“Bäriger” Ausklang der Delegationsreise

Eine Woche China, dann ging es für die rheinland-pfälzische Delegation wieder nach Hause. Am Abend vor dem Abflug hatte Ministerpräsident Beck im Shangri-La Hotel ein Bankett für die chinesischen Freunde gegeben. Die Chinesen wollten sich ihrerseits nicht lumpen lassen und begrüßten die Rheinland-Pfälzer mit einem Transparent. Weil die beim Wort Gastgeber einige Buchstaben vergessen hatten, wurde Ministerpräsident Beck zum „Gastber“, sehr zur Freude der Fotografen. Beck selbst hatte den Schreibfehler zunächst nicht bemerkt, fand es später aber recht lustig.

Wenn der Gastgeber zum Gastber wird

Beck als "Gastber" Foto: Herbert Piel

Nach dem Bankett ging es in das neue Opernhaus von Fuzhou, wo die Bigband des Gymnasiums Montabaur gemeinsam mit dem Fuzhou-Orchester vor fast 2.000 begeisterten Zuhörern spielte. Ein würdiger ausklang für eine hochinteressante, anstrengende und sehr unterhaltsame Delegationssreise.
Am nächsten Tag stand der Rückflug auf dem Programm. Zunächst eineinhalb Stunden nach Hongkong, dann 12 Stunden bis Frankfurt.  Der zweieinhalbstündige Zwischenstopp in Hongkong war für viele Delegationsteilnehmer die erste Gelegenheit, Souvenirs einzukaufen.

Mehr über die Delegationsreise ist heute (Donnerstag, 11.11.) auf SWR1 Rheinland-Pfalz zu hören, ansonsten in den Mediatheken des SWR (siehe „Hörfunk und Fernsehen“).

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Wetten, dass…

…70 Menschen an einem einzigen Tisch essen können? Die Chinesen würden diese Saalwette bei Thomas Gottschalk problemlos gewinnen. Bevor am Freitagabend das große Festbankett des Gouverneurs der Provinz Fujian zu Ehren des Besuchs der rheinland-pfälzischen Freunde beginnen konnte, galt es, einige hochoffizielle Dokumente zu unterzeichnen. Zum einen erneuerten Rheinland-Pfalz und die Provinz Fujian ihre seit 21 Jahren bestehende Partnerschaft durch Unterschriften von Gouverneur Zhang und Ministerpräsident Beck. Zum anderen vereinbarten die Universität Fuzhou und die Technische Hochschule Kaiserlautern, ihre Zusammenarbeit auszubauen. Bereits jetzt studieren 400 Chinesen an der Pfalz-Uni. Zu guter Letzt wurde der rheinland-pfälzische Kulturschaffende Detlof Graf von Borries unter Blitzlichtgewitter zum Ehrenbürger der Provinz Fujian ernannt. Zwischendurch tauschten die Beteiligten höflich Gastgeschenke aus.

Großes Land, großer Tisch: Dahinten, am anderen Ende des Tisches ist immer noch China.

Nach so viel Feierlichkeit sind alle hungrig und begeben sich in einen der Bankett- säle des Hotels. Beim Betreten des Saals stockt zumindest uns Deutschen der Atem angesichts derartiger Gigantomanie. Der riesige Saal wird von einem fast ebenso riesigen, runden Tisch ausgefüllt. Nicht nur unsere, inzwischen auf etwa 40 Personen angewachsene, Delegation hat daran Platz, auch die chinesischen Gastgeber und Ehrenbürger Graf von Borries nebst Gattin. Allein das Blumenarrangement in der Tischmitte misst mehrere Meter, den Durchmesser des gesamten Tischen beziffern wir bei konservativer Schätzung auf  15 Meter. Großer Vorteil dieses Tisches: Es passen alle drum herum. Letztlich sitzen 70 Menschen an diesem vielleicht größten Runden Tisch der Erde. Diese Größe hat auch Nachteile: Der gegenüber sitzende Gast ist mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen. Ehrlicherweise müsste man um diesen Tisch herum mehrere Zeitzonen einführen. Sätze wie `Reich mal das Salz rüber` oder `willst du mal von meinem Teller probieren?´ ergeben keinen Sinn mehr, wenn man sich kaum verständigen kann und Salz und Speisen nie beim Adressaten ankommen würden, weil auf dem langen Weg über den Tisch der angebotene Probierhappen schon von Bakterien vollständig zersetzt würde. Das Schöne an so einem Bankett ist, dass man nicht ständig sitzen muss. Man darf im Saal herumlaufen. Ob man es auf die Art tun sollte, wie es der Gouverneur macht, sollte jeder für sich entscheiden. Mister Zhang trank auf seiner Wanderung um den Tisch mit jedem Gast. Dass er am Ende des Abends wieder auf seinem Platz angekommen war, hatte er vermutlich dem Umstand zu verdanken, dass es sich bei chinesischen Politikern überwiegend um Marionetten handelt, eine Art höherer Führung. Vielleicht hatte der Gouverneur aber auch gewettet. In diesem Fall hätte er die Saalwette gleich zweifach gewonnen.

