der Polizei und von Schlägertruppen Prügel:

Das nützt doch nichts, wenn wir berichten, wie verschmutzt es hier ist. Da kümmert sich doch keiner drum. Sie haben doch Geld. Sie schmieren einfach. Keiner soricht da für uns. Wir haben kein Geld, um Menschen zu bestechen, also haben wir auch niemanden, der für uns spricht. Den Beamten geht es doch nur ums Geld. Die Menschen, die hier Geld besitzen, schlagen uns einfach zusammen. Das kostet die nichts und sie werden auch nie vor Gericht belangt.

Leben in Baotou [3:42m]

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