Antworten von Gerhard Ermischer
Was muss ich beachten, wenn ich einen archäologischen Fund mache? (07.11.2011)
Jedes Bundesland hat sein eigenes Denkmalschutzgesetz und eigene Bestimmungen. Ich selbst arbeite in Bayern und kann daher keine Auskunft über das baden-württembergische Denkmalschutzgesetz geben. Grundsätzlich aber gilt: Alles Archäologische gehört dem Staat. Aber egal, ob es in dem Land, in dem Sie den Fund machen, ein Schatzregal gibt oder nicht, müssen Sie den Fund in jedem Fall melden. Die zuständige Behörde ist immer das Denkmalamt bzw. die untere Denkmalschutzbehörde. Man kann aber auch zum nächsten lokalen oder regionalen Museum gehen und den Fund dem Museum melden. Ob dann Interesse daran besteht, das Objekt in ein Museum zu übernehmen oder ob man sich aufs Fotografieren, Anfertigen einer Zeichnung und Notieren des Fundortes beschränkt, liegt im Ermessen der einzelnen Behörden bzw. der Länder mit ihren verschiedenen gesetzlichen Vorgaben. Antwort zu "Was muss ich beachten, wenn ich einen archäologischen Fund mache?" lesen »
Verbundene Medien
Welchen Stellenwert hat die Industriearchäologie? (07.11.2011)
Zu Beginn stand man der Industriearchäologie in Deutschland sehr skeptisch gegenüber weil man meinte, aus dieser Zeit alles zu wissen, da es Schriftquellen en masse gibt. Man fragte sich, was die Archäologie überhaupt noch Neues entdecken könnte. Als man aber angefangen hatte, sich Industrieanlagen des 19. Jahrhunderts anzusehen, stellte man fest, dass vieles von dem, was man aus den Schriftquellen erschlossen hatte, stimmte nicht. Die Industriearchäologie brachte da also einen völlig neuen Blickwinkel ein und hat die historische Forschung ungemein befruchtet. Entstanden ist die Industriearchäologie in Großbritannien, denn Großbritannien ist nicht nur das Mutterland der Industriealisierung, sondern auch das Land, in dem bereits in den 1970er-Jahren die Deindustrialisierung einsetzte, als viele der Schwerindustrien aufgegeben wurden und die ersten großen Industriebrachen entstanden. Es hat sich also zu einem relativ frühen Zeitpunkt Industrie in kulturelles Erbe verwandelt und irgendwann begannen die Archäologen, sich das nach ihren Kriterien anzuschauen. In Deutschland ist die Industriearchäologie etwas jünger, aber in der Zwischenzeit längst angekommen. Wir haben Industrieanlagen wie die Völklinger Hütte, die inzwischen Weltkulturerbe bzw. UNESCO Welterbe geworden ist. Die hessische Denkmalpflege gibt seit Jahren eine eigene Zeitschriftenreihe heraus, die sich nur mit Industriearchäologie beschäftigt. Wenn Sie solche Dinge privat fotografieren, ist das außerordentlich verdienstvoll. Ich kann ihnen aber nicht sagen, was Sie weglassen oder worauf sie besonders achten sollten. Wichtig ist vor allem das zu fotografieren, was schwer sichtbar ist: Die Gebäude von außen, aber natürlich auch die Maschinenanlagen innen, falls da noch etwas übrig sein sollte. Wichtig ist auch, bei den Abbrucharbeiten verschiedene Stadien zu dokumentieren. Sie erwähnten, dass Sie auch Papier aufbewahren. In vielen Museen werden mittlerweile auch Papiere des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gesammelt. Antwort zu "Welchen Stellenwert hat die Industriearchäologie?" lesen »
Verbundene Medien
Was verbindet die Himmelsscheibe von Nebra mit dem Berliner Goldhut? (07.11.2011)
Zunächst stammen beide aus Raubgrabungen. Über den Goldhut kann man relativ wenig sagen, über die Himmelsscheibe von Nebra wesentlich mehr, weil ihr Herkunftsort bekannt ist. Deswegen war das Landesamt in Sachsen-Anhalt mit Prof. Meller in der Lage, Nachgrabungen durchzuführen und man kann daher mehr über die Fundumstände dieses Objekts aussagen. Beide Objekte stammen aus der Bronzezeit. Ob sie ideell etwas miteinander zu tun haben, ist schwer zu sagen. Bei der Himmelsscheibe von Nebra haben wir eine relativ gute Vorstellung, worum es sich dabei handelt. Sie hat astronomische Bedeutung und hat mit den Jahreszeiten und Sternkonstellationen zu tun. Es ist ein Abbild der Welt, wie man sie sich in der Bronzezeit vorgestellt hat. Sie wurde über einen relativ langen Zeitraum benutzt – es gibt Reparaturspuren und Veränderungen, die man an ihr durchgeführt hat. Sie wurde umgestaltet und gibt uns einen faszinierenden Einblick in die Gedankenwelt der Bronzezeit. Antwort zu "Was verbindet die Himmelsscheibe von Nebra mit dem Berliner Goldhut?" lesen »
Verbundene Medien
Woher weiß man, mit welchen Methoden und Werkzeugen früher gebaut wurde? (07.11.2011)