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Make love? No only massage.

China ist ein Land der Dienstleistungen Koffer werden getragen, Schuhe geputzt, selbst die Serviette im Restaurant wird einem von einer Kellnerin mit dem einen Ende unter dem Teller festgeklemmt, während die hilfsbereite Dame den Rest über den Schoß des Gastes ausbreitet. Damit wären wir in der Körperregion angekommen, um die es jetzt geht. Eigentlich ist Prostitution in China kein Thema, weil verboten. Umso erstaunter war ich beim Besuch der Wellness-Etage unseres Hotels in den Wuyi-Bergen. Nach zwei anstrengenden Tagen in Peking und Shanghai und angesichts einer bevorstehenden vierstündigen Busfahrt wollte ich mich massieren lassen. Die Dame an der Rezeption kam sofort zur Sache: „Do you want to make love?“ Nein sagte ich, nur eine Massage. So schnell gab die Dame nicht auf. Wenn mir beides zu teuer wäre, könnte ich auch nur eine Fußmassage buchen und hätte noch Geld für make love. Nein, ich wollte etwas für den ganzen Körper tun, nicht nur für die Füße. Daraufhin führte sie mich in einen romantisch beleuchten Raum mit einer breiten Matratze auf einem von Kerzen umrahmten Podest. „Make love?“ Zugegeben, die Örtlichkeit sah verlockend aus. Nein, nur ein Massage, bestätigte ich. Sie drückte auf den Lichtschalter und der kühle Schein der Neonröhre lenkte den Blick auf eine schmale, harte Massageliege. Hätte ich auf das jetzt folgende „make love?“ mit „yes“ geantwortet, hätten Neonlicht und Massageliege den Raum wieder der Romantik überlassen. Doch ich blieb konsequent und glaubte, das Thema „make love“ für heute ausgestanden zu haben.

Dann kam Lucy, die Masseurin. Lucy war 25 Jahre alt, recht ansehnlich aber durchaus züchtig gekleidet. Ihre ersten Worte waren „make love? We have a beautiful girl. Look”. Nein ich wollte nicht schauen, sondern massiert werden und zwar hier und jetzt. Lucy gebot mir die Kleider zum überwiegenden Teil abzulegen, bedeckte Beine und Rücken mit einem Handtuch und machte sich an meinem Kopf zu schaffen. Mit sicherem Instinkt traf sie meine verspanntesten Körperpartien, lockerte sie mal sanft mal gewaltsam und trat damit den Beweis an, dass sie etwas von ihrem Handwerk versteht. Als sie an meinem rechten Oberarm angekommen war, hielt Lucy inne und fragte „make love?“. Ich verneinte und sie massierte weiter. Inzwischen hatte sie das Handtuch über meinen Oberkörper gedeckt und knetete meine Beine. Wieder hielt sie inne, doch statt die erwartete Frage zu stellen, äußerst sie tiefe Bewunderung für meine mitteleuropäische Beinbehaarung.
Dann war die linke Seite dran. Lucy knetete wieder so lange, bis der Oberarm dran war. Stop. „Make love?” No. Und Lucy massierte weiter. Nach einer Stunde und vielen Schmerzen waren alle Verspannungen aus meinem Körper gewichen. Die Massage war fertig. Lucy sah mich erwartungsvoll an: “make love?“ Ich lächelte sie an, gab ihr das Geld für die Massage und ging.

