Friedrich Heinemann

Dr. Friedrich Heinemann leitet den Forschungsbereich `Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft´ am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW) in Mannheim. Er hat Volkswirtschaftslehre und Geschichte an der Universität Münster, der London School of Economics und der Universität Mannheim studiert. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der empirischen Finanzwissenschaften, insbesondere auf folgenden Gebieten: Europäische Union und europäische Integration, Föderalismus in Deutschland und Europa, Determinanten von Reformprozessen und Steuerpolitik und Steuerwettbewerb.

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Antworten von Friedrich Heinemann

Wie wissenschaftlich sind die Wirtschaftswissenschaften? (03.06.2009)

Korrekt ist, dass es verschiedene Lehrmeinungen gibt, was wahrscheinlich in allen Disziplinen der Fall ist. Es gibt aber doch einen sehr großen Konsens unter Ökonomen, das wird manchmal in den Medien ein bisschen verzerrt dargestellt. Wenn Sie mal an eine Podiumsdiskussion denken, an eine Talkshow – da setzt man immer gerne zwei polarisierende Köpfe daneben. Da fordert der eine dann ganz viel Staat und Intervention, und der andere ist der radikale Marktwirtschaftler. Dann ist die Wahrnehmung, dass die meilenweit auseinander liegen und völlig zerstritten sind. [...] Antwort zu "Wie wissenschaftlich sind die Wirtschaftswissenschaften?" lesen »

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Haben Banken Narrenfreiheit? Macht es Sinn, Banken milliardenschwer zu unterstützen? (03.06.2009)

Ja, also die Narrenfreiheit, die kann ich in der Tat auch nicht verstehen und man hat hier auch zu leichtsinnig Banken gewähren lassen. Aber zum zweiten Teil der Frage: Warum muss man sie unterstützen? Da bin ich dezidiert der Meinung, das war richtig. Die Politik hat da keine Wahl Banken zu unterstützen. Warum? Banken sind keine Unternehmen wie andere Unternehmen. Banken versorgen die Wirtschaft mit Geld und Krediten. Ein Unternehmen kann in Konkurs gehen, wenn eine eine Bank, die in Konkurs geht - wir haben das in Berlin und einmal in den USA durchexerziert - dann hat das verheerende Folgen: Wenn eine große Bank in Konkurs geht, dann sendet das Schockwellen über den ganzen Globus über diese verbundenen Banken. Banken würden dann zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. [...] Antwort zu "Haben Banken Narrenfreiheit? Macht es Sinn, Banken milliardenschwer zu unterstützen?" lesen »

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Ist es möglich, weitere Finanz- und Wirtschaftkrisen schon im Vorfeld zu verhindern? (03.06.2009)

Wir haben über einige Konsequenzen schon kurz geredet, wir brauchen dringend eine verbesserte Aufsicht der Banken. Stichwort: Ratingagenturen, Stichwort: Eigenkapitalvorschriften, dass einfach das Finanzsystem stabilisiert ist. Aber ich möchte noch einen anderen Gedanken formulieren. Das größte Problem über diese aufsichtsregelnden Details ist eine gewisse historische Vergesslichkeit. Dass man sich nämlich eigentlich in der Gegenwart nicht mehr vorstellen kann, dass noch mal so eine schwere Krise wie es sie irgendwann damals 1929 gegeben hat kommen könnte. Und hier liegt das große Problem und ich bin auch nicht optimistisch, dass wir für alle Zeiten solche Krisen ausschalten können. Sie werden in gewissen Abständen kommen. [...] Antwort zu "Ist es möglich, weitere Finanz- und Wirtschaftkrisen schon im Vorfeld zu verhindern?" lesen »

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Können Volkswirtschaften immer weiter wachsen? Oder gibt es Grenzen des Wachstums? (03.06.2009)

