Kann man Gewaltverbrecher durch das Einpflanzen von elektronischen Chips von weiteren Taten abhalten?

von Thomas Metzinger am 01.12.2010, Kommentar hinzufügen

Es gibt drei Interessengruppen: 1. Zukünftige Opfer müssen zuverlässig geschützt werden. 2. Die Interessen der Allgemeinheit müssen gewahrt werden bezüglich der Kosten und des tatsächlichen Nutzens durch die forensische Neurotechnologie. 3. Die Interessen des Täters bzw. des potenziellen Täters müssen gewahrt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich dabei auch um jemanden handeln kann, der in der genetischen Lotterie einfach nur Pech gehabt hat. Für solche Personen ist es vielleicht interessant, wenn sie pharmakologisch oder durch ein Implantat kontrolliert  als Freigänger eine höhere Lebensqualität haben.
Möglicherweise könnte man die Gesamtmenge des Leidens tatsächlich verringern. Wenn man dieses Ziel erreichen kann, wäre es durchaus vernünftig, wenn man solche neuen Technologien auch in diesem juristischen Feld einsetzen würde.
Ich gebe aber als Laie zu bedenken: Das Problem bei all diesen Möglichkeiten ist, dass man es irgendwann erstmals probieren muss und nicht genau weiß, wie es ausgehen wird. Das ist wie bei den ersten Herztransplantationen. Man weiß nicht, ob es Nachinfektionen durch ein solches Implantat gibt oder sich die Leute nach anderthalb Jahren psychisch unwohl fühlen mit der Vorstellung, einen Chip im Gehirn zu haben.
Auf keinen Fall darf es passieren, dass Strafgefangene indirekt zu Versuchskaninchen werden, weil man ihnen die Option anbietet, um die Risiken zu klären. Es darf nicht zu dem Angebot kommen, mit einem Implantat im Gehirn Freigänger werden zu können. Die Frage ist daher immer, wer das Risiko dieser ersten Schritte in den ersten 20 bis 30 Jahren trägt bei denen man nicht weiß, wie das auf Dauer ausgeht.

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Thomas Metzinger am 01.12.2010 in Hirnforschung, Psychologie, Stichworte: , , , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „Kann man Gewaltverbrecher durch das Einpflanzen von elektronischen Chips von weiteren Taten abhalten?“

Noch sind keine Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.