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Chinas grüner Süden

Ich schreibe diesen Blog-Eintrag im Bus zwischen Wuyishan und Fuzhou. Obwohl wir auf einer modernen Autobahn fahren, schleichen wir gerade im dritten Gang einen Berg hinauf, der Motor unter meinem Sitz macht ungesunde Geräusche. Die Kulisse ist prächtig: Es geht durch fruchtbare Täler vor der Kulisse der bewaldeten Wuyi-Berge. Wir sehen viele Reisfelder, auf denen bis zu vier mal im Jahr geerntet wird. Inzwischen werden kleine Mähdrescher eingesetzt, gepflügt wird mit dem Wasserbüffel. Insgesamt erfordert der Reisanbau nach wie vor viel Handarbeit. Die Bauern in China arbeiten seit 25 Jahren auf eigene Rechnung, häufig in Genossenschaften.

Vereinzelt werden Bananen und Mandarinen angebaut, an den Hängen wächst Tee, zwischendurch gibt es hier und da eine Entenfarm. Wo die Fläche nicht intensiv genutzt wird wachsen Bambus und Kiefern. Nur selten sehen wir die traditionellen Pagodenhäuser, deren Dach von Nord nach Süd ausgerichtet ist. Es werden aber auch komplette Städte mit Wohnungen, Büros, und Werkstätten neu aus dem Boden gestampft. Auf der Autobahn schaffen wir es dank vieler Tunnel in vier ein halb Stunden nach Fuzhou, auf der kurvigen Landstraße hätte die Fahrt durch die Berge den ganzen Tag gedauert.

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Freundschaftscuvée – Empfang beim Oberbürgermeister

China ist ein Land der großen Gesten. Wenn eine Delegation aus Rheinland-Pfalz zu Gast ist, wird sie selbstverständlich vom Bürgermeister empfangen. Uns lud sogar der Oberbürgermeister der Kreisstadt Nan Ping zu einem festlichen Bankett ein. Obwohl es sich um ein 5-Sterne Golfhotel am Rande der Stadt Wuyishan handelte, strahlte der riesige Festsaal mit den wenigen Tischen eine Art sozialistischer Kälte aus, wie man sie aus Ostblockstaaten kennt. Ähnlich wie dort, tauscht man auch in China nette Worte der gegenseitigen Wertschätzung aus, bevor die Freundschaft praktisch, d.h. mit Spirituosen, besiegelt wird. In Wuyishan hatte man dazu eine besondere Idee: als Zeichen der Zusammengehörigkeit von Rheinland-Pfalz und der Provinz Fujian wurden Rotwein und Reiswein zusammengekippt. Diese Freundschaftscuvée roch wie Sherry und schmeckte vor allem Oberbürgermeister Zaang Shanying prächtig. Während Mister Shanying von Tisch zu Tisch ging, um anzustoßen, leerte er sein Glas jedes Mal in einem Zug. Wobei erwähnt werden sollte, dass Gläser in China stets randvoll sein müssen. Natürlich stieß der Oberbürgermeister auch mit der Deutschen Weinkönigin Mandy I an. Eine gute Idee, dachten sich weitere Würdenträger, bis hin zum jüngsten Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Prost! Oberbürgermeister Shanying und Mandy I

Offenbar hatten sie alle großes Vertrauen in die Trinkfestigkeit der Weinkönigin. Vermutlich dachten sie, Weinkönigin wird bei uns diejenige, die am meisten verträgt, ähnlich einem Sieger im Negerkuss-Wettessen. Mandy I hielt sich tapfer, während die neun Gläser, die der Oberbürgermeister ganbei – also auf ex genommen hatten, Wirkung zeigten. Mister Shaying  schien gemeinsam mit dem Deutschen Botschafter Michael Schäfer Fangen zu spielen, während sie immer wieder um Ministerpräsident Kurt Beck herumliefen. Fragt sich, wem nachher schwindeliger war.

