Wolfgang Zwickel

Wolfgang Zwickel (* 1957) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er führt mit einem Forscherteam Ausgrabungen in der Gegend von Kinneret am See Genezareth durch. Insgesamt ist das Projekt auf zwölf Jahre angelegt. Damit und mit anderen Projekten gilt Mainz als die führende Universität in Deutschland für Grabungen in Israel.

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Antworten von Wolfgang Zwickel

Gibt es Belege für die Anbetung von Fremdgöttern in Palästina? (06.09.2011)

Solche Siegel kennen wir aus Babylonien und Assyrien, aber auch aus Palästina massenhaft. Wir sind hier in der Zeit um 600 v. Chr. und finden häufig auf Siegeln Sternsymbol, Mondsichel und Sonnensymbol abgebildet. Dass wir solche Siegel auch in Palästina haben, ist in meinen Augen hochinteressant: Einerseits können wir dadurch zeigen, dass es einen intensiven Kulturkontakt und kulturellen Einfluss von Babylonien und Assyrien nach Palästina gab. Der Fremdgötterkult, der im Alten Testament in dieser Zeit beschrieben wird, war in massiver Weise vorhanden. Antwort zu "Gibt es Belege für die Anbetung von Fremdgöttern in Palästina?" lesen »

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Jericho soll durch den Klang von Trompeten eingestürzt sein. Was sagt die Archäologie dazu? (06.09.2011)

Bei den archäologischen Grabungen um 1909 in Jericho fand man eine eingestürzte Mauer und sagte: Da sind wir bei Josua, damit haben eine absolute Datierung; das ist 1200 v. Chr. Später hat sich gezeigt, dass man sich um rund 1000 Jahre geirrt hat, denn das ist eine Mauer, die aus der Zeit 2300 v. Chr. stammt, also sehr viel älter ist. Jericho war in der Zeit, als die Landnahme stattgefunden hat, überhaupt nicht besiedelt. Es ist ein Ort, der um 1300 v. Chr. aufgegeben wurde und dann erst wieder ab 1100 neu besiedelt wurde. Antwort zu "Jericho soll durch den Klang von Trompeten eingestürzt sein. Was sagt die Archäologie dazu?" lesen »

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Was wollten die Verfasser der Bibeltexte durch ihre Interpretation der Ereignisse bei den Lesern bewirken? (06.09.2011)

Es geht den Verfassern also darum, Werbung für diesen Gott Jahwe zu machen. Es geht aber auch darum, dass man die Gegenwart entsprechend deutet. Ganz klar wird das 587 v. Chr., als Juda endgültig zerstört wurde, Jerusalem zerstört wurde, der Tempel zerstört war. Damit sind alle Glaubensinhalte kaputtgegangen, die Israel hatte. Und so schrieb man Geschichte noch einmal neu, deutete sie neu. Antwort zu "Was wollten die Verfasser der Bibeltexte durch ihre Interpretation der Ereignisse bei den Lesern bewirken?" lesen »

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Gab es den Auszug aus Ägypten überhaupt? (06.09.2011)

Es gab den Auszug wohl. Die Frage ist aber, in welcher Form. In der Zeit des 14., 13. Jahrhunderts gab es einen völligen Zusammenbruch der damaligen Gesellschaft. Eine Klimakatastrophe führte dazu, dass viele Städte und Stadtstaaten aufgegeben werden mussten. Dazu kamen innere Unruhen, mittelfristig brach dadurch der Handel zusammen und die Städte wurden weiter entvölkert. Viele Menschen sind damals nach Ägypten abgewandert. Aber es handelte sich nicht um einen organisierten Auszug. Die Leute kehrten auch wieder zurück und wir können feststellen, dass es in dieser Zeit eine völlige Neustrukturierung der Gegend gab. Antwort zu "Gab es den Auszug aus Ägypten überhaupt?" lesen »

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Ab wann ist die Bibel historisch belegbar? (06.09.2011)