Das ist eine spannende Grundsatzdiskussion, die bereits seit den 1970er-Jahren geführt wird. Nicht umsonst kommt diese Diskussion immer auf, wenn wir Krisen erleben. Damals, bei der ersten Ölkrise, kam die ja auch auf – gibt es nicht Grenzen des Wachstums? Im Grunde hat diese Diskussion viel bewirkt, sodass man heute nicht mehr nur undifferenziert von Wachstum redet, sondern von nachhaltigem Wachstum – also ein Wachstum, das möglich ist, selbst wenn man die begrenzten Ressourcen berücksichtigt, das begrenzte Vorkommen von Öl usw. Man ist sich heute einig, dass es sehr wohl ein dauerhaftes, nachhaltiges Wachstum geben kann. Antwort zu "Können Volkswirtschaften immer weiter wachsen? Oder gibt es Grenzen des Wachstums?" lesen »

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Wie baut der Staat den Schuldenberg ab? (02.06.2009)

Kann unser Staat oder die Eurozone ohne Inflation, ohne Währungsreform, ohne Zwangsanleihen usw. den Schuldenberg abbauen? Zur Frage der Verantwortung: Sie haben ganz richtig darauf hingewiesen, dass die Krise ihren Ausgang in Amerika genommen hat. Sie haben kritisch die Idee beleuchtet, dass jeder sein Haus haben soll. Aber es wird in Fachkreisen zum Beispiel auch kritisch diskutiert, dass die Geldpolitik der Ära Greenspan sehr aggressiv immer nur Wachstum gefördert und dadurch den Geldmengenumlauf sehr stark erhöht hat. So konnten sich die spekulativen Blasen überhaupt erst aufbauen. Aber es wäre einseitig, die Schuld nur nach Amerika zu schieben, denn man muss ja fragen – selbst wenn die Krise dort ihren Ausgang nahm – warum konnte sie andere Länder so stark treffen? [...] Antwort zu "Wie baut der Staat den Schuldenberg ab?" lesen »

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Wieviel Schulden kann ein Staat machen? (02.06.2009)

Momentan haben wir 1.612 Milliarden Euro Staatsverschuldung. Wie viel Schulden kann ein Staat machen? Wann ist das Ende erreicht? Diese Zahlen klingen erst mal astronomisch und furchteinflößend und sind auch ernst zu nehmen. Aber natürlich muss man diese Zahlen auch immer in Beziehung setzen zu der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes. Das deutsche Sozialprodukt liegt etwa bei 2.500 Milliarden Euro, sodass der Schuldenstand von 1.600 zum deutschen Sozialprodukt etwa bei einer Größenordnung von 65 bis 70 Prozent liegt – Tendenz steigend. Wo ist das Ende erreicht? Man kann es nicht genau sagen. Wir können international vergleichen und ich sage Ihnen jetzt eine Zahl, die Sie vielleicht erschrecken wird: Die japanische Staatsverschuldung liegt in Relation zum japanischen Sozialprodukt schon bei etwa 200 Prozent. So gesehen hätten wir also noch einen weiten Weg, aber so weit darf es nie kommen. Das wäre auch viel zu riskant. Das relativiert jedoch das Problem ein Stück weit. Solange die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands stark ist und Deutschland in den nächsten Jahren hoffentlich auch wieder wächst besteht die Hoffnung, dass Deutschland aus der Verschuldung herauswächst. [...] Antwort zu "Wieviel Schulden kann ein Staat machen?" lesen »

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Woher kommt das Geld, das der Bund den Banken zur Verfügung stellt? (02.06.2009)

Sie sprechen den wunden Punkt dieser ganzen Krise an: Wir haben uns gerade lobend über die Handlungsfähigkeit der Politik geäußert, aber die wird natürlich durch einen starken Anstieg der Staatsverschuldung erkauft. Das Geld, welches jetzt mobilisiert wird, wird nicht durch Steuereinnahmen gedeckt, sondern aus Verschuldungen. Sie fragen ganz konkret: Wo kommt das her? Das ist eine wichtige Frage. Gelddruckmaschine? Nein! Zum Glück nicht. Wir haben in Europa eine strikte Trennung zwischen den Finanzministern und der Europäischen Zentralbank. Im Vertrag von Maastricht steht eindeutig drin, dass die Europäische Zentralbank den Finanzministern keinen Euro Kredit geben darf. Die Finanzministerien, der Bund müssen sich dieses Geld am Kapitalmarkt holen. Wie macht er das? Indem er Anleihen vergibt – die berühmten Schatzbriefe, die Bundesobligationen, die Bundesanleihen. Und diese Wertpapiere genießen nach wie vor eine hohe Attraktivität, und viele Anleger kaufen diese direkt. [...] Antwort zu "Woher kommt das Geld, das der Bund den Banken zur Verfügung stellt?" lesen »