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Fleischtee zum Dessert und andere zweifelhafte Gaumenfreuden

Nach tollen Erfahrungen mit der chinesischen Küche in sehr guten Restaurants in Peking kamen wir in die Provinz. Die Luft war besser, das Wasser weicher, der Verkehr entspannter und das Essen rustikaler. Nein, Hund und Katze hatten wir hier nicht (wissentlich) auf dem Teller, allerdings gab es beim Bankett in Wuyishan Dinge, von denen wir bisher nur gehört hatten, wobei es schwierig bis unmöglich war, die Speisen anhand ihres Aussehens zu identifizieren.

Schmeckt knorpelig: Hinten die Hühnerfüße, vorne links Schweinefuß

Dass es sich bei den in Würfel gehakten, braunen Knorpelklumpen um Schweinefüße handelte, mussten wir erfragen. Einfacher zu erkennen aber genauso knorpelig waren die Hühnerfüße – absolut beliebte Hausmannskost in China – warum auch immer. Zum Abschluss wurden kleine Teekannen gebracht. Beim Inhalt handelte es sich um Brühe: Es war also nicht der berühmten Tee aus den Wuyi-Bergen sondern Fleischtee.

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Abenteuer Taxifahrt

In fernen Ländern kann die Taxifahrt schon mal zum Abenteuer werden. China gehört eindeutig dazu. Auf Englischkenntnisse darf man hier nicht hoffen, am besten, jemand der chinesisch spricht, sagt dem Fahrer, wo es hingeht oder aber man lässt sich vom Hotel das Ziel in chinesischen Schriftzeichen auf einen Zettel schreiben. Auch Staatssekretär Englert warnte schon am Anfang unserer Reise: Bloß nicht das Hotel verlassen ohne ein entsprechendes Visitenkärtchen des Hauses, denn sonst wird das mit dem Taxi nichts. Cutterin Wan Ho warnte mich auch noch: Ich solle ja schauen, dass der Taxameter an ist, sonst werde ich übers Ohr gehauen. Bis dahin schnell einleuchtende Theorie. Die in der Großstadt Shanghai auch prima funktionierte. Die Dame von der Rezeption schrieb alles in chinesischen Schriftzeichen auf einen Zettel, der Fahrer brachte mich wie geplant erst zur Expo, wo ich am Tag zuvor ein Kabel hatte liegen lassen, und dann zum Pudong Airport, Terminal 1. Das Taxameter lief, alles prima. Doch in Fuzhou geriet meine Vorbereitung durcheinander: Kaum hatte ich das Flughafengebäude verlassen, steuerten ungefähr zehn Chinesen auf mich zu und riefen „Taxi?“. Einen Taxameter hatte angeblich keiner, es gab einen abgesprochenen Festpreis. In der Horde der Taxifahrer – zwei wollten sich schon um meinen Koffer schlagen – suchte ich Hilfe suchend den Blick eines Mannes in Uniform. Doch der nickte  nur, also alles in Ordnung? Schließlich stieg ich in ein Taxi ein, der Fahrer fuhr ungewohnt langsam. Warum, stellte sich drei Kilometer später heraus: Da hielt er an, ein zweiter Wagen auch, mein Koffer wurde umgeladen und auch ich sollte umsteigen. Mir war schnell klar, da schanzt wohl ein Kumpel dem anderen einen Auftrag zu – denn das zweite Taxi sah nicht wie eines aus, offenbar hatte der Fahrer keine Lizenz. Doch was blieb mir anderes übrig, als umzusteigen? Ein gewisses Vertrauen in das Gute im Menschen braucht man in solchen Situationen ja schon. Und die Hoffnung, dass der Schutzengel mitfährt. Verkehrsregeln waren für meinen Fahrer reine Auslegungssache und eine zwei-Meter-Lücke zwischen zwei Autos groß genug, um sich noch im fließenden Verkehr durchzuquetschen. Während der Fahrt telefonierte er, schrieb mehrere sms und warf ab und zu einen Blick auf die Musikvideos, die im Display der Mittelkonsole liefen. Trotz allem: Eine Stunde später war ich wohl behalten in meinem Hotel. Und der Festpreis war auch noch im Rahmen, wie sich herausstellte.