In Frankreich gibt es seit längerer Zeit ein Projekt in Guédelon, wo eine Burg nachgebaut wird. Wir sprechen hier von experimenteller Archäologie. Wir haben unterschiedliche Quellen – in diesem Fall sind das fürs Mittelalter Schriftquellen sowie Bildquellen aus Miniaturen oder Fresken. Dort sehen wir, wie Menschen mit welchen Werkzeugen arbeiten. Darüber hinaus gibt es die archäologischen Funde von Werkzeugen. Bei den Ausgrabungen von Burgen oder Klosteranlagen findet man z. B. Kalkschlämmbecken mit Resten von Kalk. Der Kalk wird naturwissenschaftlich untersucht um festzustellen, mit welchen Mitteln der Kalk gemagert wurde, ob man ihm Eidotter, Eiweiß, Eierschalen o. ä. beigemischt hat. Mit all diesen Informationen versucht man dann, eine solche Anlage möglichst originalgetreu nachzubauen. Dazu verwendet man die nachgebauten Werkzeuge und die Techniken, die man aus den unterschiedlichen Quellen rekonstruiert hat. Man schaut dann, ob das, was man sich in der Theorie überlegt, in der Realität überhaupt funktioniert. Spannend ist nämlich dass das, was man sich am grünen Tisch überlegt hat, in der Wirklichkeit oft gar nicht funktioniert. In diesem Fall muss man einfach probieren um herauszufinden, wie es am besten gehen könnte. Und dann sucht man wieder nach Quellen bzw. wertet vorhandene Quellen unter diesem Aspekt neu aus um herauszufinden ob die Methode, die heute in der Praxis funktioniert, auch früher schon angewandt wurde. Antwort zu "Woher weiß man, mit welchen Methoden und Werkzeugen früher gebaut wurde?" lesen »
Verbundene Medien
Wie unterscheiden Archäologen zwischen keltischen und germanischen Überresten? (04.11.2011)
Diese Frage hat Archäologen über 200 Jahre beschäftigt. Es gibt eine Kultur, die wir als keltisch bezeichnen und insbesondere mit der Latène-Kultur verbinden. Die hat sehr typische Hinterlassenschaften: Fibelformen, also Gewandschließen, Schmuck und Keramik, die wir als keltisch ansprechen. Natürlich gibt es auch im germanischen Kulturkreis entsprechende Keramiken, Metallschmuckteile, Werkzeuge, Waffen usw., die wir relativ gut einer bestimmten Epoche und vielleicht sogar einem Stamm zuordnen können. [...] Antwort zu "Wie unterscheiden Archäologen zwischen keltischen und germanischen Überresten?" lesen »
Verbundene Medien
Welchen Zeitraum deckt die Archäologie ab? (04.11.2011)
In der Archäologie geht es um die Geschichte des Menschen. Es beginnt mit den frühesten Menschenformen und geht bis in die heutige Zeit. So haben wir inzwischen längst die Industriearchäologie, eine Archäologie des Zweiten Weltkriegs, eine Archäologie des Kalten Krieges – die ist weniger bei uns in Deutschland, aber in Großbritannien, Frankreich und den USA überaus populär. Archäologie kann bis in die allerjüngste Vergangenheit hineinreichen. [...] Antwort zu "Welchen Zeitraum deckt die Archäologie ab?" lesen »
Verbundene Medien
Was ist Archäologie? (04.11.2011)
Ein Archäologe beschäftigt sich mit der Geschichte des Menschen durch seine materielle Hinterlassenschaft. Alles, was vom Menschen gemacht, beeinflusst, gestaltet wird, erzählt uns etwas darüber, wie der Mensch früher gelebt hat. Wie er mit seiner Umwelt interagiert hat, wie er seine Landschaft gestaltet hat. [...] Antwort zu "Was ist Archäologie?" lesen »
Verbundene Medien
Statt Papier gibt es heute vor allem digitale Datenträger. Bleiben die erhalten? (03.11.2011)
Nein. Eine DVD hat eine Lebenszeit von höchstens 30 Jahren. Wir alle haben zu Hause wahrscheinlich alte CDs, die nicht mehr funktionieren und Disketten, die wir nicht mehr lesen können. Mit anderen Worten: Die Mesopotamier, die ihre Nachrichten auf Tontäfelchen gedrückt und anschließend gebrannt haben, können wir heute noch finden und lesen. [...] Antwort zu "Statt Papier gibt es heute vor allem digitale Datenträger. Bleiben die erhalten?" lesen »
Verbundene Medien
Was werden die Archäologen der Zukunft von uns ausgraben? (03.11.2011)
Was von uns in großem Maßstab übrigbleiben wird ist Kunststoff. Alles was aus Plastik ist, verrottet so gut wie nicht und es wird davon viel übrigbleiben. Ebenso bleibt Glas, auch Metall. Eisen wird größtenteils verrosten, aber Metallteile wie z. B. Rest von Autos oder Flugzeugen werden übrigbleiben. Von den Straßen wird ein bisschen übrigbleiben, aber nicht allzu viel. Grundrisse und Grundmauern werden erhalten bleiben wie man sie heute auch bei Ausgrabungen vergangener Kulturen findet. [...] Antwort zu "Was werden die Archäologen der Zukunft von uns ausgraben?" lesen »





























































.