Manfred Spitzer

Prof. Dr. Manfred Spitzer ist Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm und einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands. Zu seinen Spezialgebieten zählt vor allem die Lernforschung. So leitet Spitzer seit 2004 das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL).

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Antworten von Manfred Spitzer

Wie formbar ist das Gehirn mit zunehmendem Alter? Macht Gehirnjogging Sinn? (07.11.2008)

Das Gehirn kann lernen von der Wiege bis zur Bahre. Die Formbarkeit, also das Ausmaß der Veränderungen, das nimmt deutlich ab mit dem Alter und zwar ist es bei 17-Jährigen schon weniger als bei 7-Jährigen und bei 27-Jährigen noch weniger. Diese Langsamkeit von Lernprozessen fängt nicht erst bei 50 oder 70 an, sondern die fängt im Grunde schon im frühen Erwachsenenalter an, das ist das Erste. Das Zweite ist: Natürlich kann man dafür was tun. .... Antwort zu "Wie formbar ist das Gehirn mit zunehmendem Alter? Macht Gehirnjogging Sinn?" lesen »

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Wie beeinträchtigt Alkohol die Lernfähigkeit und das Kurzzeitgedächtnis? (07.11.2008)

Das hängt ein bisschen davon ab, wann man trinkt und natürlich auch wie viel. Generell gilt, dass ein bisschen Alkohol gesund ist, aber das ist wirklich ein bisschen. Das ist etwa viermal die Woche ein halbes Glas Wein bei Frauen und ein dreiviertel Glas Wein bei Männern. Wenn ich viel gelernt habe, oder wenn ich viel lernen möchte, dann schadet Alkohol ganz gewiss, weil der unser Gehirn deoptimiert, was seine Verarbeitungsmöglichkeiten anbelangt. Deswegen sollen wir auch nicht Auto fahren, wenn wir was getrunken haben. Das trifft fürs Lernen genauso zu. ... Antwort zu "Wie beeinträchtigt Alkohol die Lernfähigkeit und das Kurzzeitgedächtnis?" lesen »

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Fast alle Komponisten waren Männer. Hat das mit dem Gehirn zu tun? (07.11.2008)

Fast alle Schachgroßmeister sind auch Männer. Von tausend sind, glaube ich, sechs oder neun Meisterinnen. Jetzt hat man lange gesagt: Na ja, das ist eben eine männliche Sache. Es geht um räumliches Vorstellungsvermögen, da sind auch die Männer besser, und, und, und ... Wir kennen da die Theorien. Wenn man das aber mal genau untersucht, da stellt sich heraus, dass dort, wo Frauen von Anfang an genauso gut im Schach gefördert werden wie Männer, da sind die Leute genauso gut, d. h., es ist mindestens ein ganz großer selektions- und geschlechtsspezifischer Förderungseffekt am Werk und möglicherweise gar keine natürlich Begabung. Also da muss man sehr vorsichtig sein. Und bei Musik ist das ähnlich. ... Antwort zu "Fast alle Komponisten waren Männer. Hat das mit dem Gehirn zu tun?" lesen »

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Ist der Hirntod der wirkliche Tod des Menschen? (07.11.2008)

Ich glaube, dass ich hier für die Allgemeinheit der meisten Wissenschaftler spreche wenn ich sage, es macht ganz viel Sinn zu sagen, dass der Tod des Menschen an dessen Gehirntod geknüpft wird. Denn Ihr Gehirn ist ihre Personalität, also das, was Sie ausmacht, ist Ihr Gehirn. Stellen Sie sich vor: Ihr Gehirn wird transplantiert. Dann sind Sie, wenn Sie ein neues Gehirn eingebaut bekommen, nicht mehr Sie. ... Antwort zu "Ist der Hirntod der wirkliche Tod des Menschen?" lesen »

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Warum gibt es viel mehr Rechtshänder als Linkshänder? (07.11.2008)

Das ist ganz sicher genetisch bedingt. Es gibt eine Genetik der Händigkeit. Die ist ziemlich kompliziert und bis heute noch nicht ganz genau aufgedröselt. Das sind mindestens zwei Gene, die da infrage kommen. Und der Erbgang ist auch ziemlich kompliziert. Aber es ist auf jeden Fall genetisch bedingt. ... Antwort zu "Warum gibt es viel mehr Rechtshänder als Linkshänder?" lesen »