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Flug nach Fuzhou – Warum hocken Asiaten eigentlich so gern?

Ich sitze im Flugzeug nach Fuzhou. Und neben mir auf dem Sitz sitzt kein Mann, nein, er hockt. Und das schon seit einer halben Stunde. In China habe ich bisher nur wenige hockende Menschen gesehen. Ganz anders in Vietnam: Auf meiner Urlaubsreise durch das Land im vergangenen Jahr hockten ständig Menschen in Gruppen zusammen und unterhielten sich. Wenn es eine Bank gibt, was selten ist, ist das auch nicht schlecht, dann kann man sich nämlich auf die Bank obendrauf hocken und hat einen besseren Blick. Meine Cutterin Wan Ho kennt die Hockerei auch aus China und erzählte mir, dass sie sogar schon Schuhabdrücke auf einer  Kloschüssel gesehen hätte. Fünf Minuten hocken, okay, das ist sicher auch für mich kein Problem. Aber nach 20 Minuten käme ich wahrscheinlich nicht mehr aus der Hocke hoch oder mir wären beide Beine eingeschlafen. Ich frage mich, wann muss man wohl anfangen, das zu trainieren? Vermutlich schon als Kleinkind. Vielleicht haben die Asiaten auch einen Extramuskel auf der Rückseite des Oberschenkels? Wie dem auch sei. Mein Flugzeugnachbar hat sich irgendwann tatsächlich doch noch mal fast normal auf den Sitz gesetzt, als es nämlich etwas zu trinken gab und er den Tisch runterklappen musste. Aber nur 5 Minuten. Dann hat er sich wieder hingehockt.

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„I like your hair“ – Chinesische Begegnungen

Der Rest der Delegation ist gestern Abend nach Wuyishan geflogen, um einen Ausflug ins Welterbegebiet zu machen. Den werde ich leider verpassen, denn ich kann erst heute aus Shanghai abreisen, da ich den gestrigen Abend mit Schneiden verbracht habe. Bis zu meinem Abflug nach Fuzhou in der rheinland-pfälzischen Partnerprivinz Fujian habe ich noch etwas Zeit und kann in aller Ruhe und bei strahlendem Sonnenschein über den so genannten Bund schlendern; das ist die Flanierstraße schlechthin in Shanghai. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf die Skyline mit Pearl Tower und dem so genannten Flaschenöffner, einem Hochhaus, das tatsächlich genauso aussieht. Das beliebte Fotomotiv ist längst zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Shanghai bei Nacht (Foto: Sabine Rappen)

Die Promenade ist voller Menschen an diesem Morgen, viele Touristen sind darunter, vor allem aus China, denn sie wollen sich die Expo anschauen, die nur noch bis zum Sonntag dauert. Andere nutzen die beeindruckende Kulisse für Fotoaufnahmen, besonders bei Brautpaaren scheint das Ufer sehr beliebt zu sein. Nachdem ich eine Zeit lang am Bund entlang geschlendert bin, sprechen mit zwei junge Chinesinnen auf Englisch an, fragen, ob ich ein Foto von ihnen machen kann. Wir kommen ins Gespräch, ich erfahre, die beiden Freundinnen kommen aus Zentralchina, machen eine Woche Urlaub in Shanghai, um sich die Stadt und die Expo anzuschauen. Deutschland kennen sie auch ein bisschen und waren sogar schon mal in Hamburg. Leider muss ich zurück zum Hotel, auschecken. Gerne hätten mich die beiden noch zu einem Markt mitgenommen – dabei haben wir uns gerade erst kennen gelernt. Zum Abschied besteht eine der jungn Frauen darauf, dass ihre Freundin zumindest noch ein gemeinsames Foto von uns beiden machen muss – „I Like your hair“ – ja, jetzt fällt es mir auch auf, ich bin gerade die einzige Frau mit blonden langen Haaren, die hier spazieren geht und das in einer Metropole, in der rund 19 Millionen Menschen wohnen. Und mit meinen 1,68 m gehöre ich hier auch schon zu den Hochgewachsenen. Auf meinem Rückweg zum Hotel werde ich übrigens noch einmal für ein gemeinsames Foto angesprochen, diesmal sind es drei Chinesinnen Anfang 20, die ich fast um einen Kopf überrage. Schon seltsam, wenn man mal selbst zum Fotomotiv wird …