Wir haben assyrische Inschriften für Palästina; ab dem 9. Jahrhundert kam Palästina ins Blickfeld der Assyrer. Interessanterweise haben wir den ersten Beleg für einen biblischen König in assyrischen Inschriften; es geht um die Schlacht bei Qarqar 853 v. Chr. Dort wird König Ahab, Sohn von Omri, erwähnt. Und nach 853, im 7., 6. Jahrhundert, haben wir eine ganze Reihe außerbiblischer Zeugnisse, die sehr gut mit den biblischen Texten übereinstimmen und die Bibel in den Grunddaten bestätigen. Antwort zu "Ab wann ist die Bibel historisch belegbar?" lesen »

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Was weiß man über den Verbleib der Bundeslade? (05.09.2011)

587 verbrannte der Tempel in Jerusalem. Die Babylonier nahmen alles, was wertvoll war, mit. Das waren Gold-, Silber und evtl. Kupfergefäße. Andere Gegenstände, die z. B. aus Holz waren, sind einfach verbrannt. Sie waren nicht wertvoll genug, um Tausende von Kilometern geschleppt zu werden. Die Bundeslade, eine Holzkiste, sah nicht viel anders aus als ein Sarg. Sie war nicht weiter von Bedeutung und wird deswegen 587 dort verbrannt sein. Antwort zu "Was weiß man über den Verbleib der Bundeslade?" lesen »

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Gibt es archäologische Befunde, die Darstellungen aus der Bibel eindeutig widerlegen? (05.09.2011)

Archäologische Belege, die Bibelstellen eindeutig widerlegen, haben wir nicht. Aber: Texte stellen immer die eigene Position dar. Der Monotheismus, der in der Bibel zum Ausdruck kommt, ist sicher nicht in allen Kreisen der damaligen Bevölkerung praktiziert worden. Da bekommen wir durch die Archäologie ein vielfältigeres Bild. Seit den 80er-, 90er-Jahren haben wir zwei Inschriften, in denen von Jahwe und seiner Aschera die Rede ist, also von einer Göttin, die an der Seite Jahwes stand. Antwort zu "Gibt es archäologische Befunde, die Darstellungen aus der Bibel eindeutig widerlegen?" lesen »

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Welchen Ursprung hat das Schweinefleischverbot? (05.09.2011)

Erste schriftliche Belege für das Schweinefleischverbot stammen aus der nachexilischen Zeit, also dem 5., 4. oder 3. Jahrhundert. Solche Verbote haben aber auch kulturgeschichtliche Wurzeln. Zum einen ging es einfach um den Geschmack. Dazu kommt aber sicher, dass das Schwein ein Nahrungsmittelkonkurrent für die Menschen ist. Es geht also nicht um Reinheit, sondern schlicht um Nahrungsmittelkonkurrenz. In einem Land, in dem man sich mühsam durch Ackerbau über Wasser halten muss, stellen Schweine eine große Gefahr dar, weil sie die Felder verwüsten könnten. Antwort zu "Welchen Ursprung hat das Schweinefleischverbot?" lesen »

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Welche historische Bedeutung hatte König David tatsächlich? (02.09.2011)

Seit einigen Jahren haben wir den definitiven Nachweis, dass es David gab. Davor gab es einige Zeit Zweifel, aber inzwischen hat man eine Inschrift aus dem 9. Jahrhundert gefunden, in Dan, im Norden Israels. In dieser Inschrift ist vom Beth David, dem Haus Davids, die Rede. Wir haben hier also eine Bezeichnung, wie wir sie häufiger im Vorderen Orient haben: Ein Königtum wird nach dem Dynastiegründer benannt; in diesem Fall David. Und damit ist das Gebiet Judas gemeint. David als historische Gestalt kann man damit heute nicht mehr bezweifeln [...] Antwort zu "Welche historische Bedeutung hatte König David tatsächlich?" lesen »

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Wie zuverlässig sind biblische Berichte? (01.09.2011)

Seit gut 100 Jahren ist es Forschungskonsens, dass die biblischen Texte in der Regel nicht von Zeitgenossen „mitstenographiert“ wurden, sondern sie entstanden mit großem zeitlichen Abstand. Das ist etwa so, also ob heute jemand ein Buch über Karl den Großen oder Martin Luther schreibt und das unter dem Eindruck des 21. Jahrhunderts tut. Dadurch entsteht eine ganz andere Blickrichtung. Außerdem muss man sich klar machen, dass die biblischen Texte nie als rein historische Texte verfasst wurden [...] Antwort zu "Wie zuverlässig sind biblische Berichte?" lesen »

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