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Wäre ein verstärkter Optimismus bei der Krisenbewältigung nicht hilfreich? (02.06.2009)

Ich bin im Jahr auf einem halben Dutzend Hauptversammlungen, und da hört man unisono immer dasselbe: "Wir haben hervorragende Produkte in der Pipeline. Und wir werden auch gestärkt aus der Krise hervorgehen, bloß muss bei den Kunden erst mal diese Schockstarre weg sein, denn der beste Lieferant kann doch keine Geschäfte machen, wenn der Kunde mit der Auftragsvergabe zögert." Ich würde einfach mal dafür plädieren - gleichzeitig ist dies auch meine Frage und ein Plädoyer - dass man doch mal auf Optimismus machen sollte, dass man diese Phase doch durchsteht und dann als leistungsfähige deutsche Wirtschaft im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz gestärkt daraus hervorgeht. Ja, das ist so ein wichtiger Appell, und der ist natürlich irgendwo zwiespältig, gerade, wenn er auch an Experten gerichtet wird. Denn Experten müssen ja aufpassen. Sie haben Recht, sie dürfen einerseits nicht zu viel Pessimismus verbreiten, weil der sich selber erfüllt. [...] Antwort zu "Wäre ein verstärkter Optimismus bei der Krisenbewältigung nicht hilfreich?" lesen »

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Wird es eine Neuordnung der Aufsicht des Finanzwesens geben? (02.06.2009)

Man beschäftigt sich ja jetzt mit der Finanzkrise und vor allem auch mit deren Auswirkungen. Aber was die Ursachen angeht, um festzustellen, wer für das alles eigentlich verantwortlich ist und entsprechend die Zukunftsweichen zu stellen, kurz - was also die Finanzaufsicht angeht - da vermisse ich bisher Antworten oder die Richtung. Wir haben ja vermutlich einige Defizite in der deutschen Bundesfinanzaufsicht für das Finanzwesen. Wir haben Ratingagenturen in den USA, wir haben die SEC. Meine Frage ist die: Gibt es denn überhaupt Pläne oder Ansätze, dass diese Aufsicht des Finanzwesens neu geordnet wird und vielleicht die Monopolstellung der amerikanischen Ratingagenturen aufgeweicht wird? Ja, da schwingt auch viel Kritik mit am bisherigen Vorgehen. Herr Heinemann, was meinen Sie dazu? Ja, das ist eine berechtigte Frage. Man kann der Politik ja keine Untätigkeit vorwerfen, was das kurzfristige Krisenmanagment anbelangt. Das waren enorm schnelle Reaktionen. Wir haben in Deutschland Rekorde bei der Gesetzgebung erlebt, 10 Tage vom Gesetzentwurf bis zur Unterschrift des Bundespräsidenten. Aber Ihre Frage zielt jetzt wirklich in eine richtige Richtung: Wie kann man Sorge dafür tragen, dass sich solche Krisen von der Ursache, von der Entstehung her gar nicht mehr erst so entwickeln können? [...] Antwort zu "Wird es eine Neuordnung der Aufsicht des Finanzwesens geben?" lesen »

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Sind nur die Löhne von der wachsenden Einkommensungleichheit betroffen? (02.06.2009)

Im Rahmen der Krise wird jetzt auch häufig über die auseinandertriftende Einkommensschere gesprochen. Meine Frage ist daher erstens: Um welche Einkommen handelt es sich, sind es nur die Löhne? Und zweitens: Warum ist das so? Wir haben seit einigen Jahren eine Debatte um wachsende Einkommensungleichheit in Deutschland. Sie haben erst mal recht, man muss fragen, welche Einkommen sind betroffen? Es geht schon umfassend um alle Einkommen, die einem Haushalt zur Verfügung stehen, Lohneinkommen, Kapitaleinkommen, auch Transfers, also Rentenzahlung, Kindergeld andere Sozialtransfers. [...] Antwort zu "Sind nur die Löhne von der wachsenden Einkommensungleichheit betroffen?" lesen »

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