Link: Winzer in Shanghai (Ländersache, 28.10.2010)

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Zwischen Bett und Schreibtisch – Ein Fernsehbeitrag entsteht

Drei Tage lang haben wir die Delegation jetzt immer wieder auch mit der Kamera begleitet – Karsten, mein deutscher Kamermann, der seit Jahren in Peking lebt und arbeitet, sowie Tonassistent Ping Ping, ein Chinese, der aber glücklicherweise sehr gut englisch spricht, was hier nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Nun werde ich zwei Beiträge für Rheinland-Pfalz aktuell und die Ländersache schneiden. Mein Arbeitsplatz: Das Hotelzimmer meiner Cutterin Wan Ho – eine Deutsche mit chinesischen Eltern.

Am Schnittplatz (Foto: Sabine Rappen)

Auf dem Schreibtisch im Zimmer hat sie ihr Arbeitsgerät aufgebaut – das Wichtigste: Ein Laptop, an dem die Filme geschnitten werden können. Das geht erstaunlich gut, die Technik muckt nicht, alles läuft problemlos. Den ganzen Tag über haben wir noch auf der Expo in Shanghai gefilmt – den Urban Planet, der sich kritisch und trotzdem sehr unterhaltsam mit Themen wie Umweltverschmutzung und Raubbau an der Natur beschäftigt sowie im deutschen Pavillon, wo wir natürlich auch die rheinland-pfälzischen Ausstellungsstücke begutachtet haben – von Firmen wie Schott, BASF und Fissler. Jetzt ist es halb sechs Uhr abends, der Schnitt kann beginnen. Um halb zehn packt uns der Hunger – Wan Ho kommt auf die Idee, den Mc Donald´s Delivery Service anzurufen. Das habe ich noch nie gehört. Doch tatsächlich, Mc Donald´s liefert in den großen Städten Chinas Hamburger und Big Mac frei Haus. Dumm nur, dass wir außerhalb der Reichweite liegen. Aber der Hotelzimmerservice ist auch nicht schlecht. Gebratener Reis, Gemüse, ein Hühnchencurry und der verdutzte Blick des Zimmermädchens, die sich wohl wundert, was wir hier so machen. Nachdem alle Beiträge fertig geschnitten und getextet und von den Redaktionen in Mainz gegengelesen worden sind, geht es mit dem Taxi nachts um 12 durch halb Shanghai. Unser Ziel: Shanghai TV, natürlich ein staatlicher Sender, denn freie Presse gibt es hier nicht. Drei Wachleute empfangen uns hinter einer Schranke und gucken gar nicht freundlich. Mit einem Lächeln kommt man hier nicht weiter. Wir müssen unsere Pässe vorzeigen, die werden eingescannt, dann holt uns eine Frau ab und fährt mit uns in den 21. Stock des grauen Hochhauses, von wo der Beitrag via Satellit überspielt werden soll. Als ich Kollegin Steffi Bräutigam im Fernsehschaltraum Mainz am Telefon habe und erfahre, dass sie die Bilder empfängt, bin ich dann doch erleichtert. Denn eine Überspielung klappt nicht in jedem Falle, wie die Cutterin erzählt. 15 Minuten später ist alles erledigt, die Beiträge abgesetzt. Ging ja doch einfacher als gedacht. Und es wurde auch nicht die Leitung gekappt, als im Beitrag Worte wie „Menschenrechte“ oder „Friedensnobelpreisträger“ fielen. Offenbar ist die Zensur – zumindest für ausländische Medien – nicht so streng.

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