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Lerne „ich“ oder mein Gehirn? (07.11.2008)

Wir empfinden ja nicht unser Gehirn. Und wenn ich manchmal ein bisschen salopp sage: „Das Gehirn lernt“, dann meine ich natürlich das Gehirn, das in einer Person drin steckt. Wir können nur als Gehirnforscher heute sehr klare Erkenntnisse zu Prozessen, die im Gehirn beim Lernen eine Rolle spielen, erkennen. Ich halte das für einen Streit um Worte. ... Antwort zu "Lerne „ich“ oder mein Gehirn?" lesen »

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Gibt es wissenschaftliche Belege für den Nutzen von Lernen durch Lehren? (06.11.2008)

Das aktive Verarbeiten von Informationen und damit eben auch das Aufbereiten, das anderen Beibringen, ist eine unglaublich gute Weise, selber etwas zu lernen. Ich bin ein großer Fan von solchen Unternehmungen, wo der Viertklässler dem Drittklässler oder Zweiklässler was beibringt. Denn da wird der Viertklässler mindestens so viel profitieren wie der Zweitklässler. Mentoren innerhalb von Schülern, ältere und jüngere zusammenspannen und dann Lernteams unterschiedlichen Alters zu bilden – das ist, glaube ich, etwas sehr Wichtiges. Antwort zu "Gibt es wissenschaftliche Belege für den Nutzen von Lernen durch Lehren?" lesen »

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Kann man eine Begabungsschwäche durch Üben ausgleichen? (06.11.2008)

Man kann sehr viel ausgleichen und ganz wichtig ist z. B. die Einstellung dazu. Ein ganz schönes Beispiel zur Mathematik: Wenn man deutsche Schüler fragt: „Wer ist gut in Mathematik?“, dann sagen die: „Na ja, wer begabt ist.“ Wenn man Südkoreaner fragt: „Wer ist gut in Mathematik?“, dann sagen die: „Wer viel lernt.“ Also lernen die Koreaner ganz viel Mathematik, weil die sagen: „Wenn ich viel lerne, dann bin ich auch gut.“ Ergo: Die sind auch gut! Weil die alle nicht gleich die Flinte ins Korn werfen wenn sie mal schlecht in Mathematik sind und dann sagen: „Ich bin halt unbegabt“. Antwort zu "Kann man eine Begabungsschwäche durch Üben ausgleichen?" lesen »

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Kann man besondere Begabungen am Gehirn erkennen? (06.11.2008)

Intelligenz sitzt irgendwo im Stirnhirn. Wo sprachliche Begabung oder mathematische Begabung ihren Sitz im Gehirn hat- dazu hat man bislang noch keine klaren Erkenntnisse. Wir sollten Kinder zunächst generell in ihren Möglichkeiten fördern und nicht zu früh und schon gar nicht mit Gehirnscannern die Kinder aussortieren, was sie nun lernen sollten und was nicht. Antwort zu "Kann man besondere Begabungen am Gehirn erkennen?" lesen »

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Welchen Einfluss haben die Gene bei der Entwicklung bestimmter Fähigkeiten? (06.11.2008)

Wenn ein Baby lernt, dann knüpft es nicht an die Gene an. Die Gene haben die gesamte Lernmaschinerie sozusagen erst mal ausgebildet, in Gang gesetzt. Und dann muss die und kann die und soll die lernen. Und das ist auch ihr Job. Deswegen machen das Babys so gut und lernen so viel. Da unterscheiden sie sich auch erst mal nicht so sehr, denn wir alle lernen laufen, wir alle lernen sprechen, wir alle lernen sehr viel in Abhängigkeit von der Umgebung. Und das liegt an uns Erwachsenen, für die kleinen Kinder eine optimale Lernumgebung bereitzustellen, denn dann werden aus den Kindern tatsächlich intelligentere und bessere Menschen, wenn wir das richtig gut machen. Antwort zu "Welchen Einfluss haben die Gene bei der Entwicklung bestimmter Fähigkeiten?" lesen »

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