Karl-Josef Kuschel

Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel, Jahrgang 1948, ist Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen und lehrt dort Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs.

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Antworten von Karl-Josef Kuschel

Ich kann nicht an Gott glauben. Bin ich trotzdem religiös? (27.03.2009)

Wir sollten den Begriff „Religion“ nicht zu weit fassen, sondern ihn auch klar bestimmen. Nicht weil ich Ihnen irgendetwas absprechen möchte. Sondern weil Religiosität etwas klar Bennenbares, auch Unterscheidbares ist. Ich würde einen Menschen religiös nennen, für den zunächst diese vorfindliche Wirklichkeit –also das Leben, das man lebt, die Geschichte, an der man teilnimmt – etwas Vorläufiges, Fragmentarisches, Brüchiges, Flüchtiges ist, und die Menschen, die dann ihr Vertrauen setzen auf eine transzendente raum- und zeitüberschreitende Wirklichkeit. Das scheint mir das spezifisch Religiöse zu sein. Antwort zu "Ich kann nicht an Gott glauben. Bin ich trotzdem religiös?" lesen »

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Wird Religion allgemein als vom Menschen gemacht betrachtet? (26.03.2009)

In der Tat bin ich auch der Überzeugung, dass Religion „Antwort auf Urfragen des Menschen“ ist. Insofern können Sie sagen, dass es immer auch etwas Menschengemachtes ist und immer auch das, wie Menschen „Welt“ interpretieren, wie sie die Urkrisen und Urerfahrungen interpretieren. Und zu diesen Urerfahrungen, da gebe ich Ihnen Recht, gehört die Frage „Gut und Böse“. Vor allen Dingen das Böse in seiner zerstörerischen Form – das haben wir gerade in Winnenden erlebt. Was es bedeutet, wenn plötzlich ein Einbruch des Entsetzlichen uns trifft, wo niemand Ihnen eine letzte Antwort darauf geben kann erstens: Wie kommt ein junger Mann von 17 Jahren dazu, Massenmord zu begehen? Ganz plötzlich und unvorbereitet in eine ahnungslose Umgebung hinein. Und was haben eigentlich die 14 Menschen verbrochen, dass sie einen solchen Tod erleiden müssen? Also Urfragen des Menschen nach einem letzten Sinn, nach einer letzten Orientierung. Und Religion ist eine Chance, Antworten zu finden oder jedenfalls das Suchen nach Antworten wachzuhalten. [...] Antwort zu "Wird Religion allgemein als vom Menschen gemacht betrachtet?" lesen »

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Ist Religion deswegen wieder „in“, weil der Sozialismus ein Auslaufmodell ist? (26.03.2009)

Ja, wir haben ja auch grandiose Irrtümer hinter uns. Viele Menschen haben ja begriffen, dass diese Großideologien, wie man sie genannt hat, nämlich den Glauben an einen ewigen gesellschaftlichen Fortschritt – sprich Sozialismus – der Glaube an einen ewigen technischen Fortschritt – sprich Wissenschaftsgläubigkeit – der Glaube an einen ewigen ökonomischen Fortschritt – sprich Weltfinanzkrise – zum Teil auf grandiosen Selbsttäuschungen beruhte. Wir haben da eine Phase der Entzauberung durchgemacht, der Ernüchterung; viele sprechen ja von einem postideologischen Vakuum. Das heißt, die Götzen bzw. diejenigen, die man zu Götzen erhoben hat, sind radikal entmythologisiert worden. [...] Antwort zu "Ist Religion deswegen wieder „in“, weil der Sozialismus ein Auslaufmodell ist?" lesen »

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Wie lässt sich messen, ob Religiosität zu- oder abnimmt? (26.03.2009)

Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen Kirchlichkeit auf der einen Seite und Religiosität auf der anderen Seite. Kirchlichkeit setzt eine Identifikation mit der kirchlichen Lehre und eine Bindung an die Institution voraus, auch eine Loyalität, ein Engagement. Und statistisch gesehen betrifft das heute nur noch einen geringen Teil der Bevölkerung – sowohl katholisch als auch evangelisch – aber auf der evangelischen Seite ist die Bindung noch schwächer geworden. [...] Antwort zu "Wie lässt sich messen, ob Religiosität zu- oder abnimmt?" lesen »

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