Drei Tage lang haben wir die Delegation jetzt immer wieder auch mit der Kamera begleitet – Karsten, mein deutscher Kamermann, der seit Jahren in Peking lebt und arbeitet, sowie Tonassistent Ping Ping, ein Chinese, der aber glücklicherweise sehr gut englisch spricht, was hier nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Nun werde ich zwei Beiträge für Rheinland-Pfalz aktuell und die Ländersache schneiden. Mein Arbeitsplatz: Das Hotelzimmer meiner Cutterin Wan Ho – eine Deutsche mit chinesischen Eltern.

Am Schnittplatz (Foto: Sabine Rappen)
Auf dem Schreibtisch im Zimmer hat sie ihr Arbeitsgerät aufgebaut – das Wichtigste: Ein Laptop, an dem die Filme geschnitten werden können. Das geht erstaunlich gut, die Technik muckt nicht, alles läuft problemlos. Den ganzen Tag über haben wir noch auf der Expo in Shanghai gefilmt – den Urban Planet, der sich kritisch und trotzdem sehr unterhaltsam mit Themen wie Umweltverschmutzung und Raubbau an der Natur beschäftigt sowie im deutschen Pavillon, wo wir natürlich auch die rheinland-pfälzischen Ausstellungsstücke begutachtet haben – von Firmen wie Schott, BASF und Fissler. Jetzt ist es halb sechs Uhr abends, der Schnitt kann beginnen. Um halb zehn packt uns der Hunger – Wan Ho kommt auf die Idee, den Mc Donald´s Delivery Service anzurufen. Das habe ich noch nie gehört. Doch tatsächlich, Mc Donald´s liefert in den großen Städten Chinas Hamburger und Big Mac frei Haus. Dumm nur, dass wir außerhalb der Reichweite liegen. Aber der Hotelzimmerservice ist auch nicht schlecht. Gebratener Reis, Gemüse, ein Hühnchencurry und der verdutzte Blick des Zimmermädchens, die sich wohl wundert, was wir hier so machen. Nachdem alle Beiträge fertig geschnitten und getextet und von den Redaktionen in Mainz gegengelesen worden sind, geht es mit dem Taxi nachts um 12 durch halb Shanghai. Unser Ziel: Shanghai TV, natürlich ein staatlicher Sender, denn freie Presse gibt es hier nicht. Drei Wachleute empfangen uns hinter einer Schranke und gucken gar nicht freundlich. Mit einem Lächeln kommt man hier nicht weiter. Wir müssen unsere Pässe vorzeigen, die werden eingescannt, dann holt uns eine Frau ab und fährt mit uns in den 21. Stock des grauen Hochhauses, von wo der Beitrag via Satellit überspielt werden soll. Als ich Kollegin Steffi Bräutigam im Fernsehschaltraum Mainz am Telefon habe und erfahre, dass sie die Bilder empfängt, bin ich dann doch erleichtert. Denn eine Überspielung klappt nicht in jedem Falle, wie die Cutterin erzählt. 15 Minuten später ist alles erledigt, die Beiträge abgesetzt. Ging ja doch einfacher als gedacht. Und es wurde auch nicht die Leitung gekappt, als im Beitrag Worte wie „Menschenrechte“ oder „Friedensnobelpreisträger“ fielen. Offenbar ist die Zensur – zumindest für ausländische Medien – nicht